A Shrine to Failure – zwei Menschen, zwei Städte, eine gemeinsame Liebe für Geschichten, Klänge und dem, was sich im Unausgesprochenen verbirgt – das, was oft erst unter der Oberfläche sichtbar wird. Das Duo hört dorthin, wo etwas zerbricht, wo Scheitern nicht Endpunkt, sondern Ausgangspunkt ist. Brüche werden zu Geschichten, Klang wird zur Reflexion. Ein Sound, der einen von Anfang an packt, Musik, die tief berührt – in ihren „Dystopian Post-Pop“-Songs begegnen wir Erzählungen, die mehr andeuten als erklären, und Atmosphären, die mehr (Räume) öffnen als begrenzen.

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Im Interview erzählen A Shrine to Failure von ihrer Entstehungsgeschichte, Themen, die sie bewegen, ihrem Debütalbum undone , das am 13. Juni erscheint, und darüber, warum Musik manchmal mehr Raum bietet als Sprache.

Wer verbirgt sich hinter A Shrine to Failure?
Wir sind ein Duo, eine lebt in London, der andere in der Nähe von Frankfurt am Main. Unser Name hat sich mit der Musik entwickelt. Er ist uns beim Schreiben begegnet, ein Ort, an dem man dem Scheitern nicht ausweicht, sondern es betrachtet und daran wächst. Unsere Songs entstehen aus diesem Blick heraus.

Wie habt ihr euch kennengelernt?
Wir haben uns beim Spielen von „Vampire: The Masquerade“ kennengelernt und tun das bis heute. Was als gemeinsames Erzählen dunkler Geschichten begann, ist irgendwann Musik geworden. Eigentlich erzählen wir immer noch Geschichten. Nur anders.

Wie ist euer Projekt entstanden?
Wir sind ein DIY-Heimstudio-Projekt. Es begann mit der gemeinsamen Liebe zur Musik und mit dem Wunsch, einfach auszuprobieren, was passiert. Wir haben angefangen zu experimentieren, mit Ideen, mit Sounds, mit Texten. Irgendwann wurde ein Gebilde daraus.

Was verbindet euch?
Eine bestimmte Art, auf die Welt zu schauen und gerne zu erzählen.

Was sind eure ersten musikalischen Erinnerungen?
Wir sind beide in den 80ern aufgewachsen und mussten sofort lachen, als wir darüber gesprochen haben: Klaus Lage und Jennifer Rush.

Woher kommen euer Interesse und die Faszination für Musik?
Schwer zu sagen. Vielleicht, weil Musik Dinge sagen kann, für die Worte nicht reichen. Manchmal malt sie – ganz ohne Sprache – etwas in Gedanken und Emotionen. Und sie erlaubt uns, zu verschwinden und gleichzeitig mehr da zu sein als sonst irgendwo.

Was ist Klang für euch?
Etwas, das zwischen dem Offensichtlichen liegt. Klang ist Atmosphäre. Raum, der sich plötzlich öffnet.

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Beschreibt euren Sound mal außerhalb aller Genre-Schubladen. Wie klingt eure Musik?
Das ist unheimlich schwer für uns, wahrscheinlich, weil so viele Einflüsse auf uns eingewirkt haben. Wir haben deshalb eine eigene Schublade aufgemacht: Dystopian Post-Pop. Das fühlt sich für uns richtig an. Düster, melodisch, kaputt und trotzdem irgendwie zugänglich.

Welchen Einfluss hat eure Umgebung auf eure Musik? Aus welcher Stimmung heraus ergeben sich für euch die besten Musikstücke?
Tatsächlich hat unsere direkte Umgebung eher wenig Einfluss. Es sind eher das Weltgeschehen, bestimmte Schicksale und persönliche Erfahrungen, die etwas in Bewegung setzen. Wenn wir behaupten würden, dass unsere Musik aus düsterer Stimmung oder reiner Melancholie entsteht, wäre das gelogen. Wir sind eigentlich beide ziemlich fröhlich. Vielleicht ist genau das der Punkt: Die Musik ist für uns ein Raum, in dem wir Dinge verarbeiten, die außerhalb von uns passieren und die in Klängen und Stimmung besser aufgehoben sind als in Worten.

Was sind für euch thematische Inspirationen, die sich auch in euren Texten niederschlagen?
Schicksale. Zerfall. Utopien, die zu Ruinen wurden und manchmal das, was daraus wieder erwächst. Uns interessieren Brüche, der steinige Weg. Es geht selten um das Offensichtliche, eher um das, was nachklingt. Wir wünschen uns, dass unsere Hörer*innen die Lücken, die wir lassen, mit eigenen Erfahrungen, Narben, Gedanken und Schicksalen füllen.

Erzählt uns ein wenig über euer Debüt-Album „undone“, das ihr Mitte Juni veröffentlichen werdet. Wie war der Weg von der ersten Idee bis zum fertigen Album? Wie haben sich die Songs während dieser Zeit entwickelt? Gab es besondere Momente, die euch und eure Kreativität herausgefordert haben?
Wir wollen hier nicht komplett klischeehaft klingen, undone war kein Plan, sondern ein Prozess. Am Anfang standen nur einzelne Ideen, lose Gedanken, Sounds, Fragmente. Vieles davon war gar nicht „für irgendwas“ gedacht. Aber irgendwann hat sich etwas zusammengefügt, und es hat sich gut angefühlt. Der schwierigste Moment war wahrscheinlich zu akzeptieren, dass es nicht um Perfektion geht, sondern darum, das Unfertige zuzulassen. Vielleicht ist undone genau deshalb das geworden, was es ist.

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Welche künstlerischen Einflüsse außerhalb der Musik haben eure Herangehensweise an eure Musik beeinflusst?
Alles, was Atmosphäre schafft, ohne gleich alles zu erklären. Wir mögen Geschichten, die offen bleiben, und Bilder, in denen man sich verlieren kann.

Wenn ihr einen Film auswählen und eure Musik als Soundtrack einfügen könntet – welcher Film wäre das?
Wahrscheinlich irgendwas zwischen Trainspotting, Near Dark und Blade Runner. Etwas Dreckiges, Verlorenes, ein Film über Menschen am Rand, in einer dystopischen Umgebung.

In welcher Beziehung steht und/oder repräsentiert der visuelle Aspekt eure Musik?
Das Visuelle ist für uns kein Beiwerk, wir möchten damit Atmosphäre aufbauen. Wenn der visuelle Aspekt das ausbaut, was zwischen den Zeilen liegt, dann fühlt es sich richtig an. Vielleicht hilft er dabei, die Geschichte anzustoßen, die sich beim Hören bildet, um ein persönlicheres Bild in den Gedanken zu malen.

Was sind eure Pläne? Worauf freut ihr euch am meisten?
Gerade freuen wir uns einfach darauf, dass undone rauskommt und gehört wird.
Alles andere lassen wir offen. Wenn daraus etwas wächst, was Menschen berührt oder sie für einen Moment begleitet, ist das schon mehr, als wir planen könnten.

Das Debüt-Album undone erscheint am 13. Juni 2025  (hier zu r Bandcamp-Seite).

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1 Kommentar
  1. Millus
    Millus sagte:

    Bin echt gespannt und freu mich auf Undone.
    Super Sound und schön dark.

    Gutes Interview und guter Einstieg.

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