Interview mit My Tide

Die Gezeiten einer Band

img_4390Aus Hamburg kommt eine Gothic-Doom-Metal-Band, die seit 15 Jahren Musik macht. Das Trio hat bereits mehrere CDs produziert und gibt auch auf der Bühne richtig Gas. My Tide sind vielseitig und erfinden sich selbst immer wieder neu, so kommt keine Langeweile auf. Stefan Frost, Sänger der Band, hat sich zu einem Interview bereit erklärt und bringt uns My Tide ein bisschen näher.
Kyra Cade: Stellt Euch bitte kurz vor.
Stefan: Die Band My Tide besteht derzeit wieder aus drei Musikern und das wird wohl auch so bleiben. Tobias Norff macht bei uns den Bass, die Vocals und Keyboards, Jörn Dackow spielt die Drums und ich (Stefan Frost) bin für die Gitarre und ebenfalls für die Vocals und Keyboards zuständig. Tobias und ich teilen uns die Stimmen, um so mehr gesangliche Bandbreite zu erlangen. Er growlt und ich singe klar bis halb klar mit angerauter Stimme. Seit dem Jahr 1997 sind wir jetzt mit My Tide unterwegs, Jörn stieß 2007 dazu, nachdem unser vorheriger Drummer ausgestiegen war. Angefangen haben wir mit weiblichen Vocals und Drum-Computer, im Laufe der Zeit entschieden wir uns aber für einen Drummer aus Fleisch und Blut, außerdem passen männliche Vocals besser zu unserem Stil. Seitdem haben wir mehrere Demos und Alben produziert, waren auf Samplern zu hören und haben natürlich einige Live-Konzerte gegeben.

K.C.: My Tide ist ein Bandname, den man nicht sofort verstehen und einordnen kann. Könnt ihr erklären, wie es zu dem Namen kam?
S.: Tobias und ich kamen auf den Namen 1997. Wir hatten damals noch nichts Passendes gefunden, also verabredeten wir uns zum Essen, um zu überlegen, was am besten zu uns und unserer Musik passen würde. Da wir eine sehr enge Bindung zum Wasser und dem Meer haben, wir sind ja Nordlichter, wollten wir einen Namen haben, der das auch wiedergibt. Übersetzt heißt der Name My Tide „Meine Gezeiten“. Tide kommt von Tidenhub, also dem Scheitelpegel einer Flut und dem untersten Pegelstand einer Ebbe. Da unsere Texte hauptsächlich die Gedanken unseres realen Lebens wiederspiegeln und das Leben auch Höhen und Tiefen für uns bereit hält, entschieden wir uns letztendlich für den Namen My Tide, also „Meine Gezeiten“.

K.C.: Welches Genre bedient ihr?
S.: Unsere heutige Musikrichtung würden wir wohl am ehesten als eine Mischung aus Gothic, Metal und Doom beschreiben. Allerdings sind wir sehr offen für andere Einflüsse, so waren auf unserer letzten CD beispielsweise auch Blackmetal-Einflüsse zu vernehmen. Ich kann gar nicht genau sagen, ob wir nur ein spezielles Genre abdecken. Unsere produzierten CDs waren dafür sicherlich zu unterschiedlich. Wenn wir zum Beispiel das 2007 produzierte Album Love, lies, anguish nehmen, das wirklich sehr melodische und poppige Songstrukturen innehat und es der letzten CD This cold age gegenüberstellen, mit weitaus mehr Doom- und Blackmetal-Einflüssen, dann müsste ich sagen, wir decken das Gothic-Genre genauso ab, wie zum Beispiel die Fraktion der Hörer, die auf eher härtere Klänge stehen. Es ist eben ein Prozess; auf der bald erscheinenden CD wird es beispielsweise eine gekonnte Mischung aus den beiden vorherigen genannten CDs geben. Wir machen keine Musik um ein Genre zu bedienen oder einer Strategie zu folgen. Wir sind eben Musiker und machen Musik, die uns gefällt.

K.C.: Euch gibt es bereits seit 1997. Mit welchen Erwartungen, Wünschen und Hoffnungen habt ihr My Tide aus der Taufe gehoben?
S.: Ich denke, wir unterschieden uns mit unseren Erwartungen nicht von anderen Musikern. Wenn man anfängt selbst Musik zu machen, hat man beispielsweise den Traum auf einer Bühne seine Musik anderen Menschen zu präsentieren, die im Idealfall die Musik dann auch gut finden. Da spielt sicherlich auch immer eine Portion Narzissmus eine Rolle. Natürlich hat man mit Anfang 20 den

Traum, einen guten Label-Vertrag zu bekommen und von seiner Musik leben zu können. Das relativiert sich mit den Jahren. Ich habe mit der Zeit so viele Musiker kennengelernt, die wirklich nichts anderes machen als Musik und wirklich nicht gut davon leben können. Unterhält man sich oberflächlich mit diesen Menschen, dann klingt das Profi-Musikerdasein immer sehr blumig, fragt man näher nach, dann erkennt man schnell, dass diese Musiker sich häufig am Existenzminimum bewegen. Nur die wenigsten können sehr gut davon leben, daher sind wir alle drei froh, uns in anderen Bereichen hauptberuflich etabliert zu haben.img_4417

K.C.: Hat sich alles erfüllt?
S.: Teilweise schon, immerhin haben wir insgesamt fast sechs CDs produziert und durften unsere Musik häufig anderen Menschen präsentieren, ob nun live, im Internet oder auf Sampler-Beiträgen. Das mit dem Label hat bis heute leider nicht funktioniert. Allerdings hatten wir 2002 einen Vertriebs-Deal mit Twilight Distribution, unser Album Impressions from a dying world war damals beispielsweise bei Mediamarkt und Saturn erhältlich. Mein größter Wunsch hat sich allerdings erfüllt, nämlich dass ich nach 22 Jahren des GitarreSpielens immer noch nicht müde bin, weiterhin Musik mit Leidenschaft zu produzieren und diese dann anderen Menschen zu präsentieren.

K.C.: Was war bisher das absolute Highlight? 
S.: Als Highlights würde ich unsere Club-Konzerte zwischen 2002 und 2005 bezeichnen. Bei diesen Konzerten haben wir viele musikbegeisterte Menschen kennengelernt, mit denen wir einen guten Austausch hatten.

K.C.: Ihr sagt selbst, ihr erfindet euch immer wieder neu. Heißt das im Umkehrschluss, ihr habt euch noch nicht gefunden?
S.: Um auf jeder CD immer wieder dasselbe zu machen, sind wir uns zu schade. Ich würde sagen, wir ergänzen den Stil der vorhergegangenen CD mit wieder neuen Einflüssen. Das „immer wieder selbst erfinden“ ist tatsächlich eine Tatsache, zu der wir uns selbst verpflichtet haben. Wenn ich mir heute Bands anhöre, die ich bereits vor 10 Jahren gehört habe und sie klingen heute immer noch genauso, dann kann es meiner Meinung nach nur an zwei Dingen liegen.
Erstens: Die Band hat keine Ideen.
Zweitens: Sie müssen die Fans mit immer demselben Stil bedienen, wie bereits vor zehn Jahren, um diese nicht zu verlieren.
Die Angst etwas Neues auszuprobieren haben wir nicht. Natürlich spielen beim Songwriting-Prozess auch äußere Faktoren eine Rolle, wie zum Beispiel die Stimmung der Musiker. Ich denke, wir erfinden uns immer wieder neu, ohne den roten Faden zu verlieren.

K.C.: Bisher sind fünf Alben von euch erschienen, die auch richtig reinhauen. Gibt es eins, das ihr besonders empfehlen würdet?
S.: Mein persönlicher Favorit ist das Love, lies, anguish-Album. Wir hatten 2007 ganze zwei Jahre für das Songwriting und die Produktion aufgewendet, weil die äußeren Umstände dies zuließen. Ich denke, das hört man der CD an. Tobias würde an dieser Stelle sicherlich unser letztes Album This cold age nennen, weil er eher auf einen sehr rohen Sound steht.

img_4489K.C.: Wer schreibt bei euch die Songs?
S.: Das variierte bislang von CD zu CD. Das Songwriting für unsere erste Demo Tired haben Tobias und ich gemeinsam gemacht. Das zweite Demo Sounding Lead habe ich komplett alleine geschrieben und aufgenommen. Zu unserem ersten Album Impressions from a dying world habe ich die Musik geschrieben und Tobias die Texte. Genauso haben wir das bei dem zweiten Album Love, lies, anguish gehandhabt. Für unsere letzte CD This cold age hat Tobias fast (bis auf einen Titel) die komplette Musik und die Texte im Alleingang geschrieben. Ich habe mich quasi nur noch ins Studio begeben, um die Gitarren einzuspielen und meine Gesangsparts beizusteuern. Die bald erscheinende Scheibe ist ein Gemeinschaftsprodukt von allen drei Musikern. Wir verfolgen beim Songwriting-Prozess keine Regeln.

K.C.: Gibt es Themen, die ihr am liebsten besingt?
S.: Wir schreiben über Dinge, die die Menschen beschäftigen (außer Bildzeitungsleser vielleicht). Es geht viel um zwischenmenschliche Beziehungen (nicht nur Frau/Mann-Beziehungen) und den Umgang damit. Dabei schildern wir unsere teilweise sehr skurrilen Gedanken, die sicherlich häufig nicht leicht nachzuvollziehen sind. Im Schwerpunkt geht es in den Texten, zur Musik passend, um die Schattenseiten und Abgründe des menschlichen Daseins.

K.C.: Kann man My Tide auch außerhalb Hamburgs live erleben?
S.: Natürlich, wir sind zu jeder Schandtat bereit und sind auf Hamburg nicht festgelegt.

K.C.: Wo würdet ihr gerne mal auftreten?
S.: Wacken wäre für uns sehr attraktiv, dann müssten wir nicht mal besonders weit fahren.

K.C.: Wer inspiriert euch?
S.: Musikalisch haben uns häufig skandinavische Bands inspiriert. Die alten Sachen von Sentenced finden wir sehr gut. Intelligente Musik in Verbindung mit ausdrucksstarken Texten, die über das 08/15 Larifari hinausgehen. Als einzelnen Musiker muss ich hier auch noch mal Taneli Jarva nennen. Er war früher Sänger bei Sentenced und ist mittlerweile Kopf der Band The Black League. Seine Stimme, seine Texte und sein Songwriting sind außergewöhnlich. Wir mögen generell Bands, die einzigartig sind. Wer braucht schon den 100. Klon von Band x oder y.

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K.C.: Welche Pläne habt ihr für die nahe Zukunft?
S.: Wir wollen jetzt erst mal unsere aktuelle CD fertigstellen und danach so oft live spielen wie möglich.

K.C.: Ein paar Worte zum Abschluss?
S.: Wir möchten uns bei Dir für das Interview bedanken und STAY METAL!

K.C.: Vielen Dank für das Interview!

Mehr über die Band erfahrt ihr im Bandblog, dort gibt es auch die CDs zu bestellen.

Fotos by My Tide.

Interview mit Black Blitz

Handgemachter Riff Rock

Nachdem ich die Band im Blog bereits ein wenig vorgestellt habe, wollte ich die Jungs zusätzlich noch interviewen. Sänger Thomas Bauer nahm sich die Zeit und das kam dabei raus:

Likiwing: Erzählt ein bißchen was zu Eurer Musik! Was steckt dahinter? Was macht sie so besonders? Was sind Inspirationen für Texte?
Black Blitz: Wir machen klassischen Hard Rock. Bewusst einfach gehaltene Musik, wo jeder Song aus einem markanten Riff besteht, dazu gibts kraftvollen Gesang und ein Gitarrensolo. Besonders macht uns vielleicht, dass wir als Trio wirklich auf die Minimalbesetzung für eine Rockband reduziert sind und jeder Einzelne dann vor allem auf der Bühne voll gefordert ist. Diese Leidenschaft merkt und honoriert dann auch der Zuschauer.
Für die Texte lasse ich mich von einzelnen Zitaten aus einem Buch oder Film inspirieren, aber eigentlich von allem, was den ganzen Tag um mich rum passiert. Eine Panne mit meinem Motorrad hat mich zum Beispiel zu „Hell Breaks Loose“ inspiriert, eine Hommage an den Viertaktmotor.

L: Gibt es Vorbilder, die Euch inspirieren?
BB: Da gibt es viele, AC/DC natürlich, aber auch Guns N‘ Roses und Metallica zählen zu meinen Lieblingsbands.

L: Wer hat den Namen gewählt und warum?
BB: Wir haben etwa eine Stunde lang Brainstorming mit allen möglichen Namen gemacht und gleich auf Google gegengecheckt, ob es schon eine Band gibt, die sich so oder so nennt. Ich kann sagen, es gibt wirklich schon fast alles was man sich vorstellen kann. Black Blitz hat dann sämtliche Kriterien erfüllt, die wir an einen guten Bandnamen gestellt haben: Man weiß sofort wie man ihn schreibt und ausspricht, er ist leicht zu merken, man merkt welche Musik wir ungefähr machen, er klingt gut und steht für viel Energie.

L: Wie ist es überhaupt zu dem Projekt gekommen?
BB: Ich bin im Sommer 2008 von Passau nach München gezogen, um Rockstar zu werden. Ein Jahr später hatte ich die beiden Mitstreiter gefunden, um das Ganze zu realisieren.

L: Arbeitet Ihr an einem neuen Album? Wenn ja: Wann erscheint es und kann man mit Überraschungen rechnen?
BB: Das zweite Album hat gerade absolute Priorität, wir nehmen dafür auch unsere Live-Aktivitäten sehr zurück. LWir hoffen die Scheibe im Sommer 2013 veröffentlichen zu können. Man kann sich aber drauf verlassen, dass wir an unserem Sound nicht viel verändern werden.

