2016 gegründet, präsentieren drei Stuttgarter im November 2019 das Post-Punk-Debütalbum von Phileas Fogg: Kopf, unten. Benannt nach der gleichnamigen Romanfigur aus dem JulesVerne-Roman In 80 Tagen um die Welt, lädt die Band zu einer spannenden musikalischen Reise durch ihre düster gehaltenen, elektronisch infizierten Klangwelten ein. Interessant, wie ich finde, das gilt es sich näher zu betrachten. Andreas (Gitarrist und Sänger der Band) hat die Antworten zu meinen Fragen geliefert.

Wer verbirgt sich hinter Phileas Fogg?
Phileas Fogg
sind Nicholas (Bass) und Andreas (Gesang, Gitarre), die schon früh in den Neunzigern zusammen bei Bokanovskys Process gespielt haben, sowie Fabi (Gitarre). Nicht zu vergessen unser Drumcomputer.

Wie kam es zur Bandgründung, wie seid ihr auf euren Bandnamen gekommen, und was bedeutet er für euch?
Anfangs war es nur ein Projekt von Nicholas und Andreas. Nicholas hielt ja noch den Bass für Kuballa hoch, und Andreas war mit seinem Soloprojekt Fool unterwegs. Wir haben recht unregelmäßig an Songs gebastelt, ohne eine bestimme Richtung vorzugeben. So richtig zur Band sind wir dann erst geworden, als dann Mitte 2016 Fabi dazukam.
Bandnamen sind immer eine schwierige Sache. Als wir bei Romanfiguren ankamen, hatten wir uns sofort mit Phileas Fogg angefreundet. Die Erfahrung zeigt, dass der Name besser hängen bleibt als gedacht. Außerdem lässt er so schön viel Raum für Interpretation offen. Für mich persönlich ist In 80 Tagen um die Welt immer noch der Prototyp des modernen Roadmovies und Phileas Fogg sozusagen Indiana Jones, Jack Kerouac und Thelma & Louise in einer Person.

Was verbindet euch?
Abgesehen von unserer Musik verbindet uns eine manchmal überraschend homogene Sicht auf die Welt und die Themen, die sie treibt. Davon abgesehen, und wohl am wichtigsten, teilen wir uns denselben Humor und ein Faible für schräge Musik, was die Fahrt zu Konzerten immer sehr angenehm macht.

Müsste man eure Musik in eine Schublade stecken und ein Genre-Etikett darauf kleben, welches wäre das?
Die einzige musikalische Vorgabe, die wir (unausgesprochen) hatten, war „irgendwas mit Punk“. Das Label „Post Punk“ kam eigentlich eher von außen, auch wenn wir dort natürlich viele Lieblingsbands haben. Damit können wir sehr gut leben, auch wenn Post Punk sehr viele Schattierungen hat.

Beschreibt euren Sound mal außerhalb aller Genre-Schubladen: Die Musik von Phileas Fogg klingt wie …?
… Punk in Moll.

Was sind eure ersten musikalischen Erinnerungen?
Beach Boys
, Smokie und Bee Gees auf dem Rücksitz meiner Eltern, und mit dem Kassettendeck Sonntags NDW Hits aus der SDR Hitparade mitzuschneiden.

Durch welche Bands / Musik wurdet ihr musikalisch beeinflusst oder geprägt? Was hört ihr gerade am liebsten?
Wenn man so lange schon Musik hört, ist der Fundus an Einflüssen recht umfangreich. Da findet sich sicher auch das eine oder andere musikalische Verbrechen in meiner Plattensammlung. Ich habe aber gestern erst wieder festgestellt, dass Thunder and consolation von New Model Army einfach mein absolutes Lieblingsalbum aller Zeiten ist. Aktuell ist bei mir in der Heavy Rotation Die Arbeit, IDLES, Akne Kid Joe und A Projection.

Wie sieht das Songwriting bei euch aus? Wie sind die Aufgaben verteilt?
Bei der ersten Platte war es so, dass ich die Songs eigentlich fast fertig in den Proberaum mitgebracht habe. Das liegt einfach auch daran, dass Drumcomputer, Synthiesounds und Arrangement programmiert werden müssen. Außerdem waren viele Sachen einfach schon fast fertig, bevor Fabi dazu kam. Bei den neuen Sachen versuchen wir früher einzusteigen und musikalische Ideen auszuprobieren, bevor sie in einem konkreten Song enden.

Aus welcher Stimmung heraus ergeben sich die besten Lieder?
Das ist vollkommen unterschiedlich. Unter der Dusche. Beim Autofahren. Überall, wo man häufig in Selbstgespräche versunken ist und über die Dinge um einen herum nachdenken kann, ohne abgelenkt zu werden. Meistens kommen einem die besten Textideen natürlich, wenn man gerade keine Notizen machen kann.

Welches Instrument wird sicherlich NIE auf einem Phileas-Fogg-Album zu hören sein?
Saxophon. Versprochen.

Was ist die überraschendste CD/LP in eurem Regal?
Ich habe mir kürzlich erst eine Box mit acht LPs von Victor Jara gekauft. Das dürfte wohl sehr aus der Masse herausstechen.

Im November 2019 habt ihr euer Debüt Kopf, unten veröffentlicht. Wie waren bisher das Feedback und die Reaktionen darauf?
Das Feedback war für uns überwältigend, besonders wenn man bedenkt, dass es durchgehend DIY ist. Lediglich vertriebsseitig haben wir die Arbeit in die guten Hände von Disentertainment gegeben.
Überrascht hat uns vor allem die internationale Response. Wir hatten uns als deutsch singende Band ja eigentlich auf einen kleinen Hörerkreis festgelegt. Aber „Leistung“ macht gerade eine große Runde durch die internationale Post-Punk-Szene. Unser Ego sitzt grad wie eine frisch gestreichelte Katze auf dem Kamin und schnurrt vor sich hin.

Was sind eure Pläne? Was wünscht ihr euch für die Zukunft?
Die Coronakrise hat unsere Pläne, an neuen Songs zu arbeiten. etwas nach hinten verschoben. Damit müssen und können wir leben. Da wir nicht von unserer Musik leben, stellt das für uns wenigstens finanziell kein Problem dar.
Für die Zukunft wünsche ich mir, dass wir es schaffen, als Gemeinschaft aus Kulturschaffenden und Kulturkonsumenten den arg gebeutelten kleineren Kulturbetrieben wieder auf die Beine zu helfen.
Also, das Geld für das Flugticket in den (eh ausgefallenen) Urlaub einfach in Konzertkarten, Platten und Devotionalien anlegen.

Hörbeispiele von Phileas Fogg: https://m.soundcloud.com/user-208670139/sets/kopf-unten

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