Nur nicht klecksen!
Wer noch mit Füller (damals gab es nur Geha und Pelikan) aufgewachsen ist, mit der Variante „Tinte aus dem Fass aufziehen“ oder „Patronen einsetzen“, weiß, was ein Kugelschreiber – Kuli – für eine nicht klecksende Erleichterung sein kann.
Dazu wurde er nämlich 1953 von einem Ungarn namens Bíró erfunden, als Alternative zum Füllfederhalter. Er erlebte schnell eine große Beliebtheit. Er kleckste nicht, er schrieb schön flüssig, machte schöne satte Linien, außerdem musste man ihn nicht anspitzen, wie den Bleistift. Heute sind Kugelschreiber trotz fortschreitender Digitalisierung nicht mehr wegzudenken. In der Kunst aber kommt er alles in allem relativ selten zum Einsatz, denn eine große Herausforderung ist, dass er sich nicht mehr wegradieren lässt. Dennoch arbeiteten ab den 1960ern einige Künstler ganz bewusst mit dem Kugelschreiber, um die Lücke zwischen Kunst und Gesellschaft zu schließen, die Kunst stärker ans Leben anzubinden.
Die Ausstellung im Neuen Museum Nürnberg spannt einen weiten Bogen, was Künstler*innen, Schaffenszeit und Themen anbelangt:
Alighiero Boetti (1940–1994), Werner Knaupp (*1936 in Nürnberg), Friedrich Neubauer (1912–2004) mit seinen Stadtansichten, und jüngere Darstellungen mit Ambra Durante (*2000 in Genua), Nadine Fecht (*1976 in Mannheim), Peter König (*1953 in Nürnberg) und Thomas Müller (*1959 in Frankfurt am Main).
Aus einer Not heraus begann Werner Knaupp 1967 auf einer Reise mit viel Regen auf den Lofoten mit dem Kugelschreiber zu arbeiten. Unzählige feine Striche über- und nebeneinander werden zu plastischen Formen. Motive sind die extremen Landschaften, die er bereist, Wüsten, Vulkane. Steht man davor, kann man an menschliche Körperformen denken.
Ambra Durantes Zeichnungen wirken wie kleine Erzählungen:
Thomas Müller zaubert Tausende von blauen Kugelschreiberlinien aufs Blatt, leicht verschoben und überlagert, und sie erwecken den Eindruck eines echten blauen flatternden Seidenschals.
Die Ausstellung in drei Räumen ist der Beitrag des Neuen Museums zur 8. Biennale der Zeichnung (20. März – 27. April 2025). Überraschend anders, sehr sehenswert!
Kulikunst
Neues Museum Nürnberg
Kunst und Design
Klarissenplatz, Nürnberg
von 21.03.2025 bis 31.08.2025
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr
Donnerstag: 10 bis 20 Uhr
Eintrittspreise:
Ausstellung und Sammlung 7 Euro, ermäßigt 6 Euro
Sonntag Sammlung 1 Euro
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren frei
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