Band der Woche: Gimme Shelter

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Gimme Shelter haben ihr Debütalbum bereits 2015 herausgebracht, 2017 folgte ihr nächstes Synthiepop-Werk Kosmodron. Robert Grolms (München) und Niko Kötzsch (Leipzig) liefern zudem Live-Shows mit einfühlsamen Texten, harten Beats und großartigen Videoinstallationen. Im September wird ihr neues Album Friedensfahrt erscheinen, umso mehr ein Grund, endlich mal einen Blick auf das Synthiepop-Projekt zu werfen.

Wer verbirgt sich hinter Gimme Shelter?
Niko: Robert Grolms aus München und Niko „DrMOllE“ Kötzsch aus Leipzig. Was auch den Namen der Band erklärt.

Wie kam es zur Bandgründung?
Robert: Die meisten Dinge im Leben passieren aus einer Laune oder aus einem Bedürfnis heraus. In dem Fall wollte ich damals einfach Musik machen. Dazu musste ich eine neue Band gründen. Und da es allein nur wenig Spaß bringt, suchte ich Mitstreiter. So traf ich auf Niko.
Niko: Robert benötigte für seinen ersten Auftritt in der Leipziger Villa live Unterstützung. Ich sagte zu, ohne die Songs jemals gehört zu haben, und musste erstmal alles neu und modern arrangieren.

Müsste man eure Musik in eine Schublade stecken und ein Genre-Etikett darauf kleben, welches wäre das?
Niko: Electro’n’Roll.
Robert: Auf jeden Fall sind wir recht vielseitig – zumindest im Bereich der elektronischen Musik. Wir sind nach wie vor nicht unbedingt festgelegt auf eine gewisse Art von Musik. Das macht es für die Hörerinnen und Hörer sicher nicht gerade einfach, sich auf uns einzulassen. Aber wir wollen uns einfach nicht limitieren, da wir das total langweilig finden würden. Das wird auch das kommende Album Friedensfahrt beweisen, auf dem wir uns in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt haben.

Beschreibt euren Sound mal außerhalb aller Genre-Schubladen. Die Musik von Gimme Shelter klingt wie…
Niko
: Das kann man nicht festlegen, da wir in unseren Schaffensphasen von diversen Genres inspiriert und geleitet werden. Man kann zu jedem einzelnen Song eine andere Interpretation heraushören.
Robert: Genau. Es stecken einfach zu viele Einflüsse drin. Wir sehen es wirklich positiv, dass uns unsere Hörerinnen und Hörer immer wieder bestätigen, dass bei uns kein Song wie der andere klingt. Und so soll es auch bleiben. Manchmal haben wir eben Lust, ein bisschen was wie Front 242 zu machen, und manchmal haben wir einfach Bock auf Melotron. Für wirklich Außenstehende benutzen wir gern die DepecheMode-Schublade. Schnelle und langsame Songs wechseln sich bei uns – vielleicht auch manchmal zu sehr – ab. Aber unser Sound an sich wird natürlich von elektronischen Instrumenten – digitalen und analogen Synthesizern und Drum-Machines – bestimmt. Auch wenn auf dem aktuellen Album sogar einige Gitarrensounds zu hören sein werden.

Durch welche Bands / Musik wurdet ihr musikalisch beeinflusst oder geprägt? Was hört ihr gerade am liebsten?
Niko: Natürlich spielt bei Robert Depeche Mode eine große Rolle. Aber tatsächlich sind es Größen wie die Rolling Stones, Beatles, Queen und viele andere Bands, die uns immer wieder inspirieren. Natürlich sind auch so Sachen wie Nitzer Ebb, Haujobb und Front 242 bei uns beiden stark vertreten.
Robert: Kraftwerk fehlt noch! Vor allem aber beeinflusst uns natürlich das Leben an sich. Und die Erlebnisse, die wir haben, bestimmen auch unseren Sound und die Dinge, die wir zu sagen haben. Das wird man auf dem neuen Album hören. Hier ist uns teilweise im wahren Leben die Hutschnur gerissen, wenn man sich den geistigen Zustand von Teilen unserer Gesellschaft anschaut, was wir dann musikalisch in einigen Songs umgesetzt haben.

