Film: Sauerkrautkoma

Ein unfreiwilliger Ausflug in die große Stadt

Sauerkrautkoma

Normalerweise geht es in Niederkaltenkirchen ja recht ruhig zu, aber im Moment kommt der Eberhofer Franz (Sebastian Bezzel) ganz schön in Stress. Alle wollen’s was von dem Dorfpolizisten. Da langt es nicht, dass der Papa (Eisi Gulp), die Oma (Enzi Fuchs) und sämtliche Freunde vom Franz allmählich finden, dass es langsam mal an der Zeit wäre, dass er seine langjährige Freundin Susi (Lisa Maria Potthoff) heiratet, nein, man hat ihn auch noch nach München zwangsbefördert. Schweren Herzens zieht er erstmal zu seinem Spezl Rudi (Simon Schwarz) in die Wohnung. Das ganze München-Unterfangen geht schon gut los: Sein Zimmer ist ein ehemaliger Selbstmord-Tatort, der Wagen seines Vaters wird gleich am Einzugstag geklaut, und als man ihn wiederfindet, liegt eine weibliche Leiche im Kofferraum.

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Film: Nico, 1988

Die Priesterin der Finsternis

nico

Wer kennt Christa Päffgen? Christa Päffgen ist 1938 in Deutschland geboren. Sie kam als junges Mädchen in den USA mit Andy Warhol zusammen, war seine Muse, sie modelte, sie schauspielerte für Federico Fellini, und vor allen Dingen: Sie sang auf dem Debütalbum von The Velvet Underground. Sie war seitdem für immer Nico, die kühle Blonde mit der dunklen prägnanten Stimme mit dem deutschen Akzent. Der Film gibt aber nicht ihr gesamtes Leben wieder – das passierte schon in dem sehr guten Film Nico Icon von 1995 – sondern ihre letzten drei Lebensjahre, 1986 – 1988. Christa (Trine Dyrholm, toll!) war damals schon lange nicht mehr schmal und blond, sondern eine ganz normale brünette Frau in ihren Vierzigern. Wer sie kennenlernte, nannte sie natürlich Nico, aber sie, sie wollte mit ihrem richtigen Namen angesprochen werden: Christa. Der Film zeigt die letzten Auftritte Nicos in Städten wie Manchester, Prag, Nürnberg, Berlin. Man sieht, wie sie sich häuslich niederlässt. Ein Bad mit fließend warmem Wasser ist nicht so wichtig, vielmehr ein Rückzugsort, an dem sie sich Heroin spritzen kann.

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Film: Mamma Mia 2

Alles klar auf der Chiquitita: eine einzige große ABBA-Party!

 

Mamma Mia

Die Geschichte um Donna und ihre Tochter geht weiter! Vor zehn Jahren hat Sophie (Amanda Seyfried) auf der kleinen griechischen Insel ihre drei potentiellen leiblichen Väter kennengelernt, denn ihre Mamma Donna (Meryl Streep) war in ihren jungen Jahren ein Wildfang! Das war damals eine furiose, lustige Geschichte in Form eines absoluten Feel-Good-Musicals. Nun könnte man erwarten, dass die Story weitererzählt wird. Das passiert auch, aber in Unterbrechungen. Denn die Geschichte macht einen entzückenden Zeitschlenker. Es geht nicht um die geradlinige Weiterentwicklung der Story. Wir sehen die junge Donna mit ihrem frisch erlangten Highschool-Abschluss, und wie sie an ihre drei völlig verschiedenen Männer kommt – und auf die griechische Insel. Das wird flott inszeniert („I kissed the teacher“ als erster Hit), mit unheimlich sympathischen, jungen Hauptdarstellern (u.a. mit Lily James, der man die temperamentvolle junge Donna abnimmt) und den drei Typen, die wirklich Pierce Brosnan, Colin Firth und Stellan Skarsgård in ihren jungen Jahren hätten sein können. Weiterlesen

Science Fiction Kurzfilm: Zone Out

Wenn Philip K. Dicks Geschichten, David Lynchs Phantasien und Ex-Machina Realität werden

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Da war diese Künstliche Intelligenz namens „Benjamin“. Der Künstler und Informatiker Ross Goodwin und der Regisseur Oscar Sharp sind die Schöpfer von Benjamin. Goodwin und Sharp fütterten die KI mit Dutzenden Drehbüchern von Science-Fiction-Filmen, darunter Blockbuster wie Independence Day und I Robot, aber auch Fernsehserien wie Akte X oder alte Filme wie The last man on earth von 1964. Zudem gab man Aufnahmen von Gesichtern von Schauspielern dazu. „Benjamin“ legte los. Er dachte sich eine Filmrahmenhandlung aus.

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Film: Mantra – Sounds into Silence

Singen bis zur absoluten Entspannung

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„Chanten“, gemeinsam singen, ist mittlerweile weltweit ein Phänomen. Was früher weitab der emsigen, modernen Welt in Indien in sogenannten Ashrams stattfand, gibt es mittlerweile in der ganzen Welt. Die Regisseurin Georgia Wyss geht in ihrem Dokumentarfilm diesem Phänomen nach. Sie zeigt Menschen, tief in sich versunken, mit geschlossenen Augen und seligem Lächeln auf dem Gesicht. Jeder hat einen anderen Hintergrund, ein anderes Schicksal. Zu viel Arbeit, ausgebrannt, sich minderwertig fühlend, ungeliebt, den Frieden in Drogen oder Alkohol suchend. Die meisten haben rein zufällig die Chants für sich gefunden und eine Zusammenkunft namens „Kirtan“, das gemeinsame Singen.

