Buch: Leonie Swann – Gray

Bad Romance

Swann_LGray_173380Leonie Swann ist den meisten wohl mit ihrem Erstlingswerk Glenkill, einem Schafskrimi, in Erinnerung. Mit diesem ist ihr ein Überraschungserfolg gelungen, der sich millionenfach verkauft hat und in dreißig Sprachen übersetzt wurde. Nach dessen Fortsetzung Garou wechselte sie mit Dunkelsprung die Thematik. Im Mai ist mit Gray ihr viertes Buch erschienen, das wieder im Krimibereich angesiedelt ist, in dem allerdings ein Graupapagei eine wichtige Rolle spielt.

Elliot ist tot. „Zermatscht“, wie sein Graupapagei mit Namen Gray dazu sagt, denn Elliot ist vom Turm der Chapel seines Colleges im altehrwürdigen Cambridge gestürzt. War es ein Unfall, wie zunächst allgemein angenommen wird? Dr. Augustus Huff, ein Dozent von Elliot, beginnt daran zu zweifeln. Umständehalber nimmt er sich dem verwaisten Graupapagei an, nicht wissend, was da auf ihn zukommt, denn zum einem ist Gray anspruchsvoll, zum anderen leidet Huff an Zwangsstörungen. Doch wenn es kein Unfall war, war es Mord oder Selbstmord?
Anfangs scheint Gray papageientypisch sinnloses Zeug zu plappern, das er irgendwie aufgeschnappt hat, wie zum Beispiel den Lady-Gaga Song „Bad Romance“. Doch schnell wird klar, dass Gray eine selbst für Graupapageien besondere Intelligenz besitzt, denn immer wieder spricht er in den richtigen Momenten die richtigen Wörter und stellt die entscheidenden Fragen, und hilft so Huffs Gedanken anzuregen.
Als ein weiterer Student spurlos verschwindet, wird der Fall zunehmend kompliziert, und nicht nur Huff sondern auch Gray geraten in Gefahr. Wird es Huff mit Hilfe von Gray gelingen, die vielen losen Fäden zu verknüpfen und den Fall aufzuklären? Bis zuletzt werden immer wieder neue Spuren gelegt, sodass die Spannung durchgehend aufrechterhalten bleibt.
Ein besonderes Gimmick besitzt Gray zusätzlich: Ein Daumenkino in der unteren Buchecke mit Gray, der auf der Suche nach Erdnüssen ist. Sinnvoll ist auch der Hinweis zur artgerechten Papageienhaltung, die sehr anspruchsvoll ist. So werden unbedachte Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenke hoffentlich vermieden, sodass den Tieren ein Schicksal in viel zu engen Käfigen hoffentlich erspart bleibt.

Fazit: Ich hatte gehofft, dass Gray in der Perspektive des Pagageis geschrieben sein würde, so wie bei Glennkill aus der Perspektive der Schafe, da es gerade diese Sichtweise war, die für mich den großen Reiz und den Witz der Geschichte ausgemacht hatte. Das wäre im Grunde genommen ohne weiteres möglich gewesen, aber vielleicht wollte Leonie Swann auch einfach nicht quasi bei sich selbst abkupfern. Dennoch ist auch Gray ein zugleich spannendes und witziges Buch.

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Leonie Swann: Gray
Goldmann, 15.05.2017
Gebundenes Buch im Schutzumschlag, 415 Seiten
20,00 €, eBook 15,99 €, erhältlich über buecher.de
Homepage: randomhouse.de/Buch/Gray/Leonie-Swann/Goldmann/e500609.rhd

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