Buch: Leonie Swann – Dunkelsprung – Vielleicht kein Märchen

Große Sprünge!

Julius Birdwell, seines Zeichens passionierter Juwelier und stolzer Flohzirkusdirektor, ist in ein ziemliches Schlamassel geraten: Nach einem Sturz in einen Kanal wird er von einer Nixe gerettet, allerdings nur gegen das Versprechen, ihre Schwester zu retten. Wie und wovor weiß er allerdings nicht, kommt aber nach einer Weile auf die Spur des mysteriösen Prof. Fawkes, der eine Art Zauber-Show betreibt. Mit Hilfe der ebenso mysteriösen Elisabeth, des konzentrationsschwachen Privatdetektivs Green und seiner Flohtruppe unter der Leitung von Albinofloh Lazarus Dunkelsprung macht er sich also auf, die Nixe zu befreien.


Dunkelsprung besticht bereits auf den ersten Seiten durch seinen angenehm flüssigen Stil, frisch und mit viel trockenem Humor. Anfangs spielt Swann ein wenig mit dem Leser, doch bald taucht man in einen packenden, sehr humorvollen Fantasy-Krimi ein.
Wir begleiten zunächst Julius, der auf Elisabeth trifft und sich mit ihr zusammenschließt, um sich an die Fersen des Bösewichts zu heften. Man könnte meinen, die Geschichte würde nun in eine heroische Rettungsaktion mit einem großen romantischen Happy End münden, doch da irrt man sich gewaltig. Leonie Swann spielt mit den Erwartungen und verbindet Handlungsbögen und Charaktere so geschickt, dass sie sich vom Einheitsbrei der modernen Fantasy-Literatur ganz deutlich ablöst. Ihre Welt muss nicht erst ausführlich erklärt werden, alles fügt sich ganz wunderbar zusammen, getragen von unheimlich sympathischen Charakteren und einem herrlich bildhaften Stil.
Selbst die Flohtruppe gewinnt man schnell lieb und man kann sich perfekt vorstellen, was in so einem Floh-Kopf wohl vor sich gehen könnte (hauptsächlich Blut und große Sprünge). Besonders Frank Green, der neurotische Privatdetektiv mit leichten Wahnvorstellungen und schwerer Konzentrationsschwäche, ist mir ans Herz gewachsen – ihn würde ich jedem hochbegabten Überhelden jederzeit vorziehen.
Mit Beschreibungen wie „quecksilberne Panik“ oder Lachen, das in Gläsern perlt, hat sich Swann dann endgültig in mein Herz geschrieben. Sie geht mit großer Leichtigkeit mit Sprache um, bringt aber jede Situation auf den Punkt. Gefühle und Umstände in Worte zu fassen schaffen nur wenige Autoren so meisterlich, das macht Dunkelsprung zu etwas ganz Besonderem.
Dunkelsprung ist eine großartige Mischung aus irrwitzigem Humor, spannendem Krimi und phantastischem Märchen. Es ist ein verrücktes Abenteuer, das keine Erwartungen bedient und trotzdem nie enttäuscht, natürlich gibt es ein wunderbares Happy End, das den Leser zufrieden zurück lässt, ihn aber nicht mit Glückseligkeit überfüttert. Das Fabelwesen-Setting erinnerte mich stellenweise an Bücher wie Peter S. Beagles Das letzte Einhorn, der Stil und Swanns Umgang mit Sprache und Bildern ist so poetisch wie Christoph Marzis Malfuria. Alles in allem ein rundum schönes Buch (auch rein optisch) für Fans des Märchenhaften, perfekt für die letzten sonnigen Herbsttage.

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Leonie Swann – Dunkelsprung – Vielleicht kein Märchen
Goldmann Verlag, 2014
Gebunden, 381 Seiten
19,99€
ePub: 15,99€

 

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