Albrecht Dürer

Albrecht Dürer, Nürnberg.bayern-online.de

Albrecht Dürer, Nürnberg.bayern-online.de

Albrecht Dürer ist ein deutscher Künstler, der zur Zeit der Renaissance lebte und wirkte. Er ist mir schon so manches Mal in der Alten Pinakothek und in Zeitschriften begegnet. Angeregt und unterstützt durch das Buch „Albrecht Dürer – Genie zwischen Mittelalter und Neuzeit“ von Anna Schiener und durch die neuesten Eindrücke aus meinem Besuch in der Alten Pinakothek, versuche ich hier einen Blick auf sein Leben zu werfen:

Die Familie Dürer stammt ursprünglich aus Ungarn. Der Sohn von Barbara Holper und Albrecht Dürer erhält nach seiner Geburt am 21. Mai 1471 den Vornamen seines Vaters, der seit 1444 in Nürnberg als Goldschmied arbeitet. Er wird einige Jahre zur Schule geschickt, um Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen und entwickelte sich zu einem geselligen, fröhlichen, offenen und ehrgeizigen Kind.

1483 beginnt der junge Albrecht seine Ausbildung als Goldschmied bei seinem Vater. Elementarer Bestandteil des Unterrichts ist das Abzeichnen. Mit einem Silberstift porträtiert er sich als Dreizehnjähriger. Dies ist das älteste erhaltene Werk Albrecht Dürers. Sein Vater erkennt und fördert das Talent des Sohnes. Albrechts großer Wunsch ist es, Maler zu werden. Sein Vater schickt ihn am 30. November 1486 zu Michael Wolgemut in die Lehre. Er entwickelt ein besonderes Talent als Zeichner. Unter anderem porträtiert er seine Mutter und seinen Vater.

Nach dem Ende seiner Lehre im Jahre 1490 beginnt Albrecht Dürer eine Wanderschaft. Es ist unter anderem bekannt, dass er nach Colmar ging, weil er Martin Schongauer, der zu seinen Vorbildern gehört, treffen will. Allerdings ist dieser bei Dürers Ankunft bereits verstorben, aber dessen Brüder zeigen Albrecht das Hinterlassene. Er studiert die Werke und kopiert Darstellungen.

Heilige Familie von Martin Schongauer, Alte Pinakothek

1494 kehrt der Nürnberger in seine Heimat zurück. In der Zwischenzeit hat sein Vater die Hochzeit seines Sohnes organisiert. Am 7. Juli heiratet er Agnes Frey. In der darauffolgenden Zeit baut sich Albrecht in Nürnberg eine eigene Werkstatt auf.
Zwischen 1494 und 1495 entsteht der Kupferstich „Heilige Familie mit der Libelle“, der erstmals Dürers Initialen trägt. Den Kopisten soll damit das Handwerk gelegt werden.

Der Künstler begibt sich 1496 auf seine erste Reise nach Venedig. Dort beschäftigt er sich besonders mit Giovanni Bellini. Dies bewirkt die Abwendung von der spätmittelalterlichen Darstellungsweise in seinen Werken. Danach erhält Dürer einen Auftrag von Kurfürst Friedrich III. von Sachsen, der ein Porträt in Auftrag gibt. Diese Arbeit hat zur Folge, dass er endlich auch in seiner Heimatstadt als Künstler anerkannt wird.

Im Jahr 1497 engagiert Albrecht Dürer Agenten für den Verkauf seiner Werke auf dem internationalen Markt. Daraufhin verbreitet sich sein Bekanntheitsgrad in kürzester Zeit.
Zwischen 1497 und 1498 entsteht der erste ausgestaltete Altar des Künstlers, der „Paumgartner Altar“.

