Rezension: Berni Mayer – Black Mandel

Flammenwut der Antichristen

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Max Mandel und Sigi Singer sind ehemalige Musikjournalisten und Privatdetektive. Um auf ein Konzert von Dark Reich zu kommen, nehmen sie eine lange Reise mit dem Auto nach Norwegen auf sich. Dort angekommen lernen sie Vilde kennen, die Schwester des Sängers. Das Konzert besuchen sie zwar doch nicht, stattdessen wacht Singer am nächsten Morgen wild geschminkt in einem Regal auf – und Baalberith, Sänger von Dark Reich ist spurlos verschwunden. Dafür taucht ein Foto von ihm auf, auf dem er blutend und irgendwie tot wirkend zu sehen ist.

Berni Mayer hat einen spannenden Thriller geschrieben. Neben der Geschichte an sich lernt man einiges über die vor allem norwegische Metal-Szene, über bekannte Bands, die man selbst einmal gehört, vielleicht sogar auf der Bühne gesehen hat. Sigi Singer erzählt die Geschehnisse und wirkt dabei wie Raoul Duke, Hauptfigur aus Hunter S. Thompsons Kultroman Fear and Loathing in Las Vegas. Obwohl der Start sehr langatmig ist, wenngleich mit dem ein oder anderen guten Satz, nimmt der Roman Fahrt auf und ehe man sich versieht, ist man mitten drin in Kirchenbränden, Kreuzigungen, blutigen Konzerten und einer sehr düsteren Okkultistenwelt, von der der norwegische Metal zu leben scheint.
Mandel hingegen wirkt wie ein wandelndes Lexikon, das restlos alles über die Bands weiß und sich nicht scheut, jeder Gefahr ins Auge zu sehen – und kopflos in sie hineinzurennen.

Was ein netter Roadmovie zu sein scheint, entpuppt sich als atemloser Krimi, der mitten in der Szene stattfindet und nebenbei einen kleinen, aber sehr feinen Bildungsauftrag erfüllt. So macht das Lesen Spaß und man möchte das Buch nicht mehr aus der Hand legen, bis … Das muss jeder selbst entdecken.
Mayer zeichnet seine Charaktere mit groben Strichen, verpasst ihnen Eigenschaften, die man erwartet: ob es nun ein kettenrauchender Klugscheißer ist; ein müder Privatdetektiv, der eigentlich seine Pflicht erfüllen will, aber immer unter dem Pantoffel des Kollegen steht; oder aber die Schwester des Sängers, die einen Hang zu SM hat und sich auf jeden schmierigen Typen einlässt, der sie schlecht behandelt. Die Figuren sind fleischgewordene Klischees – und dadurch so herrlich sympathisch.
Drummer Bela B. von Die Ärzte hat über das Buch gesagt, er hoffe, dass es verfilmt würde. Das hoffe ich allerdings auch, denn ein guter Regisseur würde daraus im Handumdrehen einen kultigen Blockbuster machen.

Ein Buch, auf das die Welt und vor allem die Schwarze Szene gewartet haben, voller Spannung, Kult und Heavy Metal.

Berni Mayer ist 1974 in Niederbayern geboren und hat unter anderem als Chefredakteur bei MTV und VIVA gearbeitet. Black Mandel ist sein zweiter Kriminalroman, der an das Debüt Mandels Büro anknüpft. Einen Vorgeschmack bekommt man hier: Trailer

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Berni Mayer – Black Mandel
Heyne Hardcore, 2012
384 Seiten, broschiert
8,99 €
Amazon

Rezension: Justin Cronin – Die Zwölf

„Denn es begab sich,
dass die Welt im Argen lag …“

Die Vereinigten Staaten von Amerika existieren nicht mehr. Stattdessen eine unverbundene Ansammlung von größeren und kleineren Kolonien von Überlebenden – denn die Bevölkerung in diesem Teil der Erde wurde fast vollständig ausgerottet. Nach einem missglückten Experiment an Schwerverbrechern breitet sich ein Virus über Nordamerika aus, das die Infizierten in „Virals“ verwandelt – blutrünstige, lichtscheue Monster, die, angeführt von den „Zwölf“, über die Menschheit herfallen. Doch nicht nur diese zwölf tragen das Virus in sich – auch Amy, das Mädchen, das seit hundert Jahren 14 ist. Und nur sie hat die Macht, die Virals und ihre Anführer zu stoppen.

