Band der Woche: Riga

riga1_mb_Heike_KrostitzVor einigen Wochen haben wir euch Riga bei unseren Musik-Tipps (hier entlang) vorgestellt. Mit ihrer Debüt-Single „Echoes“ haben uns Dorain und Leo einen wunderbaren Ohrwurm beschert, der wie ein Echo lange nachklingt. Das Leipziger Duo spielt düsteren Electronic-Doom-Wave und kom-biniert synthetische Klangwelten mit eindringlichen Vocals, die unter die Haut gehen. Gerade arbeiten Riga an ihrer EP, die im Herbst erscheinen wird. Material ist schon vorhanden und bereits live erprobt, wie kürzlich als Support von Black Nail Cabaret. „Echoes“ hat uns neugierig gemacht!

Wer verbirgt sich hinter Riga?
Dorain (Vocals, Lyrics, Synths) und Leo (Synths, Programming, Guitar, Producing) aus Leipzig.

Wie kam es zur Bandgründung, und wie seid ihr auf euren Bandnamen gekommen? Gibt es eine Geschichte dazu?
Leo: Wir hatten vorher zusammen ein anderes Musikprojekt namens Framheim. Dort waren wir insgesamt zu dritt. Anfang 2018 kam es zum Bruch, und das Projekt wurde aufgelöst. Nach einiger Zeit sind Dorain und ich dann aufeinander zugegangen, mit der Idee, weiter Musik zu machen und etwas Neues zu starten.
Dorain: Für die Namensfindung haben wir uns viel Zeit genommen und uns durch viele verschiedene Dinge inspirieren lassen … Am Ende entschieden wir uns für das italienische Wort „riga“, das ins Deutsche mit Zeile, Kratzer oder Linie übersetzt werden kann. Es ist kurz und prägnant, und wir mochten Klang und Bedeutung – mal abgesehen davon, dass es da ja auch noch diese sehr, sehr interessante Stadt namens Riga gibt.

Was verbindet euch?
Leo: In erster Linie die Tatsache, dass wir uns schon sehr lange kennen. Auf musikalischer Ebene ticken wir ähnlich, und schlussendlich können wir einfach gut gemeinsam Musik machen. Auch wenn wir es selber nie konkret definiert haben, habe ich das Gefühl, dass wir beide intuitiv wissen, wie wir klingen sollen. Das erklärt dann eben auch die Bandgründung. Es passt einfach gut zusammen.

Müsste man eure Musik in eine Schublade stecken und ein Genre-Etikett darauf kleben, welches wäre das?
Dorain: Ich würde unsere Musik als Electronic-Doom-Wave etikettieren.

Beschreibt euren Sound mal außerhalb aller Genre-Schubladen. Die Musik von Riga klingt wie…
Leo: … emotional fights, surrounded by synthesized gloomscapes, rooted in dark soil.

riga2_Markus_A_Müller

Durch welche Bands / Musik wurdet ihr musikalisch beeinflusst oder geprägt? Was hört ihr gerade am liebsten?
Dorain: Eigentlich kann ich in fast jedem Musikgenre etwas Gutes, Schönes und Hörenswertes finden. Konkret musikalisch geprägt haben mich auf jeden Fall Nine Inch Nails, Tool bzw. A Perfect Circle, Autechre und Siouxsie. Aktuell höre ich sehr gerne Lamb, Black Nail Cabaret, Emma Ruth Rundle, Boy Harsher, Suir und Light Asylum.
Leo: Irgendwie verschmilzt ja so ziemlich alles, was man über die Jahre gehört hat, mit der eigenen musikalischen DNA. Da kann ich keine besonders herausstechende Prägung ausmachen. Bands, die ich immer wieder gerne höre, sind z.B. A Whisper in the Noise, Youth Code, Interpol, Chelsea Wolfe, Fever Ray, The Prids usw.

Aus welcher Stimmung heraus ergeben sich für euch die besten Lieder?
Dorain: Häufig haben wir beim Jammen im Proberaum wirklich gute Ideen, wenn wir ganz tiefenentspannt einfach so drauflos probieren. Gesangsmelodien und Texte kann ich am besten entwickeln, wenn mich etwas emotional sehr beschäftigt und ich die damit verbundenen Gefühle einfach rauslassen möchte.
Leo: Ich bin ein absoluter Nachtaktivist. Um überhaupt in Stimmung zu kommen, sollte das mit dem Tageslicht erledigt sein und vielleicht so zwischen ein und zehn Songs durch den Player geflossen sein. Das ist dann meist die Grundlage für das, was sich dann sukzessive weiterentwickelt. Über verschiedene Stimmungsebenen hinweg.

