Band der Woche: Vogelfrey

Bandfoto VogelfreyDie Hamburger von Vogelfrey gehören zum Inventar des deutschen Folk Metal. 2004 gegründet, haben sie nun ihr drittes Album herausgebracht. Anzutreffen ist die Combo auch an einigen Stationen des „Mittelalterlichen Phantasie Spectaculums“. Sänger Jannik hat sich die Zeit genommen, um unsere neugierigen Fragen zu beantworten.

Wer verbirgt sich hinter Vogelfrey?
Jannik: Vogelfrey ist der Pakt der Geächteten aus Hamburg – häretische Klangkunst gepaart mit lyrischen Texten, gespickt mit schwarzem Humor und wilder Spielfreude. Erklärtes Ziel ist und war mittelalterliche und folkloristische Einflüsse mit Rock, aber vor allem dominanten Metaleinflüssen der härteren Gangart zu kombinieren. Von der Liedermacher-artigen Ballade bis zum extremen Metalsong ist alles möglich. Ein stilistisches Korsett gibt es nicht, und wir haben uns Vielfalt und Facettenreichtum auf die zerfetzten Fahnen geschrieben.

Müsste man eure Musik in eineSchublade stecken und ein Genre-Etikett darauf kleben, welches wäre das?
Jannik: Wir nennen unsere Musik einfach „Folk Metal“. Sicherlich gibt es auch rockige Songs ohne viel Metaleinfluss, aber alles in allem ist der gezielte Einsatz von metaltypischen Spieltechniken wie gutturalem Gesang, virtuosen Gitarrensoli oder Doublebass an den Drums herausstechendes Merkmal. Anders als Equilibrium, Ensiferum oder andere Vertreter dieses Genres ziehen sich diese Stilmittel aber eben nicht durch jeden Song, sondern tauchen punktuell auf, wodurch sich schöne Kontraste ergeben und auch der In-Extremo-Fan sicherlich voll auf seine Kosten kommt.

Beschreibt euren Sound mal außerhalb aller Genre-Schubladen: Die Musik von Vogelfrey klingt wie …?
Jannik: … die tosende Nordsee an einem stürmischen Abend im Herbst und fühlt sich dabei an wie der aufkommende Frühling, der das junge Blut in Wallung bringt.

Aus welcher Stimmung heraus ergeben sich die besten Lieder?
Jannik: Je stärker die Stimmung, desto deutlicher und konkreter wird der Song. Das kann man vielleicht damit vergleichen, aus dem Gedächtnis ein Bild zu malen. Je klarer die Umrisse und Details des inneren Bildes, desto plastischer und erkennbarer wird das Gemälde. Aber das ist auch kein wirkliches Rezept für die besten Lieder, denn bei denen macht ja jeder für sich selber aus, welche das sind. Für mich als Schreiber sind die wichtigsten Songs meistens welche, die mit einschneidenden und starken Erlebnissen oder Gefühlen zu tun hatten. Da sind die Stimmungen aber mannigfaltig, schließlich kann man extrem euphorisch sein oder auch tief melancholisch – entscheidend ist die Intensität des Erlebten.

Welches Instrument wird sicherlich NIE auf einem Vogelfrey-Album zu hören sein?
Jannik: Ich hätte fast Dudelsack gesagt, aber vielleicht laden wir uns ja mal einen Gast ein, der das macht. Grinst Ich glaube tatsächlich, dass es da keine Grenzen gibt. Wir sind so experimentierfreudig, dass nahezu alles möglich ist.

Welche Platte sollte man auflegen, wennman morgens aus dem Bad spaziert und das wunderhübsche Mädchen vongestern Nacht noch im Bett liegt?
Jannik: Von uns oder generell? Von uns würde ich zur aktuellen Sturm und Klang raten, weil die sicherlich die jugendlichsten und körperlichsten Themen und Stimmungen an den Tag legt. „Nutz die Zeit, die dir noch bleibt“ (Tandaradei!) zum Beispiel. Die Frage ist ja auch, was vergangene Nacht passiert ist. Wenn da noch Überzeugungsbedarf herrscht, empfehle ich „Strohfeuer“ von derselben Platte („Ein Blick,ein Wort, ein Tanz und du warst mein – komm mit mir ins Stroh“).
Im Zweifelsfall würde ich aber dazu raten, lieber Ed Sheeran anzumachen, damit hat man in dieser speziellen Situation sicherlich mehr Erfolg. Lächelt

Die gute Fee steht plötzlich vor euch und sagt, ihr hättet einen Wunsch frei. Was wünscht ihr euch?
Jannik: In dieser Formation den musikalischen Durchbruch zu erreichen und uns dabei immer wieder neu zu erfinden.

Kein Alkohol ist bekanntlich auch keine Lösung – eine Alk-Kombination, nach der ihr ganz sicher keine Probleme mehr habt?
Jannik: Also Met und Met schon mal nicht, der macht ja nur Probleme wie man weiß. Zwinkert Ich trinke gerne Gin Tonic, aber das führt leider nicht zur Lösung meiner Probleme, so sehr ich mir das auch wünschen würde. Zwinkert Solange es mir aber nicht so geht wie dem Protagonisten unseres dritten Bonustracks auf der neuen Platte („Alkoholverbot“), für den mit jedem Schluck Alkohol die Frauen hässlicher werden, ist alles, denke ich, in bester Ordnung.

Woran erkennt man einen Freund?
Jannik: Er ist da, wenn man ihn braucht, und man ist da, wenn er einen braucht.

Wer war der Held eurer Kindheit?
Jannik: Anfangs sicherlich Ernie aus der Sesamstraße oder Räuber Hotzenplotz zwinkert (das würde einiges erklären), aber das weiß ich nicht mehr so genau. An Büchern haben mich zum Beispiel Ronja Räubertochter und Die unendliche Geschichte von Kindheit an geprägt. Musikalisch waren es lange Zeit die Ärzte. Mit neun wurde ich dann Rammstein-Fan, was bis heute meine Lieblingsband ist, und etwas später kam nach Till Lindemann mit Ville Valo von HIM ein weiteres Gesangsidol hinzu.

Was ist die peinlichste/überraschendste CD in eurem Regal?
Jannik: Meine erste gekaufte Maxi-CD:„Samba de Janeiro“ von Bellini (fetzt!).

Was steht als Nächstes an – Tour?Studio? Auszeit? Ganz was anderes?
Jannik: Auszeit können wir machen, wenn wir die Welt beherrschen. Zwinkert Dieses Jahr spielen wir zum ersten Mal unser neues Akustik-Set auf dem „Phantastischen Mittelalterlichen Lichter Weihnachtsmarkt“ (MPS) in Dortmund. Dann touren wir noch Anfang nächsten Jahres mit der neuen Platte gemeinsam mit Vroudenspil aus Süddeutschland. Wir konzipieren bereits an der nächsten Platte und werden kommendes Jahr mit der intensiven Writing-Phase beginnen, und der Festival-Sommer wird neben dem Hexentanz, Hörnerfest und Feuertanz Festival sicherlich noch die eine oder andere Überraschung bereithalten. Wir freuen uns auf ein neues wildes Jahr!

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