CD: Geometric Vision – Fire! Fire! Fire!

Nebel, Tanzfläche, schweben

a3871787772_10Bald ist wieder Katzenclub in München (02.11.2019), und auf dem Festival sind unter anderem Geometric Vision aus dem italienischen Neapel zu Gast, die ich euch vorstellen möchte. Sänger Ago Giordano hat sich zunächst solo im Darkwave ausprobiert, dann aber mit Gennaro Campanile, der den Bass bedient, und Gitarrist Roberto Amato Mitstreiter gefunden. Das Debütalbum Dream ist 2013 erschienen und zwei Jahre später folgte Virtual analog tears. Das aktuelle Album Fire! Fire! Fire! erschien bereits 2018 und soll nun endlich gewürdigt werden. Weiterlesen

Album: Nairod Yarg – Nairod Yarg

Das Spiegelbild des Dorian Gray

pochette-nairod-yarg-hdWir rezensieren Nairod Yarg, Google Translate und ich. „Aufgabe oh so schwer!“, sagt es beim Übersetzen der französischen Homepage. Pah, sag ich, ganz einfach: Ihre Einflüsse nennen sie ja freundlicherweise gleich auf ihrer Homepage, und wer sich vorstellen kann, wie Oscar Wilde, Banksy, David Lynch und Virginie Despentes unter einem musikalischen Hut klingen, kann sich bestimmt auch vorstellen, was Nairod Yarg machen. Das Label, das die Band ihrer eigenen Musik gibt, ist schlicht „cold-loud“, und wer bin ich, das besser wissen zu wollen? Ansonsten: Die sind sehr, sehr gut. Fertig!

Extended version: Nairod Yarg sind Sébastien Ficagna und Rudy Centi aus Villefranche-sur-Saône (nahe Lyon), Frankreich. Sie kannten sich bereits von dem früheren Bandprojekt Plastic People, und als sie sich im Sommer 2018 beide ohne Band wiederfanden, forderten sie sich selbst und gegenseitig heraus: zehn Songs in zwei Monaten und einen Monat drauf den ersten Gig! Offenbar übererfüllten sie diese Vorgabe, denn auf ihrem selbstbetitelten Erstling finden sich bei einer Lauflänge von gut 34 Minuten sogar elf Songs. Wenn es denn eine Genre-Zuordnung geben muss, wäre Postpunk mit starkem Wave-Einfluss (der Bass! und der Drumcomputer!) und Noise-Rock-/Metal-Elementen (die Gitarre!) vermutlich nicht falsch – und käme doch nicht wirklich an das heran, was auf dieser Platte alles passiert.

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CD: Lindy-Fay Hella: Seafarer

Ein nordischer Engel

Lindy-Fay_CoverMeer, Felsen, Brandung, Gischt, eine kaum erkennbare Gestalt, über ihr ein Halbkreis aus Ästen, fast als wolle sie in eine andere Welt eintreten. Das ist das Cover und auch das Thema des Silberlings. Lindy-Fay Hella, bislang Sängerin der norwegischen Ambient-Folk-Formation Wardruna – allen spätestens seit der Serie „Vikings“ durch das wunderbare Titellied bekannt – wollte Neues ausprobieren. Seafarer ist ihr Debütalbum, und es befasst sich mit der Anderswelt, einer anderen Welt als der bekannten. 2017 hat Hella mit den Aufnahmen begonnen, anfangs alleine, dann kamen nach und nach Mitmusiker dazu, zuerst Herbrand Larsen, dann ihr Cousin Ingolf Hella Torgersen, und später wurden es immer mehr. Kristian Gaahl Espedal beispielsweise hat gesanglich unterstützt. Bedingung war für die Musiker nur, sich ein Instrument auszuwählen und mitzumachen, sodass es ein schönes, rundes, passendes Gesamtkunstwerk werden könnte. Wenngleich die Musik natürlich mit Stilmitteln und verschiedenen – spannenden – Instrumenten à la Einar Selviks Projekt Wardruna ausgestattet ist, so stehen im Mittelpunkt Stimmen, Frauenchöre, Männerchöre und allen voran die engelsgleiche und doch stimmgewaltige Lindy-Fay Hella selbst.

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CD: Imperium Dekadenz – When we are forgotten

Kraft in Reinform

1000x1000Über Imperium Dekadenz braucht man nicht mehr viele Worte zu verlieren. Eine Zwei-Mann-Institution – Vespasian (Guitars, Drums, Bass) und Horaz (Guitars, Lyrics, Vocals) – des hiesigen Black Metal Undergrounds, und das bereits seit der Gründung 2004. Ihr Debütwerk …und die Welt ward kalt und leer empfinde ich noch heute als Richtwerk für kommende Black-Metal-Bands. Das Ende August über Napalm Records erschienene neue Album When we are forgotten markiert die bereits achte Veröffentlichung in der Bandgeschichte. Gespannt und mit dem größten Vergnügen habe ich ein Ohr für euch riskiert. Sind Imperium Dekadenz ihren eingeschlagenen Weg fortgegangen? Weiterlesen