Die Zwölf ist der zweite Teil der „Passage“-Reihe von Justin Cronin, und knüpft vermutlich direkt an Der Übergang (original: The Passage) an, den ich leider nicht gelesen habe. Trotzdem findet man schnell einen Eingang in die Welt und die Geschichte, der durch den Prolog im biblischen Stil erleichtert wird. So wird der Leser kurz ins Gesamtbild eingeführt, bevor in episodischen Abschnitten das Leben der Menschen im zerstörten Amerika beschrieben wird. Einige Zeitsprünge sind etwas verwirrend, und die ausgewählten Einzelgeschichten wirken fast willkürlich ausgewählt. Durch geschickte Kapiteleinteilungen und fesselnde Handlungsbögen gelingt es Cronin allerdings, dass man sich zwar wundert, aber nie gelangweilt ist. Doch was anfangs zufällig wirkt, entpuppt sich im Laufe der Geschichte als gekonnt verwobener Plot. Jedes der post-apokalyptischen Einzelschicksale hat eine Bedeutung für die spätere Handlung, denn in diesem „Vorgeplänkel“ wird dem Leser ein tiefer Einblick in verschiedenste Charaktere gewährt, die im Verlauf der Geschichte eine wichtige Rolle spielen sollen.
Gerade die Erlebnisse von Amy, dem ewig mystischen Mädchen, werden oft nur indirekt beschrieben und einige Handlungsstränge werden offen gelassen, sodass man nie genau weiß, was mit ihr eigentlich passiert. Amy ist selbst ihren Freunden stets ein Rätsel gewesen, und so fügen sich diese nebulösen Ereignisse nur dem Mythos um sie hinzu. Nie ist ganz klar, ob sie von Gott geschickt und befähigt wurde, um gegen die Virals anzutreten, oder ob sie schlicht ein misslungenes Experiment ist. Diese Schwebe zwischen Wissenschaft und Religion verbindet in Die Zwölf einen typischen Endzeit-Thriller mit einem Hauch von Fantasy – eine gelungene Kombination.
Cronin beweist ein großes Talent darin, sich in verschiedenste Personen hineinzuversetzen und dem Leser ihre Beweggründe und Gefühlswelt zu vermitteln. Die Erzählperspektive wechselt von Kapitel zu Kapitel, sodass man bald eine tiefe Verbundenheit zu den Charakteren empfindet. Dies erleichtert auch das Verständnis für Leser wie mich, die den ersten Band der Reihe, die offenbar eine Trilogie werden wird, nicht gelesen haben.
Lange bleibt der Leser im Unklaren darüber, wohin sich die Geschichte eigentlich entwickeln könnte. Die große Handlung bleibt zugunsten kleiner Events im Hintergrund und bewegt sich nur langsam, doch Cronins fesselnder Schreibstil und seine überraschenden Wendungen und Verknüpfungen machen jedes Kapitel zu einem Genuss, auch wenn man die Verbindung zur Handlung nicht sofort erkennt. Das eigentliche Finale, das Zusammenführen aller Handlungsstränge, die lang ersehnte Auflösung, geschieht erst im letzten Viertel des Romans, doch es könnte beeindruckender kaum sein. Es schließt Die Zwölf in sich ab, und macht doch Lust auf den letzten Teil.
Die vielen handelnden Personen werden zwar eingehend beschrieben, doch man könnte bemängeln, dass es irgendwann schlicht ein paar zu viele werden, sodass ich teilweise bei der Erwähnung eines Namens erst überlegen musste, wo genau er vorher eine Rolle gespielt hatte. Doch dieses Problem hält sich in Grenzen und tut dem Lesespaß keinen Abbruch.

Die Zwölf ist ein spannender und komplexer Endzeit-Roman, der auf keiner einzigen Seite Langeweile aufkommen lässt. Cronin schreibt flüssig und reißt den Leser mit, selbst, wenn gerade nicht die wortwörtlichen Fetzen fliegen. Er versteht es, Gänsehautsituationen zu schreiben, übertreibt es aber nie damit.
Der Roman ist eine Empfehlung für Fans von Zombie- und Vampirgeschichten genauso wie Liebhaber von post-apokalyptischen Szenarien und Fantasy, und macht definitiv Lust auf den dritten Teil.

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Justin Cronin – Die Zwölf
Goldmann, Gebundene Ausgabe, 2013
832 Seiten
22,99 €
Ebook: 18,99 €

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Justin Cronin

 

Rezension: Terry Pratchett – Steife Prise

Wenn einer eine Reise macht …

Samuel Mumm, Kommandeur der Stadtwache von Ankh-Morpork und seit der Heirat mit Lady Sibyl Käsedick obendrein ein steinreicher Herzog, wird von seiner Herzensdame zum Urlaub auf dem gemeinsamen Landsitz verdonnert. Als Stadtkind, das nie aus der Zwillingsstadt herausgekommen ist, tut Mumm sich auf dem Lande reichlich schwer, insbesondere die Kultur der Teepartys und jungen Frauen, deren einzige Perspektive eine gewinnbringende Heirat ist, will ihm so gar nicht in den Kopf. Noch dazu kommt ihm ständig irgendetwas verdächtig vor, und sei es nur die lärmende Stille des Getiers vor seinem Schlafzimmerfenster. Wo ein Polizist, da auch ein Verbrechen, heißt es so schön – und als der aufmüpfige Schmied verschwindet, dem Mumm vor der Dorfkneipe eine kleine Abreibung verpasst hatte, findet er sich plötzlich mitten in einem Verbrechen wieder, dessen Ausmaße erst langsam ans Licht kommen.

