Buch: The Clash – Strummer | Jones | Simonon | Headon

No Elvis, Beatles or The Rolling Stones

The_Clash_The_Clash_104351Dieses Buch ist ungewöhnlich, und das fängt schon beim Cover an. Dieses ist quietschneonpink, aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen, auch wenn man damit in der Öffentlichkeit ungewollt Aufmerksamkeit erregt. Wenn man es aufschlägt, findet man Unmengen von Fotos, Handgeschriebenes, Zeitungsartikel, Plattencover und sonstige Schnipsel in bester Punkmanier präsentiert, so dass man unweigerlich erst einmal willkürlich das Buch durchblättert. Und das mehrmals, bevor man mit dem eigentlichen Lesen beginnt.
Es beinhaltet nach einem Intro die wichtigsten Stationen der legendären Punk Band The Clash in den Jahren 1976 bis 1983, die Jahr für Jahr chronologisch abgehandelt werden. Im Intro werden nacheinander die vier Mitglieder Joe Strummer, Mick Jones, Paul Simonon und Topper Headon vorgestellt. Sie erzählen jeweils persönlich von ihrer Kindheit, Jugendzeit und musikalischen Entwicklung, bevor sie zu The Clash kamen. Der gesamte Inhalt des Buches basiert auf Interviews, weswegen es auch als offizielles Bandbuch bezeichnet wird.

1976 ist das Gründungsjahr von The Clash. Als erstes finden Mick Jones und Paul Simonon zusammen. Joe Strummer ist der Sänger bei der Band 101’ers, wird dann aber abgeworben. Es ist witzig zu lesen, dass eigentlich niemand ein Instrument spielen konnte, und wie die ersten Lernversuche ablaufen. Demnach lernen sämtliche Londoner Punkmusiker, indem sie ihre Instrumente zum ersten Ramones-Album Ramones spielen. Bernie Rhodes ist der Mann, der alle musikalisch zusammenbringt, und der der Manager von The Clash wird. Brisanterweise ist er ein Ex-Arbeitspartner von Malcom McLaren, dem Manager der Sex Pistols. Die beiden haben sich überworfen, und diese Spannungen werden sich zwangsweise auf die Bands übertragen. Die ersten Konzerte sind hart, denn es fliegen ständig Flaschen Richtung Bühne. Hier spielen noch Terry Chimes an den Drums und Keith Levene zusätzlich Gitarre, der später Gründungsmitglied bei PiL werden wird. Offiziell gilt die Band aber noch als Trio. Der erste Schritt aus dem Untergrund heraus ist für The Clash und Punk überhaupt das „A night of pure energy“-Festival im legendären 100 Club (der übrigens heute noch kaum verändert existiert) zusammen mit den Sex Pistols, Subway Sect, Stinky Toys und Siouxsie and the Banshees mit Sid Vicious am Schlagzeug. Es wird zum ersten Mal in einem Musikstudio aufgenommen und es gibt Augenzeugenberichte von den Ausschreitungen beim Notting Hill Carnival, die Joe Strummer mit dem wegweisenden Song „White Riot“ verarbeitet. Auf dessen B-Seite findet sich der Song „1977“, dessen Textzeile „No Elvis, Beatles or The Rolling Stones“ eine gängige Parole in Punkkreisen wird, weil man sich so gegenüber den Hippies und etablierten Acts abgrenzen kann.
Topper Headon setzt sich gegenüber mehr als 200 Mitbewerbern für den Posten als Drummer durch, und es folgen die ersten Tourneen durch England und Europa. Bei einem Konzert im Londoner Rainbow kommt es zu einer Saalschlacht mit herausgerissenen Sitzen und 28.000 Pfund Schaden für die Band. 1977 wird das selbstbetitelte Debütalbum The Clash aufgenommen, das ein Meilenstein der Punkgeschichte werden wird. Etliche Konzerte und polizeiliche Festnahmen später, die auch näher erläutert werden, erscheint Ende 1978 das zweite Album Give ‚em enough rope, auf dem The Clash bereits die engen Fesseln des Punk sprengen und sich einem breiteren Sound zuwenden. Trotzdem beziehen sie politisch klar Stellung, wie beispielsweise auf dem Rock against Racism Festival. Anfang 1979 folgt die erste Nordamerika Tour, wo sie bislang nur ein Geheimtipp sind. Anschließend trennen sie sich wegen Streitigkeiten von Manager Bernie Rhodes.

