13.04.2013 2. Dark Munich Festival

26 Runden musikalischer Marathon

Im letzten Jahr erlebte das Dark Munich Festival sein Debüt und damals war klar, es würde definitiv ein zweites geben, das aber größer und noch besser werden würde. Die Veranstalter hatten sich viel vorgenommen und gespannt verfolgte man das stetige Wachsen des Line-ups. Am Ende standen 26 Bands auf der Liste, die an drei verschiedenen Orten auftreten sollten. Die Garage, Theaterfabrik und die Tonhalle im Bereich der Optimolwerke liegen nur wenige Meter auseinander, sodass alles bequem zu erreichen war.

Pünktlich um 12.30 Uhr starteten Bodystyler in den Festivaltag. Sie ersetzten Wort-Ton, die leider kurzfristig absagen mussten. Im Gegensatz zum letzten Jahr hatten sich bereits zahlreiche „schwarze“ Menschen vor der Theaterfabrik eingefunden, sie wollten von Anfang an dabei sein und keine Band verpassen. Für einen Startact ist es keine einfache Aufgabe, das Publikum zu locken und gleich in vollste Partystimmung zu versetzen, doch die Electroklänge verfehlten nicht ihre Wirkung, sodass man tatsächlich schon ein paar tanzende Beine sehen konnte.

In der Tonhalle startete das Programm mit Mundtot. Die jungen Münchner zeigten sich rockig und melancholisch, leider war es für ihren Auftritt ein bisschen zu früh, denn es herrschte fast gähnende Leere vor der Bühne. Schade, weil sie ein sehr gutes Konzert gaben.

Bei Coma Divine sah es hingegen gleich wieder ganz anders aus. Sonja schaffte es, die Zuhörer zu verzaubern, zu begeistern und holte endlich die  Stimmung ins Publikum.  Eindrucksvoll und in starken Posen stand sie auf der Bühne,  sang mal emotinonal dann wieder mit kraftvollen Tönen. Sehr abwechslungsreich !

Die erste Band an diesem Tag, die einen etwas weiteren Anfahrtsweg hatten, waren Spark! aus Schweden. Die zwei Künstler der Gruppe hatten gute Laune, strahlten und lachten auf der Bühne. Ihr unverwechselbarer Old-School-Sound kam sehr gut an, die ersten Reihen vor der Bühne tanzten und jubelten, und für mich waren die Jungs ein positive Neuentdeckung. Der Wechsel von rhythmisch-melodischen Klängen hin zu rockigen gelingt ihnen sehr gut und hält immer eine Überraschung bereit.

Die Lokalmatadore Eisenfunk schien keiner verpassen zu wollen, hier war das Gedränge in der Theaterfabrik sehr groß, doch jeder fand sein Plätzchen, um bei den Beats Arme und Beine in die Luft zu werfen. Die Stimmung war der Wahnsinn und spiegelte sich auch in den Gesichtern der Band wider. Sie gaben alles auf der Bühne, nutzten die Fläche zum Springen und Anfeuern. Die Zeit schien wie im Fluge zu vergehen, so schnell sie da waren, mussten sie auch schon wieder gehen. Das Publikum feierte den starken Auftritt.


Genauso stark waren auch FGFC820 aus New York in der Tonhalle. Sie hatten sich zwei hübsche Tänzerinnen mit auf die Bühne geholt, um der Musik noch mehr Ausdruck zu geben. Mit vollster Leidenschaft unterstützten die zwei Mädels die Band. Sänger Rexx überzeugte mit kräftiger Stimme und ausdrucksstarker Haltung und Dominanz.

Dennis Schober zog mit seinen Solitary Experiments-Mitgliedern zahlreiche Fans in die Theaterfabrik. Der Klang war bestens, die Stimmung super. Ich habe die Band an diesem Tag das erste Mal live erleben dürfen und es hat sich absolut gelohnt, hier ein paar Lieder länger zu bleiben. Der Gesang weckte in mir Erinnerungen an die Zeit, in der De Vision, Blind Passengers und Co mich in die Szene einführten. Pures Gänsehautfeeling!


In Victus ist das neue Projekt der Ex-Mitglieder von Schelmisch, musikalisch sind sie sich aber treu geblieben. Die Tonhalle kam nun in den Genuss von Dudelsack, Flöten und Trommeln. Der Veranstalter wollte einfach für jeden Geschmack etwas bieten. Trotzdem fand ich die Band etwas fehl am Platz, sie erreichten einfach nicht das Level der Künstler vor ihnen und konnten die Zuhörer auch nicht wirklich animieren, mitzugehen. Sie jubelten zwar, aber es fehlte insgesamt die Begeisterung.
Zur gleichen Zeit gab es handfeste achtziger Jahre Gothic Rock- und Punkmusik in der Garage zu hören. Skeletal Family aus England konnten mit ihrem originalem und originellem Liedgut überzeugen und hatten die Garage für 40 Minuten voll unter ihrer Kontrolle.