L: Was wollt Ihr mit den Texten vermitteln? Neues Lebensgefühl?
BB: In unseren Texten geht es um das Leben als Rocker. Man kann das am ehesten mit einem Actionfilm vergleichen: Markante Sprüche, Vollgas, Frauen und Bier.

L: Gibt es Nebenprojekte, in die Ihr Euch noch einbringt?
BB: Ich bin mit Black Blitz voll ausgelastet, Drummer Thomas ist ein gefragter Mann bei vielen Bands in allen möglichen Stilrichtungen und auch Bassist Christian tobt sich musikalisch in anderen Bands aus.

L: Wieviele Auftritte habt Ihr noch geplant in diesem Jahr und ganz speziell wann und wo wieder in München ?
BB: Das lassen wir immer auf uns zu kommen. Wir wollen heuer vor allem raus aus München und Bayern und spielen vermehrt Supportshows für größere Bands und Festivals. In München spielen wir eine große CD-Release Party, wenn im Sommer die neue Scheibe rauskommt, einen Termin gibts dafür aber noch nicht.

L: Support von Eisbrecher, eine Ehre oder ein Auftritt wie jeder andere? Was verbindet Euch mit Alex und Mannen?
BB: Das war so ziemlich das Größte, was wir je erlebt haben, vor so vielen Leuten haben wir noch nie gespielt. Es war natürlich eine Ehre, dass uns Alex von Eisbrecher da eingeladen hat. Wir tanzten ja rein musikalisch schon ein bisschen aus der Reihe. Das hat er glaub ich einfach gemacht, weil er uns pushen wollte. Den Kontakt zu ihm hat ein Fan von uns hergestellt, die ihn ganz gut kennt. Er hat sich dann mal ein Konzert von uns angesehen und danach war auch er ein Fan – und wir seine Vorband.

L: Was ist das für ein Gefühl auf der Bühne zu stehen? Gibt es ein Ritual vor den Auftritten der Band?
BB: Es gibt bloß dann ein Ritual, wenn wir wo spielen, wo nur die berühmten ‚paar Hanseln‘ vor der Bühne stehen. Dann sage ich zu den Jungs bevor wir loslegen: „Stellt euch vor, wir spielen in der Olympiahalle vor tausenden von Menschen!“. Es war im Zenith einfach unglaublich sich all diese Menschen nicht mehr vorstellen zu müssen, weil sie wirklich da waren. Ich habe während des ganzen Konzerts mein Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht gekriegt. Danach sowieso nicht. Mit dieser Resonanz auf unsere Musik haben wir überhaupt nicht gerechnet. Es hat an diesem Abend wirklich alles gepasst.

L: Warum sollte man ein Black Blitz Konzert nicht verpassen?
BB: Wer auf handgemachten Riff Rock steht, vorgetragen von drei Burschen, die immer Vollgas geben, der darf uns wirklich nicht verpassen. Jedes Black Blitz-Konzert ist einmalig, keines ist wie das andere. Es wird viel improvisiert und wir arbeiten von Konzert zu Konzert an unserer Performance. Es hört sich vielleicht blöd an, aber das letzte Konzert von uns ist auch immer das Beste, was wir je gespielt haben.

L: Was machen Black Blitz, wenn sie nicht auf der Bühne stehen und rocken? Normale Jungs in Anzug und Krawatte zur Arbeit?
BB: Ich bin Gitarrenlehrer, Drummer Thomas ist Schlagzeuglehrer und Bassist Christian ist Lektor.

L: Was findet ein ‚Zugereister‘ toll an der Stadt München? Welche Locations besucht Ihr gern? Was würdet Ihr empfehlen?
BB: Als jemand, der für die Musikkarriere von Passau nach München gezogen ist, mag ich an München die internationale Größe, zum Beispiel kommen alle großen Bands nach München. Ich mag ganz gern die Gegend um die Isar, vom Flaucher bis zum Deutschen Museum. Ich empfehle am Hauptbahnhof den Kaffee bei Yormas für 1 € statt den für 4 € bei Starbucks zu kaufen.

L: Und vielleicht noch ein paar Worte zum Abschluss?
BB: Schaut Euch auf unserer Webseite die Videos an und hört Euch unser Debütalbum in voller Länge an.

Interview mit Coppelius

„Niemals!“

Es gibt viel zu tun auf dem Herrensitz, denn Coppelius komponieren fleißig neue Musikstücke. 2013 soll es einen neuen Silberling geben, der vom Auditorium mit Spannung erwartet wird. Dazu gab es bereits Aufnahmen zu einer Videografie und natürlich den immerwährenden Zwist zwischen Max Coppella und Le Comte Caspar, wer denn nun der Bessere sei. Vielleicht können wir das endlich in diesem Interview klären – falls nicht, stehen die Herren immerhin Rede und Antwort.

Kyra Cade: Wie ist das werte Befinden der Herren?
Max Coppella: Zur Zeit sehr gut, mich plagen lediglich Selbstmordgedanken, sonst kommen immer noch mein schmerzender Rücken und die Sorge um die viel zu gute Verpflegung von Bastille hinzu.
Comte Caspar: Max Coppella ist so sehr mit Lamentieren beschäftigt, dass ich mich in Ruhe den Aufnahmen zum neuen Album widmen kann. Es sind also alle in ihrem Element!

K.C.: Genießen Sie den Sommer und lassen sich von Bastille kalte Getränke servieren – auch wenn sich die Sonne rarmacht?
M.C.: Ich genieße den Sommer in meinem Verlies, bei Hitze muss ich direkt unter das Dach, bei kühlem und feuchtem Wetter verbringe ich die Zeit im Keller mit ähnlichem Klima.
C.C.: Er hat sich den Südflügel selbst ausgesucht, ja, er hat darauf bestanden, dort zu wohnen. Nun regt er sich darüber auf, wenn die Sonne hineinscheint und übertreibt, wenn es regnet… Was mich angeht, ich mache bei strahlendem Sonnenwetter gern hin und wieder eine Aufnahmepause und lasse die Füße in den Brunnen baumeln. An diesigen Tagen macht es umso mehr Freude, sich ganz in den Arbeiten am neuen Album zu vergraben.

K.C.: Sie haben in „Ma Rue A Moi“ gefordert, Straßen und Plätze nach Ihnen zu benennen. Gibt es bereits Fortschritte in dieser Richtung?
M.C.: Ach wo denken Sie hin, ich will noch nicht einmal, dass mein Name auf meinem Grabstein steht.
C.C: Na ein Glück, dass es in diesem Stück darum geht, was nach MIR benannt wird, Herr Coppella! Und ja, es geht voran, es geht voran! Fanatiker brachten mir zum Beweis sogar schon Straßenschilder, die sie irgendwo abmontiert hatten. Wo, habe ich allerdings noch nicht herausfinden können. Wahrscheinlich, weil sie noch nicht ersetzt wurden …

K.C.: Als das Musikstück recht neu war, haben Sie einen Wettbewerb ausgerufen. Eingereicht wurden Collagen, Zeichnungen und sogar Figuren aus Ton. Wer hatte die Idee dazu?
M.C.: Das war meine Idee!
C.C: IHRE Idee? Ha! Haben Sie überhaupt von MEINEM Wettbewerb mitbekommen?

K.C.: Können Sie sich noch an die Beiträge erinnern? War etwas dabei, das Ihnen besonders gefallen oder gar geschmeichelt hat?
M.C.: Oh, ich erinnere mich nun, dass es doch nicht meine Idee war.
C.C: Da sehen Sie es! Ja, ich war sehr erstaunt, wie viel Kreativität und Kunstgeschick in unseren Fanatikern steckt. Und dabei sagt man doch, heutzutage seien alle Menschen ungeschickt und ohne Inspiration, weil sie nur noch vor dem Bildschirm hingen! Tatsächlich denke ich, solche Kreativwettbewerbe sollten wir öfter veranstalten, sozusagen als coppelianisch-künstlerisches Breitenbildungsprogramm!
Zum neuen Album werden wir ein Stück schon vorzeitig veröffentlichen und die künstlerische Welt da draußen bitten, eine Musikvideographie dazu zu zaubern! Das kann ja heutzutage nun wirklich jeder, ein paar bewegte Bilder einfangen und sie zur Musik zusammenstellen. Doch dies dann auch in künstlerischer Art zu tun, ist wiederum um einiges schwerer. Nehmen Sie die Herausforderung an! Im Herbst wird die Aktion auf unseren galvanischen Seiten bekanntgegeben werden! Gönnen Sie sich den Spaß, machen Sie mit!

K.C.: Das war nicht der einzige Wettbewerb. Sie riefen im Frühjahr des Jahres dazu auf, das Musikstück „Das Amulett“ zu interpretieren. Warum ausgerechnet dieses?
M.C.: Das war meine Idee, ich wollte, dass ein einfaches Stück von mir interpretiert wird, das leicht besser zu gestalten ist als von Coppelius. Es wird ja normalerweise vom Comte gesungen.
C.C. Herr Coppella, Sie sind wohl sehr eifersüchtig, dass hier die ganzen Fragen an MICH allein gerichtet sind!

K.C.: Waren Sie erfreut über die Beiträge?
M.C.: Aber natürlich, wie erwartet.
C.C: Haben Sie sie denn gehört!

K.C.: Was geschieht mit den Gewinnern?
M.C.: Sie haben sich sehr bemüht und werden für immer in unseren Gedanken bleiben.
C.C.: Haben Sie nicht! Herr Coppella! Wir haben einige Gewinner bereits auf Konzerten als Gast auftreten lassen. Das stand nämlich als Preis ausgeschrieben. Tatsächlich waren wir so begeistert über die Einsendungen, dass wir uns nicht recht entscheiden konnten und nicht nur dem ersten Platz sondern gleich allen drei Erstplatzierten einen Gastauftritt auf coppelianischer Bühne versprachen. Zu den Jahresendkonzerten in Annaberg-Buchholz und Kaiserslautern wird man dies erleben können.
Wo wir gerade davon sprechen, die restlichen Konzerte für dieses Jahr sind übrigens:
22.09.2012 (Sa) Zwickau – Alte Gasometer
28.12.2012 (Fr) Kaiserslautern – Kammgarn
29.12.2012 (Sa) Annaberg-Buchholz – Alte Brauerei

K.C.: Konnte das Auditorium den Herren Coppelius musikalisch das Wasser reichen?
M.C.: Nun, die Frage muss anders herum gestellt werden und dann antworte ich mit einem klaren Ja.
C.C.: Stellen Sie doch Ihr Licht nicht so unter den Scheffel, Herr Kollege! Für meinen Teil: Das Auditorium hat sich sehr bemüht und das soll auch gelobt werden. Einzig geht es bei Musik ja nicht nur um das sogenannte ominöse Talent, sondern auch um jahrelange, ja jahrzehntelange Übung auf dem Instrument, die dem wahren Künstler dann natürlich zu einem gewissen Vorsprung verhilft … Insofern ist diese Frage völlig unnötig und eigentlich auch schon fast etwas anmaßend. Oder anders gesagt: Genug andere Kapellen erreichen uns musikalisch nicht im Entferntesten, nein, greifen sogar auf elektrische Einspielungen während eines Konzertes zurück – was es bei Coppelius niemals geben wird – und da stellen Sie unsere musikalische Superiorität in Frage?

K.C.: Wird es noch weitere Ausschreibungen geben?
M.C.: Ich denke schon, aber warum fragen Sie nicht, wie die Vorbereitungen für den neuen Silberling laufen?
C.C.: Wie bereits erwähnt, im Herbst dann die Ausschreibung zur Videographie. Einen geeigneten Preis als Anreiz zur Teilnahme müssen wir uns noch ausdenken. Obwohl eigentlich die Teilnahme selbst schon Preis genug ist, aber das sieht ja heutzutage niemand mehr. Haben Sie passende Ideen, was attraktive Preise sein könnten? (Also jenseits von „Tonträger & Kleidungsstück“ )
(Anm. d. Red.: Veröffentlichen Sie eine Single mit dem Musikstück, einigen bisher unveröffentlichten Liedern und eben dem Gewinnervideo.)

K.C.: Sie planen einen neuen Silberling. Wie laufen die Vorbereitungen?
M.C.: Fragen Sie bloß nicht, es geht sehr schleppend und zerrüttet meine letzten Nerven.
C.C.: Das tut mir leid zu hören – MEINE Aufnahmen gehen herrlich voran! Ich will Sie nicht mit lähmenden Details aus dem Verfahren der Audioakustik entnerven – denn auch dies ist eine Wissenschaft für sich, mit der sich der Tonkünstler herumplagen muss -, aber durch viele entscheidende Verbesserungen in der klanglichen Abnahme der Klarinette ist es gelungen, den Klang zu revolutionieren! Nun, wahrscheinlich für das ordinäre Ohr kaum wahrnehmbar, und doch wird die Musik dadurch druckvoller und lauter, obwohl sie weniger anstrengend wirkt! Ach, Sie müssten die Tonproben hören! Schade, dass wir nicht jetzt schon kleine Klanghäppchen veröffentlichen! Sie würden dahin schmelzen!

K.C.: Wann wird das Auditorium selbigen erstehen können?
M.C.: Wenn das so weiter geht, niemals!
C.C.: Wenn ich so weiterkomme, im Januar 2013.

