Interview mit Class Grenayde (Lord Of The Lost)

Die Glam-Goth-Rocker aus St. Pauli, Lord of the Lost, hatten einen guten Start ins Jahr. Nachdem Gitarrist Sebsta Lindström und Drummerin Any Wayst die Band zum Ende 2011 verließen, nahm Christian „Disco“ Schellhorn den Platz am Schlagzeug ein und erwies sich als würdiger Ersatz. Die EP „Beside & Beyond“, die am 17.02. in die Läden kam und ursprünglich auf 1000 Exemplare limitiert war, wartete mit einem fulminanten Vorverkauf auf, so dass die Auflagenzahl erhöht wurde. Gleichzeitig waren die fünf Hamburger mit Eisbrecher auf Tour und rockten Deutschland, Österreich (nun, so der Plan, das Konzert musste leider abgesagt werden wegen des Austritts von Ammoniak) und die Schweiz. Bassist Class Grenayde nahm sich nun die Zeit für ein Interview.

Kyra Cade: Ihr seid gerade zurück von der Tour mit Eisbrecher. Wie war’s? 
Class Grenayde: Es war super. All unsere Erwartungen wurden erfüllt und nicht selten sogar noch übertroffen. Wir sind sehr glücklich, dabei gewesen zu sein.

K. C.: Was ist besonders in Erinnerung geblieben? Schönes oder Unschönes?
C. G.: Wir haben neue Freunde gefunden. Es gibt wohl vergleichsweise nichts, was das noch toppen könnte. Viele kleine Anekdoten. Alles zusammen bildet ein großes Erlebnis. Wir haben sehr viel gelacht und haben wenig geschlafen. Die Resultate könnt ihr dann bei TV of the Lost verfolgen. Ich könnte es auch nicht besser in Worte fassen. Schaut es euch einfach an. Unschönes gibt es absolut nicht zu berichten, außer dem Ammoniak-Alarm in Wien, der den Ausfall des Konzertes zur Folge hatte.

K. C.: Die Nordlichter trafen auf Münchner. Gab es da Schwierigkeiten am Anfang? 
C. G.: Nennen wir es Nährboden für ein angenehmes Arbeitsklima. Beide Bands verstehen Spaß und fordern ebensolchen ein. Es gibt also genug Potential, wenn Nord und Süd aufeinandertreffen. Es wurde viel miteinander gelacht.

K. C.: Freut ihr euch jetzt auf ein bisschen Ruhe und mal wieder zu Hause zu sein?
C. G.: Klar. Es ist nunmal auch ein großes Stück Arbeit. Man legt lange Strecken zurück, muss immer gut organisiert und diszipliniert sein. Wir haben alle sehr wenig geschlafen. Alles zusammen waren wir schon ein wenig ausgelaugt. Das fällt einem dann aber erst zu Hause auf. Dann schafft man es kaum noch von der Couch in die Küche. Es nützt aber alles nichts. Das dritte Album steht in den Startlöchern und drumherum bleibt die Zeit auch nicht stehen. Aber es tat schon gut, einmal wieder zu Hause zu sein und durchzuatmen. Nichtsdestotrotz vermisst man die schöne Zeit auf Tour.

K. C.: Das letzte Lied auf der Tour war „Eure Siege“, das in Zusammenarbeit mit Alexx Wesselsky entstanden ist. Gibt es noch mehr gemeinsame Songs und wenn ja, wo wird man sie hören können?
C. G.: Nichts Genaues weiß man nicht. Aufgrund der beiderseitigen Sympathien ist nichts ausgeschlossen. Jedoch ist bis auf “Eure Siege” nichts weiter offiziell.

K. C.: In letzter Zeit konnte man öfter von Remixes lesen, die Lord of the Lost gemacht haben. Beispielsweise für Staubkind oder FragileChild. Sind noch mehr geplant? 
C. G.: Auf jeden Fall, wir haben eine Menge Anfragen und werden die, die uns zusagen sehr gern bearbeiten. Da wird noch einiges kommen, dieses Jahr… Das letzte, was wir gemacht haben, war ein Remix für Unzucht, für die Chris ja auch gerade eine EP und ein Album produziert.

K. C.: Machen Remixes mehr Spaß als komplett eigene Songs, oder sind das besondere Herausforderungen oder eher Zeitvertreib? 
C. G.: Weder noch, das ist etwas komplett anderes, nicht zu vergleichen. Zeitvertreib ist es nicht, das ist eher ein Job, denn wir haben keine Zeit übrig, um sie einfach nur so zu vertreiben.

Unromantischer Sex in der Kälte vor der Kamera

K. C.: Eure aktuelle EP „Beside & Beyond“ hat eingeschlagen. Bereits der erste Vorverkaufstag war ein voller Erfolg und die Fans haben minütlich bei amazon.de auf die Verkaufscharts geschaut. Habt ihr so etwas erwartet? 
C. G.: Nein. Deshalb haben wir erst einmal eine limitierte Auflage pressen lassen. Wir mussten allerdings nachlegen, damit auch die Fans auf der Tour mit Eisbrecher die Gelegenheit hatten, die EP zu kaufen. Es ist immer wieder etwas ungewiss, wie stark eine Platte wirklich einschlägt. Man kann quasi an den aktuellen Plattenverkäufen erkennen, wie viele Fans wir dann doch mit den letzten Touren u.a. mit Mono Inc. dazugewonnen haben. Es ist uns eine Freude, so viele Menschen bei Lord of the Lost begrüßen zu dürfen!

K. C.: Ist dadurch der Erfolgsdruck gestiegen? 
C. G.: Ja und nein. In erster Linie versuchen wir uns selbst gerecht zu werden. Das war bisher immer ein guter Weg. Allerdings steigt bei wachsender Popularität auch parallel der Druck an. Das ist aber auch ganz normal. Je höher man kommt desto dünner wird die Luft und der Druck steigt! Wir gehen aber mal davon aus, dass wir für die Reise das richtige Team und Gerät dabei haben!

K. C.: Das Video zu „Beyond beautiful“ ist unterschiedlich aufgenommen worden. Manche fanden es großartig, anderen war es zu sexuell und zu gewalttätig. Wie kamt ihr auf die Idee für dieses Script? 
C. G.: Wenn man sich den Text durchliest ist die Handlung gar nicht mal so weit hergeholt. Und in der Kunst ist Interpretationsspielraum ein gebräuchliches Instrument, um etwas noch interressanter zu gestalten. Wenn Kunst zu leicht zu verdauen ist und keine Fragen offen bleiben, sinkt automatisch deren Halbwertzeit. Wir sind ein Risiko eingegangen und wussten von vornherein, dass es für Kontroversen sorgen würde.

K. C.: „Very private“ kommentierte ein Fan. Der Clip ist in der Tat sehr intim geworden. War es schwierig, sich so vor der Kamera zu präsentieren oder denkt man in diesem Moment nur: Wir sind Profis, das ist ein Dreh, jetzt muss ich dieses machen, jetzt jenes? 
C. G.: Es ist weitaus unromantischer als man denkt, wenn man zehn Stunden in der Kälte nackt am Set verbringen muss. Umringt von einem Team, was einen unweigerlich stundenlang anschaut. Wenn man es dann noch schafft, authentische Gefühle zu erzeugen, und man bedenkt, dass der Sex vor der Kamera größtenteils echt war, dann ist das schon bemerkenswert. Ich denke, wir haben das ganz gut eingefangen.

Früher oder später suchen Lord of the Lost alle heim!

K. C.: Seit der Gründung von Lord of the Lost hat es ein paar Wechsel in der Besetzung gegeben. Zuletzt verließen Any und Sebsta die Band und Disco kam dazu. Ist die Band jetzt komplett? 
C. G.: Die Band war immer schon komplett. Ich kann aber sagen, dass sie aktuell wohl am besten funktioniert. Alle Beteiligten haben ein und das selbe Ziel, und das heißt: Lord of the Lost nach vorne zu bringen. Es wird immer mal wieder gewisse Veränderungen geben, ob groß oder klein. Ich denke, jeder hat immer mal wieder eine Veränderung in seinem Leben feststellen dürfen. Ohne wäre ein Leben nicht wirklich lebenswert. Es gibt aber keinerlei Zeichen, die darauf deuten lassen, dass ein weiterer Besetzungswechsel ansteht. Weder in naher noch in ferner Zukunft.

K. C.: Im September kommt euer neues Album raus. Was erwartet uns? Gibt es Unterschiede gegenüber „Fears“ und „Antagony“? 
C. G.: Wir haben uns definitiv weiterentwickelt. Ich denke, dass wir die Extreme noch weiter ausgelotet haben. Mehr Party, aber auch noch mehr Tiefgang. Man wird aber immer wieder Lord of the Lost wiedererkennen. Da muss man sich keinerlei Sorgen machen.

K. C.: Direkt danach geht es mit der Letzten Instanz auf Tour. Erwartungen? 
C. G.: Wir stapeln immer etwas tief! Das macht es umso einfacher für uns! Es wird auf jeden Fall ein schönes Wiedersehen mit unseren Freunden der Instanz und den Fans. Wir werden das Kind schon schaukeln!!

