Leere Menge – das sind Deborah Morgenstern und Aarnav Bos, ein Darkwave/EBM-Duo aus Berlin. Zwischen atmosphärischen Flächen, treibenden Electronic-Beats und eindringlichen Gitarrenlinien bewegen sie sich frei von festen Mustern und öffnen einen Klangraum, der von Kontrasten und Gegensätzen lebt: Intensität und Zerbrechlichkeit, Licht und Dunkelheit, Distanz und Nähe. Im Interview sprechen Deborah und Aarnav über ihre künstlerische Begegnung, die Bedeutung von Authentizität und Sehnsucht in ihrer Arbeit und wie ihre Single „Durch den Raum“ entstanden ist.

Was verbirgt sich hinter Leere Menge? Wie habt ihr euch kennengelernt/wie ist euer Projekt entstanden?
Deborah: Leere Menge ist ein Darkwave/EBM Duo mit Einflüssen aus Shoegaze, Ambient und Postpunk, bestehend aus den beiden Musiker*innen Deborah Morgenstern (Clichée, Vora) und Aarnav Bos (Permanent Daylight) aus Berlin. Aarnav hat mich im Mai 2024 nach meinem Solokonzert angesprochen, und nach einem gemeinsamen sehr inspirierenden ersten Jam war schnell klar, dass wir zusammen Musik machen wollen. Seitdem entsteht eigentlich bei jeder Probe etwas Neues.
Was verbindet euch?
Aarnav: Unsere endlose Liebe zur Musik, Authentizität und Kunst. Die Sehnsucht danach, Dinge anders zu machen, frei in der Musik zu sein.
Was bedeutet euer Bandname für euch, und wie ist es zu dieser Wahl gekommen?
Deborah: Der Name beschreibt nicht nur ein mathematisches Phänomen, sondern auch einen Raum, der sich nicht genau definieren lässt, der vielleicht auch an seinen scheinbaren Grenzen wieder zerfällt und sich neu aufbaut. Wie unsere Musik, die ein emotionaler Ort sein soll. Ich mochte den Begriff schon immer, weil er etwas völlig Widersprüchliches verbindet.
Was sind eure ersten musikalischen Erinnerungen?
Deborah: Bei mir war Musik von Anfang an immer sehr präsent und tiefer Bestandteil meines Lebens. Ich bin in einem sehr musikalischen Haushalt aufgewachsen, alle in meiner Familie machen irgendwie Musik, und zum Essen lief oft eine Schallplatte mit klassischer Musik oder das Radio. Musik war immer auch Zuflucht in eine andere Welt, ohne die ich es nie durch meine Jugend geschafft hätte. Meilenstein darin war, als mir mein älterer Bruder an meinem 14. Geburtstag ein Mixtape zusammenstellte mit dem Namen – Gothic Disco Vol.1 (mit Joy Division, The Cure, Cocteau Twins …), und da ging einfach eine Tür auf, und alles veränderte sich, und ich wusste – das will ich!
Woher kommt euer Interesse und die Faszination für Musik?
Aarnav: Es hat sich schon immer so angefühlt, als wäre da eine Dringlichkeit, Musik zu machen, es ist essenziell.

Was ist Klang für euch?
Deborah: Alles ist Klang, alles, was sich irgendwie verbindet, was bewegt.
Beschreibt eueren Sound mal außerhalb aller Genre Schubladen. Wie klingt euere Musik?
Aarnav: Weltschmerz
Deborah: Weltflucht
Welchen Einfluss hat eure Umgebung auf eure Musik? Aus welcher Stimmung heraus ergeben sich für euch die besten Musikstücke?
Deborah: Das kann schon der Weg zum Proberaum durch halb Berlin sein. Die Stadt hat etwas ewig Inspirierendes, auch die eher triste Umgebung des Lichtenberger Proberaums, und unsere Gespräche.
Was sind für euch thematische Inspirationen, die sich auch in euren Texten niederschlagen?
Deborah: Ganz klassisch natürlich Liebe im Sinne von Herzschmerz, Tod, Sehnsucht, Hingabe, Traum, Depressionen, die Stadt, Ängste. Mir war schon immer wichtig, schonungslos davon zu singen, wie sich Schmerz anfühlt.
Erzählt uns ein wenig über eure aktuelle Single „Durch den Raum“. Wie ist der Song entstanden, wie sieht euer Songwriting aus?
Deborah: Das war eines unserer ersten gemeinsamen Stücke, und wir lieben es ganz besonders, da es etwas so Filigranes wie Starkes in sich trägt. Der Text und Gesang kamen ganz natürlich beim ersten Ausprobieren, und Aarnav hatte diese mega Gitarrenlinie geschrieben, die mit dem Synth und dem Beat einfach etwas völlig Neues erzählte. Wir reden beim Proben nicht sehr viel, sondern legen einfach los und schauen, wohin es uns führt. Irgendwie funktioniert das total gut, und da ist ein großes Vertrauen da. Ich glaube, das ist beim gemeinsamen Songwriting sehr wichtig, auch dass man sich aufeinander einlassen kann. Natürlich muss man dann noch viel zusammen entscheiden, und nicht immer ist das einfach, weil die Meinungen schon auch mal auseinandergehen können. Letztlich finden wir uns aber immer.
Welche künstlerischen Einflüsse außerhalb der Musik haben eure Herangehensweise an eure Musik beeinflusst?
Aarnav: Dostojewski
Deborah: Literatur, Filme, bildende Kunst
Wenn ihr einen Film auswählen und eure Musik als Soundtrack einfügen könntet, welcher Film wäre das?
Deborah: Das müsste ein neuer Film sein mit verwaschener 80er-Ästhetik, vielleicht ein bisschen Ostblock-Romantik, ein bisschen Berlin oder ein Sci-Fi-Anime.
In welcher Beziehung steht und/oder repräsentiert der visuelle Aspekt eure Musik?
Das ist uns natürlich sehr wichtig, da wir beide sehr ästhetische Personen sind und viel Wert darauf legen, aber die Musik wird immer im Vordergrund stehen. Wir hoffen sehr, nächstes Jahr ein Musikvideo drehen zu können.
Was bedeutet es für euch, Musik zu machen? Gibt es noch andere Projekte, in die ihr so viel Kreativität und Leidenschaft steckt?
Deborah: Musik ist mein Leben, und ich denke, das ist es auch für Aarnav. Wir beide hatten schon andere Bands vorher, und ich mache auch immer noch Solo-Musik mit meinem Projekt VORA und stelle aktuell eine neue Live-Band zusammen. Ich glaube, Musik zu machen, ist eine bedingungslose Liebe, die dich nie enttäuscht, und du erfährst immer etwas Neues. Musik zu machen ist eine Versöhnung mit dieser Welt.
Was sind eure Pläne? Worauf freut ihr euch am meisten?
Aarnav: Wir releasen am 19.09.2025 unser erstes Album und freuen uns wahnsinnig darauf, es nun zu teilen. Dazu gibt es am 20.09.2025 eine Release-Show in Berlin, zusammen mit Kiyo aus Leipzig und Jess Brett aus Berlin. Dann planen wir zu Beginn des neuen Jahres eine Tour und arbeiten natürlich auch an neuen Songs.
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