Die Frau ohne Gnade

 

aichner_btotenfrauBrünhilde – die Eltern sind Besitzer eines kleinen Beerdigungsunternehmens, sie adoptierten das Mädchen und gaben ihr diesen altertümlichen Namen. Eigentlich wollte der Vater einen Jungen, aber gut, dann wird eben die Tochter in seine Arbeitsweise eingeführt, rücksichtslos und mit viel Druck. Sie rächt sich dafür …
Blum – das Mädchen ist erwachsen geworden, die Eltern sind tot, den verhassten Namen hat sie abgelegt. Nach dem elterlichen „Unglücksfall“ lernt sie Mark kennen, den einfühlsamen und sympathischen Polizisten. Sie werden ein Paar, die Töchter werden geboren, Marks Vater zieht zu der jungen Familie, und Blum betreibt das Geschäft, das sie von ihrem Vater übernommen hat.
Doch dann passiert ein schreckliches Unglück: Mark wird von einem Auto überfahren, er hat sich gerade noch von seiner Familie verabschiedet, ist auf sein Motorrad gestiegen und losgefahren, jetzt ist er tot. Aber es ist nicht so, wie es scheint … Alles, was ab Blums Aufdeckungen zum Tod ihres Mannes passiert, haben sich ihre Opfer selbst zuzuschreiben.

 

Blum hat Unterstützung von ihrem Schwiegervater sowie von Reza, dem Gehilfen in ihrem Geschäft. Dies alles schildert der Autor Bernhard Aichner hoch emotional. Nach und nach kristallisiert sich heraus, an welchem Fall sich Mark festgebissen hat: Dunja wurde in einem unbekannten Keller von fünf Männern gefangengehalten und zu sexuellen Praktiken gezwungen, keiner glaubt ihr, die Polizei wies sie in eine Nervenklinik ein. Blum zweifelt, hadert und kommt doch der Wahrheit über den Tod ihres geliebten Mannes immer näher. Der Erzähler dieser Verzweiflung hat sich in diesen weiblichen Part sehr gut eingefühlt. Die Frau geht erbarmungslos vor und rächt ihren Mann, es rollen Köpfe (im wahrsten Sinne des Wortes). Aichner erzählt dies unbarmherzig und nachvollziehbar. Seine kurzzeitige Tätigkeit in einem Beerdigungsunternehmen hat sich ausgezahlt, dies beweist er auch durch die Beschreibung von Handlungen, die zum Beispiel an Toten vor einer Aufbahrung nötig sind. Die Todesarten der Opfer sind ähnlich, die Vorgehensweise der Mörderin ist bei jedem Opfer anders und gut durchdacht vom Autor. Mir fehlt allerdings etwas das Prickeln, wenn ein Täter kurz davor ist, entdeckt zu werden.
Dieses gefühlsmäßige Auf und Ab, die Aufdeckung der Mörder, der Ablauf der herbeigesehnten Rachetaten, die Vorstellung, dass irgendwo auf der Welt solch ein monströser Ort, wie von Dunja beschrieben, existieren könnte, ergibt einen eigenen Sog, der den Leser das Buch nicht mehr aus der Hand legen lässt.

Bernhard Aichner kündigt auf seiner Homepage bereits ein Nachfolgewerk für September 2015 an: Das Totenhaus. Ich freue mich auf ein weiteres intensives Seiten-Schauspiel.

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Bernhard Aichner: Totenfrau
btb-Verlag, März 2014
19,99 €
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Videos zu Bernhard Aichner und Totenfrau

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