K. C.: Wird man euch – vielleicht schon 2013 – mal wieder auf einer Headlinertour feiern können? 
C. G.: Ja!

K. C.: Ein paar Worte zum Abschluss? 
C. G.: Vielen Dank an die Leser. Wir werden uns bald wiedersehen. Lord of the Lost schlafen nicht und suchen euch früher oder später alle heim!

K. C.: Vielen Dank für das Interview! 
C. G.: Sehr gerne!

Interview mit Disco von Lord Of The Lost

Die „Pussy Wetting Goth Rock“-Band „Lord of the Lost“ aus Hamburg hat sich personell verändert. Drummerin Any Wayst und Gitarrist Sebsta Lindström mussten aus Zeitgründen die Band verlassen. Während Sebstas Platz leer bleibt, nimmt ein anderer die Drumsticks in die Hand: Christian „Disco“ Schellhorn, manchen bekannt durch die Glamrockband „The Pleasures“. Er hat sich die Zeit genommen für ein kurzes Interview.


Christian „Disco“ Schellhorn

Kyra Cade: Neues Jahr, neue Band. Freust Du Dich, bei „Lord of the Lost“ zu sein?
Disco: Was soll ich dazu sagen? Natürlich! Dass ich jetzt fest bei „LOTL“ bin, erfüllt für mich viele Träume auf einen Schlag!

K. C.: Du bist einige Male für Any eingesprungen, war es da die logische Konsequenz, dass Du ihren Platz einnimmst?
Disco: Für mich schon, da die Shows extrem viel Spaß gemacht haben und ich es liebe, mit den Jungs unterwegs zu sein. Da hätte ich schon große Augen gemacht, wenn da auf einmal jemand gekommen wäre, der noch besser zur Band passt. Und trotzdem dachte ich mir immer, dass es besser wäre, nicht zu sehr darauf zu hoffen, dass ich der neue Drummer von „LOTL“ werde. Das ist so ein Aberglaube von mir. Wenn man sich etwas zu stark wünscht, dann verscheucht man es.

K. C.: Sind Männer die besseren Schlagzeuger?
Disco: Pauschal: Nein. Aber es gibt einfach im professionellen Bereich zu 98% männliche Schlagzeuger! Nach meiner Erfahrung ist es so, dass die Mädels einfach irgendwann aufhören, wenn ein gewisser Punkt erreicht ist. Keine Ahnung, warum genau. Und es gibt so viel Konkurrenz, so viele unglaublich gute Schlagzeuger! Das ist vielleicht auch manchmal einschüchternd, wenn man das Gefühl hat, man muss als Frau mit den ganzen Männern konkurrieren. Aber ich ermuntere hiermit alle Mädels der Welt, einfach ihr Ding zu machen! Denn es sollte meiner Meinung nach mehr Bands mit Frauen am Schlagzeug geben! Oder am Bass…egal, Hauptsache: ran an die Instrumente! Wenn ihr am Instrument selbstbewusst und cool ausseht, dann werden die Typen schon verstehen, dass ihr besser zur Band passt! Denn es geht weiß Gott nicht nur darum, wie man spielt. Genauso wichtig ist es, wie man performt!

Hamburger Energiebündel

K. C.: Bisher hast Du bei „The Pleasures“ gespielt. Wirst du weiterhin mit den Glamrockern auftreten oder ist diese Zeit vorbei?
Disco: Ich spiele auch weiterhin bei den „Pleasures“! Wir arbeiten weiter an unserer Performance und neuen Songs, da wird noch einiges passieren, hoffe ich!

K. C.: Wer ist denn Disco? Stell Dich bitte kurz vor.
Disco: Ich bin in Hamburg geboren und spiele Schlagzeug seit ich acht oder neun Jahre alt bin. Das war meine erste Liebe! Auf vielen Umwegen und nach einigen Bands bin ich dann 2008 bei „The Pleasures“ gelandet, bei denen Chris ja auch als Gitarrist und Sänger aktiv war! Da habe ich endlich mal wieder Musik machen können, die ich richtig geil fand! Wir haben uns auch ziemlich vermisst, seit Chris nicht mehr bei „The Pleasures“ war und von daher freut es mich besonders, jetzt wieder mit ihm in einer Band zu sein. Die Energie auf der Bühne und die Energie von den Fans ist für mich umwerfend, diese Band gibt mir alles, was ich brauche und ich werde hoffentlich lange dabei sein!

Die großen Bühnen erobern

K. C.: Wie bist Du zu dem Namen „Disco“ gekommen?
Disco: Er kommt nicht daher, dass ich so oft in die Disco gehen würde! Der Name kommt durch die bereits erwähnte Glamrockband „The Pleasures“ bei denen ich seit über 3 Jahren dabei bin. Eigentlich war das ein Spruch auf einem T-Shirt, als wir zusammen Bühnenklamotten gesucht haben. „Here Comes Disco Beat“ stand da drauf. „Disco“ ist für einen Drummer ein ziemlich passender Name, fanden wir alle!

K. C.: Deine Wünsche und Pläne für die Zukunft?
Disco: Ich wünsche mir, viele Shows zu spielen und davon leben zu können. Es wäre schon toll, wenn sich die ganze Arbeit irgendwann auch mal finanziell so richtig auszahlt. Aber auch so werde ich weitermachen, weil ich gar nicht anders kann! Ich liebe es, Schlagzeug zu spielen und ich liebe es, professionell zu arbeiten. Beides kriege ich bei „LOTL“. Da in der Band jeder so eine leidenschaftliche Einstellung hat, bin ich mit fast sicher, dass in nicht allzu ferner Zukunft die Band ihren Teil vom großen Kuchen abbekommen wird!
Die Pläne für die Zukunft sind somit auch klar: Weitermachen, bis wir die ganz großen Bühnen erobert haben, kurz die Aussicht genießen und dann sofort wieder weitermachen!

K. C.: Ein paar Worte zum Schluss?
Disco: Wir sehen uns bei der nächsten Show!

K. C.: Vielen Dank für das Interview!

Interview mit Dystrance

Als „Commercial-Future-Trance-Pop“ beschreibt Dennis K. sein Projekt „Dystrance“ auf Facebook. Nach den Downloaderfolgen von „Pure Love Infinity“ und „Walking in Circles“ veröffentlichte er vor knapp einem Monat einen weiteren Song. Der Sänger und Gründer der Gothic-Band FragileChild lebt für die Musik – und ist dabei offen für verschiedene Genres. In diesem Exklusivinterview hat Dennis K. sich Zeit genommen, um über das Projekt zu erzählen.

Kyra Cade:„Le Coeur de la Mer“ ist am 04.11. als Download erschienen. Knüpft die Single an die Erfolge von „Pure Love Infinity“ und „Walking in Circles“ an?
Dennis K.: „Le Coeur De La Mer“ knüpft sogar sehr gut an die „Erfolge“ der beiden anderen (kostenlosen) Download-Singles an!! Bin sehr überrascht, da es ein neues Projekt ist und darüber hinaus „nur“ ein Nebenprojekt.

K. C.: Du planst ein Album. Wie weit sind die Vorbereitungen?
D. K.: Nun ja, ich experimentiere gerade noch ein wenig. „Dystrance“ besteht, wie man vielleicht schon auf der „Tanz EP“ hören konnte, aus mehreren Facetten, welche ich innerhalb dieses Jahres noch weiter ausgebaut habe. Die Vorbereitungen laufen gut, nur noch ein paar Songs und dann nehmen wir die Gesänge für das Album auf, welches den Titel „Euphoria“ tragen und elf Songs haben wird. „Euphoria“ wird voraussichtlich im Sommer 2012 veröffentlicht.

K. C.: Wird das Album nur als Download verfügbar sein?
D. K.: Das weiß ich zum aktuellen Zeitpunkt leider noch nicht. Wenn es als CD veröffentlicht wird, dann als streng limitierte Edition. Als Download wird es das Album definitiv geben.

„Ein Zustand relativer Hilflosgkeit“

K. C.: Auf Facebook hast Du nach Gastmusikern gesucht. Läuft das gut oder suchst Du immer noch?
D. K.: Die Suche beschränkt sich mittlerweile auf Remix-Interessenten. Auch im punkto Gastsänger/in hat sich etwas geändert, da ich für „Dystrance“ nun eine feste Sängerin habe, worauf ich schon sehr stolz bin und mich sehr auf die Zusammenarbeit / Aufnahmen mit ihr freue! Aber wenn sich Gastmusiker melden und das Zusammenspiel passt, wäre ich nicht abgeneigt. Bin generell offen für alles und sehr experimentierfreudig. Es muss einfach nur passen.

K. C.: Dystrance ist ein Begriff aus dem Bereich der Hypnose. Er bezeichnet einen Zustand relativer Hilflosigkeit. Wieso ausgerecht dieser Name für das Projekt?
D. K.: Ich fand den Begriff sehr prädestiniert für mein Soloprojekt. Zu Beginn hieß das Projekt noch „TranceMission“, was mir aber nach kurzer Zeit schon zu kitschig wurde und ich mich dann auf puren „Trance“ festlegen müsste und das wollte ich nicht. Ich wollte etwas in Richtung „Trance“ machen, mich jedoch nicht darauf beschränken. Also hab ich mich ein wenig mit dem Begriff „Trance“ an sich beschäftigt und bin auf „Dystrance“ gestoßen. Allein dessen Bedeutung ist schon sehr aussagekräftig.