Eine weitere großartige Band gab es anschließend in der Theaterfabrik. Rabia Sorda ist ein Nebenprojekt des Sängers der Band Hocico. Und Erk katte richtig Spaß und genug Energie für diesen Auftritt mitgebracht. Stimme hart und rauchig, stark genug um gegen die Drums anzukommen. Und die Jungs kamen nicht nur bei mir gut an, viele lobten die Band und fanden die 45 Minuten eigentlich zu kurz. Aber es warteten ja noch einigen Gruppen in den Backstage-Räumen auf ihre Gigs.


Nach vielen elektronischen Klängen wurde es Zeit für Gitarrenriffs und Rock. Aus Italien hatten sich die Dope Stars Inc. auf den Weg nach München gemacht. Am Auffälligsten auf der Bühne: Gitarrist La Nuit. Er wirbelte durch die Gegend, schnitt Grimassen, streckte dem Publikum die Zunge raus, animierte mit Klatschen, stürzte sich auf die Knie und spielte sein Instrument halb im Liegen. Ein absoluter Hingucker und die Fans fielen ins Klatschen und Tanzen mit ein. Für die Band ein erfolgreicher Abend, sie haben sicherlich ein paar neue Fans hinzugewonnen.
Dass die mittelalterlichen Klänge nicht komplett fehl am Platz waren, bewiesen Tanzwut. Sie zeigten, dass man auch mit Dudelsack und elektronischen Takten tanzbare Musik machen kann. Das Licht leider etwas zu düster, die Strobos zu stark und ab und an sah man von der Band gar keinen, weil sie in einem regelrechten Nebelmeer verschwanden. Musikalisch und stimmlich gab es nichts auszusetzen, schließlich gibt es die Truppe ja nicht erst seit gestern. Sie wählten die bekanntesten Lieder, mit denen sie nichts falsch machen konnten, und die fantastische Stimmung nach den Dope Stars blieb erhalten.

Es wurde fast ein wenig eng in der Theaterfabrik als Funker Vogt die Bühne betraten. Zunächst schien das Publikum etwas schläfrig, reagierte nicht gleich auf die zwei Funker. Doch das änderte sich recht schnell, als die ersten Töne erklangen. Im Publikum flogen die Arme und Beine, die ersten Reihen feierten und jubelten. Die Atmosphäre war sehr locker und frei, selbst als Sänger Jens ihnen den Mittelfänger entgegenstreckte. Ansonsten schienen sie aber sehr gute Laune zu haben. Immer wieder warfen sie sich untereinander ein Lachen zu.


Die erste und, soweit ich mitbekommen habe, auch die einzige technische Panne widerfuhr der Band KMFDM. Die Mitglieder hatten bereits auf der Bühne Stellung bezogen, als nach ein paar Sekunden der Sound komplett ausfiel. Von Hektik war aber keine Spur zu sehen. Die Techniker bemühten sich, schnellstmöglich das Problem aus der Welt zu schaffen. Das hatten sie auch recht zügig geschafft und das Programm konnte nun endlich starten. An den Synthesizern gab Lucia eine sehr dominante und gute Figur ab. Die männlichen Blicke hatte sich garantiert für sich gewonnen, in ihrem kurzen roten Lackhöschen. Sänger Sascha wirkte gelassen und professionell. Die harten Rhythmen wurden auch hier wieder durch schnelle Lichtwechsel noch extremer und perfekter. Auch ein Auftritt, der leider viel zu kurz war und ruhig noch hätte länger dauern können.

