Interview mit Milou Manouche von Des Koenigs Halunken

Liebestolle Sultane und rachsüchtige Feen

Des Koenigs Halunken haben zuletzt Anfang April als Support für Coppelius in München und Stuttgart gespielt. Dabei wandelte sich anfängliche Skepsis des Auditoriums rasch in Begeisterung um. Die fünf Schweizer erzählen mit alten und neuen Instrumenten und viel Geschick ihre Erlebnisse als Hofstaat König Neidhelms und von ihrer „Irrfahrt“. Dabei wechseln sich mittelalterliche Klänge und echter Rock ab. Milou Manouche, Texter und Sänger der Halunken hat uns einige Fragen beantwortet.

Kyra CadeDie Halunken sind in Deutschland bisher nur einem kleinen Publikum bekannt. Stellt euch doch mal bitte kurz vor.
Milou Manouche: Wir sind ein bisschen verrückt (*grins*). Das liegt nicht daran, dass wir aus der Schweiz kommen, sondern weil wir fünf Musiker mit viel zu viel Phantasie sind. Die müssen wir irgendwo ausleben: Bei des Koenigs Halunken können wir das. In unseren Geschichten finden märchenerzählende Irrlichter ebenso Platz wie liebestolle Sultane oder rachsüchtige Feen. All diese Ideen landen in Folkrockliedern und bilden zusammen eine ganze Geschichte.

K. C.Was macht euch aus?
M. M. : Wir sorgen für Spaß, gute Unterhaltung und Tanz. Fünf abgefahrene Figuren in schillernden Kostümen erzählen in einer kurzweiligen Märchenrockshow eine zusammenhängende Geschichte. Mittlerweile ist eine richtige Halunkenwelt entstanden.

K. C.Ihr bezeichnet euer momentanes Programm als „Märchen-Rockshow“. Das ist ein beeindruckender Stilmix. Was erwartet das geneigte Auditorium? 
M. M. : Als Konzeptband verweben wir unsere zahlreichen Ideen zu einem Geschichtenteppich, in welchem unsere Märchenrocksongs zu einem Ganzen verknüpft werden. Wer Des Koenigs Halunken besucht, der kann nicht nur zu unseren Liedern rumhüpfen, er erlebt auch eine Geschichte. In seinem neusten Abenteuer verschlägt es König Neidhelm den Neunundsechzigsten samt Hofstaat in eine unterirdische Stadt – und dort ist die Hölle los! Jeden Sonntag trifft sich das Volk in der Arena und wohnt den abgefahrensten Zirkusspielen bei. Da stehen Gourmet-Kannibalen genauso auf dem Programm wie ein nackter Kaiser. Sogar ein Fremdling aus der gefürchteten Oberwelt tritt auf und stellt mit seinen Geschichten die halbe Unterwelt auf den Kopf.

Göttervater anstelle des Göttervaters 

K. C.: Das aktuelle Album heißt „Irrfahrt“. Darin werden Kannibalen, Barbaren und Feen besungen, aber ihr habt auch Elemente aus Märchen übernommen, beispielsweise in „Mantje“. Welche Märchen oder Geschichten haben euch am meisten beeinflusst? 
M. M. : Es gibt eine Menge. Wir lassen uns da keine Beschränkungen auferlegen. Auf der Irrfahrt ist wohl das Leitthema, dass der Größenwahnsinnige immer scheitern muss, weil er das Maß verloren hat. Trotzdem geht das Leben auf irgendeine Art und Weise immer weiter – das ist mir bei meinen Texten wichtig und auch eine Art Lebenseinstellung der Halunken. Im Lied „Schlafwandler“ zum Beispiel ertrinkt die Hauptfigur am Ende im Sumpf, aber sie lebt weiter in einem Spiel, dass die Kinder von da an des Nachts spielen.

K. C.Ihr habt im Booklet eures Albums ein amüsantes Trinkspiel namens „Irrfahrt“. Spielt ihr dies gegeneinander oder ist Seine Majestät Neidhelm der 69ste von vornherein Sieger und somit „Göttervater anstelle des Göttervaters“? 
M. M. : Hehe. Ja, wenn ein König dieses Spiel mitspielt, dann darf er die Regeln auslegen wie er will, so steht es geschrieben. Wir spielen es aber nicht mehr so oft, weil man danach immer nackt, sternhagelvoll und ziemlich bekleckert ist *grins*.
Wer sich übrigens die Mühe macht, die geographischen Namen im Spiel zu entschlüsseln, wird dabei eine ganze Menge Anagramme und Wortspiele über Musikgruppen aus der Mittelalterszene entdecken.

