Buch: Melanie Raabe – Die Falle

 Blutsschwestern

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Die erfolgreiche Romanschriftstellerin Linda Conrads, 38, hat ein schönes Haus am Starnberger See, aber an dieses ist sie leider gefesselt. Seit sie vor mehr als elf Jahren ihre Schwester Anna in ihrem eigenen Blut liegend vorgefunden hat, hat sie immer mehr Ängste entwickelt, bis sie gar nicht mehr aus dem Haus gehen konnte.


Die Geschichte beginnt traumwandlerisch ruhig und gemächlich, Linda erzählt uns, wie sie ihre Tage gestaltet, wie ein Jahr um das andere vergeht. Sie hat ein „Mädchen für alles“, das sie und ihren Hund versorgt, ein paar wenige gute Freunde, die sie ab und an besuchen, und sie schreibt Romane. Bis sie eines Tages im Fernsehen den Mann erkennt, den sie damals vom Schauplatz des Mordes hat fliehen sehen. Dieser Mann ist ein erfolgreicher Journalist! Und sie fasst einen Plan: Sie will ihm eine Falle stellen. Zu diesem Zweck schreibt sie ein Buch, das ihr Leben und das ihrer Schwester beschreibt, inklusive Mord.

Es ist fast ein bisschen so, als läse man zwei Bücher. Die Geschichte um ihr literarisches Alter Ego, das sie Sophie nennt, ist quirliger geschrieben, einfach weil diese Person am Leben draußen teilhaben kann.
Melanie Raabes Geschichte wirkt kammerspielartig auf mich, da es nur wenige Schauplätze gibt. Auch ist es nicht blutrünstig und übermäßig gruselig, so dass das Ganze ein wenig wie aus einer anderen Zeit wirkt, wie ein klassischer Suspense-Krimi, der auch damit spielt, den Leser zu verwirren. Nicht nur durch das Buch im Buch, sondern auch durch die Entwicklung der Protagonistin. Es ist nämlich wieder einmal alles nicht so, wie es erscheint.

Melanie Raabe, geboren 1981 in Jena, lebt mittlerweile in Köln – als Journalistin, Drehbuchautorin, Bloggerin (www.biographilia.com), Performerin und Theaterschauspielerin. Die Falle ist ihr erster Roman. Aufmerksam geworden bin ich auf ihr Buch wieder einmal durch das Krimifestival in München. Die sehr sympathische Lesung in der Seidlvilla überzeugte mich davon, dass dieses Buch kein Fehlgriff sein würde. Es hat zwar ein paar Logiklöcher – der Hund, den Linda hat, obwohl sie nie einen Fuß über die Türschwelle setzt, Phobien, die sie ganz plötzlich innerhalb eines Tages überwindet – aber so wie ich Frau Raabe auf der Lesung gesehen habe, scheint sie eine sensible, empathische Person zu sein, die im Lauf der Zeit immer mehr Perfektion erlangen wird. Ich bin gespannt auf mehr.

Melanie Raabe: Die Falle
btb Verlag, 9. März 2015
352 Seiten
Gebundene Ausgabe 19,99 Euro
Kindle Edition 15,99 Euro
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