Paumgartner Altar, Alte Pinakothek

Paumgartner Altar, Alte Pinakothek

Den Holzschnitt hat er sich für seine nächste Serie „Apokalypse“ (oder „Die geheimen Offenbarungen des Johannes“) ausgesucht. Die Darstellungen sind mit Bibeltexten in lateinischer und deutscher Sprache versehen und werden von Dürer im Eigenverlag herausgegeben. Die „Vier apokalyptischen Reiter“ sind die berühmteste Abbildung aus dieser Reihe. Zur gleichen Zeit beginnt Albrecht auch seine Arbeiten für die „Große Passion“, die in Buchform entsteht.

Das „Selbstbildnis im Pelzrock“, das man heute in der Alten Pinakothek in München besichtigen kann, entsteht im Jahre 1500 durch seine geschickte Hand und bestimmt auch gute Beobachtungsgabe:

In den Folgejahren beschäftigt sich Dürer mit dem Studium der Proportionen. Hieraus entsteht “Adam und Eva“ in technisch hochwertiger Form. Dies ist die erste in Deutschland publizierte Proportionsstudie eines Mannes und einer Frau. Und darauf widmet der Künstler sich einem neuen Fach der Kunst: den Naturstudien. Der „Junge Feldhase“, „Das Käuzchen“ und das „Große Rasenstück“ kenne ich von Postkarten und bin begeistert von seiner Darstellungsweise, auch der vielen kleinen Einzelheiten.

Im Herbst 1505 begibt sich Albrecht auf seine zweite Reise nach Italien. Dort erteilt ihm die Rosenkranzbruderschaft den Auftrag für das „Rosenkranzfest“. Im rechten Hintergrund sieht man auch den Künstler selbst. Bellini und die italienischen Maler loben ihn dafür. Im Februar 1507 erreicht der Künstler wieder Nürnberg. Weitere Gemäldeaufträge erwarten ihn: die „Marter der Zehntausend“, der „Heller-Altar“ und die Ausstattung der Landauerkapelle. Diese großen Werke verlangen auch mehr Arbeitskräfte, so dass Dürer Gesellen einstellen muss, die vorher kaum benötigt wurden.
Am 14. Juni 1509 kauft er das heutige Dürer-Haus und wird in den Großen Rat (Ehrenamt) von Nürnberg berufen.

Albrecht Dürer veröffentlicht 1511 die „Drei Großen Bücher“ als Holzschnitt. Er erhält ein Privileg von Kaiser Maximilian für dieses Werk, dass niemand diese Bilder nachdrucken oder Drucke innerhalb der Grenzen des Reichs verkaufen darf. Dieses Werk wird zu seinem erfolgreichsten und nach seinem Tod immer wieder aufgelegt. Außerdem erscheint die „Kleine Passion“. Mit 37 Holzschnitten ist dies seine ausführlichste Graphikreihe.

Zwischen 1512 und 1519 vergibt Kaiser Maximilian I. mehrere Aufträge an Dürer, unter anderem auch für das „Gebetbuch Maximilian I.“ und möchte, dass er sich auch an der „Ehrenpforte“ beteiligt. Bei dem Riesenholzschnitt kümmert sich Dürer wohl um Teile des ornamentalen Schmucks, die obere Partie der Mittelpforte und um einige Herrscherstatuen und Historienbilder. An dem „Triumphwagen“ wirkt Albrecht im Auftrag des Herrschers ebenso mit. Die Bezahlung für diese Werke ist schleppend und wird durch ein „Leibgeding“ des Kaisers ausgeglichen. Diese jährliche Leibrente in Höhe von 100 Gulden muss aus der Nürnberger Stadtsteuer aufgebracht werden.

Der Maler erhält 1513 von der Reichsstadt Nürnberg 85 Gulden für die „Kaiserbilder“, die die fast lebensgroßen Porträts Kaiser Karls des Großen und Kaiser Sigismunds zeigen. Die folgenden Jahre entstehen weitere wichtige Werke in Kupferstechtechnik: „Ritter, Tod und Teufel“, „Hieronymus im Gehäus“ und „Melancholia I“.