Pratchett lässt sich wie üblich viel Zeit, um das eigentliche Geschehen in Gang zu bringen, und ich habe lange gerätselt, wie denn die neue Rasse der Goblins, die uns vorher so noch nicht auf der Scheibenwelt begegnet ist, wohl ins Bild passen würde. Auch der Titel blieb mir lange schleierhaft, doch die Zeit wird gut genutzt. Die Handlung läuft ganz in Ruhe an, und der Leser bekommt die Gelegenheit, sich in die Gefühlswelt und das Familienleben von Samuel Mumm hineinzuversetzen.
Mumm, der rechtschaffene Polizist, der treuen Fans aus vielen Scheibenwelt-Romanen bekannt ist, dürfte wohl fast jedem sympathisch sein. Früher oft bloß ein Spielball von Lord Vetinari hat er sich zu einer noch stärkeren Persönlichkeit gemausert, und in Steife Prise hat es sogar den Anschein, dass er den Patrizier von Ankh-Morpork tatsächlich überrascht. Sein innerer Kampf zwischen Polizist und Verbrecher tritt stärker zutage als in früheren Romanen und verleiht dem Charakter eine neue Tiefe. Er scheint sich vor etwas zu fürchten, das aus ihm werden könnte, wenn er kein Polizist wäre, und hält deshalb nur mit umso größerer Kraft an Gesetz und Ordnung fest.

Die Goblins wurden zwar in einer Handvoll früherer Scheibenwelt-Romane erwähnt, fanden jedoch nie Beachtung. Endlich widmet „Sir Pterry“ ihnen mehr Aufmerksamkeit und erschafft so eine neue Rasse, für die der Leser nur tiefste Sympathie und Mitleid empfinden kann. Vom Rest der Welt als Ungeziefer angesehen, gesteht die zivilisierte Scheibenwelt ihnen nicht einmal den Rang einer vernunftbegabten Rasse zu. Als wäre das nicht schon schlimm genug, scheint die immerwährende Isolation und Verdrängung dieser hässlichen, stinkenden kleinen Kerle sie selbst davon überzeugt zu haben, wertlos zu sein. So fristen sie ihr karges Darsein in abgelegenen Höhlen und warten auf ihre gänzliche Verdrängung aus der Welt. Doch Pratchett wäre nicht Pratchett, hätte er diesen bemitleidenswerten Wesen nicht auch ein paar ganz einmalige Qualitäten mitgegeben, und so lernt Sam Mumm, dass auch diese Geschöpfe ihn brauchen, um ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

Steife Prise ist thematisch einer der ernsten Scheibenwelt-Romane und wird nur durch Pratchetts urkomischen Stil zu einem echten Lese“vergnügen“. Die Geschichte ist ein actiongeladener Krimi, dessen Setting etwas an viktorianische Romane à la Jane Austen erinnert. Die Verdorbenheit der Gesellschaft, insbesondere der Aristokratie, steht im Mittelpunkt und wird nur langsam und mühevoll ausgetrieben, indem ehrliche Menschen wie die Eheleute Mumm und Dorfpolizist Volker Aufstrich sich für die Schwachen einsetzen.
Der übliche Slapstick, Pratchetts einmalige Beobachtungsgabe und sein lockerer, humorvoller Stil machen Steife Prise zu einem lesenswerten, kurzweiligen Abenteuer mit viel Hintergrund und Tiefgang. Der Roman zählt meiner Meinung nach zwar nicht zu den besten Scheibenwelt-Romanen, doch da die Messlatte extrem hoch liegt, bleibt er dennoch eine Empfehlung – für Fans ein Muss, für Einsteiger ein großer Lesespaß!

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Terry Pratchett – Steife Prise
Manhattan, Taschenbuch, 2012
448 Seiten
17,99€
ebook: 13,99€

 

Steife Prise bei Manhattan

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Terry Pratchett

 

Rezension: Maarten Vande Wiele u.a. – Paris

Schönheit, Mode und (Un-)Glück

 

paris

Hope nimmt schon früh erfolgreich an Schönheitswettbewerben teil, allerdings wird ihr Gesicht im Alter von zwölf Jahren aufgrund eines Unfalls entstellt. Aber ihre großen Träume bleiben: Mode, Schönheit, Paris. Vier Jahre nach ihrem Unfall ist sie an ihrem Ziel angekommen. Auf Hopes zukünftigen Weg begleiten sie Chastity, die sich aufgrund ihrer Schönheit an Männer verkauft und somit ihren Lebensunterhalt sichert, sowie Faith, die sich ihren Weg zur zukünftigen erfolgreichen Sängerin hart erarbeiten muss. Drei Frauen haben große Ziele – werden sie erfolgreich sein?

