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Band der Woche: Band-Maid

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Quelle: Band-Maid Facebook

 

„Egal was du tust, es gibt bestimmt einen Japaner oder eine Japanerin, der oder die es besser kann.“ Das ist ein altes Sprichwort, das manch einer vielleicht als etwas rassistisch und zu stereotypisch ablehnen möchte. Ich finde, es ist eine Hommage an die Disziplin und den Perfektionismus, den unsere Freunde aus Nihon für so vieles aufbringen. So auch fünf Mädels aus Tokio, die mit immer größer werdenden Schritten daran gehen, mit ihrem Rock und ihrem Charme die Welt zu erobern. „Okaerinasaimase Goshujinsama Ojousama!“ („Willkommen Meister und Prinzessinnen!“), so nennen Band-Maid ihre Fans.

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Quelle: Band-Maid Facebook

Zunächst einmal muss ich gestehen, dass ich selbst eher skeptisch war, als ich von Band-Maid erfahren habe. In einem Internetpost erzählte jemand von einer All-Girl-Rockband, die in Maiden (= Hausmädchen) Outfits auftreten. Zuerst habe ich das nur belächelt und mir gedacht, was nicht manch einer für Aufmerksamkeit zu tun bereit ist. Aber als neugieriger Mensch, der ich bin, zudem einer, der liebend gern Musik aus anderen Ländern erkundet, bemühte ich dann doch eine unserer populären Video-Plattformen und habe mal reingeschaut. Es hat exakt ein Lied gebraucht, und ich war am Haken. Ein fetter Rocksound, eine ordentliche Stimme, kein J-Pop-Gepiepse, und dazu Soli, die mich schlicht aus den Socken gehauen haben. Aber ich will nicht vorweggreifen, dazukommen wir noch.

Who is who?

Lasst mich euch als erstes die Damen vorstellen. Band-Maid entstand tatsächlich erst 2013. Bandgründerin Miku Kobato arbeitete damals im Tokioter Stadtteil Akihabara in einem Maid Café (ein Café, in dem die Bedienungen sich als Dienstmädchen verkleiden), als ihr die Idee kam, eine Rockband zu gründen – und nicht einfach irgendeine. Sie wollte den doch fast schon krassen Gegensatz des Maid-Styles mit harter, aggressiver Rockmusik kombinieren und einen Kontrast schaffen. Über Internetvideos fand sich die damalige Singer/Songwriterin Kanami Tono als Leadgitarristin, die mit der Schlagzeugerin Akane Hirose im Gepäck anrückte. Akane wiederum kannte, über ihre Musikschule, die Bassistin Misa. Miku selbst übernahm die Rhythmusgitarre und Vocals. Fehlte nur noch eine Frontfrau, die mit Miku zusammen den Gesang stemmen sollte: Saiki Atsumi fand sich durch ein Casting als Sängerin, die Band war komplett.

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Quelle: Band-Maid Facebook

Den Start, den Band-Maid hinlegte, kann man nur als rasant bezeichnen. Bereits ein Jahr nach Gründung veröffentlichten sie 2014 ihr erstes Mini-Album Maid in Japan. Von da an waren sie fleißig. Mächtig fleißig. Seitdem haben sie uns jedes Jahr mit neuem Material beglückt. Zunächst mit zwei weiteren Mini-Alben 2015 und 2016 New Beginning und Brand New Maid. Hier sollte angemerkt werden, dass Band-Maids Mini-Alben immerhin um die neun Songs enthalten, was Ende der 90er zum Beispiel bei gewissen schwedischen Metalbands schon als vollwertiges Album galt. Schließlich folgte 2017 mit Just Bring It der erste echte Langspieler, 2018 dann die aktuelle LP World Domination. Eine beachtliche Leistung, bei der einem regelrecht schwindelig werden kann, vor allem wenn man dazu rechnet, dass die fünf quasi permanent irgendwo auf Tour waren.

Harte Arbeit und viel Können

Stilistisch ist Band-Maid enorm von den hohen Einzelqualitäten der Musikerinnen geprägt. Zwar fing Gründerin Miku erst 2013 selbst an Gitarre zu spielen, und wird seitdem von Kanami gecoacht, besuchte jedoch eine Gesangsschule. Alle anderen haben meist schon im frühen Kindesalter begonnen, ein Instrument zu lernen, wie zum Beispiel Misa, die Klavier spielt seit sie drei oder vier Jahre war. Nun könnte man meinen, dass so viele, so individuell gute Musikerinnen vielleicht nicht gut in einer Band harmonieren, aber sie tun es. Vermutlich hängt es mit eben jener Disziplin zusammen.

