Buch: Theresa Prammer – Die unbekannte Schwester

Allein auf weiter Flur

Prammer_T_unbek SchwesterDer erste Arbeitstag als offizielle Ermittlerin beim Wiener Mordkommissariat, endlich ist Carlotta Fiore da, wo sie schon seit Jahren hin wollte. Allerdings wird sie nicht mit offenen Armen empfangen, überall wird sie schief angesehen, als „würdevollen“ Empfang spielen die neuen Kollegen ihren verpatzten Part als Opernsängerin neben ihrer Mutter, der immer noch allseits bekannten und beliebten Diva Maria Fiore, ab. Es gibt noch weitere Fettnäpfchen, die dieser Tag für die einstige Kaufhausdetektivin bereithält und in denen Lotta immer wieder landet. Außerdem strandet ihr Sohn Konny im Kommissariat. Wo ist denn seine Tante Henriette, die eigentlich auf ihn aufpassen sollte? Sie ist verschwunden, einfach so, nur mit dem Hinweis an den Pförtner, dass ihre Mutter im Auto auf sie wartet. Aber … ihre Mutter ist seit Jahren tot! Genauso tot wie Anton Jäger, den man in seiner Badewanne leblos aufgefunden hat. Lottas Kollegen gehen von Selbstmord aus, allerdings wissen die noch nicht, was es für Verbindungen zwischen Herrn Jäger und Carlotta gibt, denn den Zettel mit ihrem Namen darauf, der in seinem Wohnzimmer lag, den hat sie ihnen nicht gezeigt.

Herrje Lotta, du schlitterst durch diesen Fall und verlässt dich wieder mal nur auf dich selbst. Konrad Fürst ist dir dieses Mal keine große Hilfe, eher das Gegenteil. Und deine Beziehung mit Hannes steht auch mal wieder auf der Kippe, deine seelische Not schlägt da immer wieder zu. Dann noch die Verantwortung für Konny, nachdem deine Schwester Henriette so plötzlich verschwunden ist. Du witterst überall Gefahr, deine Nerven liegen da schon mal blank – aber du bremst dich immer wieder ein, versuchst rational zu denken. Dein erster Arbeitstag im Mordkommissariat zieht sich lange hin, das hätte auch für die ersten drei Tage gereicht. Die unbekannte Schwester lässt Fragezeichen über Fragezeichen aufkommen, aber vor allem: Wo ist Henriette abgeblieben?
Den Sticheleien deiner neuen Kollegen hast du nicht viel entgegenzusetzen, du kannst dich nicht öffnen und ihnen deine Lebensgeschichte erzählen, zum Beispiel, dass du von Maria Fiore entführt wurdest. Aber die Leser dieses Buches können das gut nachverfolgen, mach dir keine Sorgen, auch ohne deine vorherigen zwei Kriminalfälle gelesen zu haben.
Immerhin gehst du für dich neue Wege, du unterziehst dich einer Hypnosebehandlung. Eine unkonventionelle Lösung für eine unkonventionelle, verschlossene Frau, sehr gut!
Ich muss dir sagen, liebe Lotta, manchmal würde ich dich gerne in die Arme nehmen, dich trösten, manchmal dich durchschütteln, dir zurufen „wach auf“, „sei doch nicht so verstockt“, „lass dir helfen“! In deinem dritten Krimi arbeitest du viel Persönliches auf, der eigentlich zu bearbeitende Kriminalfall rückt da oftmals in den Hintergrund. Ich habe allerdings nach dem Ende des Buches die Hoffnung, dass in deinem nächsten Fall (liebe Frau Prammer, es wird doch noch einen Fall für Lotta geben?!) alles irgendwie besser für dich laufen wird.

Fazit: Ich habe das Buch innerhalb von vier Tagen gelesen, es ist mitreißend, manchmal will man es einfach nicht aus der Hand legen. Die kriminalistische Handlung fand ich etwas zu kurz, aber es ist ein interessanter Versuch, einmal anders an einen solchen Roman heranzugehen. Die Idee, dass der Leser einzelne Gedankengänge des Mörders verfolgen kann ist nicht neu, aber immer wieder wirkungsvoll. Ich bin gespannt auf den nächsten Teil!

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Theresa Prammer: Die unbekannte Schwester (Ein Carlotta-Fiore-Krimi 3)
List Verlag, 07.04.2017
384 Seiten
14,99 €

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