K. C.: In den vergangenen fünf Jahren seid ihr ein wenig herumgekommen und habt so manche Irrfahrt hinter euch gebracht. Welche Erlebnisse sind in besonderer Erinnerung geblieben? 
M. M. : Die Konzerte mit Schandmaul im Frühling waren ein tolles Erlebnis und werden uns bestimmt noch eine Weile in Erinnerung bleiben. Überhaupt finden wir Reisen nach Deutschland und Österreich spannend – wir erhalten immer neue Ideen und die guten Feedbacks aus dem Publikum ermutigen uns. Alle Irrfahrten, die wir so erlebt haben, will ich gar nicht aufzählen hier, da wir uns sowieso fast jedes Mal verfahren. Vor allem Hauptmann Schädel ist in dieser Hinsicht ein Spezialist.

K. C.: Eure Reise nach Deutschland Anfang April, wo ihr Support von Coppelius wart, erwies sich teilweise als nicht ganz unproblematisch. Falsche Wege, Polizeikontrollen und ein überladener Transporter haben euch aufgehalten (nachzulesen Tourbericht ). Bieten diese Erlebnisse genug Stoff für ein neues Album „Irrfahrt Vol. 2“? 
M. M. : Nee, nee… über Irrfahrten haben wir genug erzählt. Aktuell spielen wir ja schon Songs aus einer noch unveröffentlichten Scheibe, welche in einer geheimnisvollen Unterwelt voller Maschinen und Fabriken spielt. Es ist zwar nicht gerade üblich, Songs vor der Veröffentlichung des Albums zu spielen, aber wir hatten einen Besetzungswechsel letzten Sommer und wollten mit neuen Stücken antraben, fanden aber noch keine Zeit für eine CD-Produktion. Das holen wir diesen Herbst nach, ihr könnt euch also schon auf eine dritte Scheibe freuen.

Foto: Des Koenigs Halunken

K. C.Das Debütalbum „Spieglein, Spieglein“ erzählt vom Niedergang des Königreiches Egozentria. Wie sehr leiden Seine Majestät und die verfluchten Hofleute heute noch darunter? 
M. M. : In der aktuellen Besetzung leben wir als Nachfahren des ursprünglichen Königs in einer Unterwelt. Der Fluch wurde uns also weitervererbt, unsere Generation hat die ganze Geschichte mit dem Untergang aber schon ziemlich hochstilisiert und denkt, König Neidhelm III sei der Größte gewesen, obwohl er in Wirklichkeit ein armseliger Verlierer war. Vor der Idealisierung alter Geschichtsbilder sind eben auch die Halunken nicht gefeit .

K. C.Es gibt außerdem eine CD, auf der nur instrumentale Stücke zu hören sind. „Us em Gjätt“ wurde aber nicht unter eurem Namen veröffentlich, sondern unter „Koenix“. Könnt ihr kurz etwas zu diesem Album sagen?
M. M. : Koenix ist das Akustikprojekt der Halunken. Die Besetzung ist teilweise anders. Mit Koenix sind wir im Sommer viel unterwegs auf allen möglichen Mittelalterfesten und -märkten. Highlight ist jeweils die Mittelalterwoche in Visby auf Gotland (Schweden). Koenix zeichnet sich durch treibende Rhythmen aus und ist ungemein tanzbar. Übrigens sind auch zwei gesungene Lieder auf der Scheibe, allerdings singen wir bei Koenix in der Sprache unserer Heimat, in Schweizerdeutsch.

Fünf Jahre Halunken 

K. C.Am 24.06.2006 hattet ihr euren ersten Auftritt. Dieses Jahr steht also das fünfjährige Jubiläum an. Habt ihr Aktionen geplant, feiert ihr diesen Tag besonders? 
M. M. : Ja, klar feiern wir diesen Tag! Am Spaktekel-Burgruinenfest werden wir, wie vor genau fünf Jahren, wieder spielen. Wir haben ein spezielles Programm geplant, Einzelheiten dürfen wir aber noch nicht verraten. Sicher ist: Wir werden uns einmal nicht an unsere sonst eiserne Regel halten, eine zusammenhängende Geschichte erzählen zu wollen. Vielleicht graben wir das eine oder andere Lied aus, das wir nie mehr gespielt haben.