K.C.: Können Sie schon etwas über die neuen Musikstücke erzählen?
M.C.: Ich könnte schon, aber dafür reicht die Zeit nicht aus, ich muss gleich zur Therapie.
C.C.: Oh, dafür ist es etwas zu früh – wir stecken noch so tief in den musikalischen und klanglichen Details, dass wir erst wieder einige Schritte von der Tafel zurücktreten müssen, um das große Ganze zu überblicken. Gönnen Sie uns noch ein paar Wochen, dann können wir beginnen, uns zu den Stücken in ihrer Gänze zu äußern.

K.C.: Im Gesichtsbuch erwähnten Sie einmal, über eine Interpretation von Liedern anderer Kapellen nachzudenken. Haben Sie sich entschieden, welche?
M.C.: Ich interpretiere sowieso sehr gerne so etwas, kann mich aber nicht entscheiden, welche Künstler es verdient haben, von uns so beleidigt oder geadelt- dazwischen gibt es leider nichts – zu werden.
C.C.: Wir arbeiten an mehreren verschiedenen Stücken unterschiedlicher Künstler – darunter auch wieder Iron Maiden und sogar einmal die Beatles – jedoch haben wir insgesamt viel zu viele Stücke aufgenommen, als dass sie alle auf ein Album passen würden. Darum will ich jetzt noch nicht zu viel verraten und keine Begehrlichkeiten wecken, die dann nicht erfüllt werden, weil andere Stücke viel besser klingen und deswegen dann auf das Album kommen. Es wird ohnehin noch schwer genug werden, sich für einige Stücke zu entscheiden und einige andere herauszulassen!

K.C.: Es ist zwar schon wieder ein paar Monate her, aber bei Ihrem Auftritt in Nürnberg im Januar klangen die Instrumente etwas voller. Vor allem auch der Bass kam besser hervor. Haben Sie etwas verändert?
M.C.: Ich habe von unserem Amplifikator gehört, dass er bei den danach stattfindenden Konzerten die Klänge, die er aus den vorhandenen Anlagen zu zaubern wusste, sogar noch besser fand!
C.C.: Oh, Sie haben es von allein gehört? Welch feines Ohr! Ja, bei Coppelius tut sich etwas, auch durch die klangliche Arbeit an den Aufnahmen! Wir müssen doch das Auditorium daran erinnern, dass die Gitarren die Nachmacher sind und nicht andersherum! Man konnte ja in den letzten Dekaden den Eindruck gewinnen, dass die eine oder andere Gitarrenkapelle fast so voll klingt wie Streicher und Bläser!

K.C.: Ist Herr Voss nun auch zufrieden, hört man den Bass ausreichend oder muss da noch mehr getan werden?
C.C.: Herr Voss und zufrieden! Ha! Ich denke, er würde es so formulieren: Einige Weichen wurden in die richtige Richtung gestellt, nun kann man beginnen, an den Reglern zu drehen und auszuprobieren, in welche Richtung es weiter geht.

K.C.: Stichwort: Videographisches Tagebuch. Wer von den Herren hatte die Idee dazu?
M.C.: Ich, ich , ich…
C.C. rollt mit den Augen: Ist es nicht völlig unerheblich, wer die Idee dazu hatte? Das Auditorium scheint die videographischen Ausflüge zu lieben, also stehen wir ja quasi in Zugzwang, immer weiter und weiter zu drehen. Irgendwie macht es ja sogar Spaß.

K.C.: Der letzte elektronische Eintrag in diesem Tagebuch ist vom verregneten Rock-Harz-Freilicht-Konzert. Schadet so ein Wetter den Instrumenten sehr? Wird das Musizieren erschwert, muss öfter nachgestimmt werden?
M.C.: Haben Coppelius denn mehr nachgestimmt als sonst? Ich glaube, nein, das liegt nicht daran, dass es nicht nötig wäre, aber es ist doch bereits alles verloren, was soll da das schnöde Stimmen der Instrumente noch bringen.
C.C.: Max Coppella meint, dass feuchtes, kühles Wetter den Instrumenten schon sehr zusetzt. Allerdings spielen wir nur zwischen Mai und September an der frischen Luft, da kann das Wetter den Instrumenten nicht allzu viel anhaben. Im Winter allerdings können – insbesondere bei den Klarinetten – durch warme Atemluft und kühle Außentemperatur – sehr schnell große Spannungen im Holz auftreten, ja das Instrument kann sogar reißen. Alles schon passiert …

K.C.: Aktuell drehen sie eine neue Musikvideographie. Zu welchem Musikstück, wo, warum und vor allem: In 3-D?
C.C.: Das Stück nennt sich „Spieldose“. Es geht darum, dass heutzutage jeder nur in das kleine blinkende Ding schaut, anstatt dass die Menschen noch miteinander sprechen würden. Warum schweigt ausgerechnet hier Max Coppella, er könnte doch viel mehr dazu sagen! Lieber mischt er sich in MEINE Straßenumbenennung, MEINE Ma-Rue-A-Moi-Kunst-Aufrufe und überhaupt ein! Pah! 3-D. Ja. Also. Was ist das genau? Die Regie hat gesagt, dass dies das Werk besser zur Geltung bringt. Videographische Details interessieren Musiker nicht, man kann sich ja nicht mit allem beschäftigen! Aber mehr künstlerischer Ausdruck? Immer! Gern!

K.C.: Wie waren die Aufnahmen?
M.C.: Schrecklich, ich verfiel in tiefe Depressionen, man wird das den Aufnahmen ansehen.

K.C.: Müssen andere Dinge beachtet werden, als bei 2-D-Aufnahmen?
M.C.: Das war ja das schlimme, alles musste perfekt sein.

K.C.: Sie treten bald mit Unzucht, Lord of the Lost und anderen auf dem 1. Ostfriesischen Gothictreffen auf. Wie wäre es mal mit einer musikalischen Zusammenarbeit mit Unzucht?
M.C.: Niemals!
C.C.: Ihre Frage kommt zu unpassendem Zeitpunkt! Dieses OGT ist doch schon längst Vergangenheit! Oder haben wir etwa so lang gebraucht, diese läppischen paar Fragen zu beantworten?
(Anm. d. Red.: Haben die Herren, aber es sei ihnen verziehen, schließlich haben die Arbeiten am neuen Silberling absoluten Vorrang!)

K.C.: Und Kapellen wie Lord of the Lost? Da liegen ja nun Jahrhunderte zwischen den Herren und diesen jungen Leuten. Kommen Sie mit der Musik und dem „schmutzigen“ Auftreten der Kapelle zurecht oder runzeln Sie die Stirn, weil Sie selbst stets ordentlich gekleidet und sauber auftreten?
M.C.: Niemals!
C.C.: Unsere Hemden strahlen dadurch gleich noch weißer! Und es kann ja nun auch wirklich heutzutage nicht verlangt werden, dass jede Kapelle frisch gewaschen auf die Bühne ginge! Wo kämen wir denn da hin?

K.C.: Die Herren Coppelius – wohin geht’s? Ziele, Pläne, Wünsche für die nächste Zeit?
M.C.: Ich möchte einfach nur in Frieden ruhen und ein paar Mikrofone zerstören.
C.C.: Aufnahmen, Aktionen zur Albumveröffentlichung, dann Albumveröffentlichung, dann Konzertreise zum neuen Album, im Sommer 2013 dann einige größere Festivals. Dann vielleicht etwas ausruhen und wieder an einem neuen Album arbeiten? Wir sollten uns vielleicht dieses Mal nicht ganz so viel Zeit lassen, das Auditorium lechzt ja immer so schnell nach neuen Werken!

K.C.: Ein paar Worte zu Abschluss?
M.C.: Niemals!
C.C.: COPPELIUS HILFT!

K.C.: Vielen Dank für diese Befragung!

Aktuelle Informationen und Konzerttermine sind auf der galvanischen Seite zu finden.

 

Interview mit Tiefenstadt

Tiefenstadt sind eine noch junge Band aus Nürnberg. Dabei haben die fünf Bandmitglieder bereits reichlich Erfahrungen in der Musikbranche sammeln können. Doch unter diesem Namen fanden sie sich laut Bandseite erst im Oktober 2011 zusammen. Tiefenstadt ist mehr als nur Musik, mehr als nur Gothic: Wie der Namen schon vermuten lässt, gehen die Songs tiefer, sprechen vom Inneren, vom Verborgenen und von noch viel mehr. Die Fünf haben sich Zeit für ein Interview genommen und stellen sich vor.


Tiefenstadt aus Nürnberg

Kyra Cade: Wer steckt hinter Tiefenstadt?
Tiefenstadt: Hinter dem Namen steht eine ganze Reihe von Begriffen und Personen. In erster Linie eine Band und ein wunderbares Team an Freunden, die diese Band aktiv unterstützen. Wenn man sich auf die Idee Tiefenstadts einlässt, sind wir die Lithonauten, eine Gesandtschaft einer sehr alten Zivilisation, die tief im Inneren der Erde existiert. Gesandte mit einer Botschaft, enormen Wissen und der Fähigkeit, durch die Tiefen der Erde zu reisen.

K. C.: Welchem Genre kann man eure Musik zuordnen?
Tiefenstadt: Es ist melancholische aber auch harte Musik. Wir sind keine Vertreter der sogenannten Neuen Deutschen Härte. Wir sind auch keine klassische Gothic-Band. Die unterschiedlichen Erfahrungen jedes Einzelnen verdichten sich zu etwas Eigenem. Wohin unsere Musik tatsächlich zuzuordnen ist, überlassen wir daher gern der schreibenden Zunft. Vielleicht ist es Tiefenrock!

K. C.: Tiefenstadt ist eine Stadt, ein phantastischer Ort; aber auch die innere Welt eines jeden. Was verbindet ihr mit diesem Ort?
Tiefenstadt: Zuflucht, Ursprung, geistige Heimat. Rückzugsort ohne Mobilfunkempfang und Internet. Ein Ort der Stille. Ein eigener Kosmos mit eigener Energiequelle.

K. C.: Es klingt ein bisschen nach Atlantis oder Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Erde“. Hatten solche Fantasien Einfluss auf den Bandnamen?
Tiefenstadt: Natürlich kennen wir diese Geschichten. Die Idee zu Tiefenstadt war aber eher ein isolierter Prozess, der wie eine Treppe zum Ziel führte. Wir versuchen uns von ähnlichen Themen aus Literatur und Film abzuschirmen, um der Fantasie die größtmögliche Freiheit zu gewähren.

Aus den Augen verloren: Die wirklich wichtigen Dinge im Leben

K. C.: In euren Texten soll die innere Welt des Menschen eine Rolle spielen. Kann man sagen, ihr singt über die Seele, über Träume, Hoffnungen und den Schmerz des Menschen?
Tiefenstadt: Genau so würden wir das beschreiben. Viele Texte behandeln die Selbsterkenntnis des Einzelnen. Die Einsicht der eigenen Schwächen und Ängste ist der Anfang, ein besserer Mensch, ein besseres Wesen zu werden. Nur so kann eine Gemeinschaft entstehen, die nicht in der eigenen Auslöschung endet.

K. C. Welche Sehnsüchte habt ihr?
Tiefenstadt: Der Mensch, mit seiner bis jetzt entwickelten Technologie, verliert den Blick für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. TV, Internet und andere Medien fressen die Lebenszeit ohne
Spuren zu hinterlassen. Wir leben im Informationszeitalter und es wäre dringend notwendig, dass der Mensch aufwacht, seinen Verstand benutzt und sich und seine Umwelt nicht freiwillig vergiftet.

K. C.: Sind Gott oder der Glaube von Bedeutung?
Tiefenstadt: Den Glauben oder eine Gottheit gibt es in Tiefenstadt nicht. Unsere „Religion“ basiert auf einem kollektiven Bewusstsein. Allerdings gibt es alte Schriften, die das Schwinden des Götterglaubens belegen. Der Song „Do We Cheat God Now“ versucht an diese Zeit zu erinnern.

„Eine musikalische Symbiose“

K. C.: Dann kann man sagen, dass ihr eine eigene Philosophie habt? Wie lautet diese genau? 
Tiefenstadt: Es ist nicht mit einer Philosophie zu vergleichen – Tiefensadt ist eine sehr alte Zivilisation. Ein Vielvölkerstaat, der durch viele Kriege vor der eigenen Auslöschung stand. Nur durch das kollektive Bewusstsein können die verschiedenen Arten zusammenleben. Wie genau sich dieses Denken und Fühlen entwickelt hat, würde jetzt den Rahmen sprengen. Wir werden, wenn uns der Zeitpunkt richtig erscheint, einige Texte und Songs veröffentlichen, die Einsicht in diese Themen geben.

K. C.: Spielt ihr noch in anderen Bands?
Tiefenstadt: Bis auf unseren Schlagzeuger Robert (Ignis Fatuu) und Bassisten Michael (Sanity Obscure) gilt es, unsere Energie effizient und ohne Ablenkung auf ein Ziel gerichtet einzusetzen.

K. C.: Martin und Robert haben aufgrund des übereinstimmenden musikalischen Verständnisses die Band gegründet. Was ist euch denn in dieser Hinsicht besonders wichtig?
Tiefenstadt: Es ist wie ein Bund, den wir eingegangen sind. Dieser Bund, davon sind wir überzeugt, führt unweigerlich zu einer musikalischen Symbiose, die großartige Songs hervorbringen wird.

Tiefenstadt ist immer eine Reise wert

K. C.: Ihr wart vorher bereits in Bands: Vier von euch bei Soul in Isolation, Martin u.a. bei Deadone Sign. Konntet ihr euch da nicht so ausleben, wie es jetzt möglich ist?
Tiefenstadt: Tiefenstadt ist etwas anderes. Wenn zwei Komponisten aufeinander treffen, gibt es entweder Streit und Machtkämpfe oder etwas Neues entsteht. Es ist eine musikalische Bewusstseinserweiterung, sich auf den anderen einzulassen. Dies kann nur funktionieren, wenn gegenseitige Wertschätzung, Achtung und Respekt vor der Kreativität des anderen vorhanden sind. Das geht nicht, wenn man sich das nur vornimmt – es muss bereits vorhanden sein. So gesehen sind Soul In Isolation und Deadone Sign an ein Ende gekommen.

