Texas strikes again
Als Pandemie Band erst 2020 im texanischen Longview gegründet, erscheint bereits 2020 das Debüt The nine choirs von Tribal Gaze bei Maggot Stomp. Im Folge der Live-Aktivitäten wird Nuclear Blast auf Sänger McKenna Holland, Bassist Zachary Denton, Gitarrist Ian Kilmer, Gitarrist Quintin Stauts (vorher an den Drums) und den neuen Drummer Cesar De Los Santos aufmerksam. Bereits im Oktober letzten Jahres ist dort das Nachfolgealbum Inveighing brilliance erschienen.
Wildes Drumming, ein Schrei, so nimmt der Wahnsinn mit “Smiling from their chariots” seinen Lauf. Fühlt mensch sich zuerst überfahren, schält sich dennoch eine rhythmische Struktur heraus. Der Gesang wechselt dabei zwischen urzeitlichem tiefen Grunzen und wütendem Keifen, was mir gut gefällt. Bei “Beyond recognition” kommt zu Beginn eine interessante psychedelische Komponente hinzu, bevor der Song zwischen Raserei und groovig schleppendem Mid-Tempo changiert. In “Emptying the nest” hingegen drücken die Drums beständig nach vorne, flankiert von rhythmischen Riffs und dem fast gebellartigen Gesang. Ein echter Nackenschwinger. “Guarding the illusion” legt dabei sogar noch eins drauf mit teils maschinengewehrschnellen Drumming und klassischem gutturalen Geröhre. Nun setzt sich “To the spoils of faith” mit latenten Hardcore-Elementen im Mid-Tempo fest und lässt mehr Raum für die Stimme, die hier eindeutig im Vordergrund steht.
“Ruling in a land with no God” geht wieder brutal nach vorne, und im rhythmisch gegurgelten Gesang kann ich noch deutlicher den metallischen Hardcore in Richtung Hatebreed ausmachen, der wunderbar mit dem Death Metal zusammengeht. Dagegen ist “The irreversible sequence” wieder ein reiner Hassbatzen mit tief geknurrten Lyrics. Der folgende Titeltrack “Inveighing brilliance” entpuppt sich als kurzes Instrumentalzwischenstück mit jauligen Gitarren und Drumgeknüppel. Daran schließt sich “Draped in piercing radiance” zunächst an und geht schließlich in wuchtige Riffs über, zu denen es schwer fällt, den Kopf ruhig zu halten. Das ist bei “Lord of blasphemy” nicht anders, das in ähnlichem Fahrwasser schwimmt. Das Album endet schließlich als Hidden Track in einem dreiminütigen Drumsolo, das mir persönlich einfach zu lang ist. Dass Cesar trommeln kann hat er längst auf Albumlänge bewiesen. Es wirkt eher so, als wäre da noch etwas Aufnahmezeit, die unbedingt irgendwie genutzt werden sollte. Aber das lässt sich ja skippen.
Fazit: Old School Death Metal gibt es wie Sand am Meer, selbst wenn man nur Texas betrachtet. Sich da als junge Band hervorzutun ist schwer, und wirklich neu erfinden die Jungs das Rad nicht. Was bei mir aber die Aufmerksamkeit auf Inveighing brilliance von Tribal Gaze lenkt ist der Hardcore-Anteil, der unterschwellig stets vorhanden ist. Mit Songlängen unter vier und teils sogar unter zwei Minuten bleiben Tribal Gaze im Rahmen der immer kürzer werdenden Aufmerksamkeitsspanne, und die Stimmungs- und Tempiwechsel innerhalb der Songs lassen ohnehin keine Langeweile aufkommen. Ob das jetzt positiv ist oder eine kompositorische Schwachstelle ist wohl Geschmackssache. Sowohl für alte Fans von Morbid Angel und Obituary als auch für neue Fans von 200 Stab Wounds.
Anspieltipps: Beyond recognition, Ruling in a land with no God

Tribal Gaze: Inveighing brilliance
Nuclear Blast, Vö. 17.10.2025
MP3 10,00 $ erhältlich über Bandcamp
Vinyl farbig 38,99 € erhältlich über Nuclear Blast Records
Links:
https://www.facebook.com/TribalGazeTX/
https://www.instagram.com/tribalgazetx
https://www.nuclearblast.com/de
Tracklist:
01 Smiling from their chariots
02 Beyond recognition
03 Emptying the nest
04 Guarding the illusion
05 To the spoils of faith
06 Ruling in a land with no God
07 The irreversible sequence
08 Inveighing brilliance
09 Draped in piercing radiance
10 Lord of blasphemy
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