Buch: Stefan Ulrich – Die Morde von Morcone: Toskana-Krimi

Sieben Todsünden

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Die Toskana ist ein wundervoller Ort für einen gestressten Münchner Anwalt. Robert Lichtenwald hat sich hier mit seiner Frau und Tochter ein altes Bauernhaus gekauft und nach seinen Vorstellungen umgebaut. Doch als es annähernd fertig ist, verlässt ihn seine Frau, scheinbar grundlos. Dennoch kommt der Endvierziger gerne hierher, genießt Speis und Trank, gartelt leidenschaftlich und freundet sich mit den Nachbarn an, die sukzessive den „Tedesco“ akzeptieren, weil er sehr interessiert am Leben in der Gegend ist, viel über Italien liest und auch die italienische Sprache lernt.
Aber: Auch in Morcone, der kleinen mittelalterlichen Stadt in der Maremma, gibt es Mord und Totschlag. Robert Lichtenwald stolpert beim Spaziergang mit einem Nachbarn regelrecht über eine nackte Leiche. Dieser – halb Mann, halb Frau – wurde ein L auf die Brust geritzt.

Es stellt sich heraus, die Transsexuelle war eine Prostituierte. Bei dieser einen Leiche bleibt es nicht. Eine Dame, die für ihre Wucherzinsen bekannt ist, wird umgebracht. Als man sie tot auffindet, hat sie eine Hand voll Geld im Mund und ein eingeritztes A im Unterarm.
Die örtliche Polizei – Carabiniere mit einem Fiat Panda als Dienstwagen – und die Chefin Donatella Lagana – mit einem schweren Motorrad – ermittelt auf Hochtouren. Lichtenwald kann natürlich gar nicht anders als sich auch dafür zu interessieren. Zusammen mit der recht reizvollen, eigenwilligen Lokalreporterin Giada Bianchi, die ihm Italienischunterricht gibt, versucht er dem Mörder auf die Spur zu kommen. Denn es bleibt nicht bei diesen zwei Toten. Und Lichtenwald und Bianchi werden mehr in das Ganze verwickelt, als ihnen lieb ist.

Die Idee, den Tatort in einem unspektakulären Städtchen anzusiedeln und nicht in Rom, Florenz oder Venedig, hat etwas Charmantes. Das eigentlich beschauliche Leben der Dorfbewohner, ihre Art des Gelderwerbs, des Essens und Trinkens (sehr wichtig!): Das macht Spaß zu lesen. Dann wird es zunehmend sehr klerikal, aber mit gutem Grund.

Mehr als 20 Jahre nach David Finchers Film Sieben lese ich nun das erste Mal in einem Buch über die Auswirkungen der sieben Todsünden. Das ist sehr einfallsreich dargestellt. Sehr aktuell ist auch der Gedankengang, wie gefährlich – nicht nur heutzutage – religiöser Fanatismus ist.

Stefan Ulrich, 1963 geboren, war als Korrespondent der Süddeutschen Zeitung einige Jahre im Ausland, u. a. in Rom und Paris. Heute lebt er mit seiner Familie in München und arbeitet im Ressort Außenpolitik der SZ. Er schrieb schon Bestseller über Italien (Quattro Stagioni, Arrivederci Roma!) und Frankreich (Bonjour la France!) und will dies auch weiterhin tun.

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Stefan Ulrich – Die Morde von Morcone: Toskana-Krimi
Ullstein Taschenbuch, 12. Mai 2017
288 Seiten
Broschiert 14,99 Euro
ePub 12,99 Euro

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