CD-Review: Feuerseele – Erntezeit

Die erste Garbe ist eingebracht

feuerseele_erntezeit_frontcover_1440pxMusik aus dem Mittelalter trifft Metal, daraus wird Mittelalterrock. Nichts Neues sollte man meinen. Trotzdem gibt es immer wieder Bands die versuchen diesen Weg zu gehen. Warum auch nicht? Wenn sie Spaß daran und ein Label gefunden haben, kann keiner sagen, sie hätten etwas falsch gemacht.
Feuerseele sind fünf Recken aus Mönchengladbach, die schon mit ein paar Größen der Szene aufgetreten, auf einigen Samplern erschienen sind und deren Fangemeinde beständig wächst. Im Oktober 2012 veröffentlichten sie mit Erntezeit ihr Debütalbum und noch in diesem Jahr wollen sie einen weiteren Silberling auflegen. Ein guter Grund sie sich mal anzuhören.
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CD-Review: SHRIKE: Hinab in die vertraute Fremdheit (VÖ: 14.06.2013)

Der Herr der Schmerzen

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Eine deutsche Black-Metal-Band namens SHRIKE? Nun, ich war im Januar diesen Jahres sehr sehr intensiv mit Herrn Simmons (nein, nicht Gene – Dan!) beschäftigt und eigentlich der Ansicht, ich hätte meinen Shrike-Soll für 2013 schon erfüllt. Denn, soviel Erklärung sei für Uneingeweihte noch hinzugefügt, das Shrike ist in Dan SimmonsHyperion-Gesänge eine mysteriöse und sehr bedrohliche Wesenheit auf dem Planeten Hyperion. Es kann zwischen verschiedenen Zeitebenen wechseln, besteht scheinbar aus Metall und ist überall mit Klingen und Dornen gespickt. Seine Opfer werden an einen Baum genagelt, wo sie nicht sofort sterben, sondern zunächst die vollen psychischen und physischen Todesqualen durchleiden müssen. Und – immerhin handelt es sich bei SHRIKE ja um eine Black-Metal-Band – das Shrike kann die sogenannte Kruziform, das Markenzeichen der Priester der Zukunft, entfernen, was eigentlich unmöglich ist, da diese mit seinem Träger verwächst.
Alles in allem also eigentlich keine schlechten Voraussetzungen für ein gutes Stück Schwarzmetall. Der Vollständigkeit halber sei noch kurz erwähnt, dass es die Band seit 2006 gibt und Hinab in die vertraute Fremdheit das zweite Album der fünf Herren Uwe (Gesang), Jul (Gitarre), Xaver (Gitarre), Fabi (Bass) und Moe (Drums) ist. Weiterlesen

CD Review: HIM – Tears on Tape (VÖ: 26.04.2013)

Schmachtplatte

Ende der neunziger Jahre hatten die finnischen Musiker der „Love-Metal“-Gruppe HIM ihren internationalen Durchbruch. Mit Razorblade Romance und Deep Shadows and Brilliant Highlights veröffentlichten sie zwei Alben, die ihnen Anerkennung und jede Menge Fans einbrachten. In den letzten zehn Jahren ist es etwas ruhig um die Band geworden. Alben folgten, diese konnten jedoch an die großen Erfolge nicht wirklich anknüpfen. Mit der neuen Platte Tears on Tape versuchen sie im Jahr 2013 die Charts erneut zu erobern.

Ein Kassettenrecorder öffnet sein Fach, die Kassette wird eingelegt und der Startkopf gedrückt. Das Tape legt mit ruhigen, spielerischen Keyboardakkorden los, es fehlen nur noch die Tränen. Wie sich herausstellt, werden diese später noch folgen. Nach dem recht sanften Intro schlagen die Gitarren zu und Ville Vallo seufzt sich durch das erste Stück. Genauso hatte ich es befürchtet. Der Rock wurde in die hintere Ecke verbannt, von Metal nicht wirklich eine Spur, dafür stehen Liebeskummer, Leid und Glück an erster Stelle. Und da kommen dann auch bei mir die Tränen. Die Finnen setzen mit diesem Album auf eine sichere Nummer, gingen kein Risiko ein und sind um einiges softer geworden als sie es noch vor 15 Jahren waren. Weiterlesen

CD Review: Coilcry – Strength beyond Fear (VÖ: 06.05.2013)

Baseler Metal a la Pantera

Die Baseler Formation Coilcry besteht seit fast zehn Jahren. Wenn es Black Sabbath und Led Zeppelin nicht gegeben hätte, dann würde es auch diese Band nicht geben. So steht es auf ihrer Homepage geschrieben. Als Flash Metal bezeichnen sie ihre Musik, die sie jetzt auf ihrer zweiten Scheibe Strength beyond Fear unter das Volk bringen wollen.