K. C.Welche Ziele haben die Halunken, welche Projekte sind geplant? Wird man in Zukunft mehr von euch hören und sehen können?
M. M. : Wir haben fest vor, vermehrt in Deutschland zu spielen. Am 29. April sind wir beispielsweise an einem Mittelaltermarkt in Bernburg (irgendwo zwischen Leipzig und Magdeburg) anzutreffen, am 10. September dürfen wir das Festival Mediaval in Selb beehren. Hauptsächlich arbeiten wir aber diesen Sommer aber an unserer dritten Halunkenscheibe, mit der wir dann zu Beginn des Jahres 2012 auf Tour gehen wollen.

K. C.: Ein paar Worte zum Abschluss? 
M. M. : Huch. Ein bewegendes Schlusswort? Da fällt mir nie was Gescheites ein. Aber ich hätte einen Wunsch, einen letzten Wunsch: Kommt uns doch mal gucken und hören! Wir würden uns riesig freuen

Die Halunken sind am 29.04.11 beim einem 16. Walpurgis / Ritterturnier auf Schloss Bernburg zu sehen, und am 10.09.11 auf dem Festival Mediaval in Selb

 

Interview mit Le Comte Caspar (Coppelius)

Geh mal ein Risiko ein

 

Le Comte Caspar, Klarinettist und Sänger des „Kammercores“ Coppelius hat für das neue Album „Wunsch ist Wunsch“ von Feuerschwanz ein Lied geschrieben. Mit „Jungfernkranz“ begibt er sich auf neue musikalische Wege und stand für eine kurze Befragung zur Verfügung.

Kyra Cade: Werther Comte Caspar, zur Überraschung vieler ist auf dem neuen Silberling der Gruppe Feuerschwanz ein Liedlein zu finden, das Ihnen zugeschrieben wird. Wie kommt es denn dazu? 
Le Comte Caspar: Wir haben die Kapelle Feuerschwanz öfter auf Festivals getroffen, ein lustiger Haufen! Eines Abends kam es nach einem schönen und anstrengenden Konzerttag zum kulturellen Austausch: Hauptmann Feuerschwanz lieh mir sein Lieblingstrinkhorn, gefüllt mit Met, und ich ließ ihm durch Bastille einen Absinth bereiten. Berauscht von den unbekannten Getränken kamen wir auf viele wirre Gedanken. Als der Kater abgeklungen war, blieb die Idee hängen, ein Lied für den Haufen zu schreiben.

K. C.Bereitete es Ihnen Vergnügen, einmal einen Liedtext zu schreiben, der in dieser Form, Sprache und mit den sexuellen Anspielungen nicht zu dem bisher bekannten coppelianischen Liedgut passt? 
LCC: Genau! Es war wie Urlaub! Wussten Sie übrigens, dass Carl Maria von Weber bereits im 19. Jahrhundert ein Stück zum Thema „Jungfernkranz“ geschrieben hat? Im „Freischütz“, wo es übrigens auch einen Max und einen Kaspar gibt! Das Lied wurde damals in jeder Gasse gepfiffen!

K.C.Ist „Jungfernkranz“ eine einmalige Ausnahme, oder wird man in Zukunft mehr Melodien oder Texte von Ihnen fernab von Coppelius finden können?
LCC: Wir werden sehen. Bis jetzt habe ich nichts Konkretes vor dem inneren Ohr, doch so ein Ausflug in andere musikalische Richtungen ist immer ein großer Spaß! Auch wenn man dabei in den sauren Apfel beißen muss, für galvanische Gitarren zu schreiben.

Man soll nichts spalten, was die Welt zusammenhält 

K. C.Bleiben Sie Coppelius dennoch treu oder sind Sie die ständigen Auseinandersetzungen mit Herrn Coppella leid? Diese gipfelten ja sogar in Handgreiflichkeiten, wie der aufmerksame Zuschauer sehen konnte. [Anm.: Anspielung auf den Clip „Risiko“, zu sehen bei youtube]
LCC: Keine Angst! Wie könnte ich es auch nur einen Tag ohne die ständigen Sticheleien und Streitereien mit Max Coppella ertragen! Und wenn ihm in Zukunft eines meiner neuen Werke missfällt, so kann ich glaubhaft damit drohen, dass es dann doch ebenso gut auch eine andere Kapelle spielen könnte!

