Buch: George R.R. Martin und Gardner Dozois präsentieren Königin im Exil und 20 weitere Kurzromane

Von Unschuldsengeln, bombigen Muscheln, fliegenden Zombiegehirnen und majestätischen Drachen

„Königin im Exil“ ist eine Anthologie aus 21 Kurzgeschichten, herausgegeben von Gardner Dozois und George R.R. Martin, der für alle Fans von „Das Lied von Eis und Feuer“ auch eine neue Westeros-Geschichte zum Buch beiträgt sowie aus der Wild-Cards-Serie die Story „Lügen, die meine Mutter mir erzählt hat“ von Caroline Spector. Gardner Dozois, Science-Fiction-Autor, langjähriger Redakteur der Zeitschrift Asimov’s Science Fiction und mehrfach ausgezeichneter Herausgeber von Science-Fiction-Anthologien legt mit seinem Ruf in der Sci-Fi-Welt die Messlatte für dieses Buch sehr hoch. Zum Thema für ihr gemeinsames Werk haben die Herren Dozois und Martin gefährliche Frauen aller Art gemacht, was der Originaltitel „Dangerous Women“ noch besser illustriert. Diese auserkorenen Ladys führen uns nun genreübergreifend durch Königin im Exil.

Das Buch beginnt, nach einem Vorwort von Gardner Dozois, mit dem eher unspektakulären Western „Welch ein Desperado!“ von Joe Abercrombie. Der folgende Kurzroman „Entweder ist mein Herz gebrochen“ von Megan Abbott ist schon spannender geschrieben, und am Ende leidet der Leser sogar etwas mit dem Vater in der Geschichte mit. Mit Cecelia Hollands Beitrag „Noras Lied“ hatte ich etwas Probleme, weil sich mir seine Aussage, um Nora und ihre königlichen Familie, nicht erschlossen hat. Bereits hier war ich versucht, das Buch einfach beiseite zu legen. Aber ich wollte natürlich unbedingt die neuen Geschichten meiner Favoriten lesen, also gab ich dem Buch eine 2. Chance.

Nach einer weiteren netten, wenn auch nicht großartigen Geschichte namens „Die Hände, die nicht da sind“, einem exotischen Weltraumabenteuer von Melinda Snodgrass, kam ein erster Lichtblick. In Jim Butchers „Bombige Muscheln“ kann Harry Dresdens smarte Gehilfin Molly, diesmal fast auf sich allein gestellt, zeigen, was sie alles von ihrem kultigen Chef gelernt hat und was alles so in ihr steckt.
Carrie Vaughn führt uns mit „Raisa Stepanowa“ in eine Welt mutiger sowjetischer Heldinnen, die Fliegerasse werden wollen. Joe R. Lansdales Geschichte „Ringen mit Jesus“ handelt von zwei Wrestler-Legenden, die dazu verdammt sind, bis in alle Ewigkeit um die Gunst einer mysteriösen Frau zu kämpfen. Megan Lindholms „Nachbarn“ ist eine Fantasystory mit dennoch tiefsinnigem Hintergrund und befasst sich mit dem Thema Alzheimer. Lawrence Block schreibt in seinem Beitrag „Ich weiß, wie man sie rauspickt“ von einer Femme fatale mit einem für den Hauptdarsteller nicht vorhersehbaren Plan. In „Schatten für Stille in den Waldungen der Hölle“ nimmt uns der Autor Brandon Sanderson mit in die Fantasywelt einer Kopfgeldjägerin, die eigentlich keine ist. Die Titelstory „Königin im Exil“ von Sharon Kay Penman entpuppt sich als gut geschriebene historische Geschichte um eine mutige Königin. In Lev Grossmans „Das Mädchen im Spiegel“ gerät ein Racheakt einer Studentenverbindung etwas aus dem Ruder.
Der nächste Titel „Zweite Arabesque, sehr langsam“ verrät schon einen Teil vom Inhalt dieser Geschichte, dennoch ist man überrascht, in einer Science-Fiction-Welt, einer Erde im Ausnahmezustand, auf die Schönheit von Ballett und Musik zu treffen. Eine sehr schön geschriebene Geschichte, von Nancy Kress, über den Glanz einer vergangenen Zeit. In Diana Rowlands „Stadtlazarus“ trifft ein korrupter Polizist auf eine weitere Femme fatale, die ihm nicht gut bekommen wird.

Und endlich, endlich näherte ich mich meinem persönlichen Höhepunkt, einer Kurzgeschichte von Diana Gabaldon, die mit „Unschuldsengel“ ein wenig in das Leben von Jamie und Ian vor ihrer „Outlander-Zeit“ eintaucht. Sherrilyn Kenyons Beitrag zur Sammlung, „Die Hölle kennt keinen Zorn“, ist eine leicht lesbare Mysterystory nach einer wahren Legende, und in S. M. Stirlings „Verkünder der Strafe“ tauchen wir in eine Science-Fiction-Version von Oregon ein. Nach weiteren Geschichten von Sam Sykes „Benenne die Bestie“, Pat Cadigan „Kümmerer“ und Caroline Spector „Lügen, die meine Mutter mir erzählt hat“, bildet Großmeister George R. R. Martin mit „Prinzessin und die Königin oder Die Schwarzen und die Grünen“ den Abschluss dieser Anthologie. Auch hier erfolgt ähnlich wie bei der Geschichte von Diana Gabaldon ein Zeitsprung in die Zeit „davor“, jedoch fällt es einem etwas wegen zu vieler Charaktere und zu vieler ähnlich klingender Namen schwer, der Geschichte zu folgen. Dem eingefleischten Game-of-Thrones-Fan dürfte es leicht fallen, dem Geschehen zu folgen, und er wird diese Geschichte aus dem Land von Eis und Feuer als lang ersehnten neuen Lesestoff lieben.

Mein Fazit am Ende des Buches: Ich bin nicht überzeugt! Es gibt durchaus gute Geschichten in dieser Anthologie, jedoch zu wenige, um von dem Gesamtwerk begeistert sein zu können. Bei einigen Beiträgen war ich leider wirklich froh, als sie fertig erzählt waren.

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George R.R. Martin und Gardner Dozois präsentieren Königin im Exil und 20 weitere Kurzromane
Blanvalet Verlag, 20.04.2015
1115 Seiten, broschiert
16,99 EUR (Amazon), auch erhältlich als Kindle Edition 13,99 €

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