Buch: Aurélien Masson (Hg.) – Paris Noir

Die dunkle Seite von Paris

cb_noir-reihe_paris_2017-04-25rgb_240„Man bewohnt seine Stadt nicht, man erträumt sie. Ich möchte Sie einladen, mir in diesen Traum zu folgen.“ So sieht es der Herausgeber Aurélien Masson, der 12 Noir-Schriftsteller aus der französischen Hauptstadt einlud, Paris Noir mit ihren Erzählungen zu füllen. Es sind unterschiedliche Krimis, die verschiedene Themen aufgreifen, sie in verschiedene Pariser Stadtteile versetzen und eine Noir-Story daraus bauen.

Besonders beeindruckt war ich unter anderem von „Der Chauffeur“ (spielt rund um Les Halles) von Marc Villard, der eine dunkle Schönheit eine kriminelle Karriere erleben lässt. Aber da gibt es diesen Mann, der ihr zur Seite steht, allerdings kann er sie nicht vor allen Gefahren beschützen. Und „Der Chinese“ wollte eigentlich nur die Stadt an der Seine kennenlernen, jedoch hat seine Stadtführerin andere Pläne mit ihm. Sehr gut erdachter Plot mit einer grausamen Hauptdarstellerin von Chantal Pelletier, die in Ménilmontant ihr Verbrechen begeht. Der Gare du Nord ist der Mittelpunkt von „Berthet geht“, ein kompakter Spionagethriller mit Toten und Geheimnissen, beschrieben von Jérôme Leroy. Von einer bittersüßen Liebesgeschichte erzählt „Wie eine Tragödie“ (Laurent Martin), der Gegenwart mit Vergangenheit verquickt und damit einen berührenden und tragischen Krimi formt, dies mitunter im Theaterdialog. „Weihnachten“ läutet Christophe Mercier im Stadtteil Pigalle mit J.S. Bach und den Rolling Stones ein. Hier fließt viel Lokalkolorit ein, der alternde Privatdetektiv hat einen interessanten, tödlich verlaufenden Abend. Sehr berührend und tragisch verläuft „La vie en rose“ (Dominique Mainard): Es geht um ein junges, verschwendetes Leben und die großväterliche, tragische Liebe eines Mannes. Berührend war für mich die Gedankenwelt des verwirrten, dementen Protagonisten in „Tote Erinnerungen“, die Patrick Pécherot entworfen hat, ein gutes Einfühlungsvermögen des Autors und ein tragischer Lebenslauf. Eine philosophisch, poetisch, irrationale Noir-Geschichte verfolgt man bei „No Comprendo L’Étranger“ (Hervé Prudon).

Paris ist nicht nur die romantische Stadt, sondern sie gehört auch zu einem Land, in dem die „Noir“-Erzählungen erfunden wurden. Es sind unterschiedliche Krimis, die in der Pariser Altstadt wie auch in den Außenbezirken stattfinden. Oftmals sind es triste und tragische Lebensläufe, es wird reales Leben aufgezeigt, zu dem eben auch der Tod, Kriminalität und Verbrechen gehören. Vor kurzem habe ich den herben Pariser Charme persönlich erleben dürfen, mit den 12 Kurzgeschichten sind diese Eindrücke für mich noch besser verständlich.
Informativ sind am Ende von Paris Noir die angefügten Informationen zu den beteiligten Autoren, man kann sich mit dem ein oder anderen näher bekannt machen. Vielleicht wird durch das Gesamtpaket ein neuer Lieblingsschriftsteller geboren.
Die Idee ist gut, eine Stadt mittels unterschiedlicher Kriminalliteratur vorzustellen – was dem eigentlichen Reiz sicherlich nicht schadet. Umso mehr freue ich mich auf die vom Verlag in Aussicht gestellte Fortsetzung dieser Noir-Serie aus verschiedenen Städten. Ich bin gespannt!

Infos des Culturbooks-Verlags zu den nächsten Bänden der Reihe:
– (Frühjahr 2018) Berlin Noir. Herausgegeben von Thomas Wörtche. Mit exklusiven Storys von Rob Alef, Max Annas, Zoë Beck, Katja Bohnet, Ute Cohen, Johannes Groschupf, Kai Hensel, Susanne Saygin, Matthias Wittekindt, Ulrich Woelk, Michael Wuliger, Miron Zownir u. a.
– (Herbst 2018) *USA Noir*. Herausgegeben von Johnny Temple. Mit exklusiven Storys von Jerome Charyn, Michael Connelly, Lee Child, Jeffrey Deaver, Jonathan Safran Foer, Dennis Lehane, Laura Lippman, Joyce Carol Oates, Don Winslow u. a.
Weitere Städte-Noirs unter anderem aus Stockholm, London, Rom, Toronto, Venedig, Dublin, Los Angeles, Las Vegas, Brooklyn sind geplant.

Infos zum Herausgeber: Aurélien Masson wurde 1975 geboren und war ab 2002 Lektor und von 2005 bis 2017 Herausgeber der legendären Série Noire der Édition Gallimard, einem von Frankreichs führenden Verlagshäusern.

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Aurélien Masson (Hg.): Paris Noir. Zwölf exklusive Geschichten der besten Pariser Noir-Autoren. Mit Salim Bachi, Didier Daeninckx, DOA, Jérôme Leroy, Dominique Mainard, Laurent Martin, Christoph Mercier, Patrick Pécherot, Chantal Pelletier, Jean-Bernard Pouy, Hervé Prudon und Mark Villard. Übersetzt von Zoë Beck, Jan Karsten, Martin Spieß und Karen Gerwig.
Culturbooks, Oktober 2017
Paperback, 344 Seiten.
15,00 Euro; eBook: 9,99 Euro

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