K. C.: Gibt es Vorbilder?
Tiefenstadt: Nein, nur Einflüsse aus unterschiedlichen Stilrichtungen und Epochen. Die bringst Du automatisch mit, wenn Du schon ein paar Jahre Musik machst. Aber nicht wirklich benennbare. Auch entwickelt man im Laufe der Zeit etwas Eigenes – allein aus der Intension, etwas Eigenes zu schaffen. Sei es ein bestimmter Sound, bestimmte Harmonien oder auch Gestaltung der Titel. Wir sind noch am Anfang unseres Weges. Aber schon jetzt ist unser Sound unverkennbar Tiefenstadt.

K. C.: Arbeitet ihr bereits am Debutalbum?
Tiefenstadt: Ja und nein. Das ist mehr ein Parallelprozess. Um ein Debutalbum veröffentlichen zu können, sind zwei Voraussetzungen notwendig: Einmal eine größere Auswahl an probaten Songs und zum anderen natürlich ein gewisser Bekanntheitsgrad. Da Tiefenstadt offiziell erst seit Januar 2012 als eine Band existiert, ist beides natürlich noch nicht vorhanden.

K. C.: Man kann derzeit auf Facebook abstimmen, ob man euch beim DMF 2013 sehen möchte. Wäre dieser Auftritt etwas Besonderes für euch?
Tiefenstadt: Auf jeden Fall, da wir bis dahin vielleicht schon mit einem kompletten Album wieder aus Tiefenstadt auftauchen werden.

K. C.: Zukunftspläne für Tiefenstadt?
Tiefenstadt: Wir möchten die Musik und die Geschichte von Tiefenstadt weiterbringen. Das ist ein lebendiger Prozess und wir hoffen, dadurch möglichst vielen Menschen und allem, was Ohren hat einen Anstoß zu geben. Eine Reise nach Tiefenstadt ist und wird immer eine wunderbare Erfahrung sein.

K. C.: Ein paar Worte zum Abschluss?
Tiefenstadt: Wir denken, das langt fürs erste. Vielen Dank!

K. C.: Vielen Dank für das Interview!

Interview mit Burst My Marrow

Burst My Marrow aus der Nähe von Hamburg bieten guten Metalcore. 2005 noch als Knuckle Of Veal gegründet, wurde der Name 2009 gleichzeitig mit der Veröffentlichung des ersten Albums geändert. Nach der Teilnahme an lokalen Bandcontests schaffte das Quartett sogar den Sprung nach England. „Oblivion“ heißt das aktuelle Album, das sich hören lassen kann. In diesem Interview steht die Band Rede und Antwort.

Kyra Cade: Stellt euch bitte kurz vor.
Burst My Marrow: Wir sind eine vierköpfige Band aus der Kleinstadt Buxtehude (nahe Hamburg), die nun seit etwas über sieben Jahren zusammen Musik macht und auf der Bühne steht.

K. C.: Wenn jemand noch nichts von euch gehört hat: Wie beschreibt ihr eure Musik?
BMM: Unser Fundament ist der Metalcore, so viel steht fest. Das ist aber auch das einzige, was fest steht, denn ansonsten greifen wir mit langen Armen um uns und bringen alles in unsere Musik, was uns gefällt und was die Songs brauchen.

K. C.: Ihr habt 2005 als Knuckle Of Veal begonnen, euch dann aber unbenannt. Warum?
BMM: Der Namenswechsel ist im Zuge unseres ersten Albums „Last Remains Of Shelter (The Fear-Infection)“ geschehen, da sich ab dieser Platte unser Stil ziemlich geändert hat. Knuckle Of Veal war der Anfang der musikalischen Laufbahn für jeden von uns. Damals, als junge Schülerband, wusste man noch nicht wirklich, was man wollte. Wir fingen an Songs von Nirvana und Metallica zu covern, um dann später irgendwo zwischen 3 Doors Down und Seether unseren Stil zu finden. Über die Jahre wurde der Stil dann immer härter und wir damit immer glücklicher. Irgendwann war es dann einfach nicht mehr Knuckle Of Veal und somit wurde aus uns Burst My Marrow (übersetzt: Lass meinen inneren Kern zerplatzen), da wir nun endlich wussten, was wir wollten und somit auch unser innerer Kern geplatzt ist.

K. C.: Eure Songs variieren teilweise sehr; sowohl gesanglich als auch instrumental. Macht das Burst My Marrow aus?
BMM: Wir arbeiten mit klassischen Metal-Riffs, als auch mit modernen Breakdowns. Bei den Vocals gibt es Shouts, Growls und Screams, aber auch sehr melodiöse Hooklines. Wobei uns sehr wichtig ist einen kräftigen und ausdrucksstarken Gesang zu haben, anders als bei so manchen eher „weinerlich“ klingenden Metalcore-Bands. Wir achten sehr darauf einen gesunden Ausgleich zwischen technisch aufwendigeren Elementen und eher eingängigeren Parts zu schaffen. Wir wollen keine Musik machen, in der man keinen Plan hat zu welchem Takt man überhaupt headbangen soll. Es soll aber auch nicht einfach nur stumpf zum Abmoshen sein. Der richtige Mix ist da wohl unser Geheimrezept.

„Was uns und unsere Generation bewegt“

K. C.: Welche Vorbilder haben euch geprägt?
BMM: Klingt vielleicht etwas ausgelutscht, dennoch gehören natürlich Metallica zu den Bands, die uns zu Beginn viel beeinflusst haben. Aber auch Größen unserer Zeit, wie Korn, System Of A Down, Slipknot etc. waren definitiv dabei, bevor wir zum ersten Mal mit Metalcore in Kontakt kamen.

K. C.: Wie seid ihr zur Musik gekommen?
BMM: Im einzelnen hat da jeder seine eigene Geschichte. Bei jedem war es aber irgendwie so, dass er eine Band gesehen oder einen Song gehört hat, der in ihm das Gefühl auslöste, genau so etwas machen zu wollen.

K. C.: Spielt ihr noch in anderen Bands?
BMM: Unser Schlagzeuger Torben spielt seit Kurzem nebenbei in der Irish-Rock-Band Drunken Sailors und unser Sänger Rico gibt auch ab und zu ruhigere Töne von sich, wenn er unplugged durch die Bars zieht.

K. C.: Eure Texte handeln viel von Flucht, Kampf und Schmerz. Aus Songs wie „The Call“ oder „Sinners And Saints“ spricht auch viel Verzweiflung. Warum so melancholisch?
BMM: Wir schreiben über das, was uns und unsere Generation bewegt. Nicht nur aus unserer Sicht, auch oft aus der Perspektive von anderen Menschen und Charakteren. Wenn alles einwandfrei und rosig wäre, würden wir gerne darüber schreiben, nur leider ist es in vielen Fällen nicht so und das sagen wir auch. Wir wollen den Leuten aber keineswegs mitgeben, in Selbstmitleid und Trauer zu verfließen, sondern sie eher aufbauen und dazu anregen aufzustehen und es zu ändern, wie zum Beispiel in dem Text von „Aglossia“.

„Jeder Einzelne ist wichtig“

K. C.: Hängt damit auch der Titel des aktuellen Albums „Oblivion“ zusammen?
BMM: „Oblivion“ bedeutet „Vergessenheit“, was sich als Thema durch das ganze Album zieht. Die Grundaussage ist dabei nicht in Vergessenheit zu geraten, sondern etwas aus sich zu machen und der Welt etwas Positives zu hinterlassen, eine Art Stempel seiner selbst. Sei es, indem man Arzt wird und Menschen heilt oder einfach nur mit seiner Gitarre Lieder für den Weltfrieden schreibt. Jeder Einzelne ist wichtig, das wollen wir den Leuten mit auf den Weg geben.

K. C.: Gibt es Orte, Situationen, vielleicht ein Zoobesuch oder eine durchzechte Nacht, die euch zu euren Songs besonders inspirieren?
BMM: Eigentlich lassen wir uns von allem inspirieren. Seien es die Nachrichten, ein Gespräch mit einem Freund oder einer Freundin, ein guter oder auch ein schlechter Film. Alles mögliche kann eine Geschichte, wahr oder fiktiv, in einem von uns auslösen und sie auf Papier bringen. Manchmal ist es auch nur eine Meinung, die man zu einem bestimmten Thema hat, um sich den Kopf frei zu machen. Aber das mit dem Zoobesuch ist eine gute Idee, sollten wir demnächst mal in Angriff nehmen (lachen).

K. C.: Wo würdet ihr gerne mal auftreten?
BMM: Die großen Festivals (Wacken, Rock Am Ring, With Full Force etc.) wären natürlich echt krass. Generell treten wir aber überall gerne auf, wo man uns herzlich empfängt und wo Leute sind, denen wir eine gute Zeit bereiten können, egal ob einem kleinen oder großen Publikum.

„Metal á la Sauerkraut“

K. C.: Gibt es Künstler, mit denen ihr gerne mal zusammen ins Studio gehen oder auf der Bühne stehen würdet?
BMM: Da gibt es viele, zu viele, um sie hier zu nennen, aber jetzt auch nicht DIE Band, die es unbedingt sein muss. Da lassen wir uns mal überraschen, mit wem wir uns noch die Bühnenbretter oder den Studioteppich teilen.

K. C.: Der bisher tollste Auftritt für euch?
BMM: Den besten Auftritt hatten wir bisher in unserer Heimatstadt Buxtehude in dem Club „Garage“. Der Gig war im Rahmen eines Bandcontests und wir hatten 30 Minuten, um alles zu geben. All unsere Freunde und Familien waren da und haben den Laden echt zum Kochen gebracht. Die Power der Leute hat uns dermaßen gepusht, dass unser Adrenalin echt am Limit war, was sich wiederum auf das Publikum abgezeichnet hat. Das war wie eine Pyramide aus Energie, die sich bis zum letzten Song zugespitzt hat. Da lag echt was Besonderes in der Luft. Einen weiteren sehr coolen Gig hatten wir in England (Salisbury). Wir wurden super liebevoll aufgenommen und konnten den Engländern mal Metal á la Sauerkraut präsentieren.

K. C.: Was sind eure Ziele für die nächsten drei Jahre?
BMM: Bei einem Label und/oder einer Booking-Agentur gesignt zu werden, um noch mehr Leute mit unserer Musik zu erreichen. Momentan verfahren wir komplett nach dem DIY-Prinzip, was auch immer gut klappt, dennoch kommt man langsam im Rahmen seiner Möglichkeiten an die Grenzen, da wir alle in Jobs stecken und immer weniger Zeit haben. Da wäre es echt cool jemanden zu haben, der einem in ein paar Angelegenheiten unterstützt und die ein oder andere Sache abnimmt.

K. C.: Ein paar Worte zum Schluss?
BMM: Wir hoffen, wir konnten den Lesern mal einen etwas intimeren Einblick in Burst My Marrow beschaffen und den/die ein/e oder andere/n neuen für uns begeistern!

K. C.: Vielen Dank für das Interview!
BMM: Gerne, gerne, kein Ding!

Interview mit Autor André Wegmann

Viele Autoren bleiben unentdeckt, weil sie keinen Verlag finden. Das Ebook hat dies geändert und fördert viele Talente zu Tage, von denen man vielleicht nie gehört hätte. Dazu gehört auch André Wegmann, Autor der Horror-Novellen„Sonne des Grauens“ und „Kutná Hora – Kreaturen des Zorns“. Er hat sich die Zeit für ein ausführliches Interview genommen und gibt Einblick in sein Schaffen.


Autor André Wegmann

Kyra Cade: Ende 2011 erschien Dein erstes Ebook. Im April 2012 bereits das zweite. Arbeitest Du schon an etwas Neuem?
André Wegmann: Nein, noch nicht. Die letzten Wochen habe ich intensiv an der Fertigstellung von „Kutná Hora – Kreaturen des Zorns“ gearbeitet und jetzt sammele ich erst mal neue Ideen und versuche „Kutná Hora“ bekannter zu machen, indem ich es auf verschiedenen Seiten und Blogs vorstelle, was auch Zeit in Anspruch nimmt. Aber es lohnt sich anscheinend, aktuell freue ich mich über Platz Fünf in der Rangliste der Horror-Ebooks bei Amazon.

K. C.: Wie und wann kamst Du zum Schreiben?
A. W.: Ich hab schon in der Schule gerne geschrieben und später dann just for fun im Internet in Foren. 2003 versuchte ich mich an den ersten Kurzgeschichten, verlor das aber erst mal wieder aus den Augen. Vor anderthalb Jahren suchte ich nach einem Nebenverdienst und begann damit, sogenannte „Unique Content“-Texte zu allen möglichen Themen zu schreiben. Das entwickelte sich sehr gut, ich hatte schnell meine Stammkunden, die mich regelmäßig mit Aufträgen versorgten. Aber irgendwann wollte ich nicht mehr nur schöne Texte zu zum Beispiel irgendwelchen Urlaubsregionen verfassen, sondern was eigenes und fantasievolleres. Im Sommer 2011 begann ich mich dann für Ebooks zu interessieren, da die Werbung für den Kindle auf der Startseite von Amazon ja kaum zu übersehen ist. Schnell dachte ich, das wäre ideal und die Überlegungen für mein erstes Ebook begannen.