K. C.: Dystrance, Emportement, Letters for D., FragileChild. Alles Projekte, an denen Du beteiligt bist. Sticht eines besonders raus?
D. K.: Ich finde, dass jedes Projekt seinen Reiz hat! So habe ich für jedes Gefühl und für jede Laune einen Trichter. Ich mag‘s nicht, wenn ich vier bis fünf Musikrichtungen auf einem Album habe, möchte jedoch aber auch meinem „kreativen Fluss“ freien Lauf lassen, ohne mich in irgendeiner Hinsicht einschränken zu müssen.

Viel geplant für die Zukunft

K. C.: Mit FragileChild steht im Dezember die Veröffentlichung des neuen Albums „Pulse of Life“ an. Wird das nicht manchmal ein bisschen viel?
D. K.: Ich hab ja sonst keine Hobbys also von dem her… Nein, im Ernst: „FragileChild“ hat Priorität, da wird es manchmal schon sehr viel, weil es dort mehr Aufgaben zu bewältigen gibt als bei anderen Projekten. Da die Solo- und Nebenprojekte nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen (was ich auch weiterhin so beibehalten werde), wird es auch nicht „zu viel“. Es macht ja unheimlich viel Spaß, neue Songs zu schreiben.

K. C.: Dystrance ist ein reines Studioprojekt. Soll sich das einmal ändern?
D. K.: Ich glaube nicht, dass sich da was ändert. Wenn, dann werde ich, sollte es einmal soweit sein, ein Special Event machen, aber zu viele Auftritte sollten es nicht werden. Generell heißt es in dem Fall, abwarten, was die Zukunft hierfür bereithält.

K. C.: Was hast Du mit Dystrance noch vor?
D. K.: An erster Stelle steht die Fertigstellung der Songs für das Debutalbum. Vorher wird es noch die „Mindcontrol“ und „Heartcontrol“ EPs geben, welche sich musikalisch vom Album abheben. Ansonsten fände ich es einfach toll, wenn ich‘s mit „Dystrance“ auf einen Sampler wie z.B. „Trance Voices“, „Dream Dance“ oder in der Art schaffen würde.

K. C.: Ein paar Worte zum Schluss?
D. K.: Erst mal ein Danke an dich. Danke an alle Fans von Dystrance und kämpft für eure Träume, sie sind es wert!

K. C.: Vielen Dank für dieses Exklusivinterview!

Interview mit SCHOCK

Die Thüringer Band SCHOCK hat sich mittlerweile einen Namen gemacht. Im Süden Deutschlands jedoch sind die Auftritte noch rar, wenngleich mit Spannung erwartet. Im Oktober waren sie Support bei einigen Tanzwut-Konzerten. Außerdem brachten sie 2011 ihr aktuelles Album „Kosmos“ raus. Mit viel Leidenschaft und Texten, die unter die Haut gehen, stehen sie auf der Bühne. Nun haben sie zwischen all den Terminen ein wenig Zeit für ein Interview gefunden.
Kyra Cade: Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?
SCHOCK: Messerscharf und voller Liebreiz.

K. C.: Hat sich eure Musik seit eurer Gründung 1999 verändert?
SCHOCK: Hey, als wir 1999 starteten war uns lange nicht bewusst, wo uns unsere Reise hinführen sollte. Wir waren fasziniert von diversen Düsterkapellen, die Elektronik und Gitarren mischten und damit eine düstere Atmosphäre kreierten. Die Entwicklung unserer eigenen Musik ist eher ein Prozess, der sich seitdem immer weiter entwickelt und wir sind, so glaube ich, noch lange nicht am Ziel.

K. C.: Was macht SCHOCK aus?
SCHOCK: Leidenschaft und totale Hingabe, das stetige Bestreben, unsere Songs auf der Bühne zum Leben zu erwecken und den Zuhörer in ein Bad der Gefühle zu tränken.

K. C.: Welches Lied empfehlt ihr, wenn man SCHOCK noch nie gehört hat?
SCHOCK: Jedes, natürlich. Ein einzelnes hervorzuheben fällt uns schwer, da die Favoriten bandintern doch sehr verteilt sind. Dennoch, da ja immer die letzte Platte die Beste ist, natürlich von unserem aktuellen Album „KOSMOS“ Song 1- 13.

K. C.: Habt ihr Vorbilder?
SCHOCK: Inspirationen triftt es besser. Aber alle aufzuzählen wäre wahrscheinlich zu umfangreich und man müsste diese Antwort eh kürzen.

Spüren, was bewegt

K. C.: Was inspiriert euch zu Songs wie „Ware Fleisch“ oder „Babylon“?
SCHOCK: Liebe, Sex, Sex, Liebe. Unterwerfung und Macht bzw. Ohnmacht.

K. C.: Michael, Du lebst Deine Songs bei Liveauftritten. Die Mimik, die Gestik, alles passt zu den Texten. Ist das Deine Art oder hast Du lange dafür geübt?
SCHOCK: Ich hasse leidenschaftslose Interpretationen von Gefühlen. Und ein Song oder ein Text ist immer ein Ausdruck mindestens einer bestimmten Emotion. Wenn ich auf eine Bühne gehe und die Songs spielen darf, dann möchte ich nicht irgend ein Lied singen, sondern das spüren, was mich im Moment der Entstehung bewegt hat.

K. C.: Im März kam euer 4. Studioalbum „Kosmos“ raus. Warum mussten wir so lange auf ein neues Album warten?
SCHOCK: Für unsere Verhältnisse waren wir eigentlich ziemlich flott. Schließlich haben wir vom „Glamour“-Album bis zur VÖ von „Halt Still“ mal eben 5 Jahre verbraten. Wir sind außerdem in der glücklichen Position nicht jedes Jahr ein Album veröffentlichen zu müssen und lassen uns gern so lange Zeit, bis wir als Band auch wirklich zufrieden sind.

K. C.: Plant ihr schon wieder etwas Neues?
SCHOCK: Selbstverständlich gibt es große Pläne, wir werden uns als nächstes darauf konzentrieren, eine Platte mit etwas leiseren Tönen aufzunehmen, also mehr Akustikgitarre und Co.

K. C.: Es sind auf der „Kosmos“ sehr nachdenkliche Texte, beispielsweise „Nur ein Mensch“ oder „Augenblick“. Auf den früheren Alben ist mir diese Häufung nicht so stark aufgefallen. Hat diese Veränderung einen Grund?
SCHOCK: Wahrscheinlich so etwas wie älter, reifer und erfahrener werden. Die Veränderung diverser Sichtweisen, die Erfahrungen, die jeder einzelne macht und die natürlich Einfluss auf dein gesamtes Schaffen haben.

„Kinder an die Macht!“

K. C.: Gibt es Themen, über die Du am liebsten singst, oder vielleicht gar nicht mehr singen möchtest?
SCHOCK: Schwere Frage und ich hab leider keine Antwort. Ich plane keine Texte sondern versuch ledigliche Dinge, die mich bewegen in Worte zu fassen.

K. C.: Wenn ihr eine Sache auf der Welt ändern könntet, was wäre das?
SCHOCK: Kinder an die Macht!

K. C.: Vervollständigt diesen Satz: Musik ist…?
SCHOCK: Leidenschaft.

K. C.: Pläne und Ziele für die Zukunft?
SCHOCK: Weiter und noch erfolgreicher Musik machen, Konzerte, Konzerte, Konzerte!

K. C.: Ein paar Worte zum Schluss?
SCHOCK: Vielen Dank, auf bald im schwarzen Bayern.

K. C.: Vielen Dank für das Interview!

Interview mit Mikki Chixx von Stoneman

Die schweizer Metalband Stoneman erobert Deutschland. Erst vor kurzem waren sie bei einigen Konzerten von Lord of the Lost als Support zu sehen und zu hören. Wer sich aber genau hinter den vier Musikern verbirgt, hat mir Sänger Mikki Chixx verraten – und noch einiges mehr.

Kyra Cade: In Deutschland steigt zwar euer Bekanntheitsgrad, aber für alle, die Stoneman noch nicht kennen: Wer seid ihr und was für Musik macht ihr?
Mikki Chixx: Hallo Kyra, wir sind Stoneman aus der Schweiz, wir machen einen Mix aus hartem Metal und melodiöser Goth Musik. Wir sind zu viert und lieben diesen Job!

K. C.: Wie lange macht ihr schon Musik?
M. C.: Stoneman gibt es seit 2004 und wir hatten das Glück, bereits 3 Alben zu veröffentlichen und 150 Shows in ca. 30 Ländern zu spielen… nicht schlecht oder? (lacht)

K. C.: Wenn ihr jemanden, der noch nie eure Musik gehört hat mit einem einzigen eurer Songs überzeugen müsstet: Welchen Titel würdet ihr empfehlen?
M. C.: Da unsere Songs sehr abwechslungsreich sind und wir uns musikalisch immer von Song zu Song neu erfinden, ist es einfach viel zu schwierig, diese Band auf einen einzigen Song zu begrenzen. Aber irgendwo zwischen „Wer ficken will muss freundlich sein“, „I am taking your life“ und „Hope you all die soon“ liegt die Wahrheit.


Stoneman. Quelle: Stoneman

K. C.: Vor einem Jahr kam euer 3. Album raus, „Human Hater“. Arbeitet ihr schon an etwas Neuem?
M.C.: Ja, wir haben letzte Woche damit angefangen und es wird euch umhauen!

