Ich habe keine Angst

xotox-gesternxotox – das ist feinster Tanzflächenlärm, der auch gern mal massive Konzerthallenwände zum Erzittern bringt. Kenner wissen natürlich, dass Andreas Davids sich nicht nur auf schön brachiale Klangeruptionen beschränkt, sondern auch ein Meister der introvertierteren Töne ist. Darüber hinaus ist er noch zusammen mit Tony Young von Autoclav1.1 als Natura Est unterwegs (Dark Ambient) und ganz einfach als Andreas Davids (verschiedenste Elektronikfacetten). An Kreativität mangelt es also nicht, und man könnte noch viel über die musikalische Bandbreite schreiben. Heute soll es aber um xotox gehen, schließlich steht seit Mai 2020 mit Gestern ein neues Album in den Startlöchern – das erste bei Infacted Recordings! Endlich Nachschub also nach der sehr schönen EP Silent Shout vom Januar 2019, und der will intensiv genossen werden. Also, Kopfhörer aufgesetzt und los! Weiterlesen

Gothic Atmospheric Rock

TAV – es wäre interessant zu wissen, wofür diese drei Buchstaben stehen. Bekannt ist, dass die Band 2017 in München gegründet wurde und atmosphärisch dichte, düstere, progressive Rockmusik spielt. Ihre guten Qualitäten haben sich rumgesprochen, vor allem wohl auch durch ihr im Juni erschienenes Debüt I, sodass sie für ein sogenanntes „Abstandskonzert“ im Backstage München zusammen mit ihren Labelkollegen Nekrovault gebucht wurden. Was können die Besucher von TAV erwarten? Weiterlesen

High-octane Rock ’n‘ Roll

LSM_CoverDie Band Lucifer Star Machine stammt ursprünglich aus London und wurde 2002 von Tor Abyss gegründet. Aus dieser Zeit stammen bereits drei Alben. 2012 kehrte Tor in seine alte Heimat Hamburg zurück und stellte in der Folge eine komplett neue Bandbesetzung zusammen. Das aktuelle Line-Up besteht aus Sänger Tor Abyss, den beiden Gitarristen Mickey Necro und Marshall Speed, am Bass Benny Zin und Drummer Jay Impact, die sich für das nun vierte Album Devil’s breath verantwortlich zeigen, das beim schwedischen Label The Sign Records veröffentlicht worden ist. Mit High-octane Rock ’n‘ Roll bezeichnen sie selbst ihren Sound.
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Obey to the Chain Cult

1_coverDas Athener Trio Chain Cult hatte mich mit ihrem Demo 2018 ja begeistert (Link zur Review), und um so mehr freut mich, dass sie mittlerweile auch ein volles Debütalbum über LA VIDA ES UN MUS veröffentlicht haben. Irgendwie ist mir das entgangen, und ich bin spät dran damit, aber so hatte der Lockdown wenigstens etwas Gutes, nämlich vermehrt Bandforschung betreiben zu können. Sänger Jason bedient gleichzeitig den Bass, Dino spielt die Gitarre, und Drummer Vangelis steuert zusätzlich Background Vocals bei. Ihren Musikstil hatte ich als Hardcore Post Punk bezeichnet, da sie beides miteinander vereinen, und ich bin gespannt, was mich nun auf Shallow grave erwartet. Weiterlesen

Kein billiges Sonderangebot

Hate-for-slae-PretendersThe Pretenders um Gitarristin und Sängerin Chrissie Hynde sind mit 1978 als Gründungsjahr eine der dienstältesten Überlebenden der britischen Punk-Invasion, auch wenn Chrissie aus Ohio stammt. Das strenge Punk-Korsett wurde schnell gesprengt, seitdem kultivieren sie ihren ureigenen alternativen Rock-Sound. Titel wie „Don’t get me wrong“ und „Back on the chain gang“ sollten allen ein Begriff sein, und auch wenn der große Durchbruch nie gelungen ist, besitzen sie im Kreise der Eingeweihten Kultstatus. Schlagzeuger Martin Chambers ist das einzige weitere verbliebene Gründungsmitglied, Girarrist James Walbourne, Bassist Nick Wilkinson und Keyboarder Carwyn Ellis vervollständigen das aktuelle Line-Up. Vor dem Vorgängeralbum Alone von 2016 hatten sich The Pretenders acht Jahre Zeit gelassen, dieses Mal mußten die Fans zum Glück nicht so lange warten, trotz der letztjährigen UK-Tour im Vorprogramm von Fleetwood Mac, die unter anderem auch ins legendäre Wembley-Stadion führte. Allerdings musste die Veröffentlichung vom elften offiziellen Studioalbum Hate for sale coronabedingt verschoben werden. Doch nun ist es endlich soweit. Weiterlesen

Hoods up! Hoods up!