Eine überraschende und doch wieder nicht überraschende Geschichte (Models eben), schöne Frauen mit prägenden Kindheitserinnerungen, dies alles locker, aber auch tragisch, düster erzählt. Bekannte Gesichter aus den Hochglanz-Zeitschriften und Modelabels kommen hierin genauso vor wie die Gehässigkeiten einer Modelagentur-Chefin, Sex ebenso Drogen.
Die Erzählung liest sich gut und schnell. Aber diese Geschichte überzeugt mich vor allem dadurch, wie sie dargestellt wird: durch eine Graphic Novel (Näheres dazu siehe unten) mit Schwarz-Weiß Zeichnungen, die sehr gut gelungen sind und das Geschriebene besser rüberbringen können als nur Worte. Überrascht war ich von den beruflichen Entwicklungen der niederländischen Autoren, die am Ende des Buches amüsant erzählt werden.

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Maarten Vande Wiele, Peter Moerenhout, Erika Raven: Paris
Carlsen Verlag, 2012
216 Seiten, Hardcover mit Spotlack und Gummiband
€ 19,90
Amazon

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Graphic Novels

Auf die Graphic Novels wurde ich bereits im Oktober durch Herrn Ronald Hanke, Bücher am Schloss (Oberschleißheim) aufmerksam gemacht. Hier ein Auszug aus seinem damaligen Bericht während der Bibliothekswochen:

Der aus den USA stammende Begriff Graphic Novels ist nur eine andere Bezeichnung für Comics, Comics für Erwachsene oder auch Comics in Buchformat. Graphic Novels unterscheiden sich vom normalen Heftcomic aufgrund des thematischen Anspruchs und der Komplexität der Geschichten.
Der neue Ausdruck wurde vorwiegend für literarisch ausgerichtete Comics als Abgrenzung zum Mainstream gebildet.

Was bedeutet Comic? Hier findet eine Überschneidung von Literatur und bildender Kunst statt. Das Wort ist eine Ableitung von comic strip „komischer Streifen“. Der französische Literaturwissenschaftler Francis Lacassin ordnete 1971 den Comic als neunte Kunst in den Kanon der bildenden Künste ein.

In Europa entwickelte sich der Comic in langen Geschichten, Reihen und Fortsetzungen, wie zum Beispiel Tim und Struppi, Spirou & Fantasio, Asterix oder Lucky Luke.
Es entstand auch eine Form von Underground-Comics, herausgegeben von kleinen unabhängigen Verlagen, die oftmals scharf am Rand der Zensur entlang schrammten.
Was in Amerika undenkbar gewesen wäre, wurde in Europa ohne Altersfreigabe verkauft (Schwermetall, U-Comix und Pilot). Ebenfalls zu erwähnen sind im Genre Comics zum Beispiel die Edelwestern Leutnant Blueberry und Comanche, im Genre Krimi beispielsweise Torpedo. Gerade diese und viele andere zeichnen sich durch ihre Authentizität und teilweise brutale Kompromisslosigkeit aus.

In Brüssel gibt es seit 1989 sogar ein Comic-Museum für belgische Comics, das Belgische Comic-Zentrum (Centre belge de la bande dessinée (CBBD).

Aktuell gibt es viele Comiczeichner, sowohl in Nordamerika als auch in Europa, die eine stetig wachsende Fangemeinde haben. Beispiele: Alan Moore und David Lloyd (V wie Vendetta), Alan Moore und Dave Gibbons (Watchmen), Robert Kirkman (Walking Dead) und Steve Niles (30 Days of Night).

Einer erfolgreichen Comicreihe folgt in der Regel bzw. im günstigsten Falle eine erfolgreiche Verfilmung. In vielen Fällen ist das leider nicht so, die Verfilmungen blieben weit hinter den Erwartungen zurück, trotzdem die Macher sehr ambitioniert gearbeitet haben.
Im Gegensatz dazu steht die Verfilmung der Comicreihe The Walking Dead, die bei der ersten Ausstrahlung in den USA enorme Einschaltquoten verzeichnen konnte und somit als eine der erfolgreichsten Dramaserien bezeichnet werden kann. Aktuell läuft in den USA auf dem Sender AMC die dritte Staffel. In Deutschland strahlt der Pay-TV-Sender FOX die aktuellen Folgen nahezu zeitgleich aus. Im Free-TV kam RTL II Anfang November 2012 zum Zug und zeigte die ersten beiden Staffeln der Serie in einem Serienmarathon.

