Buch: Christof Meueler – Das ZickZack Prinzip

Alfred Hilsberg – Ein Leben für den Untergrund

Meueler_CZickZack-Prinzip_Hilsberg_168363So lautet der Untertitel und hat damit das wichtigste zum Inhalt des Buches bereits zusammengefasst. Alfred Hilsberg, ein Name und fast schon ein Mythos, um den sich zahllose Geschichten und Legenden ranken, und ohne den die Entwicklung des Punk und des musikalischen Untergrunds generell in Deutschland auf jeden Fall deutlich anders verlaufen wäre. Als Person und mit seinem Independent-Label ZickZack übt er einen großen Einfluss aus, was auch kontrovers diskutiert wird. Einstürzende Neubauten, Die Krupps, Henry Rollins, Blumfeld, Rummelsnuff … um nur einige große Namen zu nennen, die er entdeckt und veröffentlicht. Eigentlich sollte Christof Meueler Co-Autor in der Autobiographie sein, doch Hilsberg musste sich aus gesundheitlichen Gründen aus dem Projekt zurückziehen.
Also bringt Meueler das Buch als Biographie im Alleingang zu Ende und hat dazu nicht nur umfangreiche Recherchen betrieben, sondern auch zahlreiche Zeitzeugen und Wegbegleiter Hilsbergs interviewt. Teile der Gespräche lässt er an passenden Stellen in die Geschichte einfließen und erschafft so nach und nach ein umfassendes Bild über Alfred Hilsberg, sein Leben und sein Werken. Natürlich kann man nicht jede Person kennen, die im Buch Erwähnung findet, aber dafür hat Meueler vorgesorgt. Am Ende des Buches werden alle, die zu Wort kommen, in alphabetischer Reihenfolge kurz vorgestellt. Außerdem gibt es ein umfangreiches Register, das als Nachschlagewerk dient.
In chronologischer Reihenfolge wird das Leben und Schaffen des 1947 geborenen Hilsberg beleuchtet, und so beginnt das Buch mit seiner Kindheit in Wolfsburg. Schon früh ist ihm klar, auf keinen Fall will er ans Band bei VW. In der Schule macht er bei bei der Schülerzeitung mit und gründet eine Film-AG. Als Flucht aus dem Alltag werden halb verbotene Filme gezeigt. Später organisiert er seine ersten zwei Konzerte mit den Krautrockern Amon Düül II. Unverhofft und zufällig wird Hilsberg 1968 schließlich Geschäftsführer der Filmmacher Cooperative in Hamburg, das für ihn die Befreiung von Wolfsburg darstellt. 1971 kommt es schließlich im Streit über die politische Arbeit zum Bruch. Dem Film bleibt er treu, erst als Dozent und dann auch als Student. Durch die englische Musikpresse wird Hilsberg auf Punk aufmerksam und fährt ab Herbst 1976 regelmäßig mit Moishe Moser nach London, um Konzerte zu besuchen und kofferraumweise Platten zu kaufen. Punk ist die Kulturrevolution, auf die er gewartet hat. Im Februar holten sie The Vibrators für die ersten drei Punk-Konzerte auf deutschem Boden nach Berlin, Hamburg und Hannover. Legendär werden die Punk-Festivals in der Markthalle: Into the Future und Geräusche für die Achtziger 1979.
Zusammen mit Klaus Maeck eröffnet Hilsberg in Hamburg schließlich den Plattenladen Rip Off, kurze Zeit später gründen sie das Indie-Label ZickZack. Parallel zu all dem schreibt er seit 1978 für das Musikmagazin Sounds. Mit Abwärts feiert das Label erste Erfolge, und kurze Zeit später kommt es zur schicksalhaften Zusammenarbeit mit Einstürzende Neubauten. Der Zusammenbruch des NDW-Hypes belastet nicht nur die Industrie, sondern stürzt auch die kleinen Indie-Labels in die finanzielle Krise. Als Folge gründet Hilsberg 1984 als Flucht nach vorn das international ausgerichtete neue Label What’s So Funny About. Finanziell ist es ein stetiges Auf und Ab, teils durch wechselnde Erfolge, teils durch wirtschaftliches Unvermögen und Drogenexzesse. In den 90ern gelingt ihm mit Blumfeld zwar der große Wurf, doch andere nicht erfolgreiche Veröffentlichungen fressen alle Gewinne auf. Durch den Zusammenbruch des Tonträger-Marktes zugunsten von Downloads Anfang des neuen Jahrtausends wird das wirtschaftliche Überleben immer schwieriger, und so verkauft Hilsberg stellenweise Teile seiner Plattensammlung, um sein Label zu retten. Trotzdem ist er bis heute im Untergrund tätig – denn das ist sein Leben. Ein Leben für den Untergrund.

Fazit: Wer ist Alfred Hilsberg? Die neben Hollow Skai vom Indie Label No Fun vielleicht einflussreichste Person im musikalischen Untergrund in Deutschland? Natürlich wird diese Frage in Das ZickZack Prinzip umfangreich beantwortet, und ich persönlich finde es sehr spannend zu lesen, gerade auch weil der zeitgeschichtliche Kontext stets berücksichtigt wird. Und dennoch, irgendwie bleibt das unbestimmte Gefühl zurück, dass man jetzt alles weiß und gleichzeitig wieder nichts. Alfred Hilsberg war, ist und bleibt ein Mysterium. Und eigentlich gefällt mir das ganz gut so.

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Christof Meueler: Das ZickZack Prinzip
Heyne Hardcore, Vö. 28.03.2016
Gebundene Ausgabe, 384 Seiten
22,99 €, als eBook 18,99 € erhältlich über www.buecher.de
Homepage: https://www.randomhouse.de/Buch/Das-ZickZack-Prinzip/Christof-Meueler/Heyne-Hardcore/e325833.rhd

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