Wenn Menschen sich in Luft auflösen …

 

helbling-die-maedchenIn der Schweiz verschwinden Ende der 1970er-Jahre vier Gymnasiastinnen still und leise. Keiner hat damit gerechnet; sie hinterlassen ihre Familien, die gutbürgerlich oder angesehen und vermögend sind. Was geschieht innerhalb eines persönlichen Lebensbereichs, wenn Jugendliche plötzlich ihrer eigenen Wege gehen? Das beschriebene Umfeld in Form der Klassenkameradinnen und Lehrer von Helene, Beatrice, Anouschka und Lilli berichtet davon. Es wird auch aufgezeigt, wie Helenes jüngerer Bruder mit der neuen Situation und den Umständen umgeht, und er ist es auch, der bis zum Ende ein Teil der Erzählung ist. Es entstehen Veränderungen, die den Alltag der Zurückgebliebenen umkrempeln.

Die Mädchen ist eine stille Geschichte. Brigitte Helbling zeichnet eine Persönlichkeitsstudie der verwaisten Eltern, der Entwicklung von persönlichen Geschichten aus dem Umfeld. Interessant ist auch die Vermutung, dass die Ausreißerinnen sich einer linksradikalen Vereinigung angeschlossen hätten. Im weiteren Verlauf der Erzählung treten die Verschwundenen immer weiter in den Hintergrund, um gegen Ende des Buches ihre Schicksalswendungen zu beleuchten. Die Geschichte zieht sich über viele Jahre hinweg und endet in einem Klassentreffen nach vielen Jahren. Irritierend sind die fehlenden Anführungszeichen in der wörtlichen Rede, das unterbricht manchmal den Lesefluss.

Fazit: Ein unspektakulärer Lesestoff – trotzdem interessant aufgrund der Wendungen.

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Brigitte Helbling: Die Mädchen
CulturBooks Verlag, Mai 2015
220 Seiten
€ 7,99

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