Ein Serienmörder geht um

Glasgow, 1968. Die Stadt wirkt düster, alte Wohngebiete sollen durch neue ersetzt werden. Das Gangstermilieu ist hier zuhause, und es gibt einen Serienmörder, der „Quäker“ genannt wird, weil er aus der Bibel zitiert. Drei junge Frauen werden nacheinander innerhalb von wenigen Monaten zu seinen Opfern, jedes Mal gehen sie vorher noch mit ihrem Kavalier zum Tanzen und werden danach vergewaltigt und unbarmherzig getötet. Die Polizei in Glasgow tritt selbst ein Jahr nach den Vorfällen auf der Stelle, viele Spuren wurden verfolgt, keine führte zum Ziel. Aus den Highlands wird zur Unterstützung DI Duncan McCormack geholt. Er hat einige Aufklärungserfolge aufzuweisen, das verschafft ihm diesen Job. Die Detectives aus der Marine Station sind nicht erfreut, sie halten den neuen Kollegen für einen Spitzel ihrer Vorgesetzten und nicht für eine Hilfe. Zur gleichen Zeit begehen Gangster einen Einbruch, ein versierter Panzerknacker wird dazu aus London geholt. Er kennt sich in Glasgow aus, es war die Stätte seiner Kindheit. Der Coup gelingt, aber danach läuft vieles aus dem Ruder und verquickt die beiden Handlungsstränge.

Jacquilyn Keevins – Ann Ogilvie – Marion Mercer, Frauen mit kleinen Kindern, deren Leben brutal enden. Und sie bleiben nicht die einzigen, die in diesem Kriminalroman zu Tode kommen. Liam McIlvanney zeichnet ein dunkles Bild von Glasgow. Der Autor legt viel Wert auf Details aus den 1960er Jahren in Schottland und auf die Lebensumstände von DI McCormack und seinen Mitspieler*innen. Das zieht die erste Hälfte des Buches arg in die Länge, manchmal bin ich versucht das Buch einfach zuzuklappen und nicht mehr zu öffnen. Ich gebe ihm mehrere Chancen, die Mordermittlungen schleichen nur so dahin. Bis es in die zweite Hälfte übergeht: Der Krimi nimmt Fahrt auf, es gibt eine Verfolgungsjagd, und die einzelnen Puzzleteile fügen sich langsam zusammen. Der Aufbau wird mich nicht dazu verführen, noch ein Buch vom Sohn des verstorbenen William McIlvanney, ebenfalls Krimiautor, zu lesen, aber vielleicht eines seines Vaters.

Zum Autor: Liam McIlvanney stammt aus der schottischen Region Ayreshire. Er studierte in Glasgow und Oxford. Für seine Thriller wurde er mit zahlreichen Preisen geehrt. McIlvanney ist Professor für Schottland-Studien an der Universität von Otago, Neuseeland.

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Liam McIlvanney: Ein frommer Mörder
Originaltitel: The Quaker
Aus dem Englischen von Sabine Lohmann
Heyne Verlag, Vö. 12.07.2021
Paperback, 448 Seiten
€ 14,99 [D]

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