Buch: Stefan Bachmann – Die Seltsamen

Ein Steampunk-Märchen

Vor langer Zeit öffnete sich in Bath ein Portal, und die Feen kamen in die Welt. Mit ihnen kamen Angst und Schrecken, doch die englische Armee besiegte die Eindringlinge in einem blutigen Krieg und unterwarf das Feenvolk. Nun sind die magischen Kreaturen in die Gesellschaft integriert, und im Zeitalter der Industrialisierung strebt England neuer Größe entgegen. Doch Mischlingskinder – „Seltsame“, wie die Feen sie nennen – wie Bartholomew und seine Schwester Hettie werden gehasst und müssen sich vor der Welt verstecken. Als neun Seltsame entführt und ermordet werden und auf Bartholomews Haut die Zahl 10 erscheint, muss er all seinen Mut zusammennehmen, um sich und seine Schwester zu beschützen. Doch nicht nur für ihn verändert sich schlagartig alles – auch der zurückhaltende Politiker Arthur Jelliby erfährt Dinge, die ihn zum Handeln zwingen.

Die Seltsamen verbindet auf geniale Art Steampunk mit Fantasy. Die Elemente der traditionellen Elfensagen in die Welt der Industrialisierung einzubauen, ist eine Idee, die mir so bisher noch nicht untergekommen ist, aber durchaus Sinn ergibt: Schließlich scheuen Elfen kaum etwas so sehr wie Eisen, und plötzlich leben sie in einer Welt, die von diesem Metall geprägt ist. Dabei ist das magische Volk nicht etwa schön und erhaben wie zum Beispiel Tolkiensche Elben, sondern überwiegend unansehnlich und verschlagen, was eine Menge Konfliktpotential birgt.
Bereits auf den ersten Seiten schlug mich Die Seltsamen in seinen Bann. Der schlichte, aber eindringliche Stil fesselt den Leser und lässt ihn bis zum Schluss nicht los. Eine düstere, bedrohliche Atmosphäre baut sich auf und bleibt bis zur letzten Seite erhalten. Dabei ist das ganze Buch aber so flüssig und packend geschrieben, dass man gar nicht bemerkt, wie man Seite für Seite weiterblättert.
Die Hauptpersonen sind unheimlich sympathisch, besonders Arthur Jelliby, der anfangs eher passiv ist und sich am liebsten aus allen Schwierigkeiten heraushalten möchte, wird zu einem echten Helden. Sein Moralgefühl setzt sich über gesellschaftliche Grenzen hinweg und lässt ihn über sich selbst hinauswachsen. Auch Bartholomew entwickelt eine unglaubliche charakterliche Stärke und wird vom scheuen Ausgestoßenen zu einem tapferen Kämpfer, der eine schreckliche Entscheidung treffen muss.
Die Geschichte entwickelt sich rasch, doch bald wird klar: es wird nur einen mäßigen Höhepunkt geben, dafür aber mehrere Teile. Als Auftakt zur Reihe macht Die Seltsamen definitiv Lust auf mehr, und wenn Stefan Bachmann diesen Erzählstil und die wunderbar märchenhafte Geschichte weiter so aufrechterhalten kann, steckt hier viel Potential für eine charmante Steampunk-Reihe für alle Generationen, besonders für Steampunk-interessierte Fans von Elfensagen und märchenhaften Geschichten wie Die Chroniken von Narnia.
Teil zwei soll noch diesen Herbst beim Diogenes Verlag erscheinen und wird sicher in meinem Bücherregal landen.
Stefan Bachmann ist 21, gebürtiger Amerikaner und lebt in Zürich. Die Seltsamen entsprang seiner Feder im zarten Alter von 16 Jahren.
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Stefan Bachmann – Die Seltsamen
Diogenes Verlag, 2014
367 Seiten
16,90€
eBook: 14,99€

 

 

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