Buch: Stephen King – Revival

Lieber nicht die Tür öffnen!

 

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Irgendwo in einem kleinen Ort in den USA in den Sechzigerjahren. Hier fängt alles an. Der kleine Jamie lebt mit seinen Geschwistern in einem liebevollen, religiösen Elternhaus. Das Dorf bekommt mit Charles Jacobs einen neuen Pastor, er und seine Frau, selbst noch blutjung, sind die Idole der gesamten Jugend, ihr kleines Söhnchen wird von allen geliebt. Des Pastors große Leidenschaft sind technische Experimente, und die Kids lieben ihn dafür. Später kann der Pastor Jamies Bruder heilen, und er ist ein Held. Alles ist gut, bis etwas unfassbar Grauenvolles passiert: Seine Frau und sein kleiner Junge kommen bei einem Autounfall ums Leben. Er erholt sich davon nicht mehr und ist nicht mehr er selbst. Er hält noch eine „Furchtbare Predigt“ und muss danach den Ort verlassen, zu ketzerisch und gotteslästerlich ist sie.


Jamie aber wird Charles Jacobs immer wieder in seinem Leben begegnen. Das nächste Mal ist er in seinen Dreißigern und schwer drogensüchtig. Jacobs tingelt über Jahrmärkte und führt elektrische Experimente vor, Jahre später zieht er im größeren Stil mit einer Revival-Show im Land umher und heilt Menschen. Er kann auch Jamie von seiner Drogensucht befreien. Aber all diese Heilungen haben einen Preis, den keiner kennt. Alles läuft auf etwas hinaus, das sich keiner der Beteiligten auch nur in seinen kühnsten Träumen vorstellen kann. Und dabei wird sehr kühn geträumt.

Die Geschichte, geschrieben aus der Perspektive von Jamie Morton, wird in Zeitsprüngen erzählt, mal geht es vor, mal zurück. Stephen King beschreibt sehr ausführlich Kindheit und Jugend seines Protagonisten Jamie, seiner Familie, seiner Hobbies, Freunde, Leben und Laster. Er lässt sich hierbei sehr viel Zeit. Das zu lesen hat etwas von John Steinbeck. Ebenso viel Raum widmet er musikalischen Details – Jamie wird ja Musiker; mir hat das großen Spaß gemacht zu lesen, aber ich weiß nicht, ob jeder etwas damit anfangen kann, welche Stimmung beim ersten Akkord von „Wild Thing“ der Troggs entsteht, das nur als Beispiel. Seine technischen Experimente waren mir auch manchmal etwas zu viel, und ich habe mich ab der Hälfte des Buches gefragt, wo Herr King hinwill.

Aber ich kann nur eines sagen: Er hat nicht umsonst sein Buch unter anderen H.P. Lovecraft und Mary Shelley gewidmet. Stephen King schreibt toll, und ich werde des Meisters Bücher einfach immer weiter lesen.

:buch: :buch: :buch: :buch: :buch2:

Stephen King, Revival
Heyne Verlag (2. März 2015)
512 Seiten
Gebundene Ausgabe 22,99 Euro
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