Buch: Colin Cotterill – Dr. Siri und die Geisterfrau

Pathologe im Unruhestand

Dr Siri und die GeisterfrauDr Siri ermittelt 9 von Colin CotterillIch bin bekennender Serienjunkie und freue mich jedes Mal, wenn ich auf eine neue Serie stoße, in der schon möglichst viele Bücher erschienen sind. Heute möchte ich euch das aktuelle Werk einer mir sehr ans Herz gewachsenen Bücher-Reihe rund um einen etwas schrulligen und dennoch sehr liebenswerten Pathologen im fernen Laos vorstellen. Der aktuelle Band Dr. Siri und die Geisterfrau ist bereits der neunte Band der Reihe, Nummer zehn steht sicherlich schon in den Startlöchern. Der Autor der Serie, Colin Cotterill, wurde 1952 in London geboren und trat nach seinem Studium eine Weltreise an, die ihn bislang nicht wieder heimgeführt hat. Er hat viel Zeit in Israel, Japan und den USA verbracht, aber seine große Liebe gilt dem asiatischen Raum, wo er in Laos und Thailand auch unterrichtete und Lehrer ausbildete. Er engagiert sich außerdem seit vielen Jahren im Kampf gegen Kinderprostitution. Seine beiden Lieblingsbeschäftigungen sind das Zeichnen von Comics und das Schreiben. Colin Cotterill ist mittlerweile hauptberuflich Schriftsteller und lebt in Thailand. Weiterlesen

Buch: Jochen Jung – Das alte Spiel

Wenn man kann dann ran! („Wenn“)

Jochen Jung

Jochen Jung geht ran wie ein Junger oder zumindest wie ein Erich Fried seinerzeit. Doch er ist nicht mehr jung, das weiß er (1942 geboren), damit arbeitet er auch, unter anderem im Titel des Buchs: Das alte Spiel. Dennoch hat er soviel Jugendlichkeit in sich, Energie und Lust, Lebenserfahrung mitzuteilen, als sei er in seinen 30ern oder 40ern.

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Buch: Tommy Schmidt – Heaven’s Gate

Sterben will geplant sein

Schmidt_Heavens_Gate„Ich habe die Vision, dass Menschen wie ich selber entscheiden können, wann und wie sie sterben.“ Ein interessanter Flyer fällt mir in die Hände, als ich die Buchsendung öffne, die mir Heaven’s Gate ins Haus bringt. Ein satirischer Roman aus der nahen Zukunft, eine Vision von einem Gebäude, in dem Sterbewillige ihren selbst inszenierten Abgang gestalten können. Selbst die Pflege- und Rentenversicherung übernimmt anteilig Kosten! Das ist doch eine Überlegung wert, oder? Weiterlesen

Buchreihe: Tad Williams – Otherland

Virtuelle Realitäten

otherland1Wir schreiben das späte 21. Jahrhundert. Es ist für die Menschen zur Normalität geworden, sich in einem virtuellen Universum aufzuhalten – eine Quelle an Informationen und Kommunikationsmöglichkeiten und natürlich ein wunderbarer Zeitvertreib. Durch Implantate, die direkt mit den Sinnesnerven verbunden sind, ist es dem User möglich sich mithilfe frei gestaltbarer und veränderlicher „Sims“ in das Netz einzuloggen und virtuelle Realitäten und Simulationen hautnah zu erleben. Viele Menschen verbringen den Großteils ihres Lebens in virtuellen Realitäten. Die Qualität des Netzzugangs kommt einem sozialen Statusmerkmal gleich, die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Weiterlesen

Buch: Bill Bryson – It’s teatime, my dear!

Mehr als nur Tee

Mit Reif für die Insel schrieb der amerikanische AutoBillBrysonr Bill Bryson vor rund zwanzig Jahren das erste Mal einen Reisebericht über das Vereinigte Königreich. In der Zwischenzeit war er für Frühstück mit Känguruhs in Australien unterwegs und wanderte für Picknick mit Bären durch die amerikanischen Appalachen, um nur einige andere Werke zu nennen. In seinen Büchern nimmt Bill Bryson die speziellen Eigenheiten von Land und Leuten auf charmante und witzige Art und Weise aufs Korn, und das ist auch im hier vorliegenden It’s teatime, my dear! nicht anders. Weiterlesen

Buch: Theresa Prammer – Die unbekannte Schwester

Allein auf weiter Flur

Prammer_T_unbek SchwesterDer erste Arbeitstag als offizielle Ermittlerin beim Wiener Mordkommissariat, endlich ist Carlotta Fiore da, wo sie schon seit Jahren hin wollte. Allerdings wird sie nicht mit offenen Armen empfangen, überall wird sie schief angesehen, als „würdevollen“ Empfang spielen die neuen Kollegen ihren verpatzten Part als Opernsängerin neben ihrer Mutter, der immer noch allseits bekannten und beliebten Diva Maria Fiore, ab. Es gibt noch weitere Fettnäpfchen, die dieser Tag für die einstige Kaufhausdetektivin bereithält und in denen Lotta immer wieder landet. Außerdem strandet ihr Sohn Konny im Kommissariat. Wo ist denn seine Tante Henriette, die eigentlich auf ihn aufpassen sollte? Sie ist verschwunden, einfach so, nur mit dem Hinweis an den Pförtner, dass ihre Mutter im Auto auf sie wartet. Aber … ihre Mutter ist seit Jahren tot! Genauso tot wie Anton Jäger, den man in seiner Badewanne leblos aufgefunden hat. Lottas Kollegen gehen von Selbstmord aus, allerdings wissen die noch nicht, was es für Verbindungen zwischen Herrn Jäger und Carlotta gibt, denn den Zettel mit ihrem Namen darauf, der in seinem Wohnzimmer lag, den hat sie ihnen nicht gezeigt. Weiterlesen

