Headbanging with tears in my eyes
bleed stammen aus dem texanischen Dallas und haben ihre erste EP Somebody’s closer in Eigenregie rein digital veröffentlicht. Dennoch haben sie damit einiges an Aufsehen erregt und sind schließlich bei 20 Buck Spin gelandet, wo ihr selbstbetiteltes Debütalbum Bleed kürzlich erschienen ist. Die Band besteht aus Sänger und Gitarrist Ryan Hughes, Bassist Adam Ackermann, Drummer Carson Wilcox und den Gitarristen Noah Boyce und Rubio N., der außerdem das Programming übernimmt. Ein kurzes Anskippen hat mich spontan überzeugt.
Der Opener “Climbing down” bewegt sich im Nu Metal und wird teilweise von Scratch-Geräuschen einer Schallplatte begleitet. Der epische Gesang sorgt dafür, dass allzu heftige Gewaltausbrüche ausbleiben. Das bleibt auch bei “Fixate” so, wobei die Stimme schon fast ins Hymnenhafte übergeht. Gleichzeitig mischt sich Melancholie in den Sound. Das groovige “Through the cylinder” lädt nun doch zum Kopfschütteln ein, die Melodie aber zum Mitsingen. Dies ist wirklich ein Dilemma, weil beides in der Kombination irgendwie nicht möglich ist. Auch “Killing time” behält diesen Stil bei, jedoch sorgen aus dem Death Core entlehnte Growl-Parts für willkommene Abwechslung. Auch “Marathon” spielt in der härteren Gangart, lässt aber dennoch Raum für Gefühle. Headbanging with tears in my eyes.
“Cynical” schaltet schließlich einen Gang zurück von Metal zu Rock, aber auch das steht bleed gut zu Gesicht. Außerdem fällt der Kontrast zu “Enjoy your stay” umso deutlicher aus, bei dem Olli Appleyard von Static Dress zusätzliche Screamo-Parts beisteuert. Das sind die Momente, die mir besonders gut gefallen. “Slip” hingegen besticht mit einem progressiven Drum-Stil, dem die anderen hart metallisch zuarbeiten. Ein Song, bei dem sich näher zuhören lohnt. Im Anschluss wartet “Shallow” mit sehr überraschenden orientalischen Elementen auf, die mich spontan an Entsprechendes von Loreena McKennitt erinnern. Stilistisch fällt es daher etwas aus dem Rahmen, ist aber dennoch ebenso gut gemacht wie der Rest. Dafür knallen die harten Riffs von “Take it out” im Kontrast umso mehr. Der Gesang bleibt jedoch dem epischen Element treu, und so werde ich am Ende mit melancholischen Gefühlen zurückgelassen.
Fazit: bleed machen auf ihrem selbstbetitelten Debüt Bleed einen eigenständigen Alternative Post Metal mit 90er Jahre Flair, der zwar auch Elemente aus Nu Metal und Death Core aufweist, im Gegensatz dazu aber nicht auf Gewalt und Geschrei um jeden Preis setzt, ganz im Gegenteil. Eine traurige Note schwingt immer mit. Die Songs sind sehr gut strukturiert und zwischen Härte und Melodie perfekt ausgewogen, der tollen Singstimme von Ryan Hughes sei Dank. Das Album hat auf mich eine ähnliche Wirkung wie damals das Debüt Ten von Pearl Jam, auch wenn es musikalisch natürlich ganz anders ist. Aber dieses hymnenhafte finde ich hier eben wieder, ähnlich auch wie bei Chester Bennington von Linkin Park.
Ein klein wenig mehr Geschrei und Abwechslung generell hätte ich mir noch gewünscht, aber sei’s drum. Jetzt heißt es schnell sein, um bleed noch im kleinen Rahmen erleben zu können, denn ich sehe bleed vor meinem geistigen Auge bereits auf den ganz großen Bühnen.

Anspieltipps: Through the cylinder, Enjoy your stay (ft. Static Dress)
bleed: Bleed
20 Bucket Spin, Vö. 02.05.2025
MP3 7,77$, Tape 11,99 $, LP 26,99 $ erhältlich über Bandcamp
Links:
https://www.instagram.com/bleed.214/?hl=de
https://bleed214.bandcamp.com/album/somebodys-closer
https://20buckspin.bandcamp.com/
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https://www.instagram.com/20buckspinlabel/
Tracklist:
01 Climbing down
02 Fixate
03 Through the cylinder
04 Killing time
05 Marathon
06 Cynical
07 Enjoy your stay (ft. Static Dress)
08 Slip
09 Shallow
10 Take it out
(775)