K. C.: Gibt es literarische Vorbilder?
A. W.: Nein, nicht wirklich. Es gibt viele tolle Autoren, vor deren Können ich großen Respekt habe. Aber ich habe niemanden als Vorbild. Ich schreibe so, wie mein Gefühl es mir vorgibt und orientiere mich an niemand bestimmten.

K. C.: Welches ist Dein Lieblingsbuch?
A. W.: Auch da gibt es viele sehr gute Bücher. Ich habe zahlreiche tolle Thriller gelesen, die für sich schon absolut beeindruckend waren. Aber ein Lieblingsbuch zu nennen, fällt mir schwer. „Ice Ship“ vom Autorenduo Preston und Child hatte irgendwie was Besonderes.

Witzig, furchteinflößend, erschreckend: Das Horror-Genre

K. C.: Warum hast Du Dir das Horror-Genre ausgesucht?
A. W.: Horror und Krimis/Thriller sind meine Lieblingsgenre. Mein erstes Ebook „Sonne des Grauens“ hatte ja einige Thrillerelemente. Na ja, im Horrorbereich kann ich mich schön austoben, furchteinflößende, fantasievolle Figuren und Plots kreieren und versuchen, die ganze Bandbreite der Emotionen bei den Leuten zu erreichen. Wenn ich Lust hab, kann ich lustige Passagen einbauen, oder erotische… Und ich kann versuchen die Leser ordentlich zu erschrecken (lacht).

K. C.: Hast Du Dich auch in anderen Genres versucht?
A. W.: Noch nicht wirklich. Habe kürzlich auch mal eine Liebesgeschichte geschrieben und ich bin diesbezüglich so selbstbewusst, dass ich denke, ich könnt auch sowas. Aber da muss man natürlich aufpassen, da es schnell zu schmalzig und kitschig wird. Aber viele Leser stehen ja auf so was, wenn man sieht, wie sich so Liebesromane oder -heftchen verkaufen. Nur mir macht es keinen Spaß irgendwas allzu kitschiges zu schreiben, selbst wenn dafür vielleicht ein größerer Leserkreis besteht, als für Horror. Ein Krimi oder Thriller wäre mal eine echte Herausforderung.

K. C.: Was inspiriert Dich zu blutrünstigen und entstellten Charakteren wie die Schausteller des Jahrmarkts aus „Kutná Hora“?
A. W.: Sicher denkt man ab und zu automatisch hier und da an Filme oder Bücher, die man gesehen bzw. gelesen hat. Ich habe auch seit der Kindheit gerne Wrestling geschaut, dort geht es letztlich auch darum, Leute zu unterhalten und zu begeistern. Dazu werden immer wieder teils skurrile „Gimmicks“ präsentiert, mit bunten oder furchteinflößenden Gesichtsbemalungen zum Beispiel.
Na ja hauptsächlich lasse ich aber natürlich meiner Fantasie freien Lauf und versuche Charaktere zu kreieren, die zur Story passen. Und bei Horrorgeschichten passt blutrünstig und erschreckend natürlich ganz gut.

K. C.: Wie lange brauchst Du durchschnittlich für ein Ebook? Kann man das sagen?
A. W.: Hm, nein. „Sonne des Grauens“ hab ich ne Weile ganz entspannt nebenbei geschrieben. Immer wenn ich Lust hatte, mal ne Stunde. Und so lang ist die Geschichte ja nicht. „Kutná Hora“ dagegen war richtige Arbeit, über zwei bis drei Monate, fast täglich. Nicht nur das Schreiben an sich. Ich habe den Jahrmarkt und das „House of Horror“, in dem die Story zu weiten Teilen spielt, zum Beispiel extra auf Papier skizziert, um möglichst bildhaft und detailliert schreiben zu können. Auch die Recherche hat einiges an Zeit in Anspruch genommen.

Kaffee, Zigaretten und erledigte Aufgaben

K. C.: Wo und unter welchen Umständen schreibst Du? Läuft dabei Musik, muss es still sein, brauchst Du eine Tafel Schokolade?
A. W.: Unterschiedlich. Mal brauche ich Ruhe dazu, dann wiederum läuft auch Musik. Schokolade ist immer gut, aber ich brauch sie nicht zum Schreiben. Eher Kaffee und Zigaretten (lacht).

K. C.: Was lenkt Dich dabei am meisten ab? 
A. W.: Stress. Daher schreibe ich die Geschichten, wenn alle anderen Arbeiten für den Tag erledigt sind und ich Ruhe dafür habe.

K. C.: Dein Trick zur Überwindung einer Schreibblockade?
A. W.: Habe ich keinen bestimmten. Wenn es gut läuft und die Finger über die Tastatur wie von selbst gleiten, schaffe ich mehr und wenn ich so etwas wie eine „Schreibblockade“ habe, schaffe ich vielleicht höchstens einen Absatz in zwei Stunden und höre dann auf und mache an einem anderen Tag weiter.

K. C.: Was machst Du neben dem Schreiben? Hast Du einen Job und andere Hobbys, oder füllt das Schreiben Dein Leben / Deine Freizeit komplett aus?
A. W.:Wie vorhin erwähnt, verdiene ich auch mit dem Schreiben von Texten Geld. Viele Firmen und zum Beispiel Hotels brauchen einmalige und qualitativ gute Texte, um erstens ihre Kunden zu informieren und anzulocken, und zweitens um bei Google hoch gelistet zu werden. Außerdem bin ich noch im Internethandel aktiv. In der Freizeit lese ich gerne oder mache Fitnesstraining. Und natürlich verbringe ich gern Zeit mit meiner Freundin.

K. C.: Verfolgen Dich Deine Geschichten manchmal?

A. W.: Nicht in der Art, dass ich schlecht davon träume (lacht). Ja, wenn ich an einer Story „dran“ bin, kommen mir die besten Ideen dafür oft kurz vorm Einschlafen oder zwischendurch beim Haare Waschen oder Rasieren (lacht).

Ebooks als Chance für Autoren und Grund für verändertes Leseverhalten

K. C.: Sind Ebooks für unbekannte Autoren eine Chance, endlich veröffentlicht zu werden und Aufmerksamkeit zu bekommen? 
A. W.: Auf jeden Fall. Jeder hat jetzt die Chance zu veröffentlichen. Aber es ist gut, dass es Bewertungssysteme gibt. Was qualitativ gut ist und einen Kundenkreis findet, wird sich durchsetzen. Was schlecht ist, wird auch hier nicht überleben. Aber Ebooks sind eine tolle Sache. Mein eigenes Leseverhalten hat sich dadurch sehr verändert. Ich schiebe jetzt zum Beispiel gerne mal eine Kurzgeschichte zwischen zwei Romanen ein. Außerdem entdecke ich guten Lesestoff, den ich vorher nicht gefunden hätte. Zudem, mein Ebook „Kutná Hora“ hat umgerechnet etwa 83 Taschenbuchseiten. So etwas würde man in keiner Buchhandlung finden, aber ich glaube, dass viele eine Geschichte in einer solchen Länge zu einem günstigen Preis gerne lesen. Nicht jeder hat immer Lust auf einen 500 Seiten starken Roman, zumal man oft gar nicht weiß, ob einem die Story dann wirklich so gut gefällt.

K. C.: Ist ein Buch aus „Fleisch und Blut“ oder ein Vertrag mit einem Verlag das Ziel auf lange Sicht?
A. W.: Nein. Sicher, ein eigenes Buch, physisch anfassbar, in den Händen zu halten, hätte schon was. Aber ich will gute Geschichten schreiben und diese natürlich auch erfolgreich verkaufen. Das Format spielt keine Rolle. Wenn irgendwann ein Verlag anklopft, würde ich mich sicherlich geschmeichelt fühlen, aber das ist nicht mein Traum. Außerdem würde es mich sehr unter Druck setzen, die erwarten dann ja eine qualitativ gute Story in Romanlänge bis zu einem bestimmten Zeitpunkt.

K. C.: Was würdest Du jemandem empfehlen, der schreibt und veröffentlichen möchte?
A. W.: Just do it. Wer weiß, dass er einigermaßen gut schreiben kann und von seiner Story überzeugt ist, sollte es einfach machen. Zu verlieren hat man wenig. Man sollte Wert auf ein gutes Cover legen, das ist wichtig und wird oft unterschätzt. Außerdem ist ein Lektorat wichtig. Viele Indy-Autoren können und wollen sich da kein professionelles leisten, aber man sollte den eigenen Text zumindest von jemanden, der gute Deutschkenntnisse hat und viel liest, gründlich prüfen und auseinandernehmen lassen. Am Anfang dachte ich auch, es reicht, wenn ich selber gründlich überarbeite. Aber das ist falsch. Ein vernünftiges Lektorat macht den eigenen Text um einiges besser.

K. C.: Ziele oder Wünsche für die nahe Zukunft?
A. W.: Gesundheit für mich und alle, die mir am Herzen liegen, Erfolg für meine Ebooks und anderen Tätigkeiten, und privates Glück. Momentan läuft alles ganz gut, hoffe es geht so weiter (lacht).

K. C.: Ein paar Worte zum Abschluss?
A. W.: Ich bedanke mich für die Interviewanfrage und die damit verbundene Gelegenheit, mich und meine Ebooks hier auf SchwarzesBayern vorzustellen. Und Dir, Kyra, wünsche ich natürlich alles Gute und viel Erfolg für deine eigenen Werke.

K. C.: Vielen Dank für die guten Wünsche und das Interview!

Die Ebooks von André Wegmann gibt es hier:

Fotos von André Wegmann.

Interview mit The Bleeding

The Bleeding ist eine junge Band aus Hamburg. Die vier Musiker wollen sich gar nicht so sehr festlegen, was das Genre betrifft. Bei ihnen steht die Freude am Musikmachen im Vordergrund. Aber mit ihren rockigen Klängen und kritischen Texten werden The Bleeding sicherlich bald mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Mazel, verantwortlich für den Gesang, hat sich die Zeit für ein Interview mit uns genommen. Moin moin nach Hamburg!


The Bleeding aus Hamburg

Kyra Cade: Wer sind The Bleeding?
Mazel: Moin Moin aus Hamburg. The Bleeding sind: Dennis Kayzer und Nils Bardowicks an den Gitarren, Daniel Suchfort an den Drums und Sänger Mazel Detels.
Hey, na, ich bin Mazel.

K. C.: Welche Musik macht ihr?
M.: Wir selber wollen das gar nicht so eingrenzen. Das sollen lieber Andere machen. Was würdest du denn sagen? Ich hab nicht einmal ne Ahnung, wie diese ganzen Schubladen heutzutage genannt werden. Wir versuchen uns einfach an allen Genres, die wir selber so feiern zu bedienen, um unseren eigenen Sound daraus zu kreieren.

K. C.: Hört man beispielsweise „A Made Man“ bekommt man guten, gitarrenlastigen Sound geboten, der den „Großen“ in nichts nachsteht. Steht die Musik vor dem Gesang bei euch?
M.: Danke. Wir haben einen großen Anspruch an uns selbst, alle Instrumentalisten sind lange dabei und haben auf musikalischer Ebene schon ein bisschen Erfahrung gesammelt. Das sind keine Typen, die mal eben sagen: „Ey, lass mal ne Band starten“. Dazu kommt, dass Christoph Stepan in seinem Little Big Ears Studio einfach geile Arbeit abliefert, seit Jahren. Harte, handgemachte Musik steht in einer gewissen Form immer über dem Gesang, da das musikalische Erarbeiten eines Songs, der ganze Entstehungsprozess innerhalb der Band, um ein Deutliches aufwendiger und intensiver ist als das erschaffen von Lyrics und Vocals. Trotzdem haben wir versucht, mit der Musik weniger abzudrehen als vorher, um den Vocals genug Raum zu lassen.

K. C.: Wenn ich es richtig gelesen habe, habt ihr keinen Bass. Warum?
M.: Auf den Aufnahmen haben wir natürlich einen Bass. Nils hat den mal eben eingespielt. Der war früher eigentlich mal Bassist. Ist ihm irgendwie nicht spannend genug gewesen. Wir sind sehr zufrieden mit dem, was er abgeliefert hat. Man fühlt sich in einer Vierer-Kombi irgendwie am wohlsten. Das passt als Gefüge. Live werden wir dann immer den ein oder anderen Überraschungsgast am Bass dabei haben.

Deutliche Gesellschaftskritik

K. C.: Über was singt ihr? Habt ihr eine Message?
M.: Sei immer du selbst und renne nicht einem fucking Trend hinterher. Ich singe über ganz normales Zeug, über Schicksale, meines und das von Anderen. Was man als „working class hero“ eben alles so zu erzählen hat. Auch hier legen wir uns als Band nicht fest. Warum auch ?

K. C.: Gibt es eine Geschichte zum Bandnamen?
M.: The Bleeding lässt sich ganz gut mit „Ausbluten“ übersetzen. Nun gibt es mehrere Ansätze, sich mit Ausbluten zu befassen. Nehmen wir beispielsweise die kirchliche Methode, bei der Dämonen durch das Öffnen der Schädeldecke befreit werden sollten. Oder die Schächtung von Tieren, bei der das lebendige Tier an der Kehle beschnitten wird, um auszubluten. Die modernste Interpretation bietet, denke ich, die Globalisierung und ihre Folgen. Der einfache normale Mann „blutet aus“ . Er verliert an Status, Macht, Einfluss und Ansehen gegenüber den in ihren dicken Ledersesseln sitzenden, fetten, alten, grauen und mächtigen Männern, die dem Rest der Welt das Leben „saugen“. Im Geschichtsunterricht würde man wohl etwas grober sagen:„Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer“. Wir überlassen da jedem seine eigene Interpretation, auch und gerade weil wir uns bewusst sind, dass The Bleeding von vielen Leuten eher mit dem herkömmlichen stumpfen „Heavy-Metal-Blut-Gore-Image“ assoziiert wird. Ich finde das witzig.

