Band der Woche: pferd des gaertners

Wer sich in der oberbayerischen Punk-Szene herumtreibt, dem sind sie vielleicht schon einmal über den musikalischen Weg gelaufen: pferd des gaertners machen seit ihrer Gründung 2006 in München Post-Punk, standen unter anderem schon mit Fliehende Stürme, P.A.L. und Die Art auf der Bühne und haben gerade ihr zweites Album poking dead things herausgebracht. Uns standen sie nun als Band der Woche im Interview Rede und Antwort.

Wer verbirgt sich hinter pferd des gaertners?
pferd des gaertners besteht aus Peter (Stimme/Gitarre), Volker (Gitarre), Elmar (Bass) und Mike (Schlagzeug).

Müsste man eure Musik in eine Schublade stecken und ein Genre-Etikett darauf kleben, welches wäre das?
Post-Punk mit starkem Punk/Post-HC-Einschlag.

Wie würdet ihr einem tauben Mann den Sound von pferd des gaertners beschreiben?

Vermutlich unmöglich, aber stell dir vor, wie es aussehen könnte, wenn Jackson Pollock oder Max Ernst „Die Stützen der Gesellschaft“ von George Grosz nachgemalt hätten: dicht, düster, tendenziell bösartig, an einigen Stellen detailliert ausgearbeitet, an anderen bewusst experimentell, roh und unfertig.

Aus welcher Sorte Panik heraus ergeben sich die genialsten Lieder?

Ganz unterschiedlich. Generell gilt: Unter Druck und aus Panik entsteht eher nichts – die besten Sachen entstehen aus dem Augenblick heraus. Einfach, wenn der richtige Moment gerade da ist und ein kreativer Flow entsteht. Es kommt aber auch vor, dass wir anfangs nur mit einigen unzusammenhängenden Riffs experimentieren und die dann einen „Arbeitstitel“ bekommen, der vielleicht assoziativ aus der Stimmung der Riffs kommt. Und aus dem sich dann ein tatsächlicher Songtext bzw. ein ganzer Song entwickeln. Bei „Eternal Sunshine“ war das z. B. so. Oder bei „Vorvorletzten Donnerstag“ entstand der Titel und dann der ganze Song – einfach, weil einer mit dem einen Riff von vorvorletzten Donnerstag weiterexperimentieren wollte.

Welches Instrument wird sicherlich NIE auf einem pferd-des-gaertners-Album zu hören sein?

Wir haben ja eine ziemlich klassische Besetzung mit Gitarren, Bass und Schlagzeug. Und damit sind wir in der Regel auch sehr gut bedient und das gefällt uns auch am besten. Die meisten anderen Instrumente scheiden schon deshalb aus, weil wir sie nicht spielen können. Kategorisch ausschließen würden wir aber erst einmal gar nichts.

Welche Platte sollte man auflegen, wenn man morgens aus dem Bad spaziert und das wunderhübsche Mädchen von gestern Nacht noch im Bett liegt?

Peter: Hüsker Dü „New Day rising“, besonders „The Girl who lives on Heaven Hill“. Alternativ vielleicht Catherine Wheel „Chrome“

Volker: keine
Mike: Fürs Jahr 2014 ist diese Frage ganz schön androzentrisch und heteronormativ, findest Du nicht auch? Egal, wer oder was auch immer da im Bett liegt, die Antwort lautet natürlich: MERZBOW, was sonst?
Elmar: Ich würde das lieber in aller Stille genießen. Morgens hab ich´s gerne etwas ruhiger.

Von welchem Song wünscht ihr euch, dass ihr ihn geschrieben hättet?

Peter: The Mission „Tower of Strength“
Volker: Carcass “Ruptured in Purulence“
Mike: Rein monetär betrachtet: Lynyrd Skynyrd „Sweet Home Alabama“
Künstlerisch gesehen: Einstürzende Neubauten „Z.N.S.“
Elmar: David Bowie „Heroes“

Die Frage zeigt indirekt sehr schön, was zum erheblichen Teil unseren Sound bzw. unser Songwriting ausmacht, denn so unterschiedlich wie die hier genannten Songs sind auch die Einflüsse, die wir dann in unseren Songs verarbeiten.

Kein Alkohol ist bekanntlich auch keine Lösung – eine Alk-Kombination, nach der ihr ganz sicher keine Probleme mehr habt?

Peter: Alkohol muss nicht sein, gegen einen guten Single Malt oder einen feinen Sherry hab ich aber nichts einzuwenden.

Mike: Der klassische „pferd-des-gaertners-Bandproben-Cocktail“ besteht aus fünf Teilen Cola, fünf Teilen Wasser, drei Teilen „Club Mate“ und fünf Teilen Bier (Helles). Mhmm, das ist lecker.

Elmar: Alkohol ist eher nicht meins – vielleicht mal ein Caipi zur Erfrischung und im Winter darf es mal ein Rotwein sein.

Woran erkennt man einen Freund?

Peter: Jemand, dem ich mein Leben anvertrauen kann. Generell seltene Spezies.
Volker: An seinem Verhalten in der Not
Mike: Das hat doch Placebo im Song „Pure morning“ schon ein für allemal geklärt:
„A friend in needs a friend indeed,
A friend with weed is better,
A friend with breasts and all the rest,
A friend who’s dressed in leather.“
Elmar: Jemand, auf den ich mich immer blind verlassen kann und der da ist, wenn´s drauf ankommt.

Wer war der Held eurer Kindheit?

Volker Captain Future
Peter: Hatte ich sowas? Naja, Asterix vielleicht oder Phantomias.
Elmar: Wenn ich mich richtig erinnere, war das wohl Winnetou, aber das ist alles schon so lange her …
Mike: Commander Ed Straker aus der Fernsehserie „U.F.O.“. Den Haarschnitt fand ich damals sehr schick.

Sind wir allein im Universum?

Volker, Elmar: Nein

Mike: Wen genau meinst Du jetzt mit „wir“? Vermutlich „wir Menschen auf der Erde“? Falls ja: na hoffentlich. Wäre doch sehr bedauerlich, wenn noch andere Planeten von vergleichbaren Lebensformen terrorisiert würden.

Peter: Ich denke nicht. Wahrscheinlich wäre es aber besser, wenn wir es nie wirklich herausfinden.

Was steht als Nächstes an – Tour? Studio? Auszeit? Ganz was anderes?

Erstmal Sommerpause, dann der nächste Videodreh – voraussichtlich zu „Sixty Second“, fleißig proben für das eine oder andere Konzert und dann natürlich auch neues Material schreiben. Was man eben so macht als Band.

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