K. C. Nun sind die Herren von Feuerschwanz älter als Sie selbst, was ein seltenes Phänomen ist. Das Mittelalter trifft auf einen Herrn des 19. Jahrhunderts. Wer lernt hierbei von wem – und was? 
LCC: Wenn die Herren und Damen Feuerschwanz eine tiefergehende musikalische Analyse wagen, was ihnen aufgrund der vorliegenden Partitur nicht schwerfallen sollte, so können sie viel über raffinierte Mehrstimmigkeit lernen! Max Coppella im Übrigen auch! Und ich habe so einige derbe Zoten vom Haufen gelernt, die hier wiederzugeben mir meine gute Erziehung und mein natürliches Schamgefühl verbieten!

K. C.„Wunsch ist Wunsch“ – Was wünscht sich Le Comte Caspar?
LCC: Eine gute Frage! Wie viele Seiten Platz werden mir gewährt, um sie zu beantworten?
Nun, ich will mich auf das Dringendste beschränken: Ich wünsche mir, dass die Landsleute unseres japanischen Schlagzeugers Nobusama die fürchterlichen Katastrophen in ihrem Land möglichst schnell und möglichst gut überwinden können. Ich habe zwar schon immer gesagt, dass man nichts spalten sollte, was die Welt zusammenhält, aber nun ist es zu spät.
Die hochgeschätzten Fanatiker unserer Kapelle überlegen sich gerade auch eine Spendenaktion für Japan, das ist sehr anständig von ihnen!
Und natürlich wünsche ich mir, dass der „Jungfernkranz“ bei der Gefolgschaft der Kapelle Feuerschwanz gut ankommt!

Le Comte Caspar wird sich ab Freitag, 01.04.11, auf erneute „Konzertante Reise zum Ruhme des Zinnober“ begeben, natürlich mit den Herren von Coppelius. Erst in der letzten Woche erschien die Musikvideographie zu Risiko, welche auf youtube zu sehen ist. In dieser Woche, also nur kurze Zeit vor der konzertanten Reise, veröffentlicht Coppelius ein neues Musikstück – vorerst allerdings nur im Internet zu hören. 

Interview mit Feuerschwanz

Der Champion im Metvernichten 

Da wurden Wünsche wahr. Am vergangenen Freitag traten Feuerschwanz im Saturn in den Erlangen Arcaden auf. Das Unplugged-Konzert mit anschließender Autogrammstunde lockte über hundert freiwillige – und unfreiwillige – Zuhörer an, die den Rittern Gehör schenkten. Gespielt wurden „Henker“, „Latte“, „Met und Miezen“ und „Wunsch ist Wunsch“. Zum Abschluss bildete sich der beliebte Lindwurmschwanz, angeführt von Prinz Hodenherz III., der fasziniert mit Hilfe der „magischen Treppe“ [Anm.: Rolltreppe] zwischen Keller- und Erdgeschoss pendelte. 
Am Donnerstag beginnt die „Wunsch ist Wunsch“-Tour 2011 in Hamburg. Davor nahmen sich Hauptmann Feuerschwanz und Prinz R. Hodenherz III. Zeit für ein Interview.

Kyra CadeFeuerschwanz! Das vierte Album mit dem Titel Wunsch ist Wunsch ist vor einer Woche in den Handel gekommen. Bei amazon.de belegt das Album bereits Platz 427 der Bestsellerliste, damit liegt ihr weit vor den neuesten Alben von Coppelius, Subway to Sally oder Saltatio Mortis – und hinter Herbert Grönemeyer. Ein schönes Gefühl?
Prinz Hodenherz: Echt? Ich hab das nicht so mitverfolgt, ich versteh das Internet gar nicht.
Hauptmann Feuerschwanz: Schönes Gefühl, klar. Das sind natürlich so zeitweilige Ereignisse und Ergebnisse, die ganz nett und schön sind. Was zählt sind natürlich die Mischung aus Gelagen, Konzerten und CD-Verkauf.
P. H.: Also man macht das nicht zum CD-Verkauf, will er damit sagen, oder?
H. F.: Ich will damit sagen… Ja! (lacht)

K. C.: Viele Fans und Kritiker sagen, Feuerschwanz hat sich weiterentwickelt mit Wunsch ist Wunsch. Ein bisschen moderner ist eure Musik damit, manche sagen aber auch, ihr seid eurem Stil untreu geworden. Ist etwas wirklich neu, oder seid ihr euch treu geblieben? 
P. H.: Klar sind wir uns treu geblieben. Was sollen wir denn sonst machen?
H. F.: Obwohl untreu natürlich ein Wort ist, dass bei Feuerschwanz durchaus sein darf. Es ist so, dass wir uns tatsächlich weiterentwickelt haben. Es ist auch schön, dass einige das bemerkt haben in der Presse, und wir haben unser Liedpotential erweitert. Wir singen jetzt auch hin und wieder über andere Geschichten, zum Beispiel der Henker, der Landschaftsgärtner sein will. Es nehmen auch viele Leute wirklich gut auf und ich denke, die wirklichen Fans nehmen es sogar noch besser auf als die Kritiker, sag ich jetzt mal. Weil letztlich, was die so schreiben, da werden wir immer einen schweren Stand haben, bis wir dann so eine Größe wie Herbert Grönemeyer erreicht haben, dann…
P. H.: Der könnte ja jetzt ein neues Album über Saufen und Ficken machen!
H. F.: Genau! Alle würden sagen, ja, das ist sehr hintergründig von ihm, dass er das tut. Wir brauchen einfach noch ein bisschen Zeit.