Umbra et Imago sind bekannt für eine tolle und sehr spezielle Bühnenshow und somit scharrten die Fotografen am Grabeneingang schon mit den Füßen. Düster, aber mit viel Witz und Charme hauchten Mozart und seine Kollegen ihren Liedern mit starker Mimik und Gestik Leben ein. Madeleine wirkte an Mozarts Seite anmutig und schön wie immer und gab mit ihren hohen Tonlagen dem Ganzen noch das gewisse Extra.Während des Auftrittes wechselte sie natürlich öfters die Kleidung und zeigte dem Publikum mal mehr oder mal weniger Haut. Im Hintergrund hatte sich ein Maler seine Staffelei und eine Leinwand aufgebaut. Man konnte gespannt zusehen, wie leidenschaftlich der Pinsel geschwungen wurde und das Motiv immer mehr Ähnlichkeit zu Madeleine annahm. Eine tolle Idee der Band.
Wer zu Solar Fake wollte, der hätte sich schon frühzeitig in die Garage begeben sollen, denn kurz nach Beginn des Auftrittes schien das kleine Lokal aus allen Nähten zu platzen. Da ging gar nichts mehr. Und wer einmal drin war, der rührte sich nicht mehr von seinem Platz, da man wusste: Geh ich jetzt raus, komme ich bei der Schlange nicht so schnell wieder rein. Schade, dass Sven in den kleinen Club verfrachtet wurde, so ging er leider ein wenig unter und auch sein stimmliches Talent konnte sich nicht vollständig entfalten.
Der Festivaltag neigte sich nun allmählich dem Ende entgegen. Drei Bands hatten die Veranstalter noch zurückgehalten. Die letzten in der Tonhalle sollten Blutengel sein. Einige Stimmen vorab gaben zu verstehen, dass man sich diese Band locker hätte sparen können, aber das sahen die Anwesenden dann wohl doch anders. Die Halle war sehr gut gefüllt, bis in den hinteren Teil hatten sich die Fans und Zuschauer verteilt und warteten neugierig. Ein finsteres Intro in kaltem blauen Licht holte die Mitglieder auf die Bühne. Gewohnt elegant betrat Chris die Bühne, seine Ausstrahlung und Stimme zog mich gleich in den Bann. Er versteht es, sein Publikum zu faszinieren und vielleicht auch ein bisschen zu hypnotisieren. Ulrike Goldmann überzeugte ebenso, mit klaren, weichen Tönen, die ihr keine Anstrengung bereiteten. Die passende Geschichte zu den Texten erzählten die drei Tänzerinnen, die sehr stark waren und ihre Show hervorragend umsetzten. Ich glaube, es kam sehr gut an bei der Gemeinde, jedenfalls bekamen Blutengel jede Menge Applaus.

In der Theaterfabrik bekamen die Gäste nochmal die komplette Electroladung von der dänischen Band Leather Strip. Dieses Projekt besteht bereits seit den achtziger Jahren und jeder, der an diesem Abend noch anwesend war, kam in den Genuss der jahrzehntelanger Erfahrung. Selbst nach so langer Zeit ist Claus Larson der Musik nicht müde geworden und schafft es immer noch, die Anhänger in Trance zu versetzen.
Ein letztes und heiß umworbenes Highlight gab es noch in der Garage für diejenigen, die wirklich bis zum bitteren Ende durchgehalten haben, war das sicherlich das I-Tüpfelchen. Auf SPECTRA*paris musste man lange warten, aber das Beste kommt immer zum Schluss! Ein wenig eng war es und nach den ganzen Stunden auch ein wenig stickig, aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. Das Publikum genoss den letzten Act des Abends.

Fazit: Die Presse und die Szene hatten nach diversen Ankündigungen und bei dem Line-up viel erwartet. Meiner Meinung nach war dieses Festival perfekt organisiert. Es war genügend Zeit, um die Locations zu wechseln, auch wenn für den einen oder anderen der Fußweg zwischen Tonhalle und Theaterfabrik zu umständlich war. Aber frische Luft macht wieder wach und fit. Der Auf-und Abbau auf den Bühnen erfolgte schnell und absolut professionell, es kam zu keiner Zeitverzögerung, alle Bands betraten pünktlich die Bühne. Bisschen umständlich war der Kauf der Getränke, da man in jeder Lokalität anderen Pfand bezahlen musste, konnte man sein Glas oder Becher nur wieder dort abgeben, wo man sie ursprünglich gekauft hatte. Schade auch, dass einige Autogrammstunden ausgefallen sind, doch wenn das Managment diverser Bands dem Veranstalter einfach einen Strich durch die Rechnung macht, können diese die Situation nicht mehr retten. So musste sich die lange Blutengel-Fans-Schlange wieder auflösen. Auch was Merch und Verköstigung angeht hatten sie sich dieses Jahr wesentlich mehr einfallen lassen und die gebotenen Stände kamen gut an, für jeden war sicherlich etwas dabei. Die Leute waren alle super nett und gut gelaunt. Die Security war sehr höflich und entgegenkommend. Mir hat der Tag sehr viel Spaß gemacht, ich habe großartige Bands gesehen, ein paar neue Highlights für mich entdeckt und auch viele Bekannte getroffen. Eine große Familie, die ausgelassen feierte. Ich kann nur ein großes Danke an die Veranstalter richten, die das letzte Jahr sicherlich sehr viel gearbeitet haben, um dieses Dark Munich Festival auf die Beine zu stellen. Und vielen Dank auch an die Bands, die weite Wege auf sich genommen haben, um mit den Münchnern zu feiern. Bitte nächstes Jahr wieder und so wie ich euch kenne, wird es wieder so großartig und fantastisch. Meine Erwartungen und Vorstellungen wurden übertroffen!

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Vollständige Galerien findet ihr unter folgenden Seiten:

Peter Seidel – Metalspotter.de

Steffi Schaaf – Fanni Pics

Helge Roewer – HR-Pictures

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