Was Sie schon immer über den Tod wissen wollten

So-stirbt-man-also… lautet der Untertitel, und passender könnte dieser wohl auch nicht sein. Ein schwarzes Skelett grinst mich bereits entspannt in coolem Prägedruck vom Cover aus an, aber auf gelbem Hintergrund. Gelb ist bei Schwarzes Bayern nun nicht unbedingt die favorisierte Farbe, aber sie symbolisiert die Sonne und ist die „Farbe des Todes und der Trauer in Ägypten“, klärt mich die Einbandklappe auf. Wieder etwas gelernt, und das schon mit dem Cover. Auch rot, violett, weiß und natürlich schwarz sind regional bedeutende Farben des Todes und der Trauer. Und je tiefer man in So stirbt man also eindringt, desto umfassender wird das Thema Tod, das zum Leben letztendlich final dazugehört. Auch, wenn man das nicht (wahrhaben) will.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Tod immer weiter aus dem Leben zurückgedrängt. Mehrere Generationen unter einem Dach sind heutzutage die absolute Ausnahme, und die Alten (also bald Sterbenden) werden in Heimen, Pflegeeinrichtungen und irgendwann auch Palliativ-Einrichtungen untergebracht. Noch nie gehört, dieses Wort? Auch darüber klärt dieses Buch auf. Der Tod wurde schrittweise aus der modernen Gesellschaft verdrängt, auch wenn das aktuell Corona-bedingt zwangsweise wieder ein unangenehmes Thema ist. Keine Angst, natürlich ist Corona hier kein Thema, weil es einfach zu neu ist. Aber über vergangene Pandemien wird durchaus berichtet, von SARS 2003 bis zur Pest im Mittelalter. Das bringt uns auch zur Begräbniskultur im Wandel der Zeit, die bis zu den Mumien der alten Ägypter zurückreicht. Überhaupt ist der Tod weltumfassend, vom Dia de los muertos in Mexiko bis zur Kapuzinergruft in Palermo. Natürlich ist das alles mit entsprechendem Bildmaterial angereichert.
Auch Selbstmord ist ein Thema des Todes, und so darf die berühmte Golden Gate Bridge ebenso nicht fehlen wie der Aokigahara-Wald in Japan, in dem ich mich selbst schon gegruselt habe (Link zum Bericht). Der Tod ist als Memento Mori ein beliebtes Tattoomotiv, und so wird die Bedeutung der in Frage kommenden Motive näher beleuchtet, ebenso die Friedhofskultur. Und was ist im Fall der Fälle zu beachten? Auch hier wird aufgeklärt, vom letzten Willen hin über die Dinge, die beim Bestatter zu beachten sind. Insofern ist das Buch nicht nur eine Art Todes-Lexikon, sondern auch ein Ratgeber. Und mal ehrlich: Mit dem Thema Tod sollte man sich besser zu Lebzeiten auseinandersetzen, denn sonst ist es zu spät.

Fazit: Machen wir uns nichts vor, natürlich habe ich So stirbt man also aus einem gewissen Gothic-Klischee-Interesse heraus gelesen. Schwarzes Bayern, das verpflichtet eben auch manchmal. Aber natürlich ist das Thema Tod bedeutend vielschichtiger, und so findet die Gothic-Szene nur kurz am Rande Erwähnung. Marc Ritter und Tom Ising beleuchten den Tod extrem umfassend, und ein ums andere Mal wurde ich von Themen und Bezügen überrascht, an die ich so erst mal gar nicht gedacht hätte. Das Buch mag vielleicht nicht unbedingt das ultimative Geburtstagsgeschenk sein (Gothics ausgenommen), aber ich finde es sehr interessant und empfehlenswert.

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Marc Ritter und Tom Ising; So stirbt man also
Goldmann, Vö. 21.10.2019
10,00 €, als e-Book 9,99 €, erhältlich im lokalen Buchandel oder über Randomhouse
Paperback , Klappenbroschur, 384 Seiten

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