Buch: Max Bronski – Schneekönig

Fast ein Weihnachtswunder

SchneekönigWie er das geschafft hat, weiß er selbst nicht so recht, aber er hat nur eine Bewerbung abgegeben, und nun hat der Trödelhändler Gossec einen der heißbegehrten Stände auf dem Christkindlmarkt am Marienplatz. Abends vermietet er seinen Stand der Münchner Obdachlosenhilfe, die eine lebende Krippe veranstaltet. Eines Nachts trinkt er mit den Darstellern der Lebend-Krippe ein wenig zu viel Tee mit Rum, beim Nachhausegehen wird er von einem Auto erfasst – und stirbt.
Er landet fast im Himmel, aber im letzten Moment verbockt er es noch. Herrgottsakrament, wie konnte das wieder passieren? Er landet tief – im Schacht der U3/U6 an der Implerstraße. Interessanterweise fast da, wo er zu Hause ist. Und gleich passiert ihm wieder etwas Seltsames: Er muss ein junges Paar bei sich aufnehmen. Sie, die blutjunge, hochschwangere Frau gebärt kurz danach bei ihm im Trödelladen ein Kind. Sie war bei einem Escort-Service angestellt, aber trotz ihrer Mutterschaft ist sie noch Jungfrau. Angeblich ist sie vergewaltigt worden. Gossec versucht aufzuklären.

Diesen verschrobenen, grobschlächtigen aber dennoch so feinfühligen Gossec habe ich in mein Herz geschlossen. Mit seinem Lebensmittelpunkt im Schlachthofviertel, alle Penner und Stehkneipen in der Gegend kennend, Rächer der Armen und Hilfsbedürftigen, dabei selbst nicht viel habend, ist er eine ganz feine Figur, von der ich immer gerne lese. Bei diesem Band ist sie absolut ausgeprägt, Bronskis Vorliebe, in Bildern, Fantasien und Allegorien zu schwärmen. Der Rückblick auf Gossecs bisheriges Leben, sein potentieller Ausblick auf sein Leben nach dem Tod, dieses doppeldeutige Krippenspiel, dieses Aufnehmen der jungen Frau, die niederkam und zusammen mit dem Mann, von dem das Kind nicht ist, nirgends sonst einen Platz gefunden hätte. Und das alles ausgerechnet bei Gossec im Trödelladen, rundherum wird abgerissen und gentrifiziert, Gossec selbst und sein ganzes Haus sind betroffen. Dazu die winterliche vorweihnachtliche Atmosphäre: Das ist fast die Weihnachtsgeschichte. „Es begab sich aber zu der Zeit …“

Lang wurde gerätselt, wer ist eigentlich dieser Max Bronski? Nun, er (Franz-Maria Sonner) hat eine spannende, neue Geschichte um den Münchner Trödelhändler Gossec aus dem Schlachthofviertel geschrieben. Eine herrliche, vorweihnachtliche, winterliche Schneegeschichte. Trotz des bizarren Endes hoffe ich auf einen baldigen 7. Band.

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Max Bronski: Schneekönig
Droemer TB, Vö. 2. November 2018
Broschiert: 224 Seiten
14,99 Euro, eBook 12,99 Euro

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