Rezension: Jonathan L. Howard – Johannes Cabal: Seelenfänger

Es irrt der Mensch, solang er strebt

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Johannes Cabal ist Nekromant, und versteht noch dazu überhaupt keinen Spaß. Um sein geheimes Wissen zu erlangen, verschacherte er dereinst seine Seele an den Teufel, doch ein Bund mit diesem Zeitgenossen geht bekanntlich nie so aus, wie man es gern hätte. Deswegen will Cabal seine Seele zurück, und da Geduld nicht gerade zu seinen Stärken zählt, macht er sich auf in die Hölle, um dort etwas Unfrieden zu stiften und schließlich mit dem Satan um seine Seele zu wetten: Bringt er ihm innerhalb eines Jahres 100 andere Seelen, so bekommt er seine eigene zurück. Klingt doch fair. Und als Hilfe gewährt der Leibhaftige ihm sogar Unterstützung durch einen Jahrmarkt, denn wo könnte man den Menschen schließlich besser das Geld und die Seele aus der Tasche ziehen? So macht sich Johannes auf eine verrückte Reise, um mit seinem Bruder Horst, einer Krähe und einem Haufen wahrlich jahrmarkt-tauglicher Mitarbeiter die Wette zu gewinnen.

Die Story von Seelenfänger ist natürlich keine neue, bereits Goethe hatte die Idee mit dem Wissenschaftler, der seine Seele verkauft. Und genau da liegt der Hund begraben (oder vielleicht auch nicht, bei einem Totenbeschwörer?) – denn wie so oft sind die simpelsten Geschichten doch die, die uns am meisten beeindrucken.
Wie auch Faust im weltberühmten Drama, so ist Johannes Cabal nicht unbedingt der sympathischste Typ von Hauptcharakter. Genau genommen hat fast jede andere Person freundlichere Wesenszüge abbekommen. Sein triefender Sarkasmus und die Absurdität seiner vollkommen analytischen Denkweise sorgen zwar für einige Lacher, aber kaum jemand würde diese Sorte Mensch als „nett“ beschreiben. Unterstrichen wird dies dadurch, dass Howard nur sehr selten seinen Vornamen benutzt, meist ist schlicht von „Cabal“ die Rede – sein Bruder wird jedoch stets Horst genannt. Es ist nicht schwer zu bemerken, dass sogar Horst, der sicher auch seine Leichen im Keller hat und sogar selbst eine solche war, menschlicher ist als der Nekromant. Sogar Satan kommt als bemerkenswert nett beim Leser an. Trotzdem schafft Howard es auf wundersame Weise, dass man dem gewissenlosen Nekromanten nichts Böses wünscht und irgendwie auch Mitleid mit ihm hat.
Große Überraschungen bietet Seelenfänger zwar nicht, doch bei dieser Art von Geschichte ist es nahezu unmöglich, sie so hinzudrehen, dass tatsächlich etwas gänzlich Unerwartetes passiert. Es gibt Dinge, die müssen geschehen, und es gibt Geschichten, die nur einen möglichen Ausgang nehmen können. Howard schreibt dennoch mitreißend genug, dass man ständig hofft und still fleht, Cabal möge Einsicht haben und zu einem guten Menschen werden. Und schließlich muss er erst beinahe alles verlieren, fast sogar sich selbst, bevor der gefühlskalte Nekromant zeigt, dass er sich seine Seele doch irgendwie verdient hat.
Neben Faust sind auch Anspielungen an H.P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos zu finden, und ich meinte sogar, kleine Zitate von Monty Python und aus Charles Dickens‘ Klassiker A Christmas Carol zu entdecken.
Der aberwitzige Stil und tiefschwarze Humor erinnert zum Teil an Neil Gaiman oder Terry Pratchett, generell ist Howards Roman aber düsterer, sowohl thematisch als auch im Detail. Der Zombie-Zirkus hat einen geradezu burtonesquen Hauch und bietet eine so herrliche Vorlage, dass man sich wünschen würde, jener Filmemacher würde sich des Buches annehmen.
Johannes Cabal: Seelenfänger ist eine schwarzbunte Achterbahnfahrt, die die Lachmuskeln schwer beansprucht. Eine alte Geschichte mit einem modernen Antihelden, den man wirklich nur mögen kann, wenn man ihn nicht persönlich ertragen muss. Ein garantierter Lesespaß für Fans von Tim Burton, Neil Gaiman und den guten, alten Geschichten über das Austricksen des Teufels. Macht definitiv Lust auf Teil zwei und drei der Reihe!

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Jonathan L. Howard – Johannes Cabal- Seelenfänger
Goldmann, Taschenbuch, 2009
384 Seiten
12,00€

Johannes Cabal: Seelenfänger bei Goldmann

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Jonathan L. Howard 

 

Rezension: Martha Grimes – All die schönen Toten

Katzen, Schuhe, Doppelleben

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Im kleinen Örtchen Chesham wird die beeindruckend elegant gekleidete Leiche einer jungen Frau gefunden. Die Suche nach ihrer Identität gestaltet sich als überraschend schwierig für Superintendent Richard Jury von Scotland Yard, und es stellt sich heraus, dass die junge Dame ein interessantes Doppelleben geführt hat. Doch in Chesham ist der einzige Mordzeuge die schwarze Pubkatze, die kurz darauf verschwindet. Als in London eine weitere, und schließlich eine dritte junge Frau erschossen aufgefunden werden, beginnen für Jury höchst verworrene Ermittlungen und er taucht ein in eine Welt aus schönem Schein, Eifersucht und Schuhen.

