Nirvana? Langweilig!

Kummer-im-WestenErneut begleiten wir den Protagonisten Anton Kummer, den wir schon mit Düsterbusch City Lights kennengelernt haben (Link zur Rezension), wo er zu Zeiten der DDR mit dem Club Helden des Fortschritts Punk- und New-Wave-Konzerte veranstaltet hat. Mittlerweile ist die Mauer gefallen und die DDR als solche ist Geschichte.
Kummer im Westen, natürlich ist der Titel doppeldeutig zu verstehen. Nach dem Ende der DDR macht Anton Kummer die ersten Erfahrungen im glorreichen Westen. Doch so toll, wie er es sich immer ausgemalt hat, alles, wovon er immer geträumt hat, so toll ist das in der ersten Zeit dann doch nicht. Mit der Wirklichkeit konfrontiert ist er schnell ernüchtert und erleidet einigen Kummer.

Noch dazu kommen die Existenzängste, die er mit Millionen anderer ehemaliger DDR-Bürger teilt. Ostprodukte sind über Nacht nicht mehr gefragt, und unzählige Betriebe müssen schließen. Wie soll Anton nun einen Job finden, wo er doch keine abgeschlossene Berufsausbildung besitzt, weil ihm sein Club Helden des Fortschritts stets wichtiger gewesen ist? In Berlin startet er einen Neuanfang und zieht bei Rita ein, die er noch aus dieser Zeit kennt. Das Haus ist allerdings abbruchreif und hat noch nicht einmal eine Haustür. Er fühlt sich verloren, kein Job, keine Freundin, keine Perspektive, keine Ideen. Nicht einmal die Musik hilft ihm, die sonst stets ein zuverlässiger Anker für ihn gewesen ist. Grunge und Nirvana? Langweilig!
Erst als er mit Techno in Berührung kommt, gibt ihm das wieder Auftrieb. Die Bässe, die Energie, das ist die Zukunft. Seine große Chance sieht er gekommen, als er einen Job bei der Plattenfirma Rock-Juwelen ergattert, für die er illegale Bootleg-Platten fragwürdiger Qualität im Osten vertreibt, wo die Leute ausgehungert sind nach ihren musikalischen Helden. Im Zuge dessen steigt Anton auch wieder bei Helden des Fortschritts ein, die von seiner Schulfreundin Elke zwischenzeitlich wiederbelebt wurden. Denn ohne ihn als Seele des Clubs, sein Engagement und musikalisches Know-How sind seine alten Freunde aufgeschmissen. Gibt es eine Zukunft für die Helden des Fortschritts, und vor allem, gibt es eine Zukunft in Düsterbusch?

Fazit: Die wesentlichen, bereits vertrauten Protagonisten haben auch in Kummer im Westen ihren Auftritt, der Fortsetzung zu Düsterbusch City Lights. Die Entwicklung der Handlung wird konsequent fortgeführt, und als Leser*in ist man glaubhaft nah dran an den Ereignissen der Wendezeit, aber auch am Leben Antons. Einiges ist sicherlich auch wieder von der Biographie des Autors Alexander Kühne inspiriert. Dessen genaue Beobachtungsgabe liefert immer wieder authentische Details aus der Zeit, und es ist spannend, gemeinsam mit Anton in das Berlin der Nachmauerfallszeit einzutauchen. Denjenigen, denen schon der erste Teil gefallen hat, gilt daher eine klare Kaufempfehlung.

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Alexander Kühne: Kummer im Westen
Heyne Hardcore, Vö. 14.09.2020
Paperback , Klappenbroschur, 352 Seiten
16,00 €, als Ebook 12,99 €, erhältlich über Randomhouse
Homepage: https://www.randomhouse.de/Paperback/Kummer-im-Westen/Alexander-Kuehne/Heyne-Hardcore/e563094.rhd
https://www.randomhouse.de/Verlag/Heyne-Hardcore/30800.rhd

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