Honig Maechtig senil„Kein Platz für Weichheit“

Wladimir Putin, heute noch kraftstrotzend in allen Angelegenheiten, im Jahr 2035 alt, ohne politische Macht, dement, pflegebedürftig. Dies ist der Hintergrund für eine Satire, Mächtig senil – Die unglaublichen Pflegejahre des Wladimir P., wie es kommen könnte.

Michael Honig spinnt eine Geschichte, in der der einstige mächtige Mann auf seiner Datscha vor den Toren Moskaus umgeben ist von seinem Pfleger Nikolai Scheremetew, Sicherheitsleuten und anderem Personal, das ihm zu Diensten sein soll. Es ist nur die Frage, wer hier wen unterstützt. Der Service ist gut, aber die Untergebenen nehmen sich große Stücke aus den zur Verfügung stehenden Besitztümern des einstmals hochgeschätzten Kremlobersten. Da werden dann schon aus dem vorhandenen Fuhrpark ein Nebenerwerbs-Autoverleih oder andere Objekte zweckentfremdet bzw. anders verrechnet, um einen finanziellen Profit daraus zu schlagen. Scheremetew beteiligt sich nicht an diesem Geschäften, ihm liegt viel an der guten Pflege seines dementen Patienten. Zusätzliche Geschäfte bzw. Geldannahmen sind ihm unbekannt, er geht seinem Job nach bestem Wissen und Gewissen nach. Eines Tages allerdings berichtet ihm sein Bruder, dass Nikolais Neffe wegen Anprangerung der politischen Verhältnisse in Russland verhaftet wurde. Nur gegen eine hohe Zahlung an den Richter, kann dieser milde gestimmt und der Häftling entlassen werden. Aber woher nehmen, wenn nicht von Putin stehlen?

Laut Duden ist die Satire eine „Kunstgattung … die durch Übertreibung, Ironie und [beißenden] Spott an Personen, Ereignissen Kritik übt, sie der Lächerlichkeit preisgibt, Zustände anprangert, mit scharfem Witz geißelt“. So mancher Machtkampf zwischen der Datscha-Hausdame und dem Koch sowie die Kämpfe zwischen Putin und dem Kopf des Tschetschenen bergen einige komische Momente, wenn nicht sogar Spott. Der Vergleich des derzeitigen russischen Präsidenten heute und 19 Jahre später ist natürlich beißend. Man könnte sagen, er hätte die im Buch herrschenden Verhältnisse aufgrund seines jetzigen Verhaltens verdient, aber ich habe mitunter Mitleid mit ihm und seinem Pfleger. Dieser ist in einem Gewissenskonflikt und hat eine so reine Seele wie ein Baby. Dem umtriebigen Vorbild seiner Kollegen ist er nie gefolgt und hat dadurch auch nicht profitiert (das könnte man als Übertreibung bezeichnen). Die Geschichte hat Längen, in denen oftmals wieder und wieder ähnliche Handlungsabläufe erzählt werden, für mich hat es das Lesen nicht leichter gemacht. Ich muss auch zugeben, dass ich die letzten 50 Seiten zum großen Teil quergelesen habe, da vieles vorhersehbar war.

„Kein Platz für Weichheit“, wie der Autor im Buch schreibt, herrscht zwischen den Seiten. Die Satire ist beißend, aber eben auch auf lange Strecken langweilig, ein Zustand der mir nicht behagt und auch dementsprechend beurteilt wird.

Infos zum Autor unter http://www.droemer-knaur.de/autoren/8686428/michael-honig​

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Michael Honig: Mächtig senil – Die unglaublichen Pflegejahre des Wladimir P.
Droemer TB, 01.08.2016
368 S.
14,99 €

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