Anfangs ist Martha Grimes‘ Stil etwas verworren, ich hatte Schwierigkeiten, bei Dialogen den roten Faden zu behalten. Doch man gewöhnt sich schnell ein und die Geschichte nimmt zügig Fahrt auf, um den Leser mitzureißen. Von Anfang an wird klar: Die Schuhe müssen der Schlüssel zum Geheimnis um den Tod von drei jungen Frauen sein, denn sie alle trugen nur die edelsten Treterchen. Dennoch fand ich das plötzliche Interesse eines hochrangigen Polizisten in seinen 40ern an Manolo Blahnik etwas übertrieben. Auch seine Frauengeschichten konnte ich nicht ganz durchblicken, wobei das vermutlich daran liegt, dass All die schönen Toten mein erster Roman von Martha Grimes ist.
Die Geschichte um Jurys Ermittlungen wird immer wieder unterbrochen von netten und kurzweiligen Episoden um Morris, die schwarze Katze, die aus dem Pub verschwunden ist, vor dem der Mord geschehen ist. Diese stellt sich als entführt heraus und schließt Freundschaft mit Mungo, dem Hund von Jurys Lieblingsfeind Harry Johnson. Doch was diese goldigen Einwürfe nun mit der eigentlichen Kriminalgeschichte zu tun haben – keine Ahnung. Eventuell ist es auch hier hilfreich, die Vorgeschichte zu kennen, denn ganz schlau wurde ich aus der Beziehung zwischen Harry und Jury nicht. Die Art, wie der Polizist sich von einem potentiellen Mörder auf der Nase herumtanzen lässt, war zumindest sehr merkwürdig. Auch die Rettung eines streunenden Hundes und die Diskussion über dessen Namen, der sich durch etwa zwei Drittel des Buches zieht, brachten mich mehr als einmal zum Stirn runzeln. In diesen Episoden geht der Bezug zur Handlung und der rote Faden dermaßen verloren, dass ich mehrmals zurückblättern musste, um den Handlungsverlauf im Auge zu behalten.
Martha Grimes punktet mit einem herrlich bissigen Humor und Bemerkungen, die mich mehrmals laut auflachen ließen. Sie schreibt flüssig, doch in manchen Teilen kamen mir die Dialoge extrem gestellt vor. Außerdem stört die penetrant häufige Benutzung des Wortes „ausklamüsern“ den Lesefluss.
Die Hauptgeschichte, von allen Tieren und Harrys mal abgesehen, ist fesselnd und interessant. Die Schlüsselrolle von Mode und Schuhen bietet wahrscheinlich besonders Frauen einen Anreiz, doch der Fall, an dem Jury hier zu knabbern hat, geht weit über diese oberflächlichen Themen hinaus. Im Grunde spiegelt dieser Gegensatz genau den Inhalt des Romans wieder: zwei Welten, zwei Leben, nebeneinander. Glanz und Glitzer an der Oberfläche, doch was liegt darunter? Genau dies ist der Schlüssel zur Lösung des Rätsels, denn der erste Eindruck ist nicht immer der richtige.

Alles in Allem ist All die schönen Toten ein gelungener Krimi und ein kurzweiliger Lesespaß. Die Handlung entwickelt sich flüssig und bleibt spannend, wird jedoch von Tiergeschichten und dem mir nach wie vor vollkommen schleierhaften Charakter des Harry Johnson unnötig in die Länge gezogen und auf eine harte Probe gestellt. Vielleicht ist dies aber für Fans der Serie weniger störend, als für einen Einsteiger. Der sprachliche Stil macht Spaß, und die Episoden mit Mungo und Morris, die sich so gar nicht wie Hund und Katz‘ benehmen, sind immerhin für ein Schmunzeln gut.

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Martha Grimes – All die schönen Toten
Goldmann, Taschenbuch, 2012
382 Seiten
9,99€
ebook: 8,99€

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Martha Grimes

Rezension: Thomas Bleskin – Joachim Witt, DOM; Eine Biographie

„Jetzt und ehedem“

 

wittEhedem begann der Lebensweg von Joachim Richard Carl Witt am 22. Februar 1949 in Hamburg. Er ist ein introvertierter Mensch, der schon früh mit Musik in Berührung kommt und sich seinen Zugang zur Musik selbst entwickelt. „Der goldene Reiter“ und „Die Flut“ bilden die musikalischen Erfolge in seinem Leben. Die Arbeit und Geschichte zu seinen Alben, anfangs mit der Band Duesenberg, bis zu dem 2012 erschienen DOM sind keine durchgehend aufsteigende Siegesstraße, sondern haben auch viele Talfahrten. Witt gibt nicht viel Privates preis, aber dafür hat er sich bei seiner Arbeitsweise über die Schulter schauen lassen.