„Manche Hardcorepornos sind auch recht freizügig“

K. C.Eure Lieder befassen sich viel mit Alkohol und sexuellen Anspielungen, wodurch sich die heutige Jugend auch negativ angesprochen fühlen könnte. Schwingt da nicht auch ein bisschen Verantwortung mit?
H. F.: Es ist ganz interessant, was ich im Laufe der Jahre für Erfahrungen mit diesem Thema gemacht habe. Ein ganz kleines Beispiel aus Berlin: Da schrieb uns eine Gruppe Jugendliche an, die Alkoholentzug machen in einer Einrichtung. Die wollten unbedingt auf ein Feuerschwanz-Konzert kommen, weil sie die Musik so gut finden. Wir haben ihnen Gästelistenplätze gegeben und ich hab mich kurz unterhalten mit ihnen. Man muss es auch mal so sehen, dass es ein bewusstes Auseinandersetzen mit Alkohol ist, natürlich auch mitten in medias res. Allerdings für jemanden, der Entzug gemacht hat, ist ein Feuerschwanz-Konzert, wo er trocken bleiben kann, die höchste aller Stufen. Dann hat er es wirklich geschafft!
P. H.: Du meinst sexuell gesehen, dass wir Verantwortung haben gegenüber den Jugendlichen, um sie nicht zu versauen wahrscheinlich, oder?
K. C.Na ja, wenn man sich manche Lieder anhört, die sind ja schon sehr freizügig. 
P. H.: Klar, das ist ja sehr bewusst gemacht.
H. F.: Wenn man sich manche Hardcorepornos anschaut, dann sind die auch recht freizügig. Man kann sich im Internet so einiges ansehen.
K. C.Für einen 14-Jährigen zum Beispiel ist es aber schwierig.
H. F.: Vielleicht!
P. H.: Für einen 14-Jährigen ist es Aufklärung! Der kann danach entspannter mit dem Thema umgehen, weil’s mal offen gesagt wurde.
H. F.: Das stimmt. Also, gerade für einen 14-Jährigen ist das Thema Penis…
P. H.: Wenn er dann Schwanz, Schwanz, Schwanz gerufen hat…
H. F.: Genau… Es ist einfach Entspannung für ihn, dann hat er nicht mehr so große Angst davor.

K. C.: Bei dem Album haben diverse Gastmusiker mitgewirkt, u.a. hat Alea der Bescheidene von Saltatio Mortis euch bei „Symposium“ unterstützt und Le Comte Caspar von Coppelius hat sogar ein komplettes Lied, „Jungfernkranz“, beigesteuert. Wie kam es denn dazu? 
H. F.: Es war auch überraschend für uns, und dann haben wir‘s uns angehört und uns gleich in das Lied verliebt. Comte hat doch gewisse Seiten, die er vielleicht bei Coppelius nicht ganz ausleben darf…
P. H.: Deswegen will er auch mal Schwanz sagen dürfen.
H. F.: Kranz und Schwanz sind in seinem Lied sehr gut vertreten. Es hat uns sehr gefreut und wir machen so etwas gerne, wenn uns Leute gute Lieder schreiben.
P. H.: Wir sind ja schon sehr lange mit Coppelius befreundet, haben auch zusammen im E-Werk vor 4 Jahren ein Konzert gespielt. Wir kennen uns also schon eine Weile und da hat sich’s so ergeben.