CD: Eridu – Lugalbanda

Sumerische Heldenepen

Eridu-Lugalbanda-CoverEridu ist nicht nur die vielleicht älteste sumerische Stadt in Süd-Mesopotamien (heutiges Süd-Irak), sondern auch die neue Band von Emanuel „Enki“ Daniele, den aufmerksame Beobachter der Münchner Metalszene schon von seiner früheren Band Gilgamesh kennen dürften. Gilgamesh hatte sich mit dem Album The Awakening und diversen Live-Auftritten (u. a. auf dem Dark Easter 2017) einen hervorragenden Ruf erspielt, umso überraschender kam dann der Split. Jetzt melden sich Eridu mit in Eigenregie veröffentlichtem Debütalbum zurück, das inhaltlich und musikalisch an die Vorgängerband anknüpfen soll. Begeben wir uns also weit, weit zurück in die Zeit der Sumerer. Weiterlesen

CD: Elvenking – Reader of the runes – Divination

Phantastische Welten, Runen und Magie

EK_713_ROTR_C_3000x3000In der italienischen Metalszene sind sie gut bekannt – die Rede ist von Elvenking. 1997 gegründet, können sie auf eine beachtliche Diskografie zurückblicken. Auch als Band der Woche haben sie uns schon Rede und Antwort gestanden. Das Interview erscheint demnächst. Wir haben in ihr neuestes Werk Reader of the runes – Divination vorab reingehört.

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CD: Tarja – In the raw

Der Rohheit schöne Seite

81ZGZ7YuVZL__SL1500_Sängerin Tarja Turunen kann bereits auf eine beachtliche Solokarriere zurückblicken. Zahlreiche Longplayer und Livealben hat sie bereits veröffentlicht. Nun ist es soweit und In the raw steht ab 30.08.19 in den Startlöchern. Es handelt sich um ein Konzeptalbum, das sich zur Aufgabe gemacht hat, die perfekte, glanzvolle Seite von Gold mit der Rohheit des Originalzustandes verbinden. Unterstützend hat sich die Finnin die hochkarätigen Gastmusiker Cristina Scabbia (Lacuna Coil), Björn Strid (Soilwork) sowie Tommy Kaverik (Kamelot) eingeladen.

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CD: Eggvn – Solve et coagula

Soundtrack für die Sommerhitze

Solve et CoagulaInternational in Erscheinung getreten ist das mexikanische Satanic-Death-Industrial Duo Eggvn (ausgesprochen wie „Eggvin” mit einem stimmlosen i, wie eine Freundin auf dem WGT beim Sänger erfragt hat) zum ersten Mal 2017 mit der EP In God we are damned. Die Veröffentlichung der fünf eigenen Songs, samt eines Remixes, erfolgte auf Bandcamp und Spotify, dazu produzierte man eifrig Videos für YouTube. Dank durchgehend hoher musikalischer Qualität, und nicht zuletzt der dichten Atmosphäre der Videos, in denen eine beklemmend satanische Stimmung in sehr alltäglich-moderne Settings transportiert wird, konnte sich die Band mit den Widdermasken recht schnell über eine ordentliche Fanbase freuen. Weitere Kooperationen ließen genauso wenig auf sich warten (man lasse sich bei Gelegenheit einmal ihren Remix von Synapsyches „The ghost DNA” auf deren Album Mirror terror durchs Hirn fegen) wie ein Plattenvertrag mit Danse Macabre Records.
Im April dieses Jahres folgte nun also das erste „richtige Album”: Solve et coagula. Weiterlesen

CD: NorthTale – Welcome to paradise

sex appeal – happy meal

NorthTale-Welcome-To-Paradise-ArtworkAls Gitarrist Bill Hudson von Dirkschneider und Sänger Christian Eriksson von Twilight Force mit ihren Bands auf einem gemeinsamen schwedischen Festival spielen, wird die Idee zu NorthTale geboren. Beide wollten ohnehin mit Drummer Patrick Johansson von Yngwie Malmsteen zusammenarbeiten, und mit Bassist Mikael Planefeldt von Streamline und Jimmy Pitts am Keyboard ist die Band komplett.
Twilight Force haben mich vor ein paar Jahren als Vorband von Gloryhammer als Gewinner des Abends überrascht, an dem ich nur wegen einer gewonnenen Freikarte teilgenommen habe. Denn normalerweise kann man mich ehrlich gesagt mit derzeit schwer angesagten Power-Metal-Bands wie Sabaton, Powerwolf und Konsorten jagen. Aber so wage ich mal den Blick über den Tellerrand und gebe NorthTale eine Chance. Weiterlesen

Album: Big Thief – U.F.O.F.

No, the signifier agrees

bt_u-f-o-f

If you once stood in a place you had never been and knew you would probably not return to, so you tried to impress it on your memory; not just the sight, you might have recorded that, but your physical presence in that space and moment, the sense of, say, rock and steepness, ocean and birds swirling below, the surge saying: silence, warmth for a second – but you are there too much, you are so much there, right then and there, you cannot properly remember anything afterwards but the fierce being there: Big Thief’s U.F.O.F. is a bit like this.

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