Good Detective, bad Detective

Detective Harry McCoy bekommt seinen zweiten Einsatz im düsteren Glasgow, im nass-kalten Februar 1973. Nach seinem ersten Einsatz (wer nachlesen will: Blutiger Januar ) ist McCoy zurück im Dienst, als erstes führt es ihn in den 14. Stock eines im Bau befindlichen Bürogebäudes. Hier liegt ein Fußballspieler von Celtic Glasgow, brutal ermordet, mit einem Autogramm seines Mörders: „Bye, bye“. Die Ermittlungen führen den Detective zur Familie Scobie: Vater Jake, Verbrecherkönig bzw. Herr über die Northside Glasgows, und die etwas undurchsichtige Tochter Elaine. Die ehemalige rechte Hand des Gangsterbosses droht aus dem Ruder zu laufen, es wird schnell klar, dass er mit dem Tod des Fußballtalents etwas zu tun haben könnte. Fehlen darf natürlich auch wieder nicht Stevie Cooper, ein Freund von Harry seit Kindheitstagen, einer, der auf der kriminellen Seite der Stadt agiert. Hinzu kommt ein weiterer Bekannter der beiden aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit: Paul Brady, mittlerweile obdachlos, erhängt, in der St. Columba Chapel, mit einem Fragen aufwerfenden Zeitungsausschnitt in der Tasche. Eine weitere Fallakte, die über den Schreibtisch des Detectives wandert und böse Erinnerungen weckt.

Alan Parks ist mit Tod im Februar ein weiterer großartiger Krimi Noir gelungen. Von der ersten Seite an wird man in die Geschichte und die wohl damals herrschende Atmosphäre hineingezogen. Man kann die Gedanken des Täters zum Teil verfolgen, man wird in die brutalen Abläufe einbezogen oder hat Anteil an den Drogentrips von Harry und seiner Freundin. Man ist bei den Begegnungen von Detective und Gangsterboss dabei, sitzt im Pub mit am Tisch, beobachtet ihr Tun. Es fließt Blut, es wird gemordet und geprügelt, Drogenexzesse gefeiert, in der Unterwelt beginnt ein brutaler Umbruch. Sehr gut erdacht sind unter anderem die Figuren von Mary Webster (Reporterin, findig, geradeheraus, erfrischend, vielversprechend) und „Wattie“ Watson (McCoys Assistent seit Teil 1, er entwickelt sich wie erwartet weiter, darf hinter die Kulissen von McCoy blicken). Für den McCoy-Fan wird der Schleier der Lebensgeschichte des Detectives weiter gehoben. Der Handlungsstrang bauscht sich auf bis zum sehr gut inszenierten Finale (einschließlich Lobotomie und Kindesmissbrauch).

Ich bin mir sicher, dass die Harry-McCoy-Serie eine Fortsetzung findet, es kann gar nicht anders sein – schließlich gibt’s noch zehn weitere Monate. Mir fehlen die unterschiedlichen Typen jetzt schon, das Eintauchen in die Unterwelt, der Einblick in die Lebensgeschichte des Protagonisten, der raue Ton auf der Polizeiwache, das Überschreiten von Grenzen.

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Alan Parks: Tod im Februar
Heyne Hardcore, Vö. 28.10.2019
432 Seiten
16 €
eBook 12,99 €

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