Buch: Tim Mohr – Stirb nicht im Warteraum der Zukunft

Too Much Future

Tim MohrWährend für die Punks im Westen das berühmte „No Future“ der maßgebende Schlachtruf war, weil sie durch die vorherrschende Massenarbeitslosigkeit und den Ausbildungsplatzmangel sowie einen drohenden Atomkrieg keine Perspektive sahen, hieß es für die Punks im Osten in der damaligen DDR dagegen „Too Much Future“, weil das gesamte Leben durch die verschiedenen Staatsorgane bereits vorausgeplant war. Freie Entfaltung und Selbstbestimmung waren kaum möglich. Die Unzufriedenheit und der Frust der Jugendlichen war ein idealer Nährboden für die Saat des Punk, die schließlich das verhasste DDR-Regime zu Fall bringen sollte.
In weitestmöglich chronologischer Reihenfolge berichtet Tim Mohr in Stirb nicht im Warteraum der Zukunft, wie es dazu kam. Durch Schicksale von Einzelpersonen und vielen großen und kleinen Ereignissen wird dieser wenig beachtete Teil der deutschen Geschichte lebendig. Er reicht von den Anfängen der Punkzeit bis in die 2000er Jahre hinein, weil Ostpunks nach dem Fall der Mauer das Gesicht Berlins und dessen Clublandschaft nachhaltig prägen. Das Berghain ist bis heute einer der berühmtesten Clubs weltweit. Weiterlesen

Buch: Ian Rankin – Ein kalter Ort zum Sterben

Ein lang zurückliegender Mord und viele Nebenschauplätze

Jetzt ist es also passiert, DI John Rebus befindet sich im Ruhestand, was allerdings nicht heißt, dass er die Hände in den Schoß legt. Rebus wäre nicht Rebus, wenn seine Passion zu ermitteln dadurch aufgehalten würde, denn er hat jetzt Zeit sich um alte ungeklärte Fälle zu kümmern, wie zum Beispiel um den Mord an einer lebenshungrigen Bankiersgattin, die vor fast vier Jahrzehnten tot in einem Hotelzimmer in Edinburgh aufgefunden wurde. Damals konnte kein Täter vor Gericht gestellt werden.
DI Siobhan Clarke kümmert sich um einen neuen Fall: Darryl Christie, eine aktuelle kriminelle Größe in Edinburgh, wurde vor seiner Haustür überfallen und schwer verprügelt. Bald präsentiert sich ein altbekannter Wichtigtuer als Täter – allerdings glaubt keiner an sein Schuldbekenntnis. Weiterlesen

Buch: Blake Crouch – Dark Matter: Der Zeitenläufer

Das Buch, das nichts hält, was es verspricht

Crouch_BDark_Matter_Der_Zeitenlaeufer__175791Jason ist Physikprofessor an einem kleinen College in Chicago. Seine vielversprechende Karriere als Atomphysiker hat er an den Nagel gehängt, um sich ganz seiner Familie zu widmen: Frau Daniela, Künstlerin, und Teenager Charlie. Sein Leben ist nicht außergewöhnlich, aber er fühlt sich wohl damit. Dennoch zwickt es manchmal, und er denkt darüber nach, ob er und Daniela es wohl zu Erfolg hätten bringen können, wenn sie sich damals für ihre Karrieren entschieden hätten. Doch wie man so schön sagt: Man sollte mit seinen Wünschen vorsichtig sein, denn eines Abends wird Jason entführt, unter Drogen gesetzt und in einem alten Fabrikgebäude abgelegt. Als er aufwacht, befindet er sich in einem Labortrakt, den er noch nie gesehen hat – doch die Menschen dort kennen ihn und gratulieren ihm zum gelungenen Experiment. Verwirrt und verstört flieht er nach Hause – doch das Haus, zu dem sein Schlüssel passt, ist nicht seines und von seiner Familie fehlt jede Spur. Erst langsam dämmert Jason, dass er sich in einer parallelen Realität befindet, und dass er seine geliebte Frau womöglich nie wiedersehen wird.

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Buch: Jenny Milewski – Angstmädchen

On a road to nowhere

Angstmädchen

Malin ist eine junge, 18jährige Frau, die im Alter von wenigen Monaten von einem schwedischen Ehepaar adoptiert wurde. Ursprünglich ist sie Koreanerin. Es macht ihr immer ein wenig zu schaffen, dass sie so anders aussieht als alle anderen, dass man sie auf Englisch anspricht, sogar noch Englisch weiterspricht, wenn sie schon längst in fließendem Schwedisch geantwortet hat. So kam es wohl, dass sie ein wenig schüchtern und introvertiert wurde. Sie findet nicht besonders schnell Freunde. Aber sie bekommt ein Zimmer in einem Studentenwohnheim in Linköping und freundet sich mit ihren Stockwerksnachbarn an. Sehr schnell aber merkt sie, dass es in ihrer Umgebung nicht mit rechten Dingen zugeht. Mal sind Schuhe und Stiefel wild in der Diele verstreut, Wasserlachen auf dem Laminat mit nassen Fußspuren drumherum, schwarze Haarsträhnen, die aus ihrem Badewannenablauf blubbern, ein weißes Gesicht mit schwarzen Haaren, das sich im Fenster oder aus den Augenwinkeln auf Spiegeln zeigt.

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