K. C.: Eure Texte sind hauptsächlich düster und hart. Was inspiriert euch dazu?
M. C.: Unsere Musik ist düster und hart, da können wir nicht von Blumen und Bienen singen… Aber grundsätzlich gibt es so viele Dinge, die uns ankotzen… Religion, Krieg, Politik und so, dass gerade das letzte Album „Human Hater“ sehr viel davon beinhaltet.

K. C.: Welche musikalischen Vorbilder habt ihr?
M. C.: Wir haben keine Vorbilder, aber so ziemlich alle unsere Freunde aus dem Bizz, sind es die Deathstars, Wednesday 13 oder die 69Eyes inspirieren uns. Wenn du mit anderen Bands tourst und deren Mucke täglich mit 100 Dezibel um die Ohren geknallt kriegst, kann das auch mal etwas abfärben. Grundsätzlich sind wir WIR und einzigartig (lacht). Dies ist jetzt positiv wie negativ zu werten.

K. C.: Gibt es Lieblingslieder oder –alben, die ihr immer wieder hören könnt?
M. C.: Da wir vier Individuen sind, kann ich nur für mich sprechen. Ich mag das alte Zeug gerne. Bin ein 80er-Kind und liebe G’n‘R, Mötley Crüe etc. Aber auch so ziemlich alles aus Skandinavien ist hörbar, um es mal vorsichtig auszudrücken.

„Düster, hart und natürlich sexy!“

K. C.: Ihr wart in diesem Jahr bei einigen Konzerten Support von Lord of the Lost, mit denen ihr unter anderem auch auf dem Trash Festival gespielt habt. Hat es Spaß gemacht?
M. C.: Es war sogar ein Riesenspaß!! Es waren alle gut drauf und wir haben das ein oder andere Bier zusammen getrunken. (lacht)

K. C.: Könnte da mal ein gemeinsamer Song entstehen oder sind die beiden Bands dafür zu verschieden?
M. C.: Keine schlechte Idee! wir sind in den musikalischen Grundzügen ähnlich, beide Bands sind düster, hart und natürlich sexy!

K. C.: Euer Bassist, Iron Chris, ist angeblich „auf die Fresse gefallen“ und hatte einige Spritzen vor dem Auftritt in Nürnberg bekommen. Dafür machte er einen äußerst fitten Eindruck. Geht es ihm wieder gut?
M. C.: Wenn du diese Spritzen gesehen hättest, wüsstest du, woher der „fitte Eindruck“ kommt! (lacht) Es geht ihm okay. Sagen wir es mal so: Es hat ihn ganz schön überschlagen und wir waren die ganze Nacht in der Notaufnahme im Stuttgarter Spital.

„Stay tuned“

K. C.: Kann man euch 2012 in Deutschland sehen und hören?
M. C.: Definitiv!

K. C.: Ziele und Wünsche für die Zukunft?
M. C.: Diese Band hat immer nur ein Ziel, das ist: So viele Gigs wie möglich zu spielen und natürlich mit dem Publikum während und nach der Show Party zu machen. Wenn möglich ohne Ausflug in die Notaufnahme!

K. C.: Ein paar Worte zum Abschluss?
M. C.: Wer uns nicht kennt, sollte sich mal ein paar Minuten Zeit für uns nehmen und sich die Band im Netz oder am besten live anschauen. Eines versprechen wir euch: Ihr bekommt eine 100% Volldröhnung aus Goth und düster Metal! Stay tuned!

K. C.: Vielen Dank für das amüsante und aufschlussreiche Interview! Hugs!

Interview mit Chris Harms von Lord Of The Lost

Lord of the Lost waren nur einem kleinen Kreis ein Begriff, bis sie in diesem Jahr Support für Mono Inc. waren. 2010 erschien das Debütalbum „Fears“, im Frühjahr 2011 bereits „Antagony“, das zweite Album. Derzeit tourt das Sextett durch Deutschland. Sänger und Bandleader Chris Harms hat sich die Zeit genommen, ein paar Fragen zu beantworten.


Chris Harms. Quelle: Lord of the Lost

Kyra Cade: Ihr seid gerade auf Tour durch Deutschland. Wie läuft’s?
Chris: Wie erwartet auf einer ersten größeren Headlinertour. Einige Shows sind zum Bersten voll, andere recht leer, zumal einige Venues, die wir spielen einfach noch zu groß sind für uns. Uns ist es lieber, wenn ein kleiner Club auseinanderplatzt, als dass sich die gleiche Menge Leute in einer Halle verliert, die für das vierfache Volumen ausgelegt ist. Wir durchleben also gerade genau einen dieser wichtigen Steps auf der Karriereleiter, wo man täglich mal zwei Stufen erklimmt, um dann auch mal wieder eine herabsteigen zu müssen. Also unterm Strich ist alles so wie es muss und wir sind weit davon entfernt, uns beklagen zu können

K. C.: Nachdem ihr als Support für Mono Inc. deren Viva Hades Tour im Frühjahr begleitet habt, seid ihr schon wieder unterwegs. Kommt da Heimweh auf?
Chris: Heimweh kommt dann auf, wenn man monatelang unterwegs ist. Die Art und Weise wie Mono Inc. und wir touren ist doch eher wie Urlaub. Das heißt nicht, dass es nicht konzentrierte und harte Arbeit ist, aber der zeitliche Rahmen ist überschaubar.

K. C.: Auf YouTube kann man TV of the Lost schauen und bekommt in mittlerweile 18 Episoden skurrile Einblicke in euer Tourleben. Wie kamt ihr auf diese Idee?
Chris: Nicht WIR kamen auf diese Idee. Mono Inc. machen ja auch ein Tourtagebuch in Videoform, bereits 2007 machte ich das gleiche mit meiner alten Band THE PLEASURES und wenn man mal YouTube durchforstet stellt man fest, dass es tausende Bands gibt, die genau das gleiche machen. Der Rahmen ist aber auch nicht das Interessante, wichtig ist, diesen mit interessantem Inhalt zu füllen. Da wir neben der Bühne nur Unsinn im Kopf haben artet das dann bei uns relativ stark aus.

St.Pauli, 10 Jack/Coke, 4h morgens

K. C.: Was hat es mit „Spiel an meinem Glied“ auf sich?
Chris: Das entstand tatsächlich spontan, die Initialzündung kam von Bo, gegen Ende unserer Live-Generalprobe, das ist auch auf TV Of The Lost zu sehen. Von da an drehte sich Backstage jeden Tag das Thema mindestens einmal um eine neue Version dieses chartfreundlichen Geheim-Hits ;)

K. C.: Können sich die Fans nach der Euro-Dance- oder der Metalcore-Version auf weitere Versionen des Songs freuen?
Chris: Ja, wir nehmen Wünsche in Form von Kommentaren auf unserer Facebookseite entgegen.

K. C.: Any Wayst ist die einzige Frau im Sextett. Leidet sie manchmal unter dem Überschuss an Testosteron oder hat sie euch Männer voll im Griff?
Chris: Weder noch, sie hat sich uns sehr gut angepasst.

K. C.: Wie kamt ihr darauf, Lady Gagas „Bad Romance“ als Metalversion zu covern?
Chris: Mal wieder Bo und ich, St. Pauli, nach 10 Jack/Coke, 4h morgens… Noch Fragen?

Immer wieder unerwartet

K. C.: Nur ein Jahr nach dem Debutalbum „Fears“ erschien im April diesen Jahres „Antagony“. Arbeitet ihr bereits am nächsten Album?
Chris: Ja, wir sind mitten drin, in einem knappen Jahr ist es dann soweit und wird veröffentlicht…

K. C.: Eure Musik wird oft zwischen Gothic und Metal eingeordnet. Zu welchem Genre fühlt ihr euch selbst zugehörig?
Chris: Ganz ohne negativen Unterton, den man aus dem folgenden Satz lesen könnte, muss ich sagen: Es ist uns scheißegal! Szene und Genres interessieren uns nicht, wir machen, was sich für uns gut anfühlt, die Kategorisierung dessen überlassen wir den anderen.

K. C.: Die Songs sind selten einheitlich. Schnelle und rockige Passagen wechseln sich mit langsameren Tempi ab. Macht dies Lord of the Lost aus?
Chris: Ich denke, Lord Of The Lost macht aus, dass wir nicht nach Dogmen oder mit Scheuklappen arbeiten, so wird es immer wieder Unerwartetes in unseren Songs geben. Allerdings ist es uns kein Bedürfnis Musik für Musiker zu machen, dazu sind wir zum einen technisch nicht in der Lage und zum anderen mögen wir dafür gute Popmusik viel zu sehr.

K. C.: Etwas aus der Art schlägt „Reprise: Sober“. Wie findet ein derart getragener Song Platz auf einem Album wie „Antagony“?
Chris: Sag Du es mir… Fällt er Deiner Meinung nach heraus? Ich denke nicht.