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Film: Augenblicke: Gesichter einer Reise

La Grande Dame und der Streetart Künstler

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Der mittlerweile 35-jährige Streetart Künstler und Fotograf JR und die 90jährige Regisseurin Agnès Varda wurden irgendwann aufeinander aufmerksam. JR kannte Agnès Vardas Werk, und diese wurde wegen seiner geklebten überdimensionalen Gesichter und Augen auf ihn aufmerksam.Die Filmemacherin sprach ihn an, und nach einem Kennenlernen machten sie sich auf einen gemeinsamen Weg. Sie fuhren mit einem „Fotomobil“ (ein Transporter, der zum mobilen Fotolabor umgebaut wurde) in ganz Frankreich herum. Die beiden suchten nach großen Gebäuden, Wänden, Häusern, auf die man riesige, im Fotomobil fotografierte und danach ausgedruckte Bilder aufkleben konnte.

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Film: A quiet place

Ein lautloser Alptraum

a quiet place

Gleich der Anfang erinnert sehr an The walking Dead: Eine Familie streunt durch Läden und schaut, was man noch gebrauchen kann, dabei gehen sie leise, ganz leise vor. Warum? Selbst das Tablettenfläschchen wird langsam umgedreht, damit die sich drehenden Pillen kein Geräusch ergeben. Die Erde ist ein stiller Ort geworden. Ein Großteil der Menschheit wurde durch mysteriöse Wesen vernichtet, die bei dem kleinsten Laut angreifen. Mittendrin ist eine Familie, die versucht zu überleben. Das mutet jetzt wie I am Legend an, wo ein einsamer Will Smith sich alleine durchschlagen musste, auch bedacht, keine Wesen anzulocken – die dort aber wenigstens nur nachts unterwegs waren.

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Film: 3 Tage in Quiberon

Von einer unglücklichen Frau

Romy

Ja, das waren die Siebziger und Achtziger Jahre, wo man in Kurhotels zwar im Bademantel herumsaß, salz-, zucker- und kalorienarm aß, auf Alkohol verzichtete, aber alles blickvernebelt war vom unentwegten Qualm von Zigaretten. Jahrelang schon begibt sich Romy Schneider (Marie Bäumer) regelmäßig zum „Herunterkommen“ (auf Deutsch: Ausnüchtern) in ein Luxushotel im bretonischen Kurort Quiberon, so auch hier, im Jahr 1981. Sie will sich eine Auszeit nehmen von hektischen Drehtagen, Party, Alkohol, Nikotin.

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Film: Arthur & Claire

Dinge, die man nicht vermisst

Arthur and Claire

Der Mittfünfziger Arthur stellt sich einem gleich zu Anfang als Grantler vor. Im Flugzeug vergrault er ein anhängliches Kind, beim Autoverleih hat er nicht sehr lange Geduld mit der überfreundlichen Sachbearbeiterin, im Hotel stellt er die einstudierte Höflichkeit am Empfang bloß. Arthur hat nur ein Ziel: Er ist todkrank und kommt nach Amsterdam, um seinem Leben in einer Klinik ein Ende bereiten zu lassen. Den letzten Abend seines Lebens möchte er einfach nur im Hotel gepflegt essen und einen schönen Rotwein trinken. Leider kommt ihm aus dem Nachbarzimmer Höllenlärm – ausgerechnet Death Metal! – entgegen. Gegen die Wand schlagen hilft nicht, wütend rennt er zur Tür und begehrt Einlass. Es öffnet ihm eine verheulte junge Frau, die gerade dabei ist, ein ganzes Glas Schlaftabletten zu schlucken. Da haben sich also zwei Lebensmüde im romantischen Amsterdam getroffen! Weiterlesen

Film: Wunder

Kleiner Major Tom

wunder

August – „Auggie“ – Pullman (Jacob Tremblay) ist mit einem Gendefekt auf die Welt gekommen. Er hatte unzählige Operationen, die es ihm nach und nach ermöglichten, normal zu atmen, zu essen, zu sehen und zu hören. Leider ist sein Gesicht nach wie vor sehr stark entstellt, weshalb er nur mit einem Helm nach draußen geht. Auggie ist dennoch ein witziges, schlaues und liebenswertes Kerlchen mit einer tollen Familie. Seine große Schwester liebt ihn, seine Eltern (Julia Roberts und Owen Wilson) tun alles für ihn. Er wird zu Hause von seiner Mutter unterrichtet. Als er zehn Jahre alt wird, überlegen seine Eltern, ihn vielleicht doch auf einer öffentlichen Schule einzuschreiben, hier würde er mehr gefördert. Daraufhin kommt er in die fünfte Klasse an der Beecher Prep. Es ist natürlich schwer für ihn, sich in die Öffentlichkeit unter fremde Leute zu wagen, am liebsten würde er seinen Helm tragen. Augenscheinlich geht alles gut am ersten Tag, aber weh tut es, wenn einen keiner neben sich sitzen lässt oder wenn die Mitschüler ihn in den Pausen aus dem Weg gehen.

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