„Old is not dead!“

Das schöne Wetter muss ausgenutzt werden, wenn es abends schon mal so warm ist, dass man kurzärmlig draußen stehen kann. Anscheinend denken die meisten Besucher des Konzerts so, denn im Werk ist es erschreckend leer. Ob die Vorband Gankino Circus darauf wartet, dass sich mehr Publikum einfindet und deswegen erheblich später als angekündigt die Bühne betritt?

Da sind sie, vier junge Männer aus Dietenhofen, Franken. Sie stehen auf der Bühne, legen los und gewinnengankino-circus-06sb schnell die Zuschauer für sich. Es ist auch schwer, da nicht mitzufeiern und sich zu bewegen, wenn das Quintett absolut tanzbare Musik zum Besten gibt, selbst über die Bühne springt, grinst und immer schneller wird. Obwohl es bei den ersten Songs noch recht leer ist, ist die Stimmung gut, und bald strömen Neugierige herein, gesellen sich dazu und schunkeln und tanzen eifrig mit. Immer wieder stellen sich Gankino Circus vor, vor allem der Drummer wird mehrfach erwähnt – und das vollkommen zu Recht. Er drischt auf das Instrument ein, dass einem bereits vom Zuschauen die Arme lahm werden, und wird nicht müde, für einen guten Beat zu sorgen. Eine schweißtreibende Glanzleistung, die er da hinlegt. Eine Gitarre spielt mal schnell und wild, mal ruhig und gelassen, dazu ertönt Gesang, Deutsch, Englisch, egal, denn beides klingt gut und wird hervorragend transportiert. Saxofon und Klarinette wechseln sich ab, ich meine, auch eine Oboe gesehen zu haben, bevor der Instrumentalist hinter einem Vorhang verschwindet und schließlich mit einem Tusch erscheint und eine kurze Steppperformance darbietet. Das Steppen selbst habe er in Irland gelernt, gibt sein Kollege an. Auch das Akkordeon spielt immer wieder fleißig bekannte und unbekannte Melodien, die mitreißen und für Stimmung sorgen. Der Applaus wird lauter, und nun scheint auch so manchem aufzufallen, dass Gankino Circus bereits im vergangenen Jahr der Menge einheizten, bevor die Rentner aus Finnland die Bühne betraten.
Den Dietenhofenern ist nichts zu schwierig oder zu abgefahren: Sie spielen ein Rolling-Stones-Cover, ein altes Heimatlied, und im nächsten Atemzug muss Traumschwiegersohn Florian Silbereisen dran glauben, weil das Schlagerpublikum in München ja recht groß sei.
Es ist ein toller Auftritt, nur leider viel zu kurz.

In der Umbaupause schallt als Kontrastprogramm Elvis aus den Lautsprechern. Wieder heißt es Warten, und es dauert scheinbar endlos lange, bis das bekannte Intro ertönt und die Finnen auf die Bühne hopsen. Einer nach dem anderen nimmt seinen Platz ein, grinst ins volle Werk, winkt, jubelt. Da stehen Männer auf der Bühne, die älter sind als der Publikumsdurchschnitt und doch fitter erscheinen als so manch Anwesender. Das wiederum kann am deutlich steigenden Alkoholpegel liegen, denn eines ist klar: Humppa und Alkohol gehören zusammen! Und schnell geht es auch los: Die ersten Reihen hüpfen munter auf und ab, tanzen, schubsen sich herum und sind ziemlich ausgelassen. Bald schon schwappt die gute Laune auch auf die hinteren Reihen über, und nicht zuletzt Onni Waris ist es zu verdanken, dass bald nahezu alle Anwesenden fröhlich die Arme gen Hallendecke recken und winken, schunkeln oder klatschen.
elaekelaeiset-20sbDas Quintett ist gut drauf und vermittelt den Spaß deutlich. Sie begießen den Auftritt mit Wein, hauen in die Tasten, auf die Drums oder die Saiten und singen abwechselnd ihre Hits. Die Ansagen sind gemischt auf Deutsch und Finnisch, aber auch wenn man sie nicht versteht, die Zuschauer sind begeistert. Das Werk kocht geradezu, es ist warm, die meisten bewegen sich zu den schnellen, ausgelassenen Rhythmen, singen sogar die ein oder andere Textzeile mit. Oftmals ertönt das bekannte „Humppa!“.
Dass Eläkeläiset Cover-Versionen zum Besten geben, fällt vorerst kaum auf, wenn man die Band nicht kennt. Die Grundmelodie ist ohnehin immer dieselbe und rockt lustig und wild durch das Werk. Mir scheint es, als würde immer nur ein Instrument den Sound des Coversongs wiedergeben, oder eben mal der Gesang. Da ist Pulps „Disco 2000“ dabei oder „This Boots Are Made For Walking”. Man kann mitsingen, das Original, das Cover, egal. Irgendwas bringt man raus, und im Grunde geht es sowieso nur um den Spaß, das Rumgezappel und das “Humppa!”
Onni macht sich schließlich mit seiner Mandoline auf den Weg durch das Publikum, setzt sich neben Fans, tanzt mit einer Gruppe, grinst, lacht, macht Party.
Die Herren sind ohne jegliche Starallüren, total normal und wie die netten Kumpels von nebenan, mit denen man feiern, singen und saufen kann – genau das, was an diesem Abend auch im Werk geschieht.
Eläkeläiset kann man nicht beschreiben. Sie sind einfach, wie sie sind, und machen, was sie eben so machen. Ihr Stil ist einzigartig und ihr Elan unvergleichlich. Es ist ein tolles und mitreißendes Konzert, das mich trotz aller Skepsis, die ich zu Beginn verspürte, vollkommen überzeugt.
Nach knapp einer Stunde ist es erst mal vorbei, aber zu Ende ist das Konzert noch lange nicht, und so kommen die Finnen wieder auf die Bühne, begrüßen das Publikum, nehmen Platz und starten, als würde ihr Auftritt erst jetzt beginnen, mit dem ersten Lied des Abends.

Ein toller Abend, der wirklich Spaß gemacht hat. Zwei Bands, die herrlich verrückt und gleichzeitig normal sind und für beste Stimmung sorgen können.

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