K. C.: In Nürnberg wurde „Reprise: Sober“ als gefühlvolle und einzige Zugabe gespielt. Warum ausgerechnet dieser Song?
Chris: Die Gründe dafür sind ganz langweilig und technisch. Bei uns auf der Bühne läuft immer der Computer mit, für die ganzen Geräusche, die man nicht mit echten Instrumenten erzeugen kann. Wenn dann einmal das Projekt geladen ist, dann beinhaltet es auch nur die feste Reihenfolge der Songs, die für das jeweilige Konzert geplant wurden. „Sober“ funktioniert auch einfach nur mit Klavier und Stimme. Es gab dementsprechend nur noch 2 Alternativen, die genauso funktionieren: „Sooner Or Later“ oder unser Rihanna-Cover „Love The Way You Lie“. Wir entschieden uns spontan für „Sober“, aus dem Bauch heraus.


Lord of the Lost. Quelle: Lord of the Lost

K. C.: Ein paar Worte von euch zum lasziven und gelungenen „Sex on Legs“-Clip?
Chris: Voll geil!

K. C.: Welche Band oder Musiker haben euch beeinflusst?
Chris: Zu viele, von ABBA bis Z.

K. C.: Was inspiriert euch?
Chris: Ich habe kreative Geistesblitze in nicht nachvollziehbaren Situationen. Im Auto an der roten Ampel, beim Einschlafen, in der Schlange beim Supermarkt. Ich brauche keine besonderen Umstände, um einen Song zu finden, die Songs finden mich.

K. C.: Zukunftspläne von Lord of the Lost?
Chris: Noch 2 oder 3 größere Supporttouren, gute Sommerfestivals, ein unschlagbares drittes Album. Das ist erstmal halbwegs realistisch.

K. C.: Ein paar Worte zum Abschluss?
Chris: Ich verlasse die Party meist ohne mich zu verabschieden…

K. C.: Vielen Dank für das spontane Interview!

Interview mit Milou Manouche von Des Koenigs Halunken

Liebestolle Sultane und rachsüchtige Feen

Des Koenigs Halunken haben zuletzt Anfang April als Support für Coppelius in München und Stuttgart gespielt. Dabei wandelte sich anfängliche Skepsis des Auditoriums rasch in Begeisterung um. Die fünf Schweizer erzählen mit alten und neuen Instrumenten und viel Geschick ihre Erlebnisse als Hofstaat König Neidhelms und von ihrer „Irrfahrt“. Dabei wechseln sich mittelalterliche Klänge und echter Rock ab. Milou Manouche, Texter und Sänger der Halunken hat uns einige Fragen beantwortet.

Kyra CadeDie Halunken sind in Deutschland bisher nur einem kleinen Publikum bekannt. Stellt euch doch mal bitte kurz vor.
Milou Manouche: Wir sind ein bisschen verrückt (*grins*). Das liegt nicht daran, dass wir aus der Schweiz kommen, sondern weil wir fünf Musiker mit viel zu viel Phantasie sind. Die müssen wir irgendwo ausleben: Bei des Koenigs Halunken können wir das. In unseren Geschichten finden märchenerzählende Irrlichter ebenso Platz wie liebestolle Sultane oder rachsüchtige Feen. All diese Ideen landen in Folkrockliedern und bilden zusammen eine ganze Geschichte.

K. C.Was macht euch aus?
M. M. : Wir sorgen für Spaß, gute Unterhaltung und Tanz. Fünf abgefahrene Figuren in schillernden Kostümen erzählen in einer kurzweiligen Märchenrockshow eine zusammenhängende Geschichte. Mittlerweile ist eine richtige Halunkenwelt entstanden.

K. C.Ihr bezeichnet euer momentanes Programm als „Märchen-Rockshow“. Das ist ein beeindruckender Stilmix. Was erwartet das geneigte Auditorium? 
M. M. : Als Konzeptband verweben wir unsere zahlreichen Ideen zu einem Geschichtenteppich, in welchem unsere Märchenrocksongs zu einem Ganzen verknüpft werden. Wer Des Koenigs Halunken besucht, der kann nicht nur zu unseren Liedern rumhüpfen, er erlebt auch eine Geschichte. In seinem neusten Abenteuer verschlägt es König Neidhelm den Neunundsechzigsten samt Hofstaat in eine unterirdische Stadt – und dort ist die Hölle los! Jeden Sonntag trifft sich das Volk in der Arena und wohnt den abgefahrensten Zirkusspielen bei. Da stehen Gourmet-Kannibalen genauso auf dem Programm wie ein nackter Kaiser. Sogar ein Fremdling aus der gefürchteten Oberwelt tritt auf und stellt mit seinen Geschichten die halbe Unterwelt auf den Kopf.

Göttervater anstelle des Göttervaters 

K. C.: Das aktuelle Album heißt „Irrfahrt“. Darin werden Kannibalen, Barbaren und Feen besungen, aber ihr habt auch Elemente aus Märchen übernommen, beispielsweise in „Mantje“. Welche Märchen oder Geschichten haben euch am meisten beeinflusst? 
M. M. : Es gibt eine Menge. Wir lassen uns da keine Beschränkungen auferlegen. Auf der Irrfahrt ist wohl das Leitthema, dass der Größenwahnsinnige immer scheitern muss, weil er das Maß verloren hat. Trotzdem geht das Leben auf irgendeine Art und Weise immer weiter – das ist mir bei meinen Texten wichtig und auch eine Art Lebenseinstellung der Halunken. Im Lied „Schlafwandler“ zum Beispiel ertrinkt die Hauptfigur am Ende im Sumpf, aber sie lebt weiter in einem Spiel, dass die Kinder von da an des Nachts spielen.

K. C.Ihr habt im Booklet eures Albums ein amüsantes Trinkspiel namens „Irrfahrt“. Spielt ihr dies gegeneinander oder ist Seine Majestät Neidhelm der 69ste von vornherein Sieger und somit „Göttervater anstelle des Göttervaters“? 
M. M. : Hehe. Ja, wenn ein König dieses Spiel mitspielt, dann darf er die Regeln auslegen wie er will, so steht es geschrieben. Wir spielen es aber nicht mehr so oft, weil man danach immer nackt, sternhagelvoll und ziemlich bekleckert ist *grins*.
Wer sich übrigens die Mühe macht, die geographischen Namen im Spiel zu entschlüsseln, wird dabei eine ganze Menge Anagramme und Wortspiele über Musikgruppen aus der Mittelalterszene entdecken.

K. C.: In den vergangenen fünf Jahren seid ihr ein wenig herumgekommen und habt so manche Irrfahrt hinter euch gebracht. Welche Erlebnisse sind in besonderer Erinnerung geblieben? 
M. M. : Die Konzerte mit Schandmaul im Frühling waren ein tolles Erlebnis und werden uns bestimmt noch eine Weile in Erinnerung bleiben. Überhaupt finden wir Reisen nach Deutschland und Österreich spannend – wir erhalten immer neue Ideen und die guten Feedbacks aus dem Publikum ermutigen uns. Alle Irrfahrten, die wir so erlebt haben, will ich gar nicht aufzählen hier, da wir uns sowieso fast jedes Mal verfahren. Vor allem Hauptmann Schädel ist in dieser Hinsicht ein Spezialist.

K. C.: Eure Reise nach Deutschland Anfang April, wo ihr Support von Coppelius wart, erwies sich teilweise als nicht ganz unproblematisch. Falsche Wege, Polizeikontrollen und ein überladener Transporter haben euch aufgehalten (nachzulesen Tourbericht ). Bieten diese Erlebnisse genug Stoff für ein neues Album „Irrfahrt Vol. 2“? 
M. M. : Nee, nee… über Irrfahrten haben wir genug erzählt. Aktuell spielen wir ja schon Songs aus einer noch unveröffentlichten Scheibe, welche in einer geheimnisvollen Unterwelt voller Maschinen und Fabriken spielt. Es ist zwar nicht gerade üblich, Songs vor der Veröffentlichung des Albums zu spielen, aber wir hatten einen Besetzungswechsel letzten Sommer und wollten mit neuen Stücken antraben, fanden aber noch keine Zeit für eine CD-Produktion. Das holen wir diesen Herbst nach, ihr könnt euch also schon auf eine dritte Scheibe freuen.

Foto: Des Koenigs Halunken

K. C.Das Debütalbum „Spieglein, Spieglein“ erzählt vom Niedergang des Königreiches Egozentria. Wie sehr leiden Seine Majestät und die verfluchten Hofleute heute noch darunter? 
M. M. : In der aktuellen Besetzung leben wir als Nachfahren des ursprünglichen Königs in einer Unterwelt. Der Fluch wurde uns also weitervererbt, unsere Generation hat die ganze Geschichte mit dem Untergang aber schon ziemlich hochstilisiert und denkt, König Neidhelm III sei der Größte gewesen, obwohl er in Wirklichkeit ein armseliger Verlierer war. Vor der Idealisierung alter Geschichtsbilder sind eben auch die Halunken nicht gefeit .

K. C.Es gibt außerdem eine CD, auf der nur instrumentale Stücke zu hören sind. „Us em Gjätt“ wurde aber nicht unter eurem Namen veröffentlich, sondern unter „Koenix“. Könnt ihr kurz etwas zu diesem Album sagen?
M. M. : Koenix ist das Akustikprojekt der Halunken. Die Besetzung ist teilweise anders. Mit Koenix sind wir im Sommer viel unterwegs auf allen möglichen Mittelalterfesten und -märkten. Highlight ist jeweils die Mittelalterwoche in Visby auf Gotland (Schweden). Koenix zeichnet sich durch treibende Rhythmen aus und ist ungemein tanzbar. Übrigens sind auch zwei gesungene Lieder auf der Scheibe, allerdings singen wir bei Koenix in der Sprache unserer Heimat, in Schweizerdeutsch.

