Tanz den Widerstand

Kein Projekt wie viele andere. Maren Rahmann, Schauspielerin, Performerin und Musikerin, vertonte historische Arbeiterlieder und Widerstandstexte mit dem Akkordeon, Didi Disko machte derweil mit Collapsing New People Electropop, New Wave, Postpunk. 2016 fanden sie sich zu Laut Fragen zusammen. Zusammen spielen sie Electro-Postpunk, aber nicht nur; man hört auch Anleihen ans 20er-Jahre-Cabaret, (Noise-)Pop, viele (großartige) Wave-Fragmente und immer wieder Noise-Einsprengsel, Geräuscheffekte, akustische Illustrationen. Songs mit Hörspielementen, Hörspiele in Songform, Popsongs mit Irritationen und Brüchen oder musikalische Bruchstücke, die sich zu einem Song-Ganzen fügen; ein bisschen klingt es, wie wenn Ton Steine Scherben Brecht’sches Theater spielen würden. Schon musikalisch ist das Album also eine Ausnahmeerscheinung. Die ungewöhnliche Form ist aber kein Selbstzweck und der Titel kein loses Etikett. Arbeiteten Laut Fragen auf ihrem ersten Album Utopie + Untergang (2017) noch mit eigenen Texten, kamen sie mit Facetten des Widerstandes zur Gründungsidee zurück: Sie vertonen Texte aus dem antifaschistischen Widerstand in Österreich und Zeitberichte von Widerstandskämpfer*innen gegen das NS-Regime. Wie sie im Making-of-Video erklären, war die Frage bei der musikalischen Umsetzung für sie immer: Wie kann, wie sollte genau dieser Text musikalisch umgesetzt werden? Keine leichte Frage: Was ist eine angemessene Form von Musik für Texte, die im Exil, auf der Flucht, in Haft, im KZ entstanden oder vom dort Erlebten erzählen? Weiterlesen

„Berlin – The greatest cultural extravaganza that one could imagine“ – David Bowie

Erst Ende letzten Jahres hat Schiller unter seinem eigenen Namen Christopher von Deylen ein neues Album herausgebracht. Aber schon so früh im neuen Jahr erscheint nun Schillers Summer in Berlin. Städte, die man verlassen hat, scheinen eine starke Anziehungskraft zu haben, so ging es damals ja auch David Bowie. Schiller ist jahrelang umhergezogen, weil er aus der ganzen Welt Musiken und Musiker*innen gesammelt hat. Auch auf seinem elften Schiller-Studioalbum verbindet er wieder mit seiner elektronischen, leicht hypnotischen Musik Clubtracks mit langen, ausufernden Klangkaskaden. Musikalische Traumwelten, deren Reiz es ausmacht, dass sie von starken und bekannten Stimmen getrieben und begleitet werden. Weiterlesen

Kurvenreich

2010 begannen Twangmen, eine Band aus dem Westen von Österreich, in der klassischen Instrumental-Besetzung als Trio mit Bass, Gitarre und Schlagzeug. Mitten in der Albumproduktion zu Triskele and cascades fand die Erweiterung um Cello und Keyboard statt. Eine interessante Weiterentwicklung. Weiterlesen

Das Nichts am Ende

Das Jahr ist noch sehr frisch, und es liegen noch einige Monate vor uns, die veröffentlichungstechnisch noch vieles bieten werden. Seit den ersten Erwähnungen des All Star Projektes Light Field Reverie fieberte ich dem Release des mir vorliegen Debütalbums Another world entgegen. Scotty Lodge und Mike Lamb (beide Mitglieder der Atmospheric-Black-Metal-Götter Sojourner) in einer Band vereint mit Heike Langhans (Sängerin der Atmospheric-Death-Doom-Metal-Götter Draconian)! Alleine schon wegen dieser Tatsache kann man dieses Album nicht einfach außer Acht lassen. Erschienen ist das Album über Avantgarde Music, dem italienischen Label von Roberto Mammarella (Gründer und Mastermind der Ausnahmeformation Monumentum). Die Prämisse war mehr als gut, und hier folgt mein Höreindruck für Euch: Weiterlesen

Wie im Nebel

a2389555485_10Aus Oslo in Norwegen stammt die Formation Mayflower Madame, die 2016 ihr Debüt Observed in a dream veröffentlichten. Das Trio besteht aus Sänger Trond Fagernes, der darüber hinaus auch Gitarre und Bass spielt, Gitarrist Håvard Haga und Drummer Ola J. Kyrkjeeide. Bereits letzen Sommer ist das mittlerweile dritte Album Prepared for a nightmare bei Icy Cold Records erschienen. Ich weiß nicht, ob es irgendeinen Bezug gibt, aber Mayflower war übrigens der Name des Schiffes, mit dem die ersten Siedler nach Amerika kamen. Folgen wir also der Dame ins Ungewisse. Weiterlesen