Und wen interessiert diese Biografie? Fans, Freunde seiner Musik, die vielleicht den „Goldenen Reiter“, „Herbergsvater“, „Das geht tief“, „Jetzt und ehedem“, die Alben POP, Eisenherz oder Teile der Bayreuth-Reihe im CD-Regal haben. Vielleicht auch Interessierte, die wissen wollen, wer hinter dem viel diskutierten „Gloria“-Video steckt.
Witts Entwicklung vom kleinen Jungen, der vor der Familie dirigiert, über den ersten Fernsehauftritt beim Musikladen im Jahr 1982, bis zu den vielen musikalischen Misserfolgen, in denen sein Herzblut und unter anderem auch Geld steckte, und dem privaten Herzschmerz, der ihn auf neue Wege gebracht hat, ist in der Rückschau verfolgbar.
Diese Biografie hat mich dazu gebracht so manche LP und manches Video von Joachim Witt anzuhören, anzusehen, hinzuhören und hineinzudenken.

Jetzt bleibt mir nur noch zu sagen: „Danke“, Herr Witt, für einen neuen Blick auf Ihre Musik. Und mein Urteil abzugeben:

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Thomas Bleskin, Joachim Witt – DOM – Eine Biographie [Kindle Edition]
Isabel Regehr (Herausgeber)
44 Seiten
4,11 €
Amazon

Rezension: J.K. Rowling – Ein plötzlicher Todesfall

Der Abgrund in uns

Als Barry Fairbrother an seinem Hochzeitstag ganz plötzlich verstirbt, gibt es nur wenige Menschen in Pagford, die ehrlich trauern. Denn mit dem Tod eines Gemeinderatsmitgliedes wird dessen Stelle frei, und der liberale Barry, der sich für die Integration des Ghettos Fields in den kleinen idyllischen Ort Pagford eingesetzt hatte, hat damit den Gemeinderat in zwei Lager gespalten, die nun um die Vorherrschaft ringen und ihre Ansichten durchsetzen wollen. Schnell stellt sich heraus, dass fast jeder von ihnen seine Leichen im Keller hat, und der unerbittliche Hass von Kindern auf die eigenen Eltern führt schließlich zu einer Eskalation, mit der niemand so recht gerechnet hätte.

Ein plötzlicher Todesfall – in der Tat. Genau genommen überlebt Barry Fairbrother nicht mal die ersten 3 Seiten, man erfährt also nicht viel über die Person, die den schweren Stein ins Rollen bringt, der ganz Pagford erschüttern soll. Rowling steigt zügig ins Geschehen ein, bremst dann jedoch ab und nimmt sich viel Zeit, um die Charaktere und ihre Gedanken zum Tod von Barry zu skizzieren. Samantha und Miles, die bei ihm waren, als er starb, Miles‘ Vater, der seinerseits im Gemeinderat sitzt und Barrys größter Gegner war – beide Generationen eher an Klatsch und Tratsch interessiert. Parminder, enge Freundin und Kämpferin an seiner Seite, die drei ihrer Kinder liebt und eines verachtet. Krystal, das Mädchen mit der heroinabhängigen Mutter, das nur durch das von ihm geleitete Ruderteam jemals Achtung und Integration erfahren hatte, und nun zurückfällt in ein Loch aus Gewaltausbrüchen und sexueller Verwahrlosung. Der Leser wird ausführlich in den Alltag dieser Dorfidylle eingeführt, der hauptsächlich aus Tratsch und dem Wunsch jedes einzelnen besteht, eine Neuigkeit so schnell und aufgebauscht wie möglich weiterzugeben. Den Familienverhältnissen aller Beteiligten widmet Rowling viel Aufmerksamkeit und beweist das Talent, sich in die unterschiedlichsten, noch so unsympathischen Charaktere hineinzuversetzen.
Die Geschichte wird episodisch abwechselnd aus der Sicht aller handelnden Personen erzählt und bleibt so stets in Bewegung. Im Grunde passiert nicht sehr viel, aber die Spannung bleibt allein deswegen erhalten, weil man ständig eine neue Facette einzelner Menschen erhält und sich so nach und nach vollständige Bilder zusammensetzen kann. Vielleicht entwickelt man für jemanden, der am Anfang einfach nur unsympathisch war, schließlich sogar so etwas wie Verständnis.
Ein plötzlicher Todesfall ist düster und erwachsen, nichts wird verschwiegen und nichts beschönigt. Die Sprache ist zuweilen – je nach Charakter – derb, schlägt dann wieder in angenehme Landschaftsbeschreibungen um. Der Kontrast dessen, was hier Fassade ist, und was dahinter läuft, wird dadurch schön unterstrichen.
Ich war ganz unvoreingenommen an dieses Buch herangegangen und hatte anhand des Titels etwas erwartet, das eher in Richtung Krimi geht. Tatsächlich liegt hier eine bitterböse Gesellschaftskritik vor uns, schonungslos und ohne etwas durch die Blume zu sagen. Die gutbürgerliche Fassade der stolzen Mittelschicht wird nach und nach demontiert und mit der Zeit fragt man sich, wer hier eigentlich asozialer ist: Terri, die drogensüchtige Mutter aus dem Ghetto, oder Simon, der seine Familie tyrannisiert und seine halbwüchsigen Söhne verprügelt.
Für einige Charaktere hat die Geschichte fast so etwas wie ein Happy End, andere werden in ihren Grundfesten erschüttert und Welten brechen zusammen. Inwiefern das verdient war, kann sich der Leser selbst überlegen. Ist Ein plötzlicher Todesfall ein schönes Buch? Nein, ganz und garnicht. Eigentlich ist es wirklich furchtbar deprimierend. Ist es ein gutes Buch? Auf jeden Fall! Für mich hat J.K. Rowling bewiesen, dass sie auch ganz anders kann, als kleine Jungs gegen böse Zauberer kämpfen zu lassen. Das Böse ist überall, jeder einzelne von uns trägt es in sich, sogar Kinder zeigen Grausamkeiten, von denen jeder sicher ist: in MEINER Umgebung gibt es sowas doch nicht! So hinterlässt Ein plötzlicher Todesfall ein merkwürdiges Gefühl zwischen Depression und Erleichterung, jedenfalls aber die Gewissheit, ein wirklich gutes Buch gelesen zu haben.