Fünf Jahre Halunken 

K. C.Am 24.06.2006 hattet ihr euren ersten Auftritt. Dieses Jahr steht also das fünfjährige Jubiläum an. Habt ihr Aktionen geplant, feiert ihr diesen Tag besonders? 
M. M. : Ja, klar feiern wir diesen Tag! Am Spaktekel-Burgruinenfest werden wir, wie vor genau fünf Jahren, wieder spielen. Wir haben ein spezielles Programm geplant, Einzelheiten dürfen wir aber noch nicht verraten. Sicher ist: Wir werden uns einmal nicht an unsere sonst eiserne Regel halten, eine zusammenhängende Geschichte erzählen zu wollen. Vielleicht graben wir das eine oder andere Lied aus, das wir nie mehr gespielt haben.

K. C.Welche Ziele haben die Halunken, welche Projekte sind geplant? Wird man in Zukunft mehr von euch hören und sehen können?
M. M. : Wir haben fest vor, vermehrt in Deutschland zu spielen. Am 29. April sind wir beispielsweise an einem Mittelaltermarkt in Bernburg (irgendwo zwischen Leipzig und Magdeburg) anzutreffen, am 10. September dürfen wir das Festival Mediaval in Selb beehren. Hauptsächlich arbeiten wir aber diesen Sommer aber an unserer dritten Halunkenscheibe, mit der wir dann zu Beginn des Jahres 2012 auf Tour gehen wollen.

K. C.: Ein paar Worte zum Abschluss? 
M. M. : Huch. Ein bewegendes Schlusswort? Da fällt mir nie was Gescheites ein. Aber ich hätte einen Wunsch, einen letzten Wunsch: Kommt uns doch mal gucken und hören! Wir würden uns riesig freuen

Die Halunken sind am 29.04.11 beim einem 16. Walpurgis / Ritterturnier auf Schloss Bernburg zu sehen, und am 10.09.11 auf dem Festival Mediaval in Selb

 

Interview mit Le Comte Caspar (Coppelius)

Geh mal ein Risiko ein

 

Le Comte Caspar, Klarinettist und Sänger des „Kammercores“ Coppelius hat für das neue Album „Wunsch ist Wunsch“ von Feuerschwanz ein Lied geschrieben. Mit „Jungfernkranz“ begibt er sich auf neue musikalische Wege und stand für eine kurze Befragung zur Verfügung.

Kyra Cade: Werther Comte Caspar, zur Überraschung vieler ist auf dem neuen Silberling der Gruppe Feuerschwanz ein Liedlein zu finden, das Ihnen zugeschrieben wird. Wie kommt es denn dazu? 
Le Comte Caspar: Wir haben die Kapelle Feuerschwanz öfter auf Festivals getroffen, ein lustiger Haufen! Eines Abends kam es nach einem schönen und anstrengenden Konzerttag zum kulturellen Austausch: Hauptmann Feuerschwanz lieh mir sein Lieblingstrinkhorn, gefüllt mit Met, und ich ließ ihm durch Bastille einen Absinth bereiten. Berauscht von den unbekannten Getränken kamen wir auf viele wirre Gedanken. Als der Kater abgeklungen war, blieb die Idee hängen, ein Lied für den Haufen zu schreiben.

K. C.Bereitete es Ihnen Vergnügen, einmal einen Liedtext zu schreiben, der in dieser Form, Sprache und mit den sexuellen Anspielungen nicht zu dem bisher bekannten coppelianischen Liedgut passt? 
LCC: Genau! Es war wie Urlaub! Wussten Sie übrigens, dass Carl Maria von Weber bereits im 19. Jahrhundert ein Stück zum Thema „Jungfernkranz“ geschrieben hat? Im „Freischütz“, wo es übrigens auch einen Max und einen Kaspar gibt! Das Lied wurde damals in jeder Gasse gepfiffen!

K.C.Ist „Jungfernkranz“ eine einmalige Ausnahme, oder wird man in Zukunft mehr Melodien oder Texte von Ihnen fernab von Coppelius finden können?
LCC: Wir werden sehen. Bis jetzt habe ich nichts Konkretes vor dem inneren Ohr, doch so ein Ausflug in andere musikalische Richtungen ist immer ein großer Spaß! Auch wenn man dabei in den sauren Apfel beißen muss, für galvanische Gitarren zu schreiben.

Man soll nichts spalten, was die Welt zusammenhält 

K. C.Bleiben Sie Coppelius dennoch treu oder sind Sie die ständigen Auseinandersetzungen mit Herrn Coppella leid? Diese gipfelten ja sogar in Handgreiflichkeiten, wie der aufmerksame Zuschauer sehen konnte. [Anm.: Anspielung auf den Clip „Risiko“, zu sehen bei youtube]
LCC: Keine Angst! Wie könnte ich es auch nur einen Tag ohne die ständigen Sticheleien und Streitereien mit Max Coppella ertragen! Und wenn ihm in Zukunft eines meiner neuen Werke missfällt, so kann ich glaubhaft damit drohen, dass es dann doch ebenso gut auch eine andere Kapelle spielen könnte!

K. C. Nun sind die Herren von Feuerschwanz älter als Sie selbst, was ein seltenes Phänomen ist. Das Mittelalter trifft auf einen Herrn des 19. Jahrhunderts. Wer lernt hierbei von wem – und was? 
LCC: Wenn die Herren und Damen Feuerschwanz eine tiefergehende musikalische Analyse wagen, was ihnen aufgrund der vorliegenden Partitur nicht schwerfallen sollte, so können sie viel über raffinierte Mehrstimmigkeit lernen! Max Coppella im Übrigen auch! Und ich habe so einige derbe Zoten vom Haufen gelernt, die hier wiederzugeben mir meine gute Erziehung und mein natürliches Schamgefühl verbieten!

K. C.„Wunsch ist Wunsch“ – Was wünscht sich Le Comte Caspar?
LCC: Eine gute Frage! Wie viele Seiten Platz werden mir gewährt, um sie zu beantworten?
Nun, ich will mich auf das Dringendste beschränken: Ich wünsche mir, dass die Landsleute unseres japanischen Schlagzeugers Nobusama die fürchterlichen Katastrophen in ihrem Land möglichst schnell und möglichst gut überwinden können. Ich habe zwar schon immer gesagt, dass man nichts spalten sollte, was die Welt zusammenhält, aber nun ist es zu spät.
Die hochgeschätzten Fanatiker unserer Kapelle überlegen sich gerade auch eine Spendenaktion für Japan, das ist sehr anständig von ihnen!
Und natürlich wünsche ich mir, dass der „Jungfernkranz“ bei der Gefolgschaft der Kapelle Feuerschwanz gut ankommt!

Le Comte Caspar wird sich ab Freitag, 01.04.11, auf erneute „Konzertante Reise zum Ruhme des Zinnober“ begeben, natürlich mit den Herren von Coppelius. Erst in der letzten Woche erschien die Musikvideographie zu Risiko, welche auf youtube zu sehen ist. In dieser Woche, also nur kurze Zeit vor der konzertanten Reise, veröffentlicht Coppelius ein neues Musikstück – vorerst allerdings nur im Internet zu hören. 

Interview mit Feuerschwanz

Der Champion im Metvernichten 

Da wurden Wünsche wahr. Am vergangenen Freitag traten Feuerschwanz im Saturn in den Erlangen Arcaden auf. Das Unplugged-Konzert mit anschließender Autogrammstunde lockte über hundert freiwillige – und unfreiwillige – Zuhörer an, die den Rittern Gehör schenkten. Gespielt wurden „Henker“, „Latte“, „Met und Miezen“ und „Wunsch ist Wunsch“. Zum Abschluss bildete sich der beliebte Lindwurmschwanz, angeführt von Prinz Hodenherz III., der fasziniert mit Hilfe der „magischen Treppe“ [Anm.: Rolltreppe] zwischen Keller- und Erdgeschoss pendelte. 
Am Donnerstag beginnt die „Wunsch ist Wunsch“-Tour 2011 in Hamburg. Davor nahmen sich Hauptmann Feuerschwanz und Prinz R. Hodenherz III. Zeit für ein Interview.