1_MDBMoscow Death Brigade, die Underground-Sensation aus Moskau, erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, nicht nur in Europa, sondern auch in der Punk-Gemeinde im fernen Thailand, wie ich im letzten Urlaub wieder feststellen konnte. Die Crew um Ski Mask G und Boltcutter Vlad findet also weltweit Beachtung, das sieht man auch in den Kommentaren der Videos auf Youtube.
Die Europa-Tour im April musste Corona-bedingt leider ausfallen, doch als Ersatztermin der neuen Tour ist nun der 27.09.2020 für das Münchner Backstage angesetzt. Mit dem aktuellen Maskenzwang dürften sie noch am wenigsten Probleme haben, da sie es gewöhnt sind, ihre Auftritte mit Sturmhauben zu bestreiten, um auf auf diese Weise ihre Identität vor den russischen Neonazis zu schützen. Hoffen wir also das Beste und widmen uns bis dahin dem neuen und dritten Album Bad accent anthems. Ich bin gespannt, welche Entwicklung Moscow Death Brigade eingeschlagen haben. Weiterlesen

Der mit dem BMX tanzt

Parking-DanceParking Dance ist das musikalische Projekt von Matthieu Bonnécuelle aus dem französischen Toulouse, das dieser 2017 ins Leben gerufen hat. Das ist jedoch nur eins seiner Talente, wie man seiner Homepage entnehmen kann. Er fährt außerdem BMX, arbeitet als Grafiker und macht Video-und Performance-Kunst. Die Kombination empfinde ich in der Form als überraschend, aber Vielseitigkeit ist an sich nie schlecht. Nach mehreren EPs hat Matthieu im Dezember seine erste volle LP auf Icy Cold Records veröffentlicht. Wer wegen BMX nun eine Art Skate Punk erwartet sieht sich schnell eines Besseren belehrt. „What more?“ fragt Matthieu mit Parking Dance – hören wir uns es an. Weiterlesen

The beginning and the end

Back-from-hellShock Therapy wurden 1984 in Detroit von Gregory John McCormick, den meisten besser bekannt als Itchy, und Keith E. Jackson gegründet. Der Name der Band kommt nicht von ungefähr, denn nach mehreren Psychiatrie-Aufenthalten nutzt Itchy die Musik als Ventil für seine persönliche Therapie. Der Szene-Klassiker „Hate is a 4-letter word“ sollte jede*m Gothic ein Begriff sein und wird noch heute regelmäßig aufgelegt. Leider starb Itchy überraschend und tragisch 2008 kurz nach einem längeren Gefängnisaufenthalt. Er wurde nur 44 Jahre alt.
Das nun posthum auf I Am Surprised Records veröffentlichte Album Back from hell ist das letzte von Itchy und stammt aus dem Jahr 2008. Labelchef Peter Ehrenfeld betrieb seinerzeit mit Itchy zusammen ein Studio und verwaltet in Kooperation mit dessen Witwe das musikalische Erbe. Wo es nötig gewesen ist, hat Per Anders Kurenbach, der Keyboarder von Shock Therapy, die Kompositionen final bearbeitet. Weiterlesen

Nur die Nacht hört dir zu

WolvesDen_CoverWir sind uns alle einig, dass das Jahr 2020 sich in den letzten Monaten nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat. Doch zum Glück gibt es trotzdem immer wieder kleine Lichtblicke, wenn schon gerade nicht live auf der Bühne, so doch wenigstens als Tonkonserve. Nach fünf langen Jahren legen die 2013 in München gegründeten Black-Metal-Heroen Wolves Den endlich ihren zweiten Silberling vor, Miserere. Der CD-Titel ist mehrdeutig, wie einen die Band auf ihrer Webseite hilfreich informiert: Miserere ist zum einen der Titel des 51. Psalms und heißt so viel wie „Erbarme dich“, aber auch das medizinische Synonym für Koterbrechen. Wir wollen jetzt nicht näher über eventuelle religiöse Bezüge oder Assoziationen zwischen den beiden Bedeutungsvarianten nachdenken, sondern uns lieber der Musik widmen. Wir haben ja schließlich lange genug darauf gewartet! Weiterlesen