Guten Appetit!

infamSarah, eine junge Studentin aus Dover, hat endlich alles, was sie will: Das Studium läuft gut, sie hat eine bildschöne Freundin und nun auch einen Job als Babysitterin – zusammen mit ihrer Freundin Denise. Als sich die beiden zu dem verlassenen Haus und dem kleinen Sid aufmachen ahnen sie nicht, dass diese Nacht die schlimmste ihres Lebens werden wird – und vielleicht auch die letzte…André Wegmann hat sich mittlerweile einen Namen gemacht und ist bekannt für seine Horrorgeschichte, die dem Leser gerne den Schlaf rauben. Gekonnt vermischt er Horror mit anscheinend unschuldigen Ausflügen und Szenen, die zum Albtraum für die Protagonisten werden.

Mit seinem neuen Buch Infam setzt Wegmann einen neuen Maßstab für das Horrorgenre. Gekonnt baut der die Spannung auf und lässt hier und da den Leser, der sich schon wieder ängstlich unter der Bettdecke verkrochen hat, umsonst zappeln. Manchmal passiert nämlich gar nichts – doch das ist nur die Ruhe vor dem Sturm, um danach umso grausamer und schauriger fortzufahren. Die Geschichte ist rasant, birgt so manche Überraschung und selbst wenn man glaubt, den nächsten Horror genau zu kennen und vorauszusehen, so ist man doch schockiert.

Infam fesselt den Leser – vielleicht auch, weil man unbedingt das Ende herbeisehnt, auf das Happy End und vor allem den Abschluss des Grauens hofft. Möglicherweise vergebens.

Krass ist der angesprochene Voyeurismus, mit dem Wegmann sogar ein wenig Gesellschaftskritik in seine Geschichte einbindet, denn es ist egal, was passiert und wie eklig und menschenverachtend es ist, man schaut zu, man bezahlt sogar dafür und selbst wenn einer der Beobachter kurzzeitig Skrupel hat, werden diese doch ganz schnell unter den Teppich gekehrt. Die Faszination ist einfach zu groß und der Reiz des Verbotenen lockt.
Von der Geschichte selbst kann man kaum mehr erzählen, sonst würde man sicherlich die Spannung nehmen. Sarah und Denise lieben sich kurz auf der Couch im Wohnzimmer, während der kleine Sid ein Stockwerk höher schläft und von saftigen Fleischbrocken träumt.

Alles in allem ein guter Schocker, perfekt für gruselige Leseabende in der dunklen Jahreszeit. Für meinen Geschmack bräuchte es die Sexszene nicht, aber auch das gehört zu Wegmann dazu.

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André Wegmann – Infam. Die Nacht der tausend Augen
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