Buch: Ben Aaronovitch – Der Galgen von Tyburn

Peter Grant ermittelt zaubert wieder

Galgen von TyburnTyburn. Eine der mächtigsten der Töchter von Mama Themse, High Society Lady mit mehr Einfluss, als man glauben mag, und im Gegensatz zu seiner Freundin Beverly ein Fluss, mit dem Peter sehr, sehr vorsichtig umgeht. Noch dazu wo er ihr, seit sie ihm das Leben gerettet hat, auch noch einen Gefallen schuldig ist. Aber Tyburn ist nicht nur das alles, sondern auch der Ort in London, an dem über Jahrhunderte öffentliche Hinrichtungen am Galgen stattfanden – heute Marble Arch. „Take a ride to Tyburn“ war eine gängige Phrase.
Da ist es nun für Peter ziemlich problematisch, als niemand Geringeres als Lady Tys Tochter Olivia in den Drogentod einer Mitschülerin verstrickt wird, deren Leiche noch dazu Spuren von Magiegebrauch zeigt. Als wäre das noch nicht schlimm genug, scheint auch der unbekannte Gesichtslose Magier, der Peter vor einiger Zeit von einem einstürzenden Hochhaus geworfen hat, in die Sache involviert zu sein. Und Peters ehemalige Kollegin Lesley scheint ihm treu ergeben zu sein.


Nachdem ich in der „Flüsse von London“ Reihe von Ben Aaronovitch, deren sechster Band dies nun bereits ist, bei den Teilen drei und vier zwischendurch mal einen Durchhänger hatte, hat mich „Fingerhut Sommer“ wieder voll und ganz in Peter Grants Welt hineingezogen, und „Der Galgen von Tyburn“ folgt seinem Vorgänger mühelos. Ein fesselnder Krimi, den man kaum weglegen mag, und nach fünf Bänden hat man endlich das Gefühl, dass Peter und Detective Chief Inspector Nightingale nicht mehr vollkommen im Dunkeln stochern bei ihrer Suche nach dem Gesichtslosen Magier. Das gibt der Story nochmal einen extra Schub, sodass man das Buch kaum aus der Hand legen mag.

Mehrere Handlungsfäden, die sich durch die Vorgänger gezogen haben, fließen nun hier zusammen. Die Amerikaner mischen sich wieder ein, und da scheint mehr dahinter zu stecken. Lesley und der Gesichtslose rücken endlich ins Fadenkreuz. Die Magierin Lady Helena und Tochter Caroline, die zu unerwarteten Verbündeten werden. Und auch die nicht-magischen Abteilungen der Metropolitan Police erkennen langsam, dass Peter und Nightingale nicht nur zwei Spinner mit Zauberstäben sind (dabei haben sie meistens gar keine Zauberstäbe), und dass Magie in London tatsächlich zu einer Bedrohung wird. Langsam erkennt man Muster und eine Richtung, wo vorher vor allem spritzige Einzelromane mit vagen Andeutungen waren. Ja, „Der Galgen von Tyburn“ hat mir erstmals das Gefühl gegeben, dass es so richtig vorangeht und wir vielleicht bald dem Ende der Reihe entgegensehen.

Natürlich ist Peter nach wie vor einer der witzigsten Fantasyhelden, die ich kenne; der trockene Humor, die unzähligen Anspielungen auf Nerdiges und Popkultur und seine flapsige Art sind genau mein Ding. Dabei wirkt der Charakter aber nie krampfhaft konstruiert, sondern so natürlich, als ob Aaronovitch diesen Stil einfach locker flockig aus dem Ärmel schüttelt. Tatsächlich ist dem mitnichten so – wer Herrn Aaronovitch in den sozialen Medien folgt, wird oft lesen, wie er von 500 Worten pro Tag erzählt. Da weiß man erst richtig zu schätzen, wie viel Arbeit in so einem flapsigen Dialog steckt und wie gewissenhaft der Autor an jedem Satz feilt.

Leider heißt das auch, dass noch kein Erscheinungstermin für Teil 7 in Sicht ist. Aber nach dem Lesegenuss, den mir „Der Galgen von Tyburn“ bereitet hat, bin ich mir absolut sicher, dass sich das Warten lohnen wird.

Wer die „Flüsse von London“ Reihe noch immer nicht kennt, sollte sich schleunigst Band eins besorgen und aufholen, denn es wird jetzt richtig spannend! Ob ihnen wohl langsam die Farben fürs Coverdesign ausgehen?

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Ben Aaronovitch – Der Galgen von Tyburn
dtv Verlag, 5. Mai 2017
415 Seiten
€10,95, eBook: €8,99

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