Merry Christmas – Weihnachten auf der Insel

Unsere britischen Nachbarn haben ja generell den Ruf, etwas exzentrisch zu sein und merkwürdige Bräuche zu haben („Heißes Wasser mit Milch?“). Man mag das überzogen oder liebenswürdig finden, aber in jedem Fall ist es einen Blick über den Tellerrand wert, um mal zu sehen, was die Briten zu Weihnachten so treiben. Wir für unseren Teil haben ja erstaunlich viele anglophile Blogger, daher hier das kleine ABC der britischen Weihnachten:

A – Auld Lang Syne
… zugegeben, nicht Weihnachten sondern Neujahr: Das nachdenkliche Lied, das sinngemäß mit „längst vergangene Zeit“ übersetzt werden kann, wird zum Jahreswechsel angestimmt. In der deutschen Version heißt es „Nehmt Abschied, Brüder“.

B – Boxing Day
… Der zweite Weihnachtsfeiertag. Der Name rührt vermutlich von den Boxes, also Geschenkschachteln, her, die Diener und Arbeitnehmer früher von ihren Bossen zu Weihnachten bekamen. Eine andere Herkunft könnten die boxes sein, in denen früher Jungs an diesem Tag durch die Straßen gingen und Geld sammelten.

C – Carol Singers
… stehen an vielen Straßenecken und gehen oft auch Weihnachtslieder-schmetternd und Spenden-sammelnd von Haus zu Haus. Neben dem guten Zweck verbreiten sie ganz wunderbare weihnachtliche Stimmung (evtl. ein Link zu Love Actually, die Szene?)

D – Doctor Who Christmas Special
… Auch wenn man kein Sci-Fi-Geek ist, am Christmas Day, dem 25.12., versammeln sich Britische Familien, um dem zeitreisenden Helden der kultigen Serie dabei zuzusehen, wie er alljährlich Weihnachten und die Welt rettet.
Aber auch andere Serien wie Downton Abbey bringen jährlich ihre Christmas Specials heraus, die im UK großen Anklang finden.

E – Evergreens
… Die Engländer dekorieren an Weihnachten traditionell mit Stechpalmen, Efeu, und Misteln, den immergrünen Pflanzen, die selbst an Weihnachten ihre kräftigen Farben nicht verlieren. Die Stechpalme wird von den Engländern auch „Holly“ genannt, der Efeu heißt auf Englisch „Ivy“. Beide werden im Carol „The Holly and the Ivy“ zu einem musikalischen Weihnachtskranz verflochten.

F – Father Christmas
… der englische Name für den Weihnachtsmann (in seltenen Fällen auch „Santa Claus“), der an Weihnachten durch den Kamin kommt und mit Köstlichkeiten in Form von Mincepies und Sherry bestochen wird. Wenn er diese verputzt hat, hinterlässt er seine Geschenke in den Socken (siehe S – Stockings) am Kamin.

G – Grinch
… ist zwar eine Figur des amerikanischen Autors Dr. Seuss, aber Weihnachtsmuffel gibt es eben überall auf der Welt. Wie man damit umgeht, seht ihr unter Z.

H – Hogfather
…, oder zu Deutsch „Schweinsgalopp“, ist ein Roman des englischen Autors Terry Pratchett, der schaurige Weihnachten verspricht. Der Schneevater ist verschwunden und seinerstatt wirft sich TOD höchstpersönlich in den roten Samtmantel, um zu gewährleisten, dass am nächsten Tag die Sonne wieder aufgeht. Wenn ihr Fans von abstrakten und kreativen Geschichten seid, können wir euch den Roman und die Verfilmung nur wärmstens zur Weihnachtszeit empfehlen!

I – I’m dreaming …
… of a White Christmas? Naja, bis auf die Gebirge in Wales und Schottland ist Weihnachten in Großbritannien wohl eher grün. Aber man darf ja noch träumen.

J – Jamie Oliver
… der berühmte quirlige englische Fernsehkoch hat auch an Weihnachten ein paar leckere Rezepte parat. So zum Beispiel Turkey Wellington, Roast Chicken und Christmas-Cake. Garantiert englisch! 

K – Knallbonbons
… Die sogenannten „Christmas Crackers“ werden von den Engländern traditionell auf die Weihnachtstafel gelegt und dann zur Festivität zum Platzen gebracht, indem man an beiden Enden zieht. In den Knallbonbons finden sich zum Beispiel Papierkronen, kleine Spielzeuge, Sprüche (vor allem sehr flache Witze) und andere nette Kleinigkeiten.

L – London
… und warum man es an Weihnachten vermeiden sollte: Nicht nur sind Oxford und Regent Street so voll, dass man sich nicht mehr umdrehen kann, noch dazu lehren uns zahlreiche Folgen von Doctor Who, dass es sehr gefährlich ist, an Weihnachten in London zu sein: Da laufen Weihnachtsmänner Amok, Aliens wollen die Weltherrschaft an sich reißen und es kann schon mal passieren, dass die Titanic fast auf den Buckingham Palace stürzt.

