Film: 3 Tage in Quiberon

Von einer unglücklichen Frau

Romy

Ja, das waren die Siebziger und Achtziger Jahre, wo man in Kurhotels zwar im Bademantel herumsaß, salz-, zucker- und kalorienarm aß, auf Alkohol verzichtete, aber alles blickvernebelt war vom unentwegten Qualm von Zigaretten. Jahrelang schon begibt sich Romy Schneider (Marie Bäumer) regelmäßig zum „Herunterkommen“ (auf Deutsch: Ausnüchtern) in ein Luxushotel im bretonischen Kurort Quiberon, so auch hier, im Jahr 1981. Sie will sich eine Auszeit nehmen von hektischen Drehtagen, Party, Alkohol, Nikotin.

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Film: Arthur & Claire

Dinge, die man nicht vermisst

Arthur and Claire

Der Mittfünfziger Arthur stellt sich einem gleich zu Anfang als Grantler vor. Im Flugzeug vergrault er ein anhängliches Kind, beim Autoverleih hat er nicht sehr lange Geduld mit der überfreundlichen Sachbearbeiterin, im Hotel stellt er die einstudierte Höflichkeit am Empfang bloß. Arthur hat nur ein Ziel: Er ist todkrank und kommt nach Amsterdam, um seinem Leben in einer Klinik ein Ende bereiten zu lassen. Den letzten Abend seines Lebens möchte er einfach nur im Hotel gepflegt essen und einen schönen Rotwein trinken. Leider kommt ihm aus dem Nachbarzimmer Höllenlärm – ausgerechnet Death Metal! – entgegen. Gegen die Wand schlagen hilft nicht, wütend rennt er zur Tür und begehrt Einlass. Es öffnet ihm eine verheulte junge Frau, die gerade dabei ist, ein ganzes Glas Schlaftabletten zu schlucken. Da haben sich also zwei Lebensmüde im romantischen Amsterdam getroffen! Weiterlesen

Film: Wunder

Kleiner Major Tom

wunder

August – „Auggie“ – Pullman (Jacob Tremblay) ist mit einem Gendefekt auf die Welt gekommen. Er hatte unzählige Operationen, die es ihm nach und nach ermöglichten, normal zu atmen, zu essen, zu sehen und zu hören. Leider ist sein Gesicht nach wie vor sehr stark entstellt, weshalb er nur mit einem Helm nach draußen geht. Auggie ist dennoch ein witziges, schlaues und liebenswertes Kerlchen mit einer tollen Familie. Seine große Schwester liebt ihn, seine Eltern (Julia Roberts und Owen Wilson) tun alles für ihn. Er wird zu Hause von seiner Mutter unterrichtet. Als er zehn Jahre alt wird, überlegen seine Eltern, ihn vielleicht doch auf einer öffentlichen Schule einzuschreiben, hier würde er mehr gefördert. Daraufhin kommt er in die fünfte Klasse an der Beecher Prep. Es ist natürlich schwer für ihn, sich in die Öffentlichkeit unter fremde Leute zu wagen, am liebsten würde er seinen Helm tragen. Augenscheinlich geht alles gut am ersten Tag, aber weh tut es, wenn einen keiner neben sich sitzen lässt oder wenn die Mitschüler ihn in den Pausen aus dem Weg gehen.

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Film: Three Billboards outside Ebbing, Missouri

Auge um Auge

three billboards

Mildred Hayes (Frances McDormand) ist nicht vom Glück geküsst. Ihr Mann hat sie wegen einer 19-Jährigen verlassen, sie muss sich mit ihren zwei Kindern alleine durchschlagen. Bis noch etwas Schlimmeres das toppt: Ihre Tochter wird auf dem Nachhauseweg vergewaltigt und getötet. Das ist am Anfang der Geschichte schon sieben Monate her, aber Tag und Nacht das Wichtigste in ihrem Leben. Denn wie fühlt man sich mit der Erinnerung an das letzte, was man dem trotzigen Teenager hinterher geschrien hat: „Ich wünsch‘ dir, dass du unterwegs vergewaltigt wirst!“?

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Film-Event: Anne Clark – I’ll walk out into tomorrow

Metropolis entkommen

anne clark cover

Anne Clark schreibt seit mehr als 30 Jahren Musikgeschichte. Nun gibt es einen schönen Film über ihr Leben und Schaffen. Der Regisseur Claus Withopf hat sie zehn Jahre auf Tourneen, bei Bandproben, Videodrehs, Arbeiten mit ihren Musikern begleitet. Für ihn hat sie aber auch ihre persönlichen Fotoalben geöffnet, Stationen ihrer Kindheit und ihres Werdegangs gezeigt. Anne Clark – I’ll walk out into tomorrow läuft bundesweit ab dem 25.1.2018 in deutschen Kinos, manche Städte aber haben Anne Clark persönlich begrüßen können, in München fand dies im Monopol-Kino statt. Hier wurde vorab die Dokumentation gezeigt, anschließend kam Anne Clark auf die Bühne und stellte sich den Fragen des Publikums. Weiterlesen

Film: Downsizing

Auf die Größe kommt es an!

downsizing

Paul und seine Frau Audrey aus Omaha sind zwei ganz normale Menschen mit ganz normalen Bedürfnissen. Man möchte gutes Essen, ein größeres Haus, ein bisschen mehr Luxus. Leider wird ihnen der Kredit verweigert und dieses Glück verwehrt. Da erfahren sie von der Methode des Downsizing. Norwegischen Wissenschaftlern (toll in der Rolle Rolf Lassgård, den meisten als „Kommissar Wallander“ oder „Ove“ bekannt) ist es gelungen, Menschen auf ein Minimum zu schrumpfen, auf eine Körpergröße von ungefähr zwölf Zentimetern. Sie können sogar persönlich mit jemandem sprechen, der das hat machen lassen und nun happy ist. Denn als Kleiner verbraucht man weniger Ressourcen, generiert man weniger Abfall, und das Geld ist unverhältnismäßig mehr wert in „Leisureland“, dieser Miniaturwelt. Nach gutem Überlegen entscheidet man sich zu diesem Schritt. Weiterlesen