Baden im Elend

Posthumous-CoverDas Debütalbum Posthumous der brasilianischen Band Lacrima Mortis ist zwar schon im Mai letzten Jahres erschienen, mir jedoch erst jetzt in die Hände gefallen. Das macht aber gar nichts, denn bei dem Namen muss ich sofort an eine Leiche denken, und die ist abgehangen bekanntlich nur noch besser. Seit der Gründung 2016 kam es zu einigen Besetzungswechseln, mache ehemalige Mitglieder sollen gar spurlos verschwunden sein. Aktuell dabei sind Sänger Dread, Gitarrist und Keyboarder Requiem, zweiter Gitarrist Baud, Bassist Reverend Reaper und letzter Neuzugang Priest Condemned an den Drums, der Scavenger ablöst, mit dem Posthumous noch eingespielt worden ist. Wobei das natürlich ohnehin alles Pseudonyme sind und die Bandfotos die Mitglieder nur mit schwarzen Kapuzen verhüllt zeigt. Weiterlesen

Eine Live-Jamsession

Charlottas Burning Trio (CB3) veröffentlichten im Februar 2020 ihr zweites Studioalbum Aeons. Sie sind bekannt für ihre Liveperformance in der Besetzung Gitarre, Bass und Schlagzeug, kein Gesang, nur musikalisches Können. Drei Tracks aus dem aktuellen Album in genau dieser Live-Atmosphäre wurden ausgekoppelt und kann man als eigene limitierte Vinylpressung bzw. per Stream und über YouTube genießen. Weiterlesen

Energieschub für schlechte Tage

Hatebreed_WOTFS_500x500Corona und die Begleitumstände zerren ja allen an den Nerven, da kommt ein neues Hatebreed-Album gerade recht, um mal ein wenig Dampf abzulassen. Weight of the false self heißt das nunmehr achte Werk aus der Bridgeporter Hardcore-Schmiede in Connecticut. Schmiede ist in dem Fall ein fast schon bildlicher Vergleich, denn der Metal-Anteil ist naturgemäß hoch. Schließlich sind sie auch regelmäßig auf den großen Metalfestivals gebucht und haben auch dort eine stabile Fanbase. Zu Sänger Jamey Jasta gesellen sich die Gitarristen Wayne Lozinak und Frank Novinec, Bassist Chris Beattie und Matt Byrne an den Drums. Dann legen wir das gute Stück mal auf. Weiterlesen

Der Teufel, der mich rief

Urfaust_TeufelsgeistURFAUST wurde 2003 von dem Niederländer IX, gegründet, der neben dem Gesang auch Bass und Gitarre einspielt, und war anfangs stark von Black Metal beeinflusst. Zweites Bandmitglied ist Schlagzeuger VRDRBR. Der experimentelle Sound entwickelt sich im Laufe der Zeit immer mehr in Richtung Anbient. Vor einigen Jahren haben sie mich mit ihrer Show auf dem Dark Easter Metal Meeting völlig geflasht, die im Wesentlichen aus Nebel, Weihrauch und Dunkelheit bestand, und die mich in einen Trance-ähnlichen Zustand versetzt hatte. Natürlich hatte ich im Anschluss auch deren Alben gehört, doch die Intensität des Live-Erlebnisses konnten diese bei mir leider nicht wecken. Mit dem nun bei Ván Records erschienenen neuen Album Teufelsgeist möchte ich einen neuen Anlauf wagen. Die limitierte Box, der ein eigens gebrannter Gin beilag, ist natürlich längst vergriffen, so dass ich Euch nichts darüber berichten kann, ob er lecker ist. Aber die Musik bleibt. Weiterlesen

Großartiges Livefeeling

Avatarium aus Schweden wurde 2012 gegründet, und seit 2015 verfolgen wir die Band aufmerksam und mit großem Interesse im Webzine, sei es mit Konzertberichten oder CD-Rezensionen. Vier herausragende Rock/Doom-Metal-Alben sind bisher erschienen, einige Besetzungswechsel gab es zu vermelden, und Jennie-Ann Smith und Marcus Jidell haben immer mehr das Songwriting von Leif Edling übernommen. Genügend Gründe für ein Live-Album, oder? Am 04.12.2020 erschien dann auch folgerichtig eine Art Best of ihres bisherigen Schaffens. An evening with Avatarium wurde im Januar 2020 in ihrer Heimatstadt Stockholm bei einem der wenigen Vor-Corona-Konzerte aufgenommen und gibt das Feeling wieder, das wir schon so lange vermissen: vor Ort dabei zu sein, mittendrin oder vorne in der ersten Reihe. Weiterlesen