Vom Menschsein

 

Der berühmte Mathematik-Professor Andrew Martin aus Cambridge wird eines nachts aufgegriffen, wie er nackt und verwirrt durch die Stadt irrt. Auf der Polizeiwache stellt sich schnell heraus: Das arme, überarbeitete Mathematik-Genie muss einen Nervenzusammenbruch gehabt haben, aber er scheint sich zu berappeln, so schickt man ihn nach Hause zu Frau und Kind. Doch was niemand weiß: Sie haben es gar nicht mehr mit Prof. Martin zu tun, sondern mit einem Außerirdischen in dessen Gestalt. Der hält von der Menschheit gar nichts, schließlich ist diese Spezies bekannt für Gewaltausbrüche, Gier und Arroganz. Aber kann eine Lebensform, die Erdnussbutter und Emily Dickinson hervorgebracht hat, wirklich so schlecht sein?

Wie würde unsere „zivilisierte“ Welt auf hochentwickelte Aliens wirken? Überhaupt auf Außenstehende? Es fällt sehr schwer, sich das vorzustellen, während man im Alltagstrott vor sich hin lebt. Matt Haig schafft es aber, die eigentlich offensichtliche Absurdität menschlicher Interaktion und unserer Lebensweise auf eine herrlich schräge Art und mit viel trockenem Humor darzustellen.
Der „neue“ Andrew betritt eine Welt, von der er zwar einiges gehört hat, aber bald muss er feststellen, dass die vorurteilsbelastete Meinung seiner eigenen Art nicht annähernd ausreicht, um die Komplexität des menschlichen Lebens zu begreifen. Augenscheinlich nichts als schwache, kurzlebige Individuen, schaffen wir uns doch Strukturen, die uns helfen, unsere Sterblichkeit zu verdrängen und eine lebenswerte Zeit auf der Erde zu verbringen. Auch wenn er dabei in allerhand Fettnäpfchen tritt, lernt er nach und nach, was eine zwischenmenschliche Beziehung ausmacht. Natürlich gelingt es Andrew in dieser Situation nicht, die nötige Distanz zu bewahren, sodass man bald das dumpfe Gefühl bekommt, dass er unaufhaltbar auf eine Katastrophe zusteuert.
Bald wandelt sich Ich und die Menschen so von leichter Unterhaltung in eine ergreifende Ode an die Menschlichkeit. Es versucht zu ergründen, warum wir so sind, wie wir sind. Im Grunde genommen ist es Philosophie, verpackt in eine wirklich rührende Geschichte.

Ich und die Menschen ist eine wunderschöne, ergreifende Zusammenfassung über das Menschsein, es zeigt die Konflikte und die Schönheit unserer Spezies und veranlasst ein wenig zum Nachdenken darüber, wie wir unser Leben führen oder es führen sollten. Es ist ein Buch, das ohne kitschiges Happy End auskommt und trotzdem ein rundum gutes Gefühl hinterlässt. Eine schöne Lektüre für graue Herbstabende.

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Matt Haig – Ich und die Menschen
dtv Verlag, 2014
352 Seiten
14,90 €
ePub: 12,99 €

http://www.dtv.de/buecher/ich_und_die_menschen_26014.html
http://www.matthaig.com/

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