K. C.: Gegründet am 01.11.11. Steckt etwas Symbolisches hinter den fünf Einsen?
M.: Nö.

K. C.: Euer Outfit entspricht so gar nicht dem Klischee der „bösen Metaler“. Keine langen Haare, Bärte, schwarze Kleidung oder gar weiße Schminke. Ein absichtlicher Kontrast?
M.: Wir gehen alle auf die 30 zu, haben „normale“ Jobs und haben die wildesten Zeiten unserer Jugend, zumindest privat, wohl hinter uns. Naja, die Meisten von uns. Haha. Musik ist mehr als äußere Erkennungsmerkmale und die Zugehörigkeit zu einer gewissen Schublade. Der eine mag Punk, der andere steht auf Death-Metal, ich zum Beispiel liebe Hip Hop. Ich finde nicht, dass man das den Menschen ansehen können muss. Overacting, von allem zu viel und aufgesetzt, das ist eher nicht so unser Ding. Wir definieren uns nur über unsere Musik und über das, was wir damit sagen wollen!!

„Musik sollte immer echt sein!“

K. C.: Welche Vorbilder habt ihr?
M.: No fucking heroes. Alle Leute tragen sonntags ne Jogginghose.

K. C.: Musik ist für euch…?
M.: Viel mehr als ein cooles Outfit, ne trendy Cliqué, stylische Freunde oder ein sekundärer Teil einer hippen Subkultur. Musik ist keine Show, nicht immer ein Spektakel wie ne Massendisko. Musik sollte immer echt sein!!

K. C.: Ihr kommt aus Hamburg, da ist Wacken nicht weit. Wie wäre ein Auftritt auf dem W:O:A?
M.: Wir wollen immer spielen, überall, egal wo!!

K. C.: Arbeitet ihr an einer EP oder einem Album? Wo soll’s hingehen mit The Bleeding?
M.: Wir haben Anfang 2012 unsere ersten drei Songs aufgenommen, um erst einmal überhaupt für uns selbst ein grobes Bild zu bekommen, in welche Richtung es mit der Band gehen soll. Die drei Tracks kann man ideal nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen, an Booker zu geraten oder um Interviews wie mit euch zu ergattern. Sieh es als einen ersten Einblick für die paar people, die es interessiert, weil man natürlich immer Bock auf Feedback hat. So eine Facebook-Seite will heutzutage ja auch gefüllt werden. Fortlaufend läuft bei uns der Songwriting-Prozess auf Hochtouren, denn das primäre Ziel von uns heißt auf jeden Fall: ALBUM. Kein richtiges, eigenes Album ist keine richtige Band. So ne Demo kann jeder. Ich denke, dass wir spätestens Ende des Jahres genug Material zusammen haben. In der Zwischenzeit wollen wir viel spielen, bucht uns!! Alles darüber hinaus können und wollen wir gar nicht planen.

K. C.: Ein paar Worte zum Abschluss?
M.: Wir haben gerade mal zwei Songs hochgeladen und ihr macht ein Interview mit uns. Vielen Dank, wir wissen das sehr zu schätzen. Vielen Dank fürs Lesen – und wenn DU willst, dass wir bei euch spielen – schreib uns einfach an!!

K. C.: Vielen Dank für das Interview.
M.: Peace


Keine bösen Metaler, aber leidenschaftliche Musiker: The Bleeding


Alle Fotos by The Bleeding

Interview mit Six Inch

Six Inch is an alternative rockband from Finland. The four guys are really humorous and passionate musicians. Well, you might not know Six Inch here in Germany already. Andy, singer of Six Inch, and Kim, bassist, took the time to answer my questions.


Six Inch – Alternative Rock from Finland
Picture by Six Inch

Kyra Cade: Can you introduce yourselves, please?
Six Inch: Hi! We are goddamn Six Inch! (laughing)

K. C.: How do you describe your music?
S.I.: Our music is powerful, melancholic and a bit twisted. We combine alternative, rock, metal and industrial in our music. So we could say that our music is quite versatile with complicated and violent lyrics.

K. C.: Is there a reason why you have called the band “Six Inch”?
S.I.: Finnish men’s average penis size but it’s not the size of the band. It’s just how you play it.

K. C.: Why and when did you found the band?
S.I.: The band was founded in 2010 to rock out the world! Our singer Andy joined the band in 2011 and our violinist Pinja joined the band like a week ago.

K. C.: When did you start playing music?
S.I.: Approximately 15 years ago.

K. C.: Which performers did affect you?
S.I.: Marilyn Manson, Korn, Nine Inch Nails, HIM, Olavi Virta, Tapio Rautavaara, Foo Fighters, Rage Against The Machine, Audioslave, Muse.

Bratwurst, sauerkraut and Rammstein

K. C.: Have you ever been on stage in Germany?
S.I.: No we haven’t but hopefully ASAP we will!

K. C.: What do you associate with Germany?
S.I.: Bratwurst, sauerkraut, beer and German hardcore porn.

K. C.: Do you know any German alternative rock or metal bands?
S.I.: Guano Apes and of course your famous Rammstein which is industrial metal we think.

K. C.: Is your Finnish metal different?
S.I.: Finnish metal is usually very melancholic and rough. There are not so many alternative metal bands in Finland so we are trying to make something new to the music scene and that’s why we got violinist in our group with melancholic and sad melodies. Gothic style!

K. C.: Are you singing in Finnish, either?
S.I.: Doesn’t fit for us. Only in drunk karaoke.

K. C.: When is the release of your debut album?
S.I.: Hopefully during this year. At the moment we are recording drums to the debut album. First single of the forthcoming album will be released during the summer.

„Bring Jim Morrison alive!“

K. C.: What can we expect?
S.I.: Dark and more melodic than our earlier production. Music that fits to zombie movies and sex. Big sounds and movie atmosphere.

K. C.: Is there a performer you eventually want to work with?
S.I.: Marilyn Manson would be awesome! Please bring Jim Morrison alive!

K. C.: Which goals do you set for the next years?
S.I.: Record deal, a lot of gigs and many many lovely fans.

K. C.: Any last words?
S.I.: „Hear, O Israel! The Lord is our God! The Lord is One!“ – Rabbi Akiba Ben Joseph
Hah hah hah hah! Like us on facebook!

K. C.: Thank you very much for this interview!
S.I.: Thanks a lot! It was a pleasure!

Interview mit The Pleasures

Auf St. Pauli ist alles möglich und so ist dort auch die vielleicht beste deutsche Glam-Rock-Band zu Hause:The Pleasures. Die fünf Hamburger lieben schrille Outfits, Glitter und vor allem Rock’n’Roll. Ihre Leidenschaft ist bei jedem Auftritt deutlich zu spüren und begeistert nicht nur eingefleischte Fans. Sie haben sich die Zeit für ein ausführliches Interview genommen, geben tiefe Einblicke und schlagen auch nachdenkliche Töne an.


The Pleasures: Neo, Disco, Dancette, Sensai, Curtis (v.l.n.r.)

Kyra Cade: Beschreibt The Pleasures bitte in fünf Worten.
Dancette: Don´t dream it – rock it!
Neo: Dancette-Sensai-Neo-Disco-Curtis! (grinst)
Disco: Glitzer-Transen-Gang-Bang-Porno.

K. C.: Glam-Rock aus Hamburg, genauer St. Pauli: Wäre es in anderen Gegenden schwieriger geworden, Glam-Rock zu machen?
Dancette: Ganz und gar nicht. Glam-Rock kannst du überall machen, denn diese Musik kommt aus unseren Herzen. Und aus dem Schmink- und Schmuckkasten, haha.
Sensai: Es ist natürlich rein hypothetisch, aber ich denke, in einer Stadt, die nicht Hamburg ist, fiele das, was wir tun, von vorn herein mehr auf. Ob das die Dinge leichter oder schwieriger gestalten würde, wer weiß…

K. C.: Als Vorbilder gebt ihr selbst Marylin Manson, Kiss, Guns’n’Roses oder die Rocky Horror Show an. Vom Äußeren her fällt Guns’n’Roses eindeutig raus, musikalisch passen sie recht gut in die Reihe. Was ist das Inspirierende an ihnen?
Dancette: Als Vorbilder sehe ich diese Künstler nicht. Eher habe ich viel von ihnen als kleiner Junge gehört und das färbte irgendwie ab, ohne was kopieren zu wollen. Ich mochte schon immer inszenierte Musik. Ich wollte immer auf Konzerten etwas erleben. Musik musste für mich schon immer aufgedonnert und irgendwie pompös sein. An Guns’n’Roses gefiel mir immer diese unberechenbare Seite von Axl und dass sie in ihren Videos wussten, wie man so richtig auf dicke Hose macht.
Curtis: Ich liebe bis heute Slashs Gitarrenspiel und verfolge auch seine Solokarriere. Guns’n’Roses hatten einen heutzutage nicht mehr so zeitgemäßen Lifestyle, der sie unter anderem berühmt und beliebt gemacht hat: Sex, Drugs and Rock’n’Roll! Wenn man heute als Künstler etwas erreichen möchte, so wie viele Bands zu der Zeit von Guns’n’Roses, so sollte man zumindest die Drogen weglassen, so kann man sich auf das konzentrieren, was die Jungs damals wie heute lieben: Echten Rock’n’Roll!

K. C.: Wie sieht es mit Größen wie Steel Panther aus? Habt ihr euch von denen etwas abschauen können? 
Curtis: Als Musiker lässt du dich in vielen Bereichen inspirieren und besuchst Konzerte, hörst dir Musik an und redest miteinander drüber. Wichtig ist mir immer, dass man versucht über den Tellerrand hinaus zu schauen und auch genrefremde Bands auszuchecken. Steel Panther machen in Sachen Show und Musik ganz schön was her und natürlich verfolgen wir das. Wir wollen bei allem natürlich auch unseren Stil nicht vernachlässigen und es Pleasures-like verfeinern.
Neo: Ich habe eher das Gefühl, dass wir uns quasi parallel entwickelt haben. Ich persönlich habe von Steel Panther erst vor einem Jahr gehört und bis dahin schon unabhängig von ihnen in Netzstrumpfhose die Bühne gerockt.. Nichtsdestotrotz finde ich Steel Panther sehr unterhaltsam!
Dancette: Steel Panther habe ich vor zwei Jahren das erste Mal wahrgenommen. Ich war fast traurig, als mir auffiel, dass sie gar nicht echt sind, sondern nur Perücken tragen und vieles nur durch den Kakao ziehen. „Abschauen“ konnte ich mir die Gewissheit, dass so etwas kommerziell Erfolg hat. Dass Lexxxi immer einen Spiegel auf der Bühne hat, finde ich super lustig. Ich bevorzuge auf der Bühne aber eher meinen Fön.

„Glam-Rock-Girls sind die Schärfsten!“

K. C.: Bietet Glam-Rock mehr Show auf der Bühne als die Konzerte einer reinen Rockband?
Dancette: Nur, wenn man´s richtig macht.
Curtis: Eigentlich nicht, sonst würde es doch nur noch Glam-Rock geben (lacht). Aber mal im Ernst: Eine Band, die sich schminkt, ultraschräge Outfits anzieht und Gitarren auf der Bühne anzündet ist nun mal ein Hingucker!
Sensai: Gute Frage. Das sollte das Publikum beurteilen. Ich kann dazu aus meiner Perspektive nur sagen: Die Show gibt mir auf der Bühne mehr als die einer „reinen Rockband“. Der Spaßfaktor ist höher, und es fühlt sich alles viel freier an. Wir hoffen, es ist das, was auch beim Publikum ankommt. Ich denke, unbestritten ist: Mehr zu sehen gibt es in jedem Fall!
Disco: Darum ist es ja Glam-Rock. Für mich ist es zu 50% Show. Mindestens 50%.
Neo: Ich finde, den Großteil der Rockbands, die ich so kenne, können wir in Sachen Action auf der Bühne in die Tasche stecken. Und das finde ich auch so gut an uns… Wir wollen halt auch was für die Augen und nicht nur für die Ohren bieten!

K. C.: Wenn jemand mit dem Begriff Glam-Rock wenig anfangen kann oder Vorurteile gegen Männer mit Glitzer in den Haaren und pinken Tops hat, wie würdet ihr diese Stilrichtung schmackhaft machen?
Disco: Der muss zum Konzert kommen… Anders geht das nicht!
Sensai: Wenn jemand Vorurteile gegen Sushi hat, wie würdest du es ihm schmackhaft machen? Genau! Ins Restaurant schleifen, und ihn probieren lassen.
Curtis: Es gibt immer Vorurteile oder Begriffslücken. Du kannst solchen Menschen nur mit unheimlich viel guter Laune und Sympathie für das, was du machst, entgegenkommen. Es sind alle einfach herzlich eingeladen, ein Konzert von uns zu besuchen und mit uns zu rocken. Es ist der gemeinsame Moment, einmal auszuflippen und gerade das Schräge, was zusammenführt. Es gibt ja auch genug Bands, die mehr die Musik im Vordergrund stellen und sich optisch weniger in Szene setzen wollen. Ich denke, wir unterstreichen damit einfach das, was wir machen und setzen ein optisches Ausrufezeichen.
Neo: Er soll seine Augen schließen und erst mal nur auf die Musik hören. Da unsere Lieder so bunt sind, dass für jeden etwas dabei ist, können wir theoretisch auch jeden damit begeistern. Noch bevor er unsere geschminkten Gesichter gesehen hat. Und wer dann Geschmack an unseren Liedern gefunden hat, wird sich auch mit unserem Aussehen anfreunden können. (lacht)
Dancette: Dieser Jemand sollte sich erst mal die Musik anhören, denn es geht hier immer noch um Rock’n’Roll. Und sollte er am Ende noch immer die Band auf der Bühne nicht mögen, dann sollte er mal einen Blick auf die scharfen Glam-Rock-Fans vor der Bühne werfen. Spätestens dann will er noch ein wenig auf dem Konzert bleiben, denn vor allem Glam-Rock-Girls sind die Schärfsten.