Kyra CadeFeuerschwanz! Das vierte Album mit dem Titel Wunsch ist Wunsch ist vor einer Woche in den Handel gekommen. Bei amazon.de belegt das Album bereits Platz 427 der Bestsellerliste, damit liegt ihr weit vor den neuesten Alben von Coppelius, Subway to Sally oder Saltatio Mortis – und hinter Herbert Grönemeyer. Ein schönes Gefühl?
Prinz Hodenherz: Echt? Ich hab das nicht so mitverfolgt, ich versteh das Internet gar nicht.
Hauptmann Feuerschwanz: Schönes Gefühl, klar. Das sind natürlich so zeitweilige Ereignisse und Ergebnisse, die ganz nett und schön sind. Was zählt sind natürlich die Mischung aus Gelagen, Konzerten und CD-Verkauf.
P. H.: Also man macht das nicht zum CD-Verkauf, will er damit sagen, oder?
H. F.: Ich will damit sagen… Ja! (lacht)

K. C.: Viele Fans und Kritiker sagen, Feuerschwanz hat sich weiterentwickelt mit Wunsch ist Wunsch. Ein bisschen moderner ist eure Musik damit, manche sagen aber auch, ihr seid eurem Stil untreu geworden. Ist etwas wirklich neu, oder seid ihr euch treu geblieben? 
P. H.: Klar sind wir uns treu geblieben. Was sollen wir denn sonst machen?
H. F.: Obwohl untreu natürlich ein Wort ist, dass bei Feuerschwanz durchaus sein darf. Es ist so, dass wir uns tatsächlich weiterentwickelt haben. Es ist auch schön, dass einige das bemerkt haben in der Presse, und wir haben unser Liedpotential erweitert. Wir singen jetzt auch hin und wieder über andere Geschichten, zum Beispiel der Henker, der Landschaftsgärtner sein will. Es nehmen auch viele Leute wirklich gut auf und ich denke, die wirklichen Fans nehmen es sogar noch besser auf als die Kritiker, sag ich jetzt mal. Weil letztlich, was die so schreiben, da werden wir immer einen schweren Stand haben, bis wir dann so eine Größe wie Herbert Grönemeyer erreicht haben, dann…
P. H.: Der könnte ja jetzt ein neues Album über Saufen und Ficken machen!
H. F.: Genau! Alle würden sagen, ja, das ist sehr hintergründig von ihm, dass er das tut. Wir brauchen einfach noch ein bisschen Zeit.

„Manche Hardcorepornos sind auch recht freizügig“

K. C.Eure Lieder befassen sich viel mit Alkohol und sexuellen Anspielungen, wodurch sich die heutige Jugend auch negativ angesprochen fühlen könnte. Schwingt da nicht auch ein bisschen Verantwortung mit?
H. F.: Es ist ganz interessant, was ich im Laufe der Jahre für Erfahrungen mit diesem Thema gemacht habe. Ein ganz kleines Beispiel aus Berlin: Da schrieb uns eine Gruppe Jugendliche an, die Alkoholentzug machen in einer Einrichtung. Die wollten unbedingt auf ein Feuerschwanz-Konzert kommen, weil sie die Musik so gut finden. Wir haben ihnen Gästelistenplätze gegeben und ich hab mich kurz unterhalten mit ihnen. Man muss es auch mal so sehen, dass es ein bewusstes Auseinandersetzen mit Alkohol ist, natürlich auch mitten in medias res. Allerdings für jemanden, der Entzug gemacht hat, ist ein Feuerschwanz-Konzert, wo er trocken bleiben kann, die höchste aller Stufen. Dann hat er es wirklich geschafft!
P. H.: Du meinst sexuell gesehen, dass wir Verantwortung haben gegenüber den Jugendlichen, um sie nicht zu versauen wahrscheinlich, oder?
K. C.Na ja, wenn man sich manche Lieder anhört, die sind ja schon sehr freizügig. 
P. H.: Klar, das ist ja sehr bewusst gemacht.
H. F.: Wenn man sich manche Hardcorepornos anschaut, dann sind die auch recht freizügig. Man kann sich im Internet so einiges ansehen.
K. C.Für einen 14-Jährigen zum Beispiel ist es aber schwierig.
H. F.: Vielleicht!
P. H.: Für einen 14-Jährigen ist es Aufklärung! Der kann danach entspannter mit dem Thema umgehen, weil’s mal offen gesagt wurde.
H. F.: Das stimmt. Also, gerade für einen 14-Jährigen ist das Thema Penis…
P. H.: Wenn er dann Schwanz, Schwanz, Schwanz gerufen hat…
H. F.: Genau… Es ist einfach Entspannung für ihn, dann hat er nicht mehr so große Angst davor.

K. C.: Bei dem Album haben diverse Gastmusiker mitgewirkt, u.a. hat Alea der Bescheidene von Saltatio Mortis euch bei „Symposium“ unterstützt und Le Comte Caspar von Coppelius hat sogar ein komplettes Lied, „Jungfernkranz“, beigesteuert. Wie kam es denn dazu? 
H. F.: Es war auch überraschend für uns, und dann haben wir‘s uns angehört und uns gleich in das Lied verliebt. Comte hat doch gewisse Seiten, die er vielleicht bei Coppelius nicht ganz ausleben darf…
P. H.: Deswegen will er auch mal Schwanz sagen dürfen.
H. F.: Kranz und Schwanz sind in seinem Lied sehr gut vertreten. Es hat uns sehr gefreut und wir machen so etwas gerne, wenn uns Leute gute Lieder schreiben.
P. H.: Wir sind ja schon sehr lange mit Coppelius befreundet, haben auch zusammen im E-Werk vor 4 Jahren ein Konzert gespielt. Wir kennen uns also schon eine Weile und da hat sich’s so ergeben.

K. C.: Können die geneigten Zuhörer von Feuerschwanz auf ein gemeinsame Projekte mit Saltatio Mortis, Coppelius oder anderen Bands rechnen, etwa in Form eines gemeinsamen Albums, oder auch nur eines Liedes inklusive Musikvideo? 
H. F.: Ich denke, die Freundschaft ist recht groß und da kann immer wieder etwas Kreatives dabei raus kommen.
P. H.: Haben wir ja diesen Sommer noch vor! Wer Feuerschwanz TV auf youtube verfolgt hat weiß, da gibt’s das Metvernichter-Spiel, das der Hauptmann und ich gegeneinander gespielt haben, und ich ihn überraschenderweise tatsächlich geschlagen habe! Den Champion im Metvernichten! Diesen Sommer wird die Revanche gestartet, mit einem Überraschungsgast. Du lagst mit Saltatio Mortis schon ziemlich nah dran.
K. C.Hat das was mit dem gestohlenen oder verlorenen Helm von Lanzeflott zu tun? 
P. H.: Ja, auch. Alles hat mit diesem Helm zu tun! [Anm.: Lanzeflott hatte im vergangenen Jahr seinen Helm verloren, dieser wurde von Saltatio Mortis „aufbewahrt“ und musste ausgelöst werden. Die Aufforderung von Saltatio Mortis an Feuerschwanz und die Auslöse sind auf Youtube zu sehen] 

Auf Wacken spielen 

K. C.Dann sind wir gespannt. Wenn man an Musik aus Erlangen denkt, fällt einem schnell JBO ein. Lustige Texte und partygeeignet. Ist das Zufall, liegt es an der Gegend oder sind sie Vorbilder? 
H. F.: Also, Zufall ist es nicht. JBO sind schon Vorbilder und es ist allerdings letztlich dann doch wieder ein bisschen zufällig, weil es einfach die Persönlichkeit von Hauptmann Feuerschwanz ist, so zu sein. Das hat mit JBO nicht viel zu tun. Sie sind allerdings für den, der Hauptmann Feuerschwanz erfunden hat doch Vorbilder gewesen. Also von allem ein bisschen was.
P. H.: Klingt ein bisschen schizophren, was du da sagst. (lacht)
H. F.: Ja!
P. H.: Aber wer Party machen will, muss es rauslassen und das haben wir mit JBO auf jeden Fall gemeinsam.

K. C.: Mit einigen Künstlern und Bands habt ihr bereits zusammengearbeitet. Wenn eine Fee erscheinen und euch einen Wunsch gewähren würde: Mit welchem Künstler / welcher Band würdet ihr gerne mal zusammenarbeiten? 
H. F.: Ich sag’s für den Prinz Hodenherz: MANOWAR! Und du sagst es für mich.
P. H.: Äh? Keine Ahnung.
H. F.: Na, Die Ärzte natürlich! (H.F. schlägt P.H. tadelnd auf die Schulterplatte, P. H. wehrt sich.)

K. C.„Wunsch ist Wunsch“ – Was sind eure Wünsche? 
H. F.: Auf jeden Fall bald mal wieder auf Wacken spielen. Mal sehen, ob’s dieses Jahr klappt. Vielleicht klappt’s nächstes Jahr. Das wäre einer meiner größten Wünsche.
P. H.: Ja, hätte ich jetzt auch gesagt. Wir wünschen uns, wie immer, eine geile Festivalsaison, wobei wir die sowieso haben werden. Wir wünschen uns eine schöne Tour, und ich wünsch mir – es ist noch eine Woche bis zur Tour – ich wünsch mir, dass es jetzt sofort losgeht!

K. C.Abschließende Worte? 
H. F.: Es ist wieder soweit… Wir machen das hin und her!
H. F. und P. H. (abwechselnd): Es ist wieder so weit, dass ich und der Hauptmann vorhin was gesungen haben und geil sind!
P. H. (lacht): Ja!
H. F. : Auf…
P. H. (reckt die Arme und zeigt auf mich): Dich!
H. F. und P. H. (abwechselnd): Es freut uns, dass wir
H. F.: Warum? Ich bin rausgekommen… äh…
H. F. und P. H. (abwechselnd): Der geile Haufen Feuerschwanz zusammen mit Saturn Erlangen Arcaden eine so tolle Kooperation äh… gesoffen haben!

