Eine bemerkenswerte Lebensgeschichte und Krimis

Göhre_Mayer_Cops_Cover_unpluggedIn den letzten Jahren habe ich so manchen Krimi gelesen, der Titel Cops in the City. Ed McBain und das 87. Polizeirevier. Ein Report von Frank Göhre und Alf Mayer versprach einen interessanten Blick von einer anderen Seite auf dieses Genre. Hier geht es nicht alleine um die bösen Umtriebe in einer Stadt, es ist auch ein nüchterner Blick auf das Leben eines amerikanischen Autors, der eine Vorreiterrolle für seine Zunft darstellt. Das Buch weiß außerdem zu punkten durch die Vorstellung des 87. Polizeireviers, mit seinen Detectives, deren Familien, Lebensverhältnissen und natürlich den zu bearbeitenden Mordfällen.

Salvatore Albert Lombino (geboren 1926), später bekannt unter den Autorennamen Ed McBain bzw. Evan Hunter, entwickelte sich im Lauf seines Lebens zu einem vielseitigen und schaffungsfreudigen Schriftsteller.

Viele spätere Autoren nahmen sich seine Kriminalgeschichten als Beispiel für das eigene Schaffen und widmen ihm in diesem Buch einige Zeilen der Verehrung (zum Beispiel J.A. Konrath und Stephen King). Interessant finde ich, dass McBain sich auch an pornografischer Literatur versucht hat, und dass er sogar unter seinen zwei Pseudonymen ein Buch dieses Genres, Candyland, veröffentlicht hat. Der Leser kann die Entwicklung eines Kriminalschriftstellers von Anfang an verfolgen, der seine Erzählungen realitätsnah wiederzugeben weiß. Außerdem begegnet einem Alfred Hitchcock, mit dem Ed McBain unter anderem für Die Vögel zusammenarbeitete. Zudem hat der amerikanische Schriftsteller es als einer der ersten gewagt, eine weibliche Ermittlerin in seine Geschichten einfließen zu lassen – bemerkenswert! Einige Bücher des Schriftstellers wurden auch verfilmt – ich wünschte mir, dass man die Filmrollen entstauben und wieder einmal sehen könnte.

Eine zweite Ebene innerhalb dieses Buches bildet das von McBain entworfene 87. Polizeirevier. Hier trifft Sozialgeschichte auf Blut und Mord innerhalb einer fiktiven Stadt, die aber dann doch wieder sehr an New York City erinnert. Dies ist mitunter eine Parallele, die der Autor zwischen der eigenen Lebensgeschichte und seinen Romanen einfügt. Die Einblicke in die Polizeiarbeit und Taten sind schonungsloser als bei so manchem heutigen Krimi (was mir besonders gut gefällt). Die Romanfiguren sind persönlicher beschrieben, man erfährt mehr über deren Gedanken, familiäre Verhältnisse und eigenen Befindlichkeiten. Eine Ähnlichkeit dazu konnte ich in Die Nachtschicht entdecken, einer der Gründe, warum ich diese Filme gerne sehe (selbst zu später Stunde).

Fazit: Ich stimme mit Lawrence Block überein (Seite 254f.), der über Ed McBain sagt: „… ein Schriftsteller mit jedem Atom seines Körpers …“. Cops in the City ist ein Report, ein Schriftstellerporträt, ein Blick hinter und in das 87. Polizeirevier. Alles zusammen gibt dem Leser die Möglichkeit, sich einzulesen in eine bemerkenswerte Lebensgeschichte und 55 Bücher bzw. bis 2005 dauernde Schaffensperiode.

Ab Seite 266 kann man sich inspirieren lassen, welchen McBain-Krimi oder Roman man als nächstes zur Hand nimmt. Ich hab da schon eine Ahnung, welches Buch es in meinem Fall sein wird.

Anmerkung: Wer einen Blick auf die europäische Kriminalliteratur werfen möchte, wird beim CulturMag fündig. Thomas Wörtche, der auch zu diesem Buch das Vorwort schrieb, lieferte hier im Februar 2016 einen interessanten Beitrag.

Informationen zu den Autoren findet man unter http://www.culturbooks.de/portfolio/frank-goehre/ und http://www.culturbooks.de/portfolio/alf-mayer/.

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Frank Göhre, Alf Mayer: Cops in the City. Ed McBain und das 87. Polizeirevier. Ein Report
CulturBooks Verlag, 04.01.2016
292 Seiten
€ 17,90

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