Über Umwege erreicht Albrecht Dürer 1515 die Zeichnung „Rhinocerus“, die er daraufhin als Vorlage für einen Holzschnitt nimmt. Ein Porträt Maximilian I. ist 1519 (nach dessen Tod) fertiggestellt. Dies ist das erste großformatige Holzschnittporträt der Kunstgeschichte.

Im Juli 1520 begibt sich Dürer mit seiner Frau in die Niederlande. Antwerpen bereitet ihm einen großen und freundlichen Empfang. Auch hier arbeitet er, mitunter porträtiert Albrecht seine Frau Agnes immer wieder.

Ein Jahr später renoviert Dürer das Nürnberger Rathaus und vor allem den großen Rathaussaal, weil die Stadtväter mit einem Besuch des neuen Kaisers Karl V. rechnen. Leider ist von diesen Malereien nichts mehr erhalten.

Albrecht hält die Darstellung der Passion und das Porträt für die nobelste Aufgabe der Kunst, er möchte in seinen Arbeiten die ganze Persönlichkeit erfassen. Dies kann er im Kupferstichporträt entwickeln. Als erster möchte Albrecht von Brandenburg ein derartiges Bild von sich. Es folgen Porträts von seinem Freund Willibald Pirckheimer, Philipp Melanchthon, dem engsten Mitarbeiter Luthers, und Erasmus von Rotterdam.

1526 schenkt der Künstler seiner Vaterstadt zwei großformatige Tafeln: St. Petrus und St. Johannes, St. Paulus und St. Markus. Diese Bezeichnung ist richtiger als die “Vier Apostel”, da Markus ein Evangelist und kein Apostel ist. Auch dieses Bild kann man in der Alten Pinakothek in München finden:

Paumgartner Altar, Alte Pinakothek München

Albrecht Dürer hat sich auch als Autor versucht: Seine „Familienchronik“ ist die erste Künstlerautobiographie, die erstellt wurde. Die „Proportionslehre“ hat ihn auch theoretisch interessiert. Das Erscheinen seines Buches hierzu hat er nicht mehr erlebt. Der vielseitige „Handwerker“ hat auch ein Buch zum Thema „Lehrbuch der Malerei“ begonnen, aber leider niemals abgeschlossen. 1525 veröffentlicht er eine Art Lehrbuch der angewandten Geometrie für bildende Künstler und Kunsthandwerker. Zwischen 1532 und 1535 wurde dieses Buch in lateinischer Sprache herausgegeben und fand damit eine weite Verbreitung, im Gegensatz zum Original. 1527 erscheint eine Anweisung zum Festungsbau: „Etliche vnderricht zu befestigung der Stett, Schloß vnd Flecken“. Der Autor skizzierte riesige Festungsanlagen.

Am 6. April 1528 stirbt der große deutsche Maler und Grafiker der Renaissance wohl an Austrocknung, eine genauere Angabe ist nicht vorhanden. Am Ende seines Lebens zählt er zu den 100 wohlhabendsten Bürgern Nürnbergs.

Albrecht Dürer verstand es, Kunstwerke im Bereich des Holzschnitts, des Kupferstichs und der Malerei erstehen zu lassen. Zu finden sind diese mittlerweile auch in Berlin, Bremen, Karlsruhe, Schweinfurt, Weimar, Wien, Paris, Prag, Madrid, Oxford und Washington.

Dieses Jahr kann man einen persönlichen Blick auf Dürer in der Ausstellung vom 24. Mai bis 02. September 2012 in Nürnberg werfen: Der frühe Dürer – Die große Dürer-Ausstellung in Nürnberg.
Der Weg in die Alte Pinakothek in München ist auch sehr zu empfehlen, denn nicht nur das Selbstporträt Dürers aus dem Jahre 1500 ist dort zu sehen, sondern auch einige andere seiner Werke.

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