Gimme Shelter

Aus welcher Stimmung heraus ergeben sich für euch die besten Lieder?
Niko
: Betrunken (grinst).
Robert: Wenn es wirklich schnell gehen muss und man nicht viel Zeit hat, sich an Details aufzuhängen. Also unter Druck gelingen mir die besten Songs. Je länger man sich an einer Sache aufhält, umso „unfrischer“ klingt es dann auch. Man kann Songs auch überproduzieren, wie wir es leider in der Vergangenheit schmerzhaft selbst erfahren haben.

Welches Instrument wird sicherlich NIE auf einem Gimme Shelter-Album zu hören sein?
Niko
: Wird es nicht geben. Wenn es passt und gut klingt, hat jedes Instrument bei uns ein Recht auf Asyl. Denn kein Instrument ist illegal.
Robert: Deshalb haben wir diesmal neben wuchtigen Synthies eben auch Gitarren und sogar ein Akkordeon verwendet. Ich glaube, an einer Stelle hat Niko auch eine Triangel benutzt. Da muss man aber ganz genau hinhören. Die haben wir allerdings dann rückwärts abgespielt und mit geheimen Botschaften versehen.

Welche Platte sollte man auflegen, wenn man morgens aus dem Bad spaziert und das wunderhübsche Mädchen von gestern Nacht noch im Bett liegt?
Niko
: Ganz klar. Da gibt es nur einen Song. Tomas Tulpe – „Du hast Scharmhaar“.

Im September soll euer drittes Album erscheinen, was könnt ihr uns schon darüber erzählen?
Robert
: Nun ja, einiges habe ich ja bereits erzählt. Vom Sound her haben wir versucht, die Dinge diesmal nicht überzuproduzieren, sondern die Songs mehr „leben“ zu lassen, ohne sie zu verkünsteln. Wir haben diesmal auch weniger als Band gearbeitet, sondern die jeweiligen Ideen des anderen im Grunde kaum noch verändert. Es ist wohl deshalb ein ziemlich „reines“ Album geworden. Es war teilweise wirklich harte Arbeit, die Songs zu schreiben, sie zu arrangieren und einzusingen. Die Produktion haben wir diesmal sogar in die USA ausgelagert, damit wir davon wegkommen, uns in Details zu verfangen. Thematisch haben wir uns den Themen der Zeit angenommen. Auch wenn wir sicher nicht wie John Lennon sind, so haben wir versucht, ein paar Aspekte einzufangen, die uns beschäftigen. Wir alle merken wohl, dass im Moment viele Dinge in unserer Welt nicht ganz richtig laufen. Fehlende Menschlichkeit und Solidarität, fehlendes Geschichtsbewusstsein und die Verhöhnung von Opfern des Nationalsozialismus. Die Liste ist endlos – ebenso wie die Ignoranz mancher Mitmenschen. Solche Themen haben wir diesmal verarbeitet und unseren Gedanken, Ängsten und Hoffnungen einfach mal Luft gemacht. Aber natürlich drehen sich einige Songs auch wieder um Liebe, Sehnsucht und Leidenschaft. Das bleibt bei Gimme Shelter nie aus.

Die gute Fee steht plötzlich vor euch und sagt, ihr hättet einen Wunsch frei. Was wünscht ihr euch?
Niko: Alan Wilder zurück bei Depeche Mode.
Robert: Dass es den Menschen, die mir am Herzen liegen, gut geht. Und dass Kinder überall auf der Welt möglichst lange auch Kinder sein dürfen.

Was sind eure Pläne, was steht als Nächstes an?
Robert: Wir werden zunächst die Veröffentlichung von Friedensfahrt vorbereiten. Im September wird das Album ja auf Space Race Records veröffentlicht. Vorab wird es einen Videoclip geben und anschließend planen wir natürlich ein paar Konzerte, um die neuen Songs auch live präsentieren zu können.

Links:

https://www.facebook.com/gimmesheltermusik/

https://www.gimme-shelter-music.de/

https://gimmesheltermusik.bandcamp.com/

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