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J.K. Rowling – Ein plötzlicher Todesfall
Carlsen Verlag, Hardcover, 2012
575 Seiten
24,90€
eBook: 19,90€

Ein plötzlicher Todesfall bei Carlsen
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J.K. Rowling

 

Rezension: Renate Ahrens – Ferne Tochter

Was ist passiert?

 

ferne-tochterJudith Velotti lebt zusammen mit ihrem Mann Francesco in Rom. Nach einem Anruf von einer alten Schulfreundin fliegt sie nach 20 Jahren, zwei Monaten und vier Tagen zum ersten Mal wieder nach Hamburg, in die Stadt ihrer Kindheit und Jugend. Ihr Vater ist tot, ihre Mutter nach einem Schlaganfall in einem Pflegeheim, zu beiden hatte sie keinen Kontakt mehr. Sie muss sich in der alten Heimat ihrer Vergangenheit stellen, den dramatischen Erlebnissen innerhalb ihrer Familie und einem Verlust, der sie seither verfolgt. Außerdem gilt es, das Leben in Italien nicht zu vernachlässigen, was allerdings aufgrund der Geschehnisse in der alten Heimat nicht einfach ist.

Die Ferne Tochter erzählt nicht nur von einer Tochter, es gibt zwei; jede hat viel erlebt, gedacht, gefühlt. Vordergründig werden Judiths Erlebnisse in der Vergangenheit wie auch der Gegenwart eindringlich wiedergegeben. Durch sehr gut beschriebene Rückblicke und Erzählungen ergibt alles ein Ganzes, eine Information baut auf die nächste auf, eine Begebenheit führt zur nächsten und schließlich zum Ziel. Die Schilderungen sind zum Teil bedrückend, manchmal dachte ich: „Kann es das wirklich geben, dass Eltern so herzlos mit ihrer Tochter umgehen?“ Ich widerstand mehrmals dem Gefühl, dieses Buch wegzulegen und habe mich durchgehangelt, jeden Tag ein bisschen weiter – vielleicht wie Judith – und bin froh darüber.

Frau Ahrens präsentiert dem Leser eine intensive Geschichte – keine leichte Kost, aber gut interpretiert und geschrieben.

:buch:  :buch:  :buch:  :buch:  :buch:

 

Renate Ahrens: Ferne Tochter
Knaur Taschenbuch Verlag, 2012
276 Seiten
9,99 €
Amazon
Homepage von Renate Ahrens
Ebenfalls von der Autorin erschienen: Fremde Schwestern

Rezension: Beth Ditto – Heavy Cross

„All das macht mich zu der Person, die ich bin“

 

ditto_bheavy_crossAm 22. Oktober 2012 erschien die Biografie von Mary Beth Ditto. Sie erzählt darin von ihrer Kindheit in Arkansas, die alles andere als schön war: Die Mutter meist nicht anwesend, ein Vater, der nicht ihr Vater ist, Hunger, kein richtiges Zuhause und Missbrauch durch ihren Onkel. Während der High School stylt sie sich und anderen Mädchen gern die Haare. Durch ihre Körperfülle ist sie dazu gezwungen, ihre Kleider selbst zu schneidern. Weiterlesen