K. C.: Ihr sagt, dass ihr Spaß am Androgynen habt. Schrille Outfits, viel Pink, Lila und vor allem Glitter sind bei euch zu sehen. Steckte das schon immer in euch oder kam das erst mit Gründung der bzw. Einstieg in die Band?
Dancette: Ich mochte schon immer experimentieren. Die Berührungsängste vor Make-Up, hohen Haaren und Lippenstift nahm mir meine Ma im Alter von vier Jahren, als sie mich als Ladyboy verkleidete. Als Teenager verwendete ich Kajal und Make-Up teilweise noch vor den Mädchen in meiner Klasse. Leider blieb ich in meinen früheren Rockbands mit dieser Attitüde meist allein und genau deshalb galt es als sehr wichtig für uns, bei The Pleasures diese Seite endlich in aller Größe auszuleben.
Disco: Das steckte schon immer in mir… Klar!
Curtis: Ich wollte schon immer einen besonderen Augenmerk auf die Optik bei meinen früheren Bands und Projekten setzen. Na klar haben wir uns da auch geschminkt, wenn auch nicht so argumentativ wie mit The Pleasures.

K. C.: Glam-Rock ist für viele sehr vorurteilsbeladen. Das seien keine richtigen Männer und sowieso alle homosexuell. Werdet ihr oft damit konfrontiert?
Dancette: Nein, bisher bin ich Leuten, die solche Vorurteile verbreiten noch nicht persönlich begegnet. So wie hier gerade die Wörter „vorurteilsbeladen“, „homosexuell“ und „konfrontiert“ benutzt werden, klingt es fast so, als sei Homosexualität etwas Schlechtes …
Disco: Nein. Oft ist übertrieben. Aber das kommt auf die Umgebung an … Auf St Pauli fällt man damit nicht weiter auf!
Sensai: Interessanterweise überhaupt nicht. Jedenfalls wurde mir das – soweit ich mich erinnere – noch nie direkt vorgehalten. Ich gehe davon aus, dass viele so denken. Ist ja auch klar, denn genau das provozieren wir ja damit. Aber als wir damals zum ersten Mal auf der Bühne standen, hätte ich mit wesentlich mehr Gegenwind aus dieser Richtung gerechnet. In einigen Läden, in denen wir gespielt haben, war ich mir genau deshalb von Anfang an sicher, dass die uns direkt von der Bühne schmeißen. Bestes Beispiel: Grimbsby UK. Im „Yardbirds“, seines Zeichens Clubhaus des ansässigen Motorradvereins. Da stehen dann vor der Bühne Typen in Lederkluft, die so aussehen, als würden sie das, was wir tun, genau in die Kategorie stecken, die du oben beschrieben hast. Wie endete der Abend? Mit den Jungs an der Bar und einer Menge Spaß. Quintessenz war, dass viele Leute es gut finden, wenn man hinter dem steht, was man macht. (Auch wenn es so aussieht, wie es eben aussieht, nämlich für sie ungewohnt.)

So zu sein, wie man ist.

K. C.: Wie geht man damit um? Ignoriert man solche Vorurteile, setzt man sich klar damit auseinander oder hat man innerlich manchmal auch Angst, dass man verbal und vielleicht sogar tätlich angegriffen wird?
Dancette: Ich mach mir da im Grunde nur wenig Gedanken. Wenn ich das tun würde, kann ich gleich mein Leben beenden. Ich habe mich noch nie darum gekümmert, was andere zu meiner Kunst sagen. Wenn irgendwelche Leute irgendwas irgendwie an mir nicht mögen, na dann sollen sie mich doch einfach nicht auf Konzerten besuchen.
Disco: Angst habe ich nicht. Aber man muss ja auch nichts provozieren. Im Zweifel lieber aus dem Weg gehen …
Curtis: Wenn ich daran denke, dass ich mich wegen Vorurteilen angreifen lassen müsste, dann würde mir der Spaß an der Musik genommen werden. Entweder man mag das so oder eben nicht. Ich habe schon auf Veranstaltungen vor meiner Zeit mit The Pleasures gespielt, wo du bei solchen Menschen verspielt hast, weil du Musiker bist und dich über deine Kunst verwirklichst. Das sind einfach andere Welten, wie jemand, der ein Leben fern vom Musik-Machen führt. Das ist auch gut so, weil zu polarisieren eben dazugehört und musikalische Geschmäcker unterschiedlich sind. Ich höre auch gerne Jazz / Klassik und Rock / Pop, genauso wie Millionen homo-oder heterosexueller Menschen, die akzeptiert und respektiert werden wollen.

K. C.: Ist man jemals zu alt für Glam-Rock?
Dancette: Du bist immer nur so alt, wie du dich anfühlst!
Sensai: Nein, ich glaube für den Glam-Rock an sich ist man nie zu alt. Wofür man zu alt werden kann – und das sieht man leider an vielen der Helden früherer Zeiten -, sind die Outfits von damals, die irgendwie nicht mehr so recht an den Körper von heute passen wollen. Will meinen: Solange man sich mit seinem Alter innerhalb dieser Musik entwickelt, und nicht auf die Idee kommt, Dinge konservieren zu wollen, kann man gar nicht zu alt werden. Genau das gleiche ist es mit der Musik. So versuchen tatsächlich immer noch einige Kastraten der 70er ihre unglaublich hoch gesungenen Songs zu performen, obgleich der Zahn der Zeit, gepaart mit Whiskey und Teer dieses rein von den Stimmbändern her unmöglich macht. An dieser Stelle kann man sagen: Jungs, dafür seid ihr – objektiv betrachtet – zu alt. Meiner bescheidenen Meinung nach ist das alles eine Frage ständiger Selbstreflexion.
Disco: Die Frage ist wohl, ob man jemals zu alt ist, um mit Glam-Rock auf der Bühne zu stehen. Ich glaube, so ab 45 sollte man es lassen, wenn man dann nicht noch höllisch gut aussieht und ohnehin schon erfolgreich ist.
Curtis: Nein.

K. C.: Ist Glam-Rock ein Lebensgefühl?
Disco: Das würde dann ja heißen, dass das Leben für einen zu mindestens 50% aus Show besteht… Es gibt bestimmt Leute, die so fühlen!
Dancette: Du sagst es, Disco! Für mich ist das ganze nicht nur ein Lebensgefühl, sondern auch mein Leben. Schließlich hört bei mir die Show nicht auf, wenn ich die Bühne verlasse.
Curtis: Ja!


Das ist Rock’n’Roll

K. C.: Was ist euch peinlich?
Sensai: Wenn die Haare nicht liegen.
Disco: Ich glaube, immer weniger.
Dancette: Es wäre mir peinlich, ohne Glitter und Gimmicks auf die Bühne zu gehen. Ich hatte in der Tat schon mal Alpträume davon, dass die Jungs bereits spielen und keine meiner Glitterbomben, Feuerwerkskörper oder die brennende Gitarre funktionieren würden … Wirklich peinlich!

K. C.: Gibt es Bereiche, in denen ihr geradezu spießig seid? 
Sensai: Ich hasse es, wenn im Backstage geraucht wird. Dafür fange ich mir regelmäßig abwertende Blicke ein. Ist ja schließlich so unrocknroll, gell? Dennoch: Ich steh dazu!
Dancette: Klar, wenn das Make-Up mal nicht so sitzt oder die Haare nicht so liegen, wie sie sollten, dann kann man schon mal spießig werden. Im Ernst: Wir sind oft bis ins Details sehr durchorganisiert, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheinen mag. Wir arbeiten ja nicht nur zum Spaß und müssen gerade in geschäftlichen Bereichen ganz schön die Augen offen halten, um nicht vor die Hunde zu gehen. Für manche ist das spießig, für uns überlebenswichtig.
Disco: Ja … Das wollt ihr gar nicht wissen!
Curtis: Ich mache zu Hause oft den Abwasch und die Wäsche.

K. C.: Vor allem im englischsprachigen Raum ist Glam-Rock verbreitet. Kommt ihr beispielsweise in Grossbritannien besser an als in Deutschland?
Dancette: Das müsste man wohl besser die Fans fragen. Ich bin auf jeden Fall sehr gerne in England und sehe dieses Land als unsere zweite Heimat an. Die Fans dort gehen wirklich sehr in ihrer Leidenschaft auf. Das wurde mir bewusst, als auf unserer letzten Tour dort ein englisches Girl uns ihr neuestes Tattoo zeigte mit den Refrainzeilen aus unserem Song „Some Like It Rock“.
Sensai: Nicht besser sondern anders. Man hat das Gefühl, dass auf der Insel der Umgang mit dieser Musik und dem einhergehenden Lebensgefühl ein ganz anderer ist. Dort ist es vielmehr so, dass die Leute nicht zu einem Konzert gehen, um die Musik zu hören, sondern es scheint für sie so zu sein, als ob sie dieses Lebensgefühl ohnehin den ganzen Tag abfeiern und ein solches Konzert lediglich der Höhepunkt dessen ist. Umso wilder wird es dann gefeiert. Die „Auftauphase“ des Publikums ist daher irgendwo im Millisekundenbereich anzusiedeln. Wirklich beeindruckend. Über die soziokulturellen Hintergründe dieser Phänomene könnte man nun debattieren, wir belassen es aber dabei, uns darüber zu freuen. Und außerdem ist es sehr schön zu beobachten, dass auch im heimischen Deutschland ein ähnlicher Trend seit Jahren seinen Einzug feiert. War es zum Beispiel früher noch selten, dass das Publikum unsere Vorliebe für Make-Up und Klamotten teilte, so wird es nun – wie auch in UK – immer häufiger, dass wir von der Bühne aus quasi in einen Spiegel gucken. Gigantisch!
Neo: Ich denke, wir kommen nicht besser aber anders an. Als Musiker kommt es mir so vor, dass in England bei Live-Auftritten erst mal auf die Musik gehört wird und erst dann geschaut wird, was sonst noch so auf der Bühne passiert. In Deutschland ist dieses Verhältnis gefühlt etwas ausgeglichener. Das heißt, Show und Look sind gleichwertig mit der präsentierten Musik.
Disco: Also besser nicht, aber es interessieren sich dort grundsätzlich mehr Leute für verrückten Scheiß. Uns schließt das netterweise mit ein!
Curtis: Durch die etabliertere Szene hast du auf jeden Fall mehr Leute zum Austauschen. Auch die Bands, mit denen wir auf unseren UK-Touren gespielt haben begegnen einem deutlich aufgeschlossener und es ist weniger steif als in Deutschland. Man geht dort auch viel respektvoller miteinander um, in Deutschland zeigt man als Newcomer am liebsten nicht zu viel von sich und versteckt sich hinter einer Fassade. Für uns ist es immer wichtig, nach der Show auf unser Publikum zu zugehen und einen kleinen Plausch zu halten, oder mit anderen Musikern sich auszutauschen oder zu fachsimpeln.

K. C.: Wo möchtet ihr gerne mal auftreten?
Neo: Überall, wo man viel Platz auf der Bühne zum Rocken hat und genügend Leute vor der Bühne stehen.
Disco: Immer und überall!!!
Dancette: Ich möchte gerne mal wieder in Italien rocken. Vielleicht auch mal in Finnland und Amerika und natürlich in jedem feuchten Traum.

Glam-Rock im Werbespot: Benzin und Kondome

K. C.: Gegründet wurden The Pleasures vor acht Jahren von Dancette und Lord Pleasure. 2010 stieg Lord aus Zeitgründen aus. Hat sich dadurch etwas verändert? Fehlt er vielleicht sogar?
Neo: Natürlich hat sich dadurch die Band-Dynamik geändert… Das ist aber nichts Negatives. Es hat uns dazu veranlasst, uns neu aufzustellen und uns neu zu definieren. Und jetzt mit Curtis an der Gitarre haben wir einen hervorragenden Ersatz gefunden!
Disco: Die ganze Band musste lernen, anders zu arbeiten. Aber er „fehlt“ so gesehen nicht. Wir haben uns dazu entschieden, ohne ihn weiterzumachen.
Dancette: Also ich habe meine Arbeit in der Band nicht verändert… Aber seit dem Ausstieg von Lord Pleasure ist nun Sensai Pleasure viel mehr auf der Bühne in Action und singt mehr denn je. Zudem ist er nun ganz allein für unsere Produktionen verantwortlich und er macht seinen Job da fantastisch. Früher saßen die zwei ja oft bis spät gemeinsam an den Reglern. Im Herzen fehlt mir jedes Ex-Mitglied dieser Band. Das aber ist wie mit Liebesbeziehungen: Wenn du was am Laufen hast, ist alles cool und man kann sich nie vorstellen, dass es in späteren Beziehungen vielleicht besser werden könnte.

K. C.: Wann können eure Fans mit einem neuen Album rechnen?
Curtis: Wenn es so fertiggestellt wurde, dass wir es gerne veröffentlichen möchten.
Dancette: Ich hoffe, noch in diesem Jahr. Leider hängt das aber nicht nur von uns ab. Auch Label und Vertrieb müssen da erst mal auf einen Nenner kommen. Live spielen wir hin und wieder bereits neue Songs des kommenden Albums, wie „Dead But Still Alive“ oder „1.000.000.000. Friends“ zum Beispiel.

