Alles aus Liebe, irgendwie

Am Strand einer kleinen Insel in Cornwall wird von zwei Mädchen eine Frau tot aufgefunden. Bei der Leiche im Sand handelt es sich um eine französische Touristin. Der ortsansässige Ermittler Macalvie ist ratlos und holt Inspektor Richard Jury zu Hilfe. Dieser lernt derweil eine Legende kennen: den ehemaligen Detective Tom Brownell, der angeblich jeden Fall lösen kann. Nun, dies zu beweisen haben die drei Ermittler nun Gelegenheit: Zwei weitere Morde geschehen, und man sucht fieberhaft nach einer Verbindung zwischen den Opfern. Wie gut, dass Richard Jury seine Freunde in Long Piddleton hat, allen voran Melrose Plant, den Mann, der freiwillig auf seine Adelstitel verzichtet. Die Pferde auf dessen Herrensitz Ardry End bringen den Fall einen entscheidenden Schritt weiter, denn bei der Ermittlung ist es nicht schlecht, jemanden zu kennen, der sich mit Pferden auskennt …

Ich bin schwer hineingekommen in die Geschichte, aber als die altvertrauten Gestalten um Jurys Freundeskreis hinzukamen, las sich der Roman wie von selbst. Die Geschichten um meinen Liebling Melrose Plant und seine Tante, die Schreckschraube „Lady“ Agatha Ardry, sind einfach schön zu lesen. Und so transportierte sich ganz spielerisch die Story in Richtung Auflösung. Wie so oft ist man bei Martha Grimes am Ende überrascht. Überrascht auch davon, wozu Kinder alles fähig sind, im Positiven wie im Negativen. Bei Inspektor Jury geht es nie vorrangig um grausame Morde und nervenzerreißende Spannung. Es gibt subtile Hintergründe und erschütternde Geschichten um den Fall herum, doch die wahre Geschichte – oder das, was die Leser*innen wirklich interessiert – ist der Plot um Jury, um seine skurrilen Freunde in Long Piddleton und den ewig kränkelnden und doch so tapferen Wiggins. Es ist eine aus der Zeit gefallene Welt, in der Sekretärinnen noch Heldinnen sind, weil sie es schaffen, ihren Chef zu bändigen und dann und wann im Internet unterwegs sind. Hier sind immer irgendwie Kinder beteiligt, mit denen keiner klar kommt, bis Inspektor Jury auftaucht oder sein Gefolge. Und wenn gar nichts mehr hilft: ein Hund.

Das vorliegende Buch ist mittlerweile der 25. Band aus der Inspektor-Jury-Reihe. Bis auf wenige Ausnahmen hat Cornelia C. Walter aus dem Amerikanischen ins Deutsche übersetzt. Für den Jubiläumsroman hat sie eine Einführung der Figuren der Inspektor-Jury-Welt vorangestellt, was sehr liebenswert geschrieben und gut gelungen ist! Martha Grimes hat das stolze Alter von 89 Jahren erreicht. Vor diesem Hintergrund sollte klar sein, dass sie keine spannungsgeladenen, modern geschriebenen Thriller mehr abliefern wird. Man wird an diesen Geschichten nur als wahrer Jury-Fan Gefallen finden, und wenn man die Art zu schreiben mag. Ab und an erwische ich mich auch dabei, diagonal zu lesen, weil sehr oft viel zu lange um nichts oder zu detailreich geschrieben wird. Dennoch werde ich diese Reihe bis zum letzten Band lesen, und nicht wegen der Spannung. Diese finde ich mittlerweile im Alltag.

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Martha Grimes: Inspektor Jury und die Tote am Strand
Goldmann Verlag, Vö. 13. März 2020
321 Seiten
15,99 €

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