Wie sieht das Songwriting bei euch aus? Wie sind die Aufgaben verteilt?
Dorain: Zwar sind die Aufgaben ganz klar verteilt – Leo macht das Instrumentale und das Producing, und ich entwickle die Gesangsmelodien und schreibe Texte. Aber jeder von uns hat natürlich Einfluss auf das Schaffen des anderen, so dass wir eben am Ende als Band funktionieren.
Leo: Am wichtigsten finde ich dabei einen kritischen und konstruktiven Umgang miteinander. Es gab Momente, in denen ich mich hier und da etwas verzettelt habe. Dorains hochgezogene Augenbrauen haben mich dann wieder geerdet, und, was soll ich sagen, sie hatte eigentlich immer recht. Diese offene und direkte Art an ihr fand ich immer klasse.

Im Frühjahr habt ihr eure erste Single „Echoes“ veröffentlicht – ein großartiger Track. Seid ihr happy mit dem Feedback und die Reaktionen darauf? Wann können die Fans mit neuen Songs rechnen?
Dorain: Dankeschön. Mit dem Feedback waren bzw. sind wir sehr zufrieden, und aktuell arbeiten wir gerade an einem Video für „Echoes“. Außerdem soll es dann im Herbst eine EP geben, die sich auch gerade in der Entstehung befindet.
Leo: Material ist jedenfalls genügend vorhanden und mittlerweile auch live erprobt.

riga3_mb_-Anne_Rothmann

Welches Instrument wird sicherlich NIE auf einem Riga-Album zu hören sein?
Dorain: Was das angeht, sind wir absolut offen. Wir schließen nichts aus.
Leo: Selbst ein Saxophon wäre denkbar. Mit einer gehörigen Portion Verzerrung, Hall und Delay drauf, schmalbandig gefiltert und bei ca. – 95 dB eingepegelt. Im Ernst, es sind in alten Aufnahmen zum Beispiel diverse Misshandlungen meines Fahrradsattels oder Heizungsgeräusche zu hören. Gut, das sind jetzt nicht die klassischen Instrumente, aber was ich sagen wollte, es kommt drauf an, was man draus macht.

Kein Alkohol ist bekanntlich auch keine Lösung – eine Alk-Kombination, nach der ihr ganz sicher keine Probleme mehr habt?
Dorain: Gin Tonic geht immer!
Leo: Alkohol? Ja!

Was ist die peinlichste/überraschendste CD in eurem Regal?
Dorain: Peinlich ist mir nichts, und überraschend ist vielleicht der sehr hohe Anteil an Dark-Ambient-Projekten und eine ‚Best of‘ von Jimi Hendrix.
Leo: Schwer zu sagen. Das müsste mir wohl jemand anderes sagen, was mir peinlich zu sein hätte. Ich finde meine kleine, überschaubare Ansammlung vollkommen in Ordnung.

Die gute Fee steht plötzlich vor euch und sagt, ihr hättet einen Wunsch frei. Was wünscht ihr euch?
Dorain: Natürlich den Weltfrieden.
Leo: … und Freibier für alle!

Was sind eure Pläne, was steht als Nächstes an – Konzerte? Studio? Auszeit? Ganz was anderes?
Dorain: Wie schon erwähnt, arbeiten wir gerade an der ersten EP und an einem Video, und die nächsten Konzerte stehen im Herbst an. Am 02.11. haben wir die Ehre, Mr. Kitty in Leipzig zu supporten, und am 07.11. dürfen wir Teil der ersten Auflage des ‚Darkness Calling‘-Festivals in Berlin sein.
Leo: Es könnten aber auch gerne noch mehr Konzerte hinzukommen. In diesem Sinne: Schreibt uns an!

Foto 1: Heike Krostitz,  Foto 2: Markus A. Müller,  Foto 3: Anne Rothmann

Riga auf Bandcamp anhören

Riga auf Facebook

(548)

1 Antwort

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] über Riga hier in unserem Band der Woche – […]

Kommentare sind deaktiviert.