K. C.: Können die geneigten Zuhörer von Feuerschwanz auf ein gemeinsame Projekte mit Saltatio Mortis, Coppelius oder anderen Bands rechnen, etwa in Form eines gemeinsamen Albums, oder auch nur eines Liedes inklusive Musikvideo? 
H. F.: Ich denke, die Freundschaft ist recht groß und da kann immer wieder etwas Kreatives dabei raus kommen.
P. H.: Haben wir ja diesen Sommer noch vor! Wer Feuerschwanz TV auf youtube verfolgt hat weiß, da gibt’s das Metvernichter-Spiel, das der Hauptmann und ich gegeneinander gespielt haben, und ich ihn überraschenderweise tatsächlich geschlagen habe! Den Champion im Metvernichten! Diesen Sommer wird die Revanche gestartet, mit einem Überraschungsgast. Du lagst mit Saltatio Mortis schon ziemlich nah dran.
K. C.Hat das was mit dem gestohlenen oder verlorenen Helm von Lanzeflott zu tun? 
P. H.: Ja, auch. Alles hat mit diesem Helm zu tun! [Anm.: Lanzeflott hatte im vergangenen Jahr seinen Helm verloren, dieser wurde von Saltatio Mortis „aufbewahrt“ und musste ausgelöst werden. Die Aufforderung von Saltatio Mortis an Feuerschwanz und die Auslöse sind auf Youtube zu sehen] 

Auf Wacken spielen 

K. C.Dann sind wir gespannt. Wenn man an Musik aus Erlangen denkt, fällt einem schnell JBO ein. Lustige Texte und partygeeignet. Ist das Zufall, liegt es an der Gegend oder sind sie Vorbilder? 
H. F.: Also, Zufall ist es nicht. JBO sind schon Vorbilder und es ist allerdings letztlich dann doch wieder ein bisschen zufällig, weil es einfach die Persönlichkeit von Hauptmann Feuerschwanz ist, so zu sein. Das hat mit JBO nicht viel zu tun. Sie sind allerdings für den, der Hauptmann Feuerschwanz erfunden hat doch Vorbilder gewesen. Also von allem ein bisschen was.
P. H.: Klingt ein bisschen schizophren, was du da sagst. (lacht)
H. F.: Ja!
P. H.: Aber wer Party machen will, muss es rauslassen und das haben wir mit JBO auf jeden Fall gemeinsam.

K. C.: Mit einigen Künstlern und Bands habt ihr bereits zusammengearbeitet. Wenn eine Fee erscheinen und euch einen Wunsch gewähren würde: Mit welchem Künstler / welcher Band würdet ihr gerne mal zusammenarbeiten? 
H. F.: Ich sag’s für den Prinz Hodenherz: MANOWAR! Und du sagst es für mich.
P. H.: Äh? Keine Ahnung.
H. F.: Na, Die Ärzte natürlich! (H.F. schlägt P.H. tadelnd auf die Schulterplatte, P. H. wehrt sich.)

K. C.„Wunsch ist Wunsch“ – Was sind eure Wünsche? 
H. F.: Auf jeden Fall bald mal wieder auf Wacken spielen. Mal sehen, ob’s dieses Jahr klappt. Vielleicht klappt’s nächstes Jahr. Das wäre einer meiner größten Wünsche.
P. H.: Ja, hätte ich jetzt auch gesagt. Wir wünschen uns, wie immer, eine geile Festivalsaison, wobei wir die sowieso haben werden. Wir wünschen uns eine schöne Tour, und ich wünsch mir – es ist noch eine Woche bis zur Tour – ich wünsch mir, dass es jetzt sofort losgeht!

K. C.Abschließende Worte? 
H. F.: Es ist wieder soweit… Wir machen das hin und her!
H. F. und P. H. (abwechselnd): Es ist wieder so weit, dass ich und der Hauptmann vorhin was gesungen haben und geil sind!
P. H. (lacht): Ja!
H. F. : Auf…
P. H. (reckt die Arme und zeigt auf mich): Dich!
H. F. und P. H. (abwechselnd): Es freut uns, dass wir
H. F.: Warum? Ich bin rausgekommen… äh…
H. F. und P. H. (abwechselnd): Der geile Haufen Feuerschwanz zusammen mit Saturn Erlangen Arcaden eine so tolle Kooperation äh… gesoffen haben!

 

Interview mit Jeremias Meinhard

Tim Burton meets Beth Ditto

„Mein Schaffen ist kryptisch“, so beschreibt es Jeremias Meinhard selbst. Mit einer Mischung aus Entertainment, Metal und Alice im Wunderland begeistert er in diesem Jahr das Publikum. Am 16.04.11 ist er im „Spectaculum Mundi“ in München zu sehen und zu hören. Mitten in den Vorbereitungen nahm er sich dennoch Zeit für ein Interview.