M – Mincepies
Diese süß-saure Blätterteig-Leckerei wird oft für den Weihnachtsmann zusammen und mit einem Glas Sherry bereitgestellt. Ein Rezept dazu findet ihr zum Beispiel hier: essen-und-trinken.de

N – Night before Christmas
… ist ein englisches Weihnachtsgedicht, das dort wahrscheinlich jedes Kind aufsagen kann. Es handelt vom Besuch des Weihnachtsmannes in der Weihnachtsnacht und beginnt mit den Zeilen „Twas the night before Christmas // when all through the house // not a creature was stirring // not even a mouse.“

O – Oh Tannenbaum!
… Der Tannenbaum, ein ursprünglich deutscher Brauch, ist seit dem 19. Jahrhundert auch in England populär. Er kam durch den deutschen Prinzgemahl Albert der britischen Königin Victoria (1837 – 1901) als Brauchtum auf die Insel. Der Baum wird in England sehr auffällig geschmückt und fügt sich so in die restliche, meist überschwängliche Weihnachtsdekoration nahtlos ein.
Von unserem Weihnachtslied „Oh Tannenbaum“ gibt es sogar die englische Version „Oh Christmas Tree“.

P – Pudding
… oder auch Plum bzw. Christmas Pudding, ist die klassische Nachspeise der Engländer nach dem Weihnachtsessen. Er ist kein Pudding wie wir ihn kennen, sondern ein klebrig süßer, unheimlich schwerer Früchtekuchen. Er wird warm und mit einem Klacks Vanilleeis, Sahne oder Brandy-Butter serviert und enthält ungefähr drölfzigtausend Kalorien.

Q – Queen’s Christmas Message
… (auch: Christmas Message). Eine Tradition, die 1932 von König George V. begonnen wurde. Am Christmas Day wird eine Rede des Monarchen in Fernsehen, Radio und Internet in alle Länder des Commonwealth ausgestrahlt. Ein Must-See – wie die Neujahrsansprache des Bundeskanzlers in Deutschland.

R – Reime und Rätsel
… werden von der „Mari Lwyd“ (auch: „Grey Mary“) zum Neujahr vorwiegend an den Türen des walisischen Teils des vereinigten Königreichs vorgetragen. Mari Lwyd ist eine weiße Gestalt mit Pferdeschädel, die meist durch eine Konstruktion aus Besenstiel, Pferdekopf und Bettlaken imitiert wird. Begleitet wird Mari Lwyd von einer Gruppe junger Männer. Wer die Rätsel nicht beantworten oder die Verse nicht erwidern kann, muss die ganze Truppe mit Speis und Trank (wohl insbesondere der alkoholischen Sorte) bewirten.

S – Stockings
… sind lange, oft kunstvoll oder lustig gestaltete Strümpfe, die am Christmas Eve an den Kamin (oder in Ermangelung dessen auch irgendwo anders hin) gehängt werden. In der Nacht werden sie von Father Christmas – oder moderner Santa Claus – mit allerhand Leckereien und Geschenken gefüllt.

T – Twelve Days of Christmas
… eine sehr alte englische Tradition, die bereits im Mittelalter begangen wurde. Die zwölf Tage der Weihnachtszeit beginnen am 25.12. und enden – je nach Interpretation – am 5. oder 6. Januar und sollen der Geburt Christi mit vielen Festivitäten und kleinen Geschenken gedenken.

U – Unter dem Mistelzweig
… Die Mistel ist ein rundlich wachsendes Sandelholzgewächs, das als Halbschmarotzer auf Bäumen und Sträuchern zu finden ist und meist im Herbst gut sichtbar wird, wenn die Bäume ihre Blätter verlieren. Der dekorativ an der Decke oder über Türen platzierte Mistelzweig symbolisiert Hoffnung und Friede. Steht man zu zweit unter dem Mistelzweig, ist dies eine Aufforderung, sich zu küssen.

V – Venison
… Wild ist in vielen britischen Familien ein Bestandteil des Weihnachtsessens, so wie bei uns die klassische Gans. Es kann aber auch ein Truthahn, oder ein Huhn als Roast-Turkey oder Roast-Chicken auf den britischen Weihnachtstisch kommen.

W – Weihnachtspost
… ist für die Engländer ein wichtiger Bestandteil der Feierlichkeiten. Jahr für Jahr werden mehr als eine Milliarde Weihnachtskarten verschickt. Diese werden bei den Briten dann auf dem Kamin platziert oder an Schnüren aufgehängt.

X – X-rated Movies
… Laut Google Trends hat sich seit 2005 eine erschütternde Entwicklung durchgesetzt: Die Anzahl der Suchanfragen für „Christmas“ fällt unter den kontinuierlichen Aufwärtstrend der Suchanfragen für „Porn“. Wer genau hinsieht, erkennt auch, dass immer zur Weihnachtszeit auch der Pornotrend eine deutliche Spitze hat …
merry-x-rated-christmas

Y – Yuletide
…, ein alter Name des Weihnachtsfestes. In vielen Carols kann man diesen Begriff noch hören.

Z – Zum Schluss
… möchten wir euch noch einen guten Rat, gepaart mit ein wenig britischem Humor, mit auf den Weg geben:

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Merry Christmas wünschen euch Ruby, naela und enchi!

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