Film: Loving Vincent

Starry, starry Night

 

loving vincent

Vincent van Gogh, das ist dieser Künstler mit der Sonnenblume, der sich später ein Ohr abschnitt und es einer Prostituierten zum Geschenk machte. Wer kennt nicht irgendetwas von oder über ihn? Doch so viel weiß man wieder nicht über van Gogh. Zum Beispiel sind die Umstände seines Todes nicht ganz geklärt. War es Selbstmord? War es Mord? Mit dieser Geschichte befasst sich Loving Vincent. Sie beginnt nach seinem Tod im Jahr 1890. Arman Roulin erhält von seinem Vater, einem Postmeister und Freund des Künstlers, einen Auftrag: Er soll van Goghs jüngeren Bruder Theo finden und ihm einen Brief zustellen. Anfangs hat Arman überhaupt keine Lust darauf, aber dann begibt er sich doch auf den Weg. Seine Recherche bringt ihn mit unterschiedlichen Menschen in Kontakt, Menschen, die Modell für van Gogh standen oder ihm anderweitig begegneten, wie Leute in seinen Unterkünften, sein Arzt oder sein Farbenhändler.

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Film: Dieses bescheuerte Herz

Herz über Kopf

dieses bescheuerte herz

Lenny lässt’s krachen. Er macht, was er will. Nachts wird gefeiert, und nichts hält ihn auf. Im P1 ist er Stammgast, und seine Freunde und die jungen weiblichen It-Girls zelebrieren ihn bei Champagner, Koks und anderen undefinierbaren Tabletten für unter die Zunge. Bis er eines Nachts im Suff mit Vollgas das Auto in den Pool setzt anstatt in die Garage seines Vaters. Dieser hat ab jetzt die Nase endgültig voll. Das Auto-Navi ruft noch mit Blubberblasen aus dem Pool „Wenn möglich, bitte wenden“. Der Vater, ein Herzchirurg, nimmt das als Programm und Warnung. Lenny, obwohl schon 30, hat bislang noch nichts auf die Reihe gebracht, lebt aber in Saus und Braus auf Kosten seines Vaters und auch in seinem Haus. Wenn Lenny weiterhin von ihm finanziell gesponsert werden will, muss er sich nun um einen Patienten kümmern, der seit seiner Geburt schwer herzkrank ist und deshalb noch keine großen Sprünge machen konnte. Es handelt sich um den 15jährigen David, der nicht weiß, ob er seinen 16. Geburtstag erleben wird. Notgedrungen nimmt Lenny diese Aufgabe vorerst an. Als er in dem Münchner Wohnblock nach der Klingel seines „Klienten“ sucht, ahnt er noch nicht, was auf ihn zukommen wird.

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Film: The Killing of a Sacred Deer

Schuld und Sühne

Die Murphys sind eine amerikanische Killing of a Sacred DeerBilderbuchfamilie: Vater Steven (souverän und charismatisch: Colin Farrell) ist erfolgreicher Herzchirurg, seine Frau Anna (von kühler Schönheit: Nicole Kidman) leitet eine Augenklinik, auch ihre Kinder, die 14-jährige Kim (Raffey Cassidy) und der 12-jährige Bob (Sunny Suljic) sind in jeder Hinsicht vorbildlich, wohlerzogen und Musterschüler. Dieser Idylle und Harmonie tut auch das etwas emotionslose Miteinander der Familienmitglieder keinen Abbruch, das darin gipfelt, dass die Eheleute eine skurrile sexuelle Praktik namens „Vollnarkose“ ausüben: Auf dieses Stichwort hin muss sich Anna bewegungslos aufs Bett legen, als habe sie gerade eine Totalanästhesie erhalten.
Außerhalb dieses familiären und des nicht minder sachlich-nüchternen beruflichen Kosmos pflegt Steven jedoch noch eine zunächst seltsam anmutende Freundschaft zu dem 16-jährigen Martin (mit einer Mischung aus teenagertypischer Verstocktheit und unterschwelliger Bedrohlichkeit grandios verkörpert von Barry Keoghan). Weiterlesen

Film: Madame

Aschenputtel in Paris

Madame

Das reiche amerikanische Ehepaar Anne (Toni Collette) und der sehr viel ältere Bob (Harvey Keitel) leben seit Kurzem in Paris. Man will ein großes Dinner veranstalten, zu dem die Hautevolee Frankreichs sowie Gäste aus der amerikanischen und englischen High Society eingeladen sind. Es wird dekoriert, dekantiert, der Tisch eingedeckt, doch dann platzt Steven, Bobs Sohn aus erster Ehe, herein. Er ist Literat und ein liebenswerter Chaot, der alles durcheinanderbringt, eben auch die Tischordnung. Denn dreizehn Gäste an einem Tisch, das geht für die abergläubische Anne gar nicht. Was tun? Von ihren Hausangestellten sind bis auf Maria (Rossy de Palma) alle vollkommen inakzeptabel, deshalb wird diese gebeten, sich als Gast auszugeben. Maria will zuerst gar nicht. Aber Madame brieft sie in Aussehen, Benehmen, Etikette: Nicht zu auffällig aussehen, nicht zu viel essen, trinken und reden.

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