Buch: Daniel Illger – Skargat: Der Pfad des schwarzen Lichts

Geheimnisse, Rätsel und Geistergeschichten

SkargatMykar, in seinem Dorf verschrien als „Skargat-Kind“ – eine Art Wechselbalg, Dämonenbrut -, ist zwölf, als in seinem Dorf ein junges Mädchen ermordet wird. Und weil er quasi geächtet ist, zeigen die Finger natürlich ohne zu zögern auf ihn, man schlägt ihn nieder und lässt ihn totgeglaubt im Wald liegen. Doch Mykar ist nicht tot, und als er Jahre später beobachtet, wie Cay – sein einziger Freund – von Männern verschleppt wird, fasst er einen Entschluss: Er muss Cay retten, koste es, was es wolle. Getrieben von Wut, Rachegedanken und einer unerklärlichen Energie macht er sich auf den Weg in die Hauptstadt, um seinen Freund zu befreien. Doch Cay ist nur ein kleines Puzzleteil im großen Bild, das sich langsam zusammensetzt …


Skargat: Der Pfad des schwarzen Lichts ist ein packender Dark Fantasy Roman, der sich von Genre-Klischees losmacht und uns eine wirklich neue Geschichte erzählt.

Wir begleiten Mykar, wie er vom Dorf wie ein Aussätziger behandelt und von seiner Familie verstoßen wird, und dann Cay kennenlernt, der ihm nicht nur ein Freund ist, sondern ihn auch in die Gemeinschaft integriert. Doch als er Alva, Cays Freundin, geschändet und tot im Wald findet, bricht seine kleine Welt vollständig zusammen.

Dieser Einstieg ist mal was Neues; es scheint eigentlich, als wäre Mykars Leben schon nach wenigen Kapiteln vorbei. Dieser Drang nach neuen Ideen zieht sich durch das gesamte Buch, sodass es nie vorhersehbar und langweilig wird. Über große Teile der Geschichte bleibt der Leser vollständig im Dunkeln darüber, wohin sich alles entwickeln wird. Schnell werden neue Charaktere eingeführt, die Mykar zur Seite stehen – auch wenn nicht immer klar ist, warum eigentlich. Da ist Justinius, der gefallene Sohn eines Barons, der sich dem Alkohol hingibt, Scara, seine geisteskranke Magd und die mysteriöse Vanice, die nach außen hin eine feine Dame zu sein scheint, aber ein schreckliches Geheimnis hütet. Auf ihre eigene Weise wachsen einem diese Charaktere sehr ans Herz, und man fühlt schnell, wie verloren Mykar ohne ihre Hilfe wäre.

Leider verliert sich Daniel Illger gern in etwas ausschweifenden Erklärungen, Rückblicken und inneren Monologen, sodass er dazu neigt, sich ein wenig in seinen Charakteren zu verheddern. Spätestens auf Seite 400, als klar wurde, dass Skargat kein alleinstehendes Werk sein würde, habe ich mir gewünscht, er hätte vieles ein wenig gestrafft. So ist Skargat zwar ein gelungener Einstieg in eine längere Reihe, aber man hängt doch ein wenig in der Luft, wenn einem das nicht von vorn herein bewusst ist.

Allerdings streut Illger genug Fragen ein, um den Leser auf einen zweiten Teil neugierig zu machen. Was ist Mykar eigentlich? Was ist Scaras Geschichte? Wie geht es mit Vanice weiter? Und welches große Böse versteckt sich hinter der Bühne?

Alles in allem ist Skargat: Der Pfad des schwarzen Lichts ein wirklich gelungener, gut geschriebener Einstieg in eine innovative Romanreihe, die irgendwo zwischen Geistergeschichte und Dark Fantasy balanciert. Es wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet, führt liebenswerte Charaktere ein und bedient ganz bewusst keine „Gut gegen Böse“–Klischees. Für Genrefans ist Skargat also trotz kleiner Schwächen definitiv einen Blick wert. Und vielleicht werden einige Fragen ja bald beantwortet, denn Teil zwei, Skargat: Das Gesetz der Schatten, erscheint im August.

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Daniel Illger – Skargat: Der Pfad des schwarzen Lichts
Klett Cotta, 2015
568 Seiten
€ 17,95
Ebook: € 13,99

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