Packend und rhythmisch beginnt das Werk der Schweizer. Gitarren, Bass und Drums sind zunächst sehr dominant, aber sehr stimmig, und die Riffs haben es in sich. Als Alex Stimme einsetzt bin ich zunächst ein wenig überrascht, hatte ich doch gleich mit tiefen, harten Growls gerechnet. Die kommen später auch noch! Doch zunächst werden meine Ohren mit rauchigen, melodischen und rockigen Tönen verwöhnt, die jedes folgende Lied zu etwas ganz besonderem machen, auch wenn sich instrumental nicht viel verändert. Ein wenig Langeweile macht sich breit. „Wisdom tells you Lies“ holt mich aus dem Halbschlaf wieder zurück, es entwickelte sich nach mehrfachem Hören zu meinem Lieblingslied des Albums. Weiterlesen

CD-Review: Volbeat – Outlaw Gentlemen & Shady Ladies (VÖ: 2013)

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Volbeat – Outlaw Gentlemen & Shady Ladies

Outlaw Gentlemen & Shady Ladies ist das mittlerweile fünfte Studioalbum der dänischen „Elvismetaller“ von Volbeat. Elvismetaller deshalb, weil sich bei der Band mehrere Musikrichtungen, darunter Rock, Country, Metal, Blues und die „Elvisstimme“ von Sänger Michael zu einem einzigartigen Sound vermischen, eben dem Elvismetal. Weiterlesen

CD-Review: Hallig – 13 Keys to Lunacy (VÖ: November 2012)

Musikalische Sturmflut

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Hallig kommen, man glaubt es kaum, aus NRW und haben sich seit 2010 innovativem melodischen Black Metal verschrieben. L. – Vocals, A. – Guitar, F. – Guitar, M. – Bass und J.P. – Drums – so simpel liest sich das Line-up, aber was hier an Kreativität vermisst wird, macht das Quintett durch die Musik wieder mehr als wett. 13 Keys to Lunacy heißt der Erstling, der via Folter Records veröffentlicht wurde, auf dem uns acht druckvolle Songs mit deutschen und englischen Texten erwarten, die es in sich haben. Weiterlesen

CD-Review: Streams of Blood – Ultimate Destination (VÖ: Februar 2013)

Letzte Haltestelle

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Die Bandgeschichte von Streams of Blood liest sich ein wenig wie das Who is Who der deutschsprachigen Black-Metal-Szene: Streams of Blood wurde 2009 von Thymos (Ex-Darkened Nocturn Slaughtercult, Ex-Sargwart, Ex-Engraved) und Tavo (Ex-Engraved) gegründet. Im zerstörerisch heißen Sommer 2009 nahm die Band ihre erste Mini-CD Antilife auf, das Schlagzeug wurde von Torturer (Mor Dagor, Belphegor) eingetrümmert. Im eisig frostigen Winter 2010 schloss sich Schlagzeuger Blood Hammer (u.a. Panzerchrist, Ex-Paragon Belial) der Band an. Nach dem Erstlingsalbum The Descend to the Source of Disorder, das 2011 via Articaz und Ketzer Records veröffentlicht wurde, liegt nun dank Folter Records mit Ultimate Destination das zweite Studioalbum vor. Weiterlesen

CD-Review: Acidcell – Feelin the Doom

Schwarze Flügel aus dem Industrialhimmel

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E-Gitarre, Bass und Schlagzeug, dazu ein Synthesizer und es entsteht Industrial Metal. Als wenn sich Acidcell damit begnügen würden. Das Ganze wird mit dunklen Klängen gemischt, der Gesang wirkt manchmal nachdenklich, manchmal wütend, die Zutaten für Feelin the Doom. Wer trotz der fordernden Musik die Füße still halten kann und in der Lage ist, auf Texte zu achten, erkennt, dass in diesen zumeist Dunkelheit herrscht, allerdings in verschiedenen Facetten.
Ein wunderbar irreales Cover liefert den ersten Eindruck. Vom Rockefeller Center aus blicken wir auf Midtown Manhatten. Direkt vor uns ein Engel in dreckigem, weißen Kleid und schwarzen Flügeln auf einer Schaukel, die ebenfalls schwarzen Haare verdecken das Gesicht. Leider ist sie etwas zu weit weg, um sie anzuschubsen, aber wir könnten sie ansprechen, immerhin ist sie uns zugewandt.

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CD-Review: Saints of the Ruin – Elevatis Velum

Verführerische Stimme in der Dunkelheit

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Für diejenigen, die des Englischen nicht mächtig sind, ist der Name der Band, Saints of Ruin, auf dem Cover in Latein hinzugefügt (Santorum Ruinae). Mit dem Titel des Albums, Elevatis Velum, verhält es sich umgekehrt (Lifting of the Veil).
Die Mitglieder der Band wurden, für Heilige passend, auf einem Chagall-Fenster verewigt. Dabei stellen sie die vier apokalyptischen Reiter dar.
In weißem Kleid statt auf weißem Pferd steht Sängerin Ruby Ruin an erster Stelle, mit Krone und erhobenem Bogen. Leicht nach vorne gebeugt wird sie wahrscheinlich gleich den Befehl zum Angriff geben. Wer nun verwundert ist, dem sollte gesagt sein, dass erst nach Luther, inspiriert durch Dürers Holzschnitt, alle vier Reiter negativ gedeutet wurden; der erste würde früher oft mit Jesus Christus gleichgesetzt.

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CD-Review: Jorn – Traveller

Rabenflug mal anders

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Beim Anblick des durchaus ansprechenden Covers sollte einem der rote Baron in den Sinn kommen. Es darf auch Biggles sein. Letzterer würde besser zum Titel der Scheibe passen: Traveller.
Ein norwegischer Tripeldecker mit den Flügeln eines Rabenvogels und einem dazu passenden Piloten hinter dem Knüppel wirkt ungewöhnlich, aber wer Jorn kennt, kennt auch die Raben.
Dieser macht keinen glücklichen Eindruck als Reisender, oder reißt er den Schnabel aus purer Lebensfreude auf? Dafür scheint der Blick zu starr. Keine Ahnung, wohin die Reise führt, nur nicht der Sonne entgegen, die im Hintergrund durch die Wolken bricht.
Zumindest verspricht das Bild ungewisse Abenteuer und Gefahren. Wir werden hören.

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