Ein leidgeprüftes Leben
Lange hat die Welt auf die Memoiren von Lisa Marie Presley gewartet, der einzigen Tochter von Elvis Aaron Presley und seiner Frau Priscilla. Ende 2022 nimmt das Projekt Gestalt an, als Lisa Marie ihre Tochter Riley Keough um Mithilfe dabei bittet. Doch dann stirbt sie überraschend nur einen Monat später. Jedoch hat Lisa Marie in Vorbereitung auf das Projekt eine Menge Tonbandaufnahmen hinterlassen. Diese bilden nun die Grundlage für die vorliegende Autobiographie; sie wurden von Riley überarbeitet und mit ihren eigenen Worten ergänzt. Wirklich vollständig kann die Geschichte leider nicht sein, manches ist sicherlich unausgesprochen geblieben. Insofern ist der Zusatz Erinnerungen als Untertitel gut gewählt.
Ihre Kindheit auf Graceland gehört wohl zur glücklichsten Zeit im Leben von Lisa Marie. Wir bekommen einen guten Einblick in das Anwesen, sodass mensch sich alles gut vorstellen kann, ohne es selbst besucht zu haben. Sie weiß einiges zu erzählen, so klingen Karambolage-Fahrten mit Golfcarts nach einer Menge Spaß. Doch der endet jäh, als ihr Vater Elvis mit nur 42 Jahren stirbt. Da ist Lisa Marie erst neun Jahre alt. Die Trauer hält Einzug in ihr Leben, die sie nie ganz überwinden wird.
Eine Drogen-Jugend, Scientology, der Start ins Erwachsenenleben verläuft holprig, und die Beziehung zu ihrer Mutter Priscilla ist schwierig. Eine Stütze für sie ist stets Danny Keough, erster Ehemann und Vater von Benjamin und Riley Keough, den sie bereits mit siebzehn Jahren kennenlernt. Auch nach der Trennung bleibt er grundsätzlich in der Nähe. Sie veröffentlicht drei Musikalben, von denen das erste mit Gold ausgezeichnet wird. Warum sie dann ausgerechnet Michael Jackson geheiratet hat, Lisa Marie liefert die Antwort dazu. Doch auch diese Ehe wird geschieden. Nach einer nur kurzen Beziehung mit Nicolas Cage heiratet sie schließlich ihren vierten Ehemann Michael Lockwood, mit dem sie die Zwillinge Harper und Finley bekommt. Alles hätte gut werden können, doch der Selbstmord ihres Sohnes Ben ist schließlich der Anfang vom Ende. Sie versucht stark zu sein, allein schon wegen ihrer Zwillinge Harper und Finley. Doch ihr Herz verkraftet diesen Schicksalsschlag schließlich nicht mehr.
Fazit: Ich war vor allem gespannt auf die – wie ich es zumindest erwartet hatte – völlig kaputte Kindheit von Lisa Marie Presley. Tatsächlich erscheint diese dann doch relativ normal, jedenfalls so normal, wie sie eben sein kann, wenn der Vater der berühmteste Mensch der Welt und darüber hinaus unermesslich reich ist. Nicht nur Millionen Menschen vergöttern Elvis, auch Lisa Marie vergöttert ihren Vater, einfach weil er ihr Vater ist. Und auch Elvis liebt seine Tochter über alles, das wird deutlich. Doch auch über die Kindheit in Graceland hinaus liefert das Buch spannende Geschichten. Die Beziehung zu Michael Jackson lässt sich nun besser verstehen, oder was der Tod ihres Sohnes in ihr ausgelöst hat.
Elvis-Fans können dank „Von hier ins Ungewisse“ einige neue Puzzleteile ihres Idol entdecken, auch wenn er natürlich nicht die Hauptperson ist. Die Memoiren von Lisa Marie sind teils erschütternd, aber auch faszinierend. Letztendlich führte sie ein leidgeprüftes Leben. Abgerundet wird alles durch verschiedene Schwarzweiß-Fotos.

Lisa Marie Presley & Riley Keough: Von hier ins Ungewisse
Penguin Verlag, Vö. 08.10.2024
28 €, als eBook 22,99 € erhältlich über Penguin
Gebundene Ausgabe, 240 Seiten
Aus dem Amerikanischen von Sylvia Bieker und Henriette Zeltner-Shane
Link: https://www.penguin.de/buecher/lisa-marie-presley-from-here-to-the-great-unknown-von-hier-ins-u/buch/9783328603788
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