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Quelle: Band-Maid Facebook

Der Sound ist ein schöner Hard Rock, klar und mit viel Finesse gespielt, der mal ins poppige gleitet, aber dann auch wieder ordentlich „metalt“. Ein sehr schöner Punkt ist, dass man bei aller Harmonie alle Instrumente gut heraushört und auch die technische Qualität merkt, die von jeder einzelnen dahinter steckt. Zum Beispiel Kanamis virtuose Leadgitarre oder Misas teils wunderschön knurriger Bass und ihre wahnsinnig groovigen Soli. Man möge mir verzeihen, wenn es klingt, als hätte ich in der Bassistin eine Favoritin, aber ich bin nun einmal selbst Bassist und kann nicht aus meiner Haut.
Das Schlagzeug bringt einen herrlichen Drive und auch oft richtig schönen Groove, während der Gesang meist absolut auf den Punkt gebracht wird. Zwar ist in ein oder zwei wirklich kraftvollen Liedern zu hören, dass Saikis Stimme womöglich kurz vor dem Limit ist, dafür hört man an anderen Stellen einen warmen Soul heraus, und die Kombi mit Mikus Gesang ist eigentlich immer gut abgestimmt.

Was vergessen? Achja, die Outfits.

Zum Schluss noch die Maiden-Outfits. Habt ihr bemerkt, dass ich sie einen guten Teil des Artikels mit keinem Wort erwähnt habe? Das hat einen einfachen Grund. Sie gehören zwar zum Stil der Band, und es wäre vermutlich seltsam, wenn sie es aufgeben würden (siehe Kiss und deren Kostüme). Der „cute-Faktor“ hat auch bestimmt dazu beigetragen, dass ein Großteil der Fangemeinde männlich ist. Aber, und ich denke, es ist ein großes aber, wenn man sich als Rock- und Metalfan auf die Musik von Band-Maid einlässt, dann könnten die Fünf auch in alten Kartoffelsäcken auftreten, es würde kaum einen Unterschied machen. Die Qualität ist einfach absolut überzeugend.

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Quelle: Band-Maid Facebook

Fairerweise muss man ein paar Punkte ansprechen, die dem einen oder anderen vielleicht etwas den Spaß versalzen. Zum Beispiel sind die Lieder alle relativ kurz, keine 12 Minuten Hymnen oder dergleichen, leider. Oder aber trifft es eben nicht jedermanns Geschmack, dass hier zwei Frauenstimmen auf Japanisch singen.

Prädikat: Besonders zu empfehlen

Alles in allem ist dies eine Band, die ich dem geneigten Rock- und Metalfan nur empfehlen kann. Hier wird wirklich saubere Handarbeit und harter Sound geliefert, von jungen, professionellen Musikerinnen. Wer die Kostümierung nicht mag, der sollte sich vielleicht nur auf den Sound konzentrieren, aber definitiv haben wir hier eine Band, die eine ehrliche Chance verdient. Die Fangemeinde in Deutschland und weltweit wächst auf jeden Fall stetig.

In dem Sinne: Arigatou und sayonara!

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Quelle: Band-Maid Facebook

 

Alben:

Maid in Japan (08.01.2014, remastered rerelease 2018)
Gump Records
Tracklist:
01 Be OK
02 EverGreen
03 KEY
04 Bye My Tears (Anspieltipp)
05 Knockin’ on your heart
06 Big Dad
07 夜明け前 (Forward)
08 Forward
09 愛と情熱のマタドール (Bonus Track)
10 Summer Drive (Bonus Track)

New Beginning (18.11.2015)
Gump Records
Tracklist:
1. Thrill (Anspieltipp – Soli ab 2:22!)
2. Freezer
3. Real Existence
4. Price of pride
5. Arcadia girl
6. Don’t apply the brake
7. Beauty and the Beast
8. Don’t let me down
9. Shake that!!

Brand New Maid (18.05.2016)
Crown Stones
Tracklist:
1. The non-fiction days
2. Look at me
3. Order
4. Brand-New Road
5. Yuragu
6. Freedom (Anspieltipp)
7. Before yesterday
8. alone
9. Real existence (Bonus Track, live version)

Just Bring It (11.01.2017)
JPU Records
Tracklist:
1. Don’t you tell ME
2. Puzzle (Anspieltipp – mein persönlicher Lieblingssong)
3. モラトリアム (Moratorium)
4. Yolo
5. Cross
6. Ooparts
7. Take me higher!!
8. So, What?
9. Time
10. you.
11. Awkward
12. Decided by myself
13. secret My lips

World Domination (14.02.2018)
JPU Records
Tracklist:
1. I can’t live without you
2. Play
3. One and only
4. Domination (Anspieltipp)
5. Fate
6. Spirit!!
7. Rock in me
8. Clang
9. Turn me on
10. Carry on living
11. Daydreaming
12. Anemone
13. Alive-or-dead
14. Dice
15. ハニー (Honey, Bonus Track)

 

 

 

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