Kyra Cade: Wann und wie bist Du zur Musik gekommen?
Jeremias Meinhard: Dieses scheint mir eine sehr schwer zu beantwortende Frage…
Die Musik ist wohl eher zu mir gekommen, auf eine lauernde, schleichende Art und Weise, im Laufe von Äonen mannigfaltiger Reinkarnationen… Musik, in der von mir kreierten Form des „Grotesque Rock“, lässt all die Facetten meines visionsgeplagten Daseins wirken. Ich bin erfüllt von Dankbarkeit ob dieser schillernden Erscheinungsform der Tollheit.

K. C.: Welche Vorbilder hast Du, welche Einflüsse prägen Dein Schaffen?
J. M.: Auf‘s Neue eine Frage, welche ich am liebsten mit einem Roman beantworten möchte.
Ich versuche die Replique auf Essaylänge zu reduzieren. Zu meinen Vorbildern gehören viele Menschen, meist haben sie jedoch mit Musik nichts, oder wenig zu tun. Der 14. Dalai Lama gehört erstrangig zu diesen, aber auch weltlichere Existenzen, wie zum Beispiel Karl Lagerfeld. Es gibt da auch ein bezauberndes chinesisches Restaurant, dessen liebevolle Belegschaft mich immer wieder durch ihr Talent, Motivation und rückhaltlosen Humor begeistert. Dergleichen vorbildliche Menschen gibt es noch unzählige weitere, selbstverständlich auch unter den Konzertbesuchern. In deren Reihen finden sich so viele anständige, verrückte, talentierte, verführerische, feinfühlige Menschen, dass es mir ein Vergnügen ist, für sie immer neue Welten zu erschaffen. Vielleicht prägt und inspiriert mich dieses auch am Nachhaltigsten. Mein Schaffen ist teilweise auf subversive Weise extrem kryptisch, esoterisch und multidimensional. Daher bereitet es mir große Freude, wenn ich beim Parlieren nach dem Konzert immer wieder feststelle, dass es viele Menschen gibt, die mein Werk durchblicken und erfassen wollen. Sehr vorbildlich, von Seiten der Gefolgschaft, sich dergestalt intensiv mit dem Schaffen eines Künstlers zu beschäftigen. Aber auch das Leben selbst ist ein sehr prägender Einfluss. Man beachte Perlen der Natur, wie das madagassische Aye-Aye, eines meiner Lieblingsgeschöpfe.

„In Bitterfeld bangte ich um meine sexuelle Integrität“

K. C.: Was war das bisher prägendste Bühnenerlebnis, der beste Auftritt?
J. M.: Liebste Mademoiselle Kyra, du verstehst es auf‘s Trefflichste, knappe Fragen zu stellen, deren Beantwortung mich zu exzessiven verbalen Ausschweifungen verführen …
Jede musikalische Séance prägt mich natürlich individuell, eben nicht zuletzt, weil das Publikum der maßgebende Faktor ist. So ist es sehr spannend und schön, wenn man in eine fremde Stadt kommt und dort das Publikum teils Texte mitsingt, teils Tänze vorbereitet hat, teils gar mit Präsenten aufwartet. Aber auch wenn die Gäste zunächst einen Sicherheitsabstand halten und äußerst kritisch meine Erscheinung beäugen, sich jedoch im Laufe der Darbietung überzeugen lassen, ist dies ein schönes Erlebnis. In Bitterfeld nahm dieses Phänomen Ausmaße an, die mir wohl noch lange im Gedächtnis bleiben werden: Zu Beginn des Ereignisses stand das werte Publikum eng an die Wände des Etablissements gedrängt, am Ende hingegen wurde Zugabe um Zugabe gefordert, und meine Livemusiker und ich mussten um unsere Kleidung und sexuelle Integrität bangen …

K. C.: Mit welchen Künstlern würdest Du gerne einmal zusammenarbeiten – und warum?
J. M.: Im musikalischen Bereich fände ich es sehr spannend, mit der werten Dame Beth Ditto ein Duett zu singen. Dies wäre sicher auf diversen Ebenen ein sehr vielversprechendes künstlerisches Unterfangen. Bezüglich nicht vordergründig der Musik verhafteten Künstlern, könnte ich mir sehr gut ein Projekt mit dem Herrn Tim Burton vorstellen, dessen Blick auf die Welt meinem vermutlich nicht ganz unähnlich sein dürfte. Mir kommt gerade zu Gemüte, dass ich diese Frage in zwei Sätzen beantworten konnte. Man möge mir dies zugute halten.

