Buch: Michael Diamond und Adam Horovitz – Beastie Boys Buch

No sleep til Brooklyn

Beastie_Boys_Seite_01Uff, das ist echt ein Wälzer, der mindestens so viel wiegt wie das überdimensionale VW-Kettengehänge von Michael Diamond seinerzeit. Aber groß und dick wie es ist, hat das Beastie Boys Buch auch viel zu bieten. Es gibt viele Fotos, die oft auch doppelseitig erscheinen und verschiedene sonstige Schnipsel. Mit langen Listen von Lieblingsliedern kann sich der Leser eigene Mixtapes erstellen, und man kann sogar einige Kochrezepte nachkochen. Am Ende vom Beastie Boys Buch findet man ein Register zum Nachschlagen und originellerweise einen Stadtplan von Downtown Manhattan, auf dem alle wichtigen Stationen eingezeichnet sind, von Ausgehspots über Aufnahmestudios bis hin zu den Privatwohnungen.

Die Eröffnung des Beastie Boys Buches ist Adam Yauch gewidmet, dem 2012 leider verstorbenen dritten Mitglied, erst dann beginnt in mehr oder weniger chronologischer Folge das eigentliche Buch. Es wird ausführlich erläutert, wie die Band zum Punk gekommen ist und im Plattenladen Rat Cage sozialisiert worden ist. Black Flag und Bad Brains sind schwer angesagt. In der ersten Version mit dem Namen The Young Aborigines übernimmt Michael Diamond den Gesang, und Adam Yauch bedient den Bass, am Schlagzeug ist Kate Schellenbach mit dabei, und John Berry spielt Gitarre. Ein Jahr später kommt Adam Horovitz von The Young And The Useless für ihn in die Band. Die Beastie Boys machen erste Plattenaufnahmen, und die ersten Gigs folgen. Doch trotz aller Begeisterung für die Hardcore-Szene gibt die Entdeckung des Hip Hop den alles entscheidenden Kick für die Beastie Boys. Afrika Bambaataa live zu erleben sollte ihr Leben für immer verändern und lenkt die Band in die Bahn, mit der sie einem Millionenpublikum bekannt geworden ist.
Grandmaster Flash & The Furious Five und Kurtis Blow sind die neuen Stars für sie, aber auch Blondie mit dem Song „The Rapture“ (1980), der heute als erster weißer Rap-Song gilt. Die drei Jungs lernen Rick Rubin kennen, der zum Freund, Produzent und Manager wird. Allerdings ist er gegen Kate, und so wird sie aus der Band gedrängt. Zusammen mit Russel Simmons hat er das Hip-Hop-Label Def Jam Recordings gegründet. So lernen die Beasties ihre Idole Run DMC kennen, von denen sie viel lernen, und sie nennen sich nun MCA (Yauch), Mike D (Diamond) und Ad-Rock (Horovitz). Sie schaffen es ins Vorprogramm von Madonna, und mit dem Debütalbum Licensed to ill und der anschließenden Tour mit Run DMC schaffen sie 1986 den großen Durchbruch, obwohl oder gerade weil sie dabei absurderweise einen riesigen hydraulischen Penis aus einer Kiste fahren lassen. Die Band zieht nach Los Angeles und macht natürlich weiter Musik, gründet aber auch fast schon zufällig die Bekleidungsfirma X-Large Clothing und später das Record-Label Grand Royal. 2012 stirbt Yauch an Ohrspeicheldrüsenkrebs, das bedeutet das Ende der Beastie Boys.
Mein persönliches Highlight sind die Beschreibungen der berühmten Danceteria in der 21st Street und vom legendären CBGB sowie der generellen Lebensumstände in New York Anfang der achtziger Jahre. Als Gastautorin wurde sogar die mittlerweile verstorbene DJane Anita Sarko gewonnen, die ihren Werdegang vom Mudd Club über die Rock Lounge in die Danceteria beschreibt und ihr Verhältnis zu den Kids, wie sie den BeastieBoys-Freundeskreis nennt, der zu ihrer Musik tanzt. Außerdem gibt sie einen Einblick in die wegweisende Musik, die sie aufgelegt hat.
Was fehlt, sind die üblichen schmutzigen Rockstar-Klischee-Geschichten. Es ist nicht so, dass es keine gegeben hätte, aber es wird klar, dass Diamond und Horovitz darauf nicht besonders stolz sind. Sie räumen mit ihren sexistischen und homophoben Sprüchen der anfänglichen Rüpeljahre auf (und verraten dabei auch den Verbleib des Riesenpenis) und geben auch Kate Schellenbach die Möglichkeit, ihre Version zum Rausschmiss ungeschönt darzustellen. Beastie Boys – eine Band, die von unreflektierten Jugendlichen zu gereiften und verantwortungsvollen Musikern gewachsen ist.

Fazit: Diamond und Horovitz schreiben abwechselnd einzelne Kapitel und kommentieren die Geschehnisse gegenseitig mit Fußnoten, was ich originell finde. Teilweise stammen die Kommentare sogar von Freunden oder den Eltern. Für Fans ist das Buch naturgemäß unbedingt zu empfehlen, aber auch darüber hinaus bietet es faszinierende Einblicke in das New York der frühen achtziger Jahre, in die Frühphase von Hardcore-Punk und die Entstehungsgeschichte von Hip Hop und der DJ- bzw. MC-Kultur. Durch verschiedene Gastbeiträge wird das Buch aufgelockert und eine Selbstbeweihräucherung vermieden.

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Michael Diamond und Adam Horovitz: Beastie Boys Buch
Heyne Hardcore, VÖ: 26.11.2018
Gebundenes Buch, 542 Seiten
40,00 €, als Ebook 21,99 €, erhältlich über Randomhouse
Homepage: https://www.randomhouse.de/Buch/Beastie-Boys-Buch/Adam-Horovitz/Heyne-Hardcore/e551083.rhd
www.heyne-hardcore.de

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