 

Interview mit Jeremias Meinhard

Tim Burton meets Beth Ditto

„Mein Schaffen ist kryptisch“, so beschreibt es Jeremias Meinhard selbst. Mit einer Mischung aus Entertainment, Metal und Alice im Wunderland begeistert er in diesem Jahr das Publikum. Am 16.04.11 ist er im „Spectaculum Mundi“ in München zu sehen und zu hören. Mitten in den Vorbereitungen nahm er sich dennoch Zeit für ein Interview.

Kyra Cade: Wann und wie bist Du zur Musik gekommen?
Jeremias Meinhard: Dieses scheint mir eine sehr schwer zu beantwortende Frage…
Die Musik ist wohl eher zu mir gekommen, auf eine lauernde, schleichende Art und Weise, im Laufe von Äonen mannigfaltiger Reinkarnationen… Musik, in der von mir kreierten Form des „Grotesque Rock“, lässt all die Facetten meines visionsgeplagten Daseins wirken. Ich bin erfüllt von Dankbarkeit ob dieser schillernden Erscheinungsform der Tollheit.

K. C.: Welche Vorbilder hast Du, welche Einflüsse prägen Dein Schaffen?
J. M.: Auf‘s Neue eine Frage, welche ich am liebsten mit einem Roman beantworten möchte.
Ich versuche die Replique auf Essaylänge zu reduzieren. Zu meinen Vorbildern gehören viele Menschen, meist haben sie jedoch mit Musik nichts, oder wenig zu tun. Der 14. Dalai Lama gehört erstrangig zu diesen, aber auch weltlichere Existenzen, wie zum Beispiel Karl Lagerfeld. Es gibt da auch ein bezauberndes chinesisches Restaurant, dessen liebevolle Belegschaft mich immer wieder durch ihr Talent, Motivation und rückhaltlosen Humor begeistert. Dergleichen vorbildliche Menschen gibt es noch unzählige weitere, selbstverständlich auch unter den Konzertbesuchern. In deren Reihen finden sich so viele anständige, verrückte, talentierte, verführerische, feinfühlige Menschen, dass es mir ein Vergnügen ist, für sie immer neue Welten zu erschaffen. Vielleicht prägt und inspiriert mich dieses auch am Nachhaltigsten. Mein Schaffen ist teilweise auf subversive Weise extrem kryptisch, esoterisch und multidimensional. Daher bereitet es mir große Freude, wenn ich beim Parlieren nach dem Konzert immer wieder feststelle, dass es viele Menschen gibt, die mein Werk durchblicken und erfassen wollen. Sehr vorbildlich, von Seiten der Gefolgschaft, sich dergestalt intensiv mit dem Schaffen eines Künstlers zu beschäftigen. Aber auch das Leben selbst ist ein sehr prägender Einfluss. Man beachte Perlen der Natur, wie das madagassische Aye-Aye, eines meiner Lieblingsgeschöpfe.

„In Bitterfeld bangte ich um meine sexuelle Integrität“

K. C.: Was war das bisher prägendste Bühnenerlebnis, der beste Auftritt?
J. M.: Liebste Mademoiselle Kyra, du verstehst es auf‘s Trefflichste, knappe Fragen zu stellen, deren Beantwortung mich zu exzessiven verbalen Ausschweifungen verführen …
Jede musikalische Séance prägt mich natürlich individuell, eben nicht zuletzt, weil das Publikum der maßgebende Faktor ist. So ist es sehr spannend und schön, wenn man in eine fremde Stadt kommt und dort das Publikum teils Texte mitsingt, teils Tänze vorbereitet hat, teils gar mit Präsenten aufwartet. Aber auch wenn die Gäste zunächst einen Sicherheitsabstand halten und äußerst kritisch meine Erscheinung beäugen, sich jedoch im Laufe der Darbietung überzeugen lassen, ist dies ein schönes Erlebnis. In Bitterfeld nahm dieses Phänomen Ausmaße an, die mir wohl noch lange im Gedächtnis bleiben werden: Zu Beginn des Ereignisses stand das werte Publikum eng an die Wände des Etablissements gedrängt, am Ende hingegen wurde Zugabe um Zugabe gefordert, und meine Livemusiker und ich mussten um unsere Kleidung und sexuelle Integrität bangen …

K. C.: Mit welchen Künstlern würdest Du gerne einmal zusammenarbeiten – und warum?
J. M.: Im musikalischen Bereich fände ich es sehr spannend, mit der werten Dame Beth Ditto ein Duett zu singen. Dies wäre sicher auf diversen Ebenen ein sehr vielversprechendes künstlerisches Unterfangen. Bezüglich nicht vordergründig der Musik verhafteten Künstlern, könnte ich mir sehr gut ein Projekt mit dem Herrn Tim Burton vorstellen, dessen Blick auf die Welt meinem vermutlich nicht ganz unähnlich sein dürfte. Mir kommt gerade zu Gemüte, dass ich diese Frage in zwei Sätzen beantworten konnte. Man möge mir dies zugute halten.

K. C.: Auf Deiner Homepage werden Deine Auftritte als „schonungslose Reise zum inneren Selbst“ beschrieben. Was hat man sich darunter vorzustellen, wenn man Jeremias Meinhard noch nicht kennt?
J. M.: Meine Zuversicht bezüglich der schlichten Beantwortung der Fragen schwindet auf‘s Neue. Wie eingangs erwähnt, drücken sich viele Formen meines seelischen Verwirrungszustandes und meiner visionären Eingebungen in meiner Kunst aus. Dieses beinhaltet Träume, Albträume, auch meine ureigenen Unzulänglichkeiten, Grundängste, traumatische Erfahrungen bis hin zu Zukunfts- und Vergangenheitsvisionen und dergleichen inspirierende und verstörende Geschenke des Lebens. Diese verwandele ich in musikalisch-visuelle Kunstobjekte, welche ich dann der geneigten Hörerschaft darbiete. Ganz aktuell in Anlehnung an die Charaktere aus Lewis Carroll’s erstem Alice-Roman. Ein Exempel: Meine neurotische Liebe zum Detail und das Gefühl, vom irdischen Dasein permanent unter Druck gesetzt zu sein, findet Ausdruck in Form des „Mr White Rabbit“, dem im kommenden Album ein Lied und auch eine eigens angefertigte Robe gewidmet ist. Der dem Stile des Gewandes angepasste Haarschnitt allein ist ebenfalls auf‘s Äußerste schonungslos.

Ein Nichtgeburtstagstisch und ein eigenes Kaiserreich

K. C.: Was erwartet uns am 16.04.11 im „Spectaculum Mundi“ in München?
J. M.: Es erwarten die werten Teilnehmer der zweiteiligen musikalischen Séance, neben vielen anderen Stücken, beinahe alle Lieder des kommenden Albums Beyond Wonderland. Hierzu werde ich die Energien vieler Figuren aus dem Wunderland beschwören und diese Besitz von mir ergreifen lassen. Die geneigte Zuhörerschaft hat überdies gar die Möglichkeit, durch Erwerb der Karten im Vorverkaufe und Erscheinen in einer vom Wunderland inspirierten Robe, eine Reservierung am Nichtgeburtstags-Tische der Mad-Tea-Party, vorzunehmen, und dort gegebenenfalls mitgebrachte Backwaren zu verzehren. Hierzu verweise ich auf facebook.com/jeremias.meinhard, oder auch jeremias-meinhard.com.
Mit Unterstützung illustrer Gäste auf der Bühne wird ein musikalisches Spektrum geboten, welches sich als unerhörte Mischung von Folk, Klassik, Musical, Gothic und Metal darstellt – der zuoberst genannte „Grotesque Rock“. Des Weiteren werde ich dieses Mal auf‘s Neue diverse Garderobe am Leibe tragen, nicht zuletzt, da ich sehr leicht zur Unterkühlung neige.

K. C.: Zukunftspläne, angedachte Projekte, Ziele – Wie geht es weiter mit Jeremias Meinhard, auf was darf sich das Publikum freuen?
J. M.: Der langfristige Plan beinhaltet selbstverständlich das Errichten eines eigenen Kaiserreiches, in dem Ökologie, Sinnlichkeit, Kreativität und das glamouröse Groteske zu den obersten Leitfäden zählen.
Zunächst jedoch werde ich mich auf die Fertigstellung des „Beyond Wonderland“-Projektes konzentrieren. Hierfür konnte ich unter anderen die Produzenten John Fryer (HIM), Erik Damköhler (A Life Divided) und Alex Klier (Die Ärzte) gewinnen. Im, dem Album beigefügten, Photomaterial erwarten das Publikum ein gutes Duzend aufwendig gestalteter Roben, in schaubildhaften Szenerien magischer Opulenz gebührend zu Bilde gebracht. Natürlich baue ich weiterhin in ergebener Dankbarkeit auf die vorbildliche Unterstützung und hohe Erwartungshaltung, wie ich sie bereits jetzt von den treusten und loyalsten unter den Wahnsinnigen in meiner Gefolgschaft erfahre. Diese ist auch nötig, um meine Visionen – deren unzählige es gibt – in bestmöglicher Qualität und größtem Umfange mit vielen Menschen teilen zu dürfen. Schließlich ist es meine ehrenvolle Mission, unsere Welt mit Hilfe des „Grotesque Rock“ und seinen kreativen Anhängern auf ganz besondere Weise zu verzaubern. Es werden dringend mehr Burgen, Schlösser, Hexenhäuser und dergleichen gebraucht.