K. C.: Auf Deiner Homepage werden Deine Auftritte als „schonungslose Reise zum inneren Selbst“ beschrieben. Was hat man sich darunter vorzustellen, wenn man Jeremias Meinhard noch nicht kennt?
J. M.: Meine Zuversicht bezüglich der schlichten Beantwortung der Fragen schwindet auf‘s Neue. Wie eingangs erwähnt, drücken sich viele Formen meines seelischen Verwirrungszustandes und meiner visionären Eingebungen in meiner Kunst aus. Dieses beinhaltet Träume, Albträume, auch meine ureigenen Unzulänglichkeiten, Grundängste, traumatische Erfahrungen bis hin zu Zukunfts- und Vergangenheitsvisionen und dergleichen inspirierende und verstörende Geschenke des Lebens. Diese verwandele ich in musikalisch-visuelle Kunstobjekte, welche ich dann der geneigten Hörerschaft darbiete. Ganz aktuell in Anlehnung an die Charaktere aus Lewis Carroll’s erstem Alice-Roman. Ein Exempel: Meine neurotische Liebe zum Detail und das Gefühl, vom irdischen Dasein permanent unter Druck gesetzt zu sein, findet Ausdruck in Form des „Mr White Rabbit“, dem im kommenden Album ein Lied und auch eine eigens angefertigte Robe gewidmet ist. Der dem Stile des Gewandes angepasste Haarschnitt allein ist ebenfalls auf‘s Äußerste schonungslos.

Ein Nichtgeburtstagstisch und ein eigenes Kaiserreich

K. C.: Was erwartet uns am 16.04.11 im „Spectaculum Mundi“ in München?
J. M.: Es erwarten die werten Teilnehmer der zweiteiligen musikalischen Séance, neben vielen anderen Stücken, beinahe alle Lieder des kommenden Albums Beyond Wonderland. Hierzu werde ich die Energien vieler Figuren aus dem Wunderland beschwören und diese Besitz von mir ergreifen lassen. Die geneigte Zuhörerschaft hat überdies gar die Möglichkeit, durch Erwerb der Karten im Vorverkaufe und Erscheinen in einer vom Wunderland inspirierten Robe, eine Reservierung am Nichtgeburtstags-Tische der Mad-Tea-Party, vorzunehmen, und dort gegebenenfalls mitgebrachte Backwaren zu verzehren. Hierzu verweise ich auf facebook.com/jeremias.meinhard, oder auch jeremias-meinhard.com.
Mit Unterstützung illustrer Gäste auf der Bühne wird ein musikalisches Spektrum geboten, welches sich als unerhörte Mischung von Folk, Klassik, Musical, Gothic und Metal darstellt – der zuoberst genannte „Grotesque Rock“. Des Weiteren werde ich dieses Mal auf‘s Neue diverse Garderobe am Leibe tragen, nicht zuletzt, da ich sehr leicht zur Unterkühlung neige.

K. C.: Zukunftspläne, angedachte Projekte, Ziele – Wie geht es weiter mit Jeremias Meinhard, auf was darf sich das Publikum freuen?
J. M.: Der langfristige Plan beinhaltet selbstverständlich das Errichten eines eigenen Kaiserreiches, in dem Ökologie, Sinnlichkeit, Kreativität und das glamouröse Groteske zu den obersten Leitfäden zählen.
Zunächst jedoch werde ich mich auf die Fertigstellung des „Beyond Wonderland“-Projektes konzentrieren. Hierfür konnte ich unter anderen die Produzenten John Fryer (HIM), Erik Damköhler (A Life Divided) und Alex Klier (Die Ärzte) gewinnen. Im, dem Album beigefügten, Photomaterial erwarten das Publikum ein gutes Duzend aufwendig gestalteter Roben, in schaubildhaften Szenerien magischer Opulenz gebührend zu Bilde gebracht. Natürlich baue ich weiterhin in ergebener Dankbarkeit auf die vorbildliche Unterstützung und hohe Erwartungshaltung, wie ich sie bereits jetzt von den treusten und loyalsten unter den Wahnsinnigen in meiner Gefolgschaft erfahre. Diese ist auch nötig, um meine Visionen – deren unzählige es gibt – in bestmöglicher Qualität und größtem Umfange mit vielen Menschen teilen zu dürfen. Schließlich ist es meine ehrenvolle Mission, unsere Welt mit Hilfe des „Grotesque Rock“ und seinen kreativen Anhängern auf ganz besondere Weise zu verzaubern. Es werden dringend mehr Burgen, Schlösser, Hexenhäuser und dergleichen gebraucht.