K. C.: Ihr seid zurzeit in einem Werbespot für ARALzu sehen. Wie waren die Dreharbeiten?
Dancette: Sehr aufregend! Das Filmteam war einfach riesig. Ich musste nichts selbst machen. Für jeden Handgriff gab es eine helfende Hand. Anfangs wurde ich für die Szenen in einem paradiesapfelroten Cabrio auf die Tankstelle gefahren. Durch all diese Benzindämpfe wurde mir kotzübel und mir fehlten meine Jungs, da diese ohne mich auf der Bühne standen. Zum Glück durfte ich später direkt mit ihnen losrocken, wie man es auch im fertigen Spot sieht. Als wir dann am Ende des Tages nach ca. 70 Mal fremde Kunden Anrocken total fertig waren, kam noch das Fototeam und wir mussten noch für die Werbefotos posieren. Das war ganz schön hart, aber es hat sich gelohnt.
Curtis: Schau dir die Reaktion der Kunden an, in dem Video , das sagt schon viel aus. Ja, wir hatten ein ganz tolles Team um uns, wurden super betreut, erhielten viel Freiheit in unserer Gestaltung. Wir konnten live spielen, was einem Musiker immer besser gefällt, da er so am besten mit der Musik in Verbindung steht.
Sensai: Wirklich beeindruckend. „Versteckte Kamera“ sieht ja immer so einfach aus, aber was alles dazugehört… Wahnsinn. Respekt an das Produktionsteam. Der Spot von 1:30 Länge wurde durch 25 Takes erst möglich. Ein ganzer Tag, von morgens bis abends, immer wieder und wieder. Etwa 10.000 Techniker und Kameraleute und und und, die immer wieder die gleichen Abläufe vorbereiten, abfahren und dann wieder vorbereiten. Wir waren ja nur ein kleines Zahnrad in dieser Maschine… Schade war es, als die Regie irgendwann sagte: „Wir kommen zum letzten Durchlauf“, soviel Spaß hat es gemacht. Man braucht zwei bis drei Anläufe, um genau zu wissen, was man tun kann und was nicht (ist ja alles live) und dann ist es ein wahrer Genuss in die Gesichter der Menschen zu sehen, die mit einer solchen Aktion nicht rechnen. Herrlich!

K. C.: War es komisch, mal zwischen Zapfsäulen und Autos zu performen? 
Dancette: Ganz und gar nicht. Das machte richtig Spaß. Einmal performte ich mit einem Zapfhahn und erwischte mit einem Benzinschwall voll den armen Kunden. Sein Hemd und er nahmen es zum Glück gelassen. Schade, dass ich meine Pyros an diesem Tag nicht mitbringen durfte…
Sensai: Nö, wieso? Ich fand Straßenmusik schon immer geil.
Disco: Klar… Sowas habe ich noch nie gemacht!
Curtis: Anfangs vielleicht ungewohnt, aber nachdem alles so klang, wie es sollte, war es sehr witzig mit den Leuten zu feiern. Klar, hast du immer jemanden dabei, dem das komisch aufgeschlagen ist. Aber hey, that’s Rock’n’Roll! Umso schöner war es, wenn einige der Kunden lachten oder mitmachten und sich auf den Spaß einließen. Ich wüsste auch nicht, wie ich reagieren sollte, wenn ich beim Tanken derart überrascht werden würde. Alles in allem fand ich das schon ne sehr gelungene Aktion.

K. C.: Gibt es etwas, wofür ihr gerne mal einen Werbespot drehen würdet?
Curtis: Für ne Musikequipmentfirma.
Disco: Kondome!
Dancette: Ja, für das neue The Pleasures Album namens „Socks, Drags & Rock`n`Roll“.

Süddeutschland und bescheidene Ziele

K. C.: The Pleasures sind regelmäßig in ihrer Heimat Hamburg zu sehen. Werdet ihr auch den süddeutschen Raum erobern?
Disco: Das kommt auf die Bedingungen für die Show an … Auch sind wir da unten relativ unbekannt. Das kann sich aber gerne mal ändern!
Dancette: Bei all den fast täglichen Anfragen kann ich von „unbekannt“ dort unten nicht sprechen. Im Grunde rocken wir überall, wo man uns hinbucht. Die meisten coolen Angebote kommen tatsächlich aus den nördlicheren Landesteilen. Sollte sich das aber mal ändern, erobern wir herzlich gerne den süddeutschen Raum.

K. C.: Welche Ziele haben The Pleasures für die nahe oder auch ferne Zukunft?
Dancette: Ich würde gerne mal im Kino mit The Pleasures zu sehen sein… Ach nee. Da waren wir ja schon. Dann würde ich gerne mal ein Radiokonzert geben… Mist, das haben wir ja auch schon gemacht. (lacht) Ein neues Video kann man aber immer drehen. Dazu hätte ich Lust. Und die neue CD in den Handel bringen. Ich würde mich auch darüber freuen, in ein paar Jahren eine noch größere Bühnenshow dabei zu haben. Mit großem Drumriser, Profifeuerwerk und Riesenglitterkanonen. Und natürlich möchte ich nie aufhören, die Menschen zum Lächeln zu bringen.
Disco: Noch mehr spielen und noch bekannter werden!
Curtis: Spielen, spielen und komponieren!

K. C.: Ein paar Worte zum Abschluss?
Dancette: Ich danke all unseren Fans, die sich während unserer Shows immer so viel einfallen lassen. Ich liebe es, mit Wunderkerzen, Make-Up oder Glitterregen vor der Bühne während unserer Show überrascht zu werden. Diese Eigendynamik unserer Fans macht jede Show zu etwas Besonderem für mich! Danke!
Disco: Glitzer-Transen-Gang-Bang-Porno!
Neo: Vielen Dank an all die geschminkten Gesichter, die uns jedes Mal auf ein Neues vor der Bühne erwarten und ein Lächeln schenken!

K. C.: Vielen Dank für das Interview!
Dancette: Gerne, wir haben dir zu danken, Kyra.

Alle Fotos by: The Pleasures

Interview mit Mundtot

Mundtot ist eine aufstrebende Münchner Band, die viel zu sagen hat. Sehr kritisch setzen sich die vier jungen Männer mit Politik und Gesellschaft auseinander und wollen zum Nach- und Umdenken anregen. Am 20.04.12 erscheint ihr Debütalbum „Spätsommer“, das man mit Spannung erwarten darf. Bassist und Sänger Tino hat sich die Zeit für ein Interview genommen. 


Ambitionierte Band aus München: Mundtot
Quelle: Mundtot

Kyra Cade: Wer sind die vier Männer, die hinter Mundtot stecken?
Tino: Das sind Cesco, zuständig für die elektronischen Klänge, Flo am Schlagzeug, Davo an der Gitarre und meine Wenigkeit, Tino, am Bass und Gesang.

K. C.: Ihr habt euch 2009 als Elektroprojekt zusammengefunden, seid dann aber klassisch mit Gitarre, Bass und Drums aufgetreten. Warum war euch dieser Gegenpol zu reinem Synthiesound wichtig?
Tino: Auch dem wärmsten Analog-Synthesizer geht dieser organische Klang echter Saiteninstrumente, bzw. echter Drums ab. Zudem ist das klassische Rock-Line-Up audiovisuell einfach eine komplett andere Liveerfahrung. Egal wie bescheiden die PA ist, ein echtes Schlagzeug knallt, solang der Drummer reinhaut und eine E-Gitarre kracht einfach nochmal ganz anders als ein Sequencer.

K. C.: Warum nennt sich eine Band, die doch so viel zu sagen hat, „Mundtot“?
Tino: Der Name ist eben in unserer heutigen Zeit Programm. Das erschien passend.

K. C.: Wie viel Wut und Frustration stecken in euren Songs?
Tino: Frustration klingt immer nach Kapitulation. Mit Gejammer soll das jedoch nichts zu tun haben. Es ist uns jedoch auf jeden Fall sehr wichtig, ehrlich zu sein. Es gibt wohl nichts Schlimmeres als gespielte Emotionen.

Mit Leib und Seele hinter der Musik stehen

K. C.: Worauf möchtet ihr die Menschen da draußen aufmerksam machen?
Tino: Ein Handeln ohne Ziel ist ein sinnloses Handeln. Welchen Zielen wollen wir folgen? Gibt es etwas, wofür es sich zu handeln lohnt, oder bleibt am Ende nur die triste Gleichung: Work – Buy – Consume – Die? Das muss jede/-r für sich entscheiden.

K. C.: Was macht Mundtot aus?
Tino: Ein Zuschauer kam nach unserem letzten Auftritt zu mir an den Merchandisestand und sagte mir, dass wir ihm an diesem Abend am besten gefallen hätten. Auf meine Frage, wieso das so sei, antwortete er, dass es bei uns einfach nicht so scheint, als würden wir vier nur eine Rolle auf einer Theaterbühne spielen, sondern wirklich mit Leib und Seele hinter unserer Musik stehen.
Das fand ich ein sehr schönes Kompliment, weil es das ausdrückt, wie wir vier uns selbst sehen.

K. C.: Welche Künstler haben euch am meisten geprägt?
Tino: Das ist schwierig zu sagen, weil wir sehr verschiedene Einflüsse haben. Flo hört zum Beispiel überwiegend Metal und Funk, aber auch elektronischere Bands wie Project Pitchfork. Davo hingegen hört sehr viel Rock a la Pink Floyd, aber auch Punkbands und ist ein großer Rammsteinfan. Cesco mag es gern hart und laut (Industrialrock a la Marilyn Manson), aber auch ganz konträr dazu Klassik. Und ich höre sehr viel elektronische Musik (DnB, Minimal, Dubstep), aber auch gitarrenlastigeres, was dann von Killing Joke bis Slipknot reichen kann.

K. C.: 2010 war ein tolles Jahr für euch: Support für Mono Inc. und beim Regensburger Gothic Treffen u.a. mit Clan of Xymox und Combichrist auf der Bühne. Was war für euch das Highlight?
Tino: Ganz klar der Support für Mono Inc. München gilt ja eher als schwieriges Publikum, vor allem für Newcomer. Das Publikum an diesem Abend war aber einfach nur gut. Die Leute waren offen für neue Musik und sofort dabei, wir hatten unglaublichen Spaß auf der Bühne.

Headliner, Debütalbum und neuer Musikclip

K. C.: Dieses Jahr seid ihr sogar Headliner beim RGT. Macht das stolz? Erwacht da das „Wir haben alles richtig gemacht“-Gefühl?
Tino: Stolz macht es auf jeden Fall. Es freut uns unheimlich, dass wir dieses Jahr Headliner auf diesem schönen Festival sein dürfen.

K. C.: Am 20.04. bringt ihr euer Album „Spätsommer“ raus. Was erwartet uns?
Tino: Ein Album, in dem wir in elf Songs versucht haben, mit Hilfe elektronischer Sounds, Rockgitarren und deutschen Texten, unsere Stimmung in den letzten drei Jahren musikalisch einzufangen.

K. C.: Derzeit arbeitet ihr auch an eurem zweiten Musikclip. Der erste zum Song „Virus Mensch“ ist recht düster, stellenweise an Szenen aus „The Ring“ erinnernd. Spielt ihr gerne mit Abscheu, Ekel, Horror?
Tino: Die Assoziationen zu Filmen wie „The Ring“ waren eher Zufall und haben sich erst im Schnitt so ergeben. Wir haben einfach versucht den Text bestmöglich visuell umzusetzen. Bei diesem Song hat es sich einfach angeboten, mit düsteren Elementen zu spielen.

K. C.: Könnt ihr schon etwas über das neue Video verraten?
Tino: Nur so viel: Wie man auf Facebook schon sehen kann, wird es ein sehr schönes, altes, amerikanisches Musclecar enthalten.

K. C.: Könnt ihr schon sagen, wann der neue Clip zu sehen sein wird?
Tino: Wir planen den Release diesen Sommer.

„Schluss mit den Lügen!“

K. C: Ihr kommt aus München. Derzeit kann man aufFacebook abstimmen, wen man als Goth-Rock-Newcomer auf dem Dark Munich Festival 2013 sehen möchte. Wäre es etwas Besonderes für euch, auf diesem Festival in der Heimat aufzutreten?
Tino: Wir finden es sehr schön, dass es nun auch im Süden immer mehr Festivals für die Alternative- / Gothicszene gibt. Dieses Jahr fand das DMF ja zum ersten Mal statt und es sah schon sehr vielversprechend aus. Daher würden wir uns natürlich sehr freuen, 2013 dort zu spielen, gerade weil es unsere Heimatstadt ist.

K. C.: Mit wem würdet ihr gerne mal zusammenarbeiten?
Tino: Der absolute Traum wäre ein Album produziert von Trent Reznor. Dieser Mann ist pure Kreativität.

K. C.: Wenn ihr drei Dinge verändern könntet, welche wären das?
Tino: Wir würden nur eine Sache ändern: Schluss mit den Lügen, die uns die Medien jeden Tag mundgerecht servieren!

K. C.: Pläne für die Zukunft von Mundtot?
Tino: Weitere Songs veröffentlichen, noch mehr Auftritte und noch mehr Menschen erreichen zu dürfen.

K. C.: Ein paar Worte zum Schluss?
Tino: Danke für das Interview, ich finde es sehr schön und wichtig, dass man sich gerade in Subkulturen gegenseitig unterstützt.

K. C.: Vielen Dank für das Interview!