LondonCallingIm nächsten halben Jahr entstehen im neuen Proberaum neue Stücke, die anschließend direkt im Studio aufgenommen werden. Mit dieser fast schon spontanen Arbeitsweise entsteht nicht nur das persönliche Meisterwerk, sondern darüber hinaus eine der besten Platten aller Zeiten: London Calling, das Ende des Jahres als Doppel-LP erscheint, zum Preis von einer Einzel-LP für die Fans. Doch vorher geht es noch für die zweite Tour nach Amerika. Beim New York Gig entsteht das weltberühmte Foto, auf dem Paul Simonon völlig frustriert seinen Bass zerschmettert, und das später das Cover von London Calling ziert. 1980 sind The Clash wieder ständig auf Tour. Am Ende der Amerika Tour bleiben sie für drei Wochen Tag und Nacht in einem Studio in New York und schreiben dort quasi das komplette nächste Album. Wegen der Fülle an Songs erscheint Sandinista! Ende des Jahres als Triple-Album, wieder zum Preis von nur einer LP. Um diese wahnwitzige Idee gegenüber der Plattenfirma durchzusetzen, verstecken sie als Druckmittel die Masterbänder, verzichten aber auch auf einen Teil der Tantiemen. Die Schulden steigen, und so wird Bernie Rhodes 1981 wieder ins Management zurückgeholt. Der bucht für The Clash jetzt richtig große Hallen, trotzdem müssen sie wegen der großen Nachfrage in New York fünfzehn mal hintereinander spielen, und in London werden es sieben Konzerte. Anfang 1982 begeben sie sich auf eine zweimonatige Asientour inklusive Japan, Australien und Neuseeland. On the road nimmt die Band das nächste Album Combat Rock in Angriff, das anschließend in New York fertig abgemischt wird. Aber fünf Jahre ohne Pause fordern ihren Tribut und Toppers Drogenprobleme nehmen überhand, sodass er zur nächsten Amerika-Tour durch den alten Kumpel und Weggefährten Terry Chimes ersetzt wird. Combat Rock steigt weltweit in die Top Ten ein und wird das meistverkaufte Album von The Clash. Die Band ist auf dem Weg, zu Megastars zu werden, doch auf dem langen Weg dahin ist die Energie verbrannt. Der Rausschmiss von Topper ist der Anfang vom Ende. 1983 folgt die US-Festival Tour, die mit einem Festival-Auftritt vor 254000 Besuchern endet. Das hätte der Höhepunkt sein können, aber die Band ist mittlerweile völlig zerstritten und Mick steigt anschließend aus. Der frühe Song „1977“, der mit seiner Zukunftsvision 1984 endet, hat sich mit dieser Prophezeiung quasi selbst erfüllt. No Elvis, Beatles, Rolling Stones or The Clash. Zwar macht Joe mit Ersatzmusikern zunächst weiter, löst die Band aber 1985 nach Erscheinen des Albums Cut the crap endgültig auf.

Fazit: Die Geschichte von The Clash ist sehr spannend zu lesen, gerade weil die Sichtweisen und Erinnerungen der einzelnen Bandmitglieder naturgemäß nicht immer ganz deckungsgleich sind. Man erfährt wirklich viele Anekdoten und Hintergrundinformationen, wenn auch das Private vielleicht etwas zu kurz kommt, aber das hätte bei vier Personen wohl den Rahmen dieses Buches gesprengt. Dafür gibt es von der Band Erläuterungen zu ziemlich jedem Song der Alben oder Singles. Viele Fans von The Clash werden dieses Buch schon haben, und wenn nicht, ist es höchste Zeit, diese Lücke zu schließen. Aber auch wer auf Punk und die 80er Jahre allgemein steht, sollte dieses Buch in die Hand nehmen.

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The Clash – Strummer | Jones | Simonon | Headon
Heyne Hardcore, VÖ: 13.06.2011
Taschenbuch, 408 